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ZYPERGRAS
Cyperus - Cyperaceae
VON DEM CYPERGRAß.
Der
Cyper oder wildt Galgangräser haben wir sechs underschiedliche Geschlechter.
l. Das erste Geschlecht deß Cypergraß hat eine zasechtige Wurtzel/
darauß wachsen lange Bletter/ den Blettern deß wildten Galgans ähnlich/ eines
Fuß oder anderthalb Spannen lang/ darzwischen schiessen herfür runde Halmen oder
Stengel/ die werden nicht viel uber Spannen hoch/ darauff wachsen gemeiniglich
drey oder vier Aehren eines Fingers lang/ die seyndt zusammen gefüget wie die
Roßkolben/ es wächset in den Matten/ und feuchten graßechtigen Gründen.
ll. Das zweyte Geschlecht hat ein lange/ gekrümbte Wurtzel/ mit
vielen zasechtigen Härlein behencket/ gleich wie die Wurtzel deß langen wildten
Galgans/ die kreucht tieff in der Erden hin und her/ die Bletter seynd anderhalb
Zwerchhandt lang/ spitz unnd haarechtig/ zwischen den Blettern wachsen dünne/
runde Halmen fast einer Spannen lang herauß/ darauff wachsen diecke
zusammengefügte Blumen/ gleich wie die Blumen an den Bintzen/ von Farben
dunckelgeel/ wie der Eisenrost. Es wächset in feuchten/ sandechtigen Graßgründen
auff dem Ostwaldt/ neben den Strassen/ unnd sonderlich bey dem Dorff Erlenbach/
unnd andern mehr dergleichen Orten.
lll. Das dritte Geschlecht hat ein zasechtige Wurtzel/ die ist
mosechtig wie die Bintzenwurtzel/ darauß wachsen lange Schwertelbletter/ gleich
den Blettern deß Jgelriedt/ die werden gemeiniglich anderthalb Elen hoch/
darzwischen schiessen herfür/ lange/ dreyeckechtige Stiel gleich dem wilden
Galgan/ die werden fast zweyer Elen lang/ darauff wachsen stechende Aehr auff
jedem Stiel eins/ einer Zwerchhandt lang/ die seynd von farben schwartzgeel. Es
wächst in wasserechtigen Orten in den stillstehenden Pfützen und Sümpffen.
lV. Das vierdte Geschlecht ist mit der mosechtigen/ zasechtigen
Wurtzel ndem jetztgemelten gleich/ die Bletter seynd nicht uber Spannen lang/
der gestalt halben den vorigen gleich/ allein daß sie kleiner seynd/ die Halmen
oder Stengel seynd dreyeckechtig/ anderhalb Schuch hoch/ darauff wachsen Aehr
die sind von gestalt und Garb den Bintzenähren ähnlich/ es wächset in
wasserechtigen Orten wie das vorig.
V. Das fünfft Geschlecht hat eine zasechtige Wurtzel/ die wachsen
von einem zasechtigen Haupt/ die Bletter seyndt schmal/ fast einer Spannen lang
und spitz/ gleich wie die gemeinen Graßbletter/ zwischen den Blettern stossen
herfür drey oder vier runder schmaler Hälmer oder Stengel eins Fuß lang/ darauff
wachsen auff jedem Stengel zween oder drey braungeeler Aehren/ eins Daumens
lang. Es wächst hin und wider in den feuchten Wälden/ an graßechtigen/
sandtechtigen Orten/ sonderlich aber in dem Ostwaldt/ in dem Lindenfelser
Gemarck.
Vl. Das sechst Geschlecht hat drey oder vier auch bißweilen mehr
langer/ schwartzer Wurtzeln/ die seyndt eines Kindtsfingers dick/ den Wurtzeln
deß wilden Galgans ähnlich/ die Bletter sind den Blettern deß wilde Galgans
gleich/ die wachsen nit allein von den Wurtzeln herauß/ sondern auch den stengel
hinauff/ der stengel ist dreyeckechtig einer Elen hoch/ darauff wachsen
zusammengetrungene/ geäherte Blümlein je fünff Aeherlein bey einander/ die
seyndt dunckelgeel/ wie Eisenrost. Es wächst allenthalben in wasserechtigen/
sümpffechtigen und mosechtigen Orten.
Von den
Namen deß Cypergraß.
Das Cypergraß wirdt von den Kreutlern GRAMEN CYPEROIDES oder
CYPERINUM genannt. Hochteutsch/ Cypergraß/ Zipergraß unnd wildt Galgangraß. Es
werden aber diese Kreuter zum Underscheidt anderer Graßkreuter derhalben mit den
obgemeldten Nahmen genannt/ daß sie entweder mit den Blettern oder mit den
stengeln/ Aehren oder den Wurtzeln/ ein Gleychheit mit dem wilden Galgan haben.
Die andern und ubrige Nahmen seyndt bey jhren Conterfeyten diese Kreuter zu
underscheiden verzeichnet.
Von dem
Gebrauch der Cypergräser.
Die Cypergräser seyndt von den Alten ohne Zweiffel als unnütze
Kreuter die weder dem Vieh oder Menschen/ nützlich noch dienstlich seynd/ nicht
beschrieben worden/ damit sie aber von den andern nützlichen und guten
Graßgeschlechtern unnd der Cyperwurtz underscheiden würden/ dieweil sie etlicher
massen ein Gleichheit mit demselben unnd den andern Graßgeschlechtern haben/
haben wir nicht underlassen wöllen dieselben zu beschreiben unnd zu
underscheiden/ darmit diesem unserm Werck nichts mangelte.