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ZITRONENGRAS
-KAMELGRAS
-OSTIND. GERANIUMGRAS
-RUSAGRAS
Cymbopogon schoenanthus - Gramineae
VON DEM KAMELENHEUW.
Dieweil wir an die Bintzen und Graßkreuter gerahten seyndt/ haben wir nicht underlassen
wöllen/ etwas von dem lieblichen und wolriechenden Kamelenheuw zu schreiben/ unnd
den andern Graßgeschlechtern unnd Bintzenkreutern dasselbe zu zugesellen. Es hat
das Kamelenheuw ein kleine/ zasechtige Wurtzel/ darauß wachsen lange/ außgespitzte
Bintzenbletter/ die seynd steiff und undenher dick/ wie die Wasserbintzen mit den
leibfarben Blumen/ allein daß sie etwas dünner seyndt unnd kürtzer/ wann sie dürr
werden/ so werden sie falb oder rotgeel/ zwischen den Blettern wachsen runden Stengel
herfür/ fast eines Schuchs lang/ am obern theil derselbigen hat es kleine/ geährte/
wollechtige Blümlein/ die wachsen zwischen kleinen Blätlein herauß den Stengel hinauff
biß zum Ende. Dieses gantze Gewächs hat ein lieblichen/ wolriechenden Geruch wie
ein Rose mit einem anmütigen Würtz- oder Specereyechtigen Geruch vermischet. Es
wächst in Arabien unnd in der Landtschafft ARABIAE NABATHAEA genannt/ unnd ist dasselbig
das beste. Nach diesem behelt das den Vorzug/ welches auch anderswo in Arabien wächset/
und von etlichen Babylonisch Kamelenheuw genannt wird. Das aller untüchtigst ist
das in Africa wächset. Das allerbeste das zu erwehlen ist/ soll Feuwerrot seyn/
mit vielen Blumen wol besetzt/ dünn/ subtiel/ unnd Purpurrot/ wann es zertheilet
wirdt/ wann es zerbrochen wirdt/ daß einen lieblichen Geruch von sich gebe/ wie
die Rosen/ scharpff/ und zanger an dem Geschmack/ räß und beissend auff der Zungen
mit einem fünckeln oder brennen.
Man hat lange
Zeit nur allein die Wurtzeln mit den stopffeln zu uns in diese Landt gebracht/ dann
in denen obgemeldten Landtschafften da es von sich selbst auff den Feldern unnd
außgetruckneten Pfülen wächset/ hat es ein grosse menge der Kamelen/ wie bey uns
die Hirtzen/ die fressen die Blumen mit dem obern theil als das zärtest und lieblichst
hinweg/ das wirdt alsdann mit der Wurtzeln außgeropfft/ und von dannen nach Alkeyer
und ALEXANDRIAM in Egypten geführet/ und umb ein gering Geldt verkauffet/ welches
hernachmals von ALEXANDRIA gen Venedig/ unnd fortan in andere Stätt EUROPAE geführet
wirdt. Wiewol wir nun lange zeit allein die Stopffeln mit den Wurtzeln gebraucht/
und uns damit begnügen müssen lassen/ so haben wir doch Gott lob nun auch durch
etlicher Materialisten Fleiß die Blumen bekommen/ welche nicht allein besonders
zu uns gebracht werden/ sondern auch das gantze Gewächs mit den Blumen. Die Blumen
aber werden in Jahrs frist als das subtielest theil unkräfftig/ und wann sie zwey
Jahr alt werden/ sind sie untüchtig und gar kein nütz mehr/ das Stro aber oder die
Stopffeln mögen zehen Jahr lang bey guten Kräfften erhalten werden.
Von den Namen
deß Kamelenheuws.
Das Kamelenheuw
wirdt gemeiniglich von den Griechen
genannt/ wiewol nun alle Bintzengeschlecht auch also genennet werden/ so ist doch
Kamelenheuw als das allerfürtrefflichste under allen Geschlechten von den Griechen
mit dem gemeldten Namen geehret worden/ dann wo sie in jhren Schriften des gemeldten
Namens in den Artzeneyen gedencken ohne weitern Zusatz/ so nennen sie das Kamelenheuw/
es werde gleich die Blumen die von jhnen
,
oder die Wurtzeln/ oder aber die Hälmer oder Stopffeln begehrt/ Weil dann wir so
viel Jahr in EUROPA der Blumen dieses Krauts gemangelt/ die fürnemblich von den
Alten gebraucht worden/ und wir an deren statt die Stopffeln mit den Wurtzeln haben
müssen gebrauchen/ so ist aus den ii. Griechischen Wörtern
ein einziges Wort gemacht/ und dz gantze Gewächs deß Kamelenheuws von den Griechen
genannt worden. Lateinisch/ TEUCHITIS, sonst heisset das Kamelenheuw Lateinisch/
IUNCUS ODORATUS, von AURELIO CELSO, IUNCUS ROTUNDUS, und von andern/ IUNCUS AROMATICUS
und SCHOENANTUM, von MARCO VARRONE, SQUINANTHUM, wie auch die gemeine Aertzet und
die Apotecker jhnen nennen/ von ALEXANDRO BENEDICTO, SYNANTHUM unnd SCHINANTHUM,
von den gemeinen Aertzten FOENUM CAMELORUM, STRAMEN CAMELORUM, PASTUS oder PASTURE
CAMELORUM, unnd PALEA CAMELORUM. Hochteutsch/ Cameelsheuw/ Cameelstro und Candischheuw/
etliche nennen es auch Squenanth.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschaft deßCameelheuws.
Das Camelenheuw
hat eine Krafft zu wärmen/ mit einer sanfften Astriction oder zusammenziehung/ und
einer subtielen Substantz. Man gebrauchet die Wurtzeln/ Halmen oder Stopffeln unnd
Blumen in der Artzeney/ die Wurtzeln seynd ein wenig herber unnd ziehen mehr zusammen
dann die Blumen und die Halmen.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Camelenheuws.
Die Blumen deß
Camelenheuws seynd gut getruncken wider das Blutspeyen/ unnd wider den schmertzen
deß Magens/ der Leber und der Nieren.
Wider den widerwillen
deß Magens unnd das erbrechen: Nim Camelenheuwwurtzeln oder seine Hälmer i.loth/
Pfefferkörner ein halb loth/ stoß zu einem subtielen Pulver/ und gib davon ein quintlein
schwer/ Morgens und Abends mit warmem Wein/ jedesmal so viel zu trincken.
Camelenheuw vor
sich selbst gepülvert und ein quintlein oder anderthalbs darvon mit einem Trüncklein
Weins zertrieben unnd warm getruncken/ vertreibt den Kluxen oder Heschgen/ von Kälte
verursacht/ unnd stärcket auch also genutzet den blöden Magen.
Oder nimb Camelenheuw
mit den Wurtzeln vier loth/ der eussersten Rinden von den Welschen Pimpernüßlein
zwey loth. Zerschneide das Camelenheuw klein/ vermisch es mit den Pistacienrinden/
thue diese beyde in eine Kannte mit einem Rockenteyg umb den Ranfft/ daß nichts
außriechen mag/ setze darnach die Kannte in einen Kessel mit siedendem Wasser/ und
laß auff die vier Stunden sieden in stäter Hitz/ darnach thue es herauß/ laß kalt
werden/ unnd seihe es durch ein Tuch/ und gib darvon Morgens unnd Abends/ jedes
mal vier untzen warm zu trincken.
Camelenheuw zu
Pulver gestossen und i.quintlein oder anderhalb mit fürnem Wein zertrieben unnd
warm getruncken/ vertreibet die auffblehungen deß Leibs.
Camelenheuw in
Pulver oder Geträncken gebrauchet/ ist eine edle Artzeney die blöde/ schwache Leber
zu stärcken/ dieselbe zu eröffnen unnd vor aller zerstöhrung und Fäulnus zu verhüten.
Wider den Schmertzen
der Leber von Windigen Blästen verursachet: Nimb Camelenheuw drey quintlein/ Galgan/
Zitwan/ jedes ein halb Loth/ Jndianisch Spicanarden anderthalb quintlein/ Näglein/
Muschatnüß/ jedes ein quintlein. Stosse alle gemelte Stück zu einem reynen Pulver/
und mach mit acht loth wol verscheumptem Honig ein Latwergen darauß/ und nimb allen
Morgen nüchtern ii. Stunden vorm Morgenessen/ deßgleichen auch vor dem Nachtesen
jedesmal i. loth darvon/ du wirst bald gute besserung befinden.
Oder nimb zwo
Untzen Camelenheuws/ schneide die klein/ und thue die in ein Kannte/ schüte darüber
xlviii. Untzen Wassers oder Weins/ je nach gelegenheit der Sachen/ verlutier die
Kannt und laß zum wenigsten ii. Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden/ unnd
wann es kalt worden ist/ so seihe es durch/ und gib dem Krancken allen Morgen iii.
oder vier untzen warm darvon zu trincken. Gemeldter Tranck dienet auch wider den
schmertzen im Leibe/ wider die erhartung deß Miltzes/ eröffnet die verstopffung
der Leber/ treibt den Wassersüchtigen Harn/ vertreibet die Harnwinde und das tröpfflingen
harnen/ fürdert den Weibern die gebürliche Monatblumen/ unnd dienet wider die Erhartung
deß Miltzes.
Ein Tranck auß
der gantzen Substantz deß Camelenheuws bereytet/ wie man den auß der Wurtzel CHINA
zu sieden unnd zu machen pflege/ wie an seinem Ort von der CHINA weiter Bericht
geschehen soll/ und denselben ordenlich xxx. oder xxxx. Tag nacheinander getruncken/
neben gebürlichen Purgatzen heylet die böse Frantzosen Kranckheit von Grund herauß/
unnd die vergiffte Contagion derselben.
Den verstandenen
Weiblichen Monatfluß sänfftiglich zu fürdern und wider zu bringen: Nimb Camelenheuw
drithalb loth/ Ferberrötwurtzel anderhalb loth/ Mutterzimmat i.loth/ Candischen
Dipdam iii.quintlein/ Muschatenblühet i.quintlein/ Saffran ein halbs quintl. Alle
obgemelte stück schneide klein/ thue sie in eine Kannte/ die verlutier wol/ unnd
laß vier Stunden lang also in einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach wann es kalt
worden ist/ so seihe den Tranck durch ein Tuch/ und gibe der bresthaften Personen
allen Morgen und Abend/ jedesmal zum wenigsten drey untz darvon warm zu trincken.
Oder nimb Camelenheuw
ein halb loth/ Muttercimmat/ Betonienkraut/ Veielwurtz/ Zimmatrinden/ Nardensamen/
wilden Galgan/ Haselwurtz die Wurtzel/ jedes ein Quintlein. Vermische diese Stück
wol zuvor ein wenig geschnitten/ darnach stosse sie wol in einem Mörser biß sie
dich düncken klein genug seyn/ als dann schlage sie durch ein härin Sieblein/ was
durchlaufft im Sieblein das theil in sechs gleiche theil ab/ unnd behalt ein jedes
besonder/ das grobe aber das im Sieblein blieben unnd nicht durchgangen ist das
thue in ein Känntlein/ und schütte darüber sechszehen untzen guts Weins/ stelle
das Käntlein in ein Pfannen mit Wasser/ lasse es ein viertheil stund darinnen sieden/
darnach stells hin uber Nacht/ deß Morgens seihe es ab durch ein Tüchlein/ nimb
darvon ii.Untzen wol gewägen/ zertreib eines von den sechs Pülverlein darinnen/
unnd lasse es die Weibsperson trincken so warm als sie es leiden kann deß Abends
wann sie zu Beth gehen wil/ unnd solches sechs Abendt nach einander/ biß sie die
obgemelten sechs Pülverlein gar verbraucht hat/ so wirstu ein gute Hülff sehen.
Camelenheuw zu
einem subtielen Pulver gestossen/ und eins quintleins schwer mit einem guten weissen
Wein vermischet und getruncken/ treibet den verstandenen Harn.
Wider den Blasenstein
macht man ein köstlich Pulver/ denselben außzutreiben unnd zu zermalen/ welches
offtermals an jungen und Alten erfahren ist/ wann der Stein noch nicht oben erhartet
wie ein Wacken/ dann wo das geschehen ist/ hilfft keine Artzney mehr under der Sonnen
die inen brechen oder außtreiben kan/ er were dann so klein daß er durch den Blasenzipffel
gantz kommen möchte: Nimb Camelenheuw drey loth/ STECHAS Blumen zwey loth/ bereytet
unnd auffgetrucknet Bocksblut/ Jüdenstein/ jedes ein loth/ mache alle gemelte Stück
zu einem reynen Pulver/ behalte es in einem Schächtelein/ davon nimb allen Morgen
unnd Abend ein quintlein/ biß das Pulver gar verbraucht wird/ ist er aber mit einer
Wackenhärtigkeit uberzogen/ so kann nichts mehr dann die Handwirckung mit dem schnid/
dedrowegen will ich menniglich gewarnet haben/ daß sie sich vor denen hüten/ die
uber solches versuchen die Leuth lang vergeblich mit jhrem erlogenen Zahnbrecher
geschwetz auffhalten und verkürtzen.
Wider den Schmertzen
der Nieren/ unnd der Blasen/ ein Experiment/ stosse Camelenheuw zu einem subtielen
Pulver und gib auff einmal drey quintlein mit Wein zertrieben warm zu trincken.
Camelenheuw zu
Pulver gestossen unnd ein quintlein oder anderhalbs mit Wein getruncken warm als
es geschehen kan/ vertreibet das reissen und schmertzen so den Weibern nach der
Geburt im Kindbeth zu kommen pflegt/ so sie diesen Tranck Morgens und Abends gebrauchen/
und darneben Camelenheuw in Wasser sieden und ein Lendenbad darauß machen/ daß sie
also bald sie den Tranck getruncken zum wenigsten ein Stund oder anderhalb darein
mögen sitzen.
Wider das Mutterkrimmen
es komme woher es wölle: Nim Camelenheuw anderthalb loth/ Jndianisch Spicanarden
drey quintlein. Schneide diese stück klein/ thue sie in ein Känntlein/ schütte daruber
Chamillenblumenwasser/ Mettramwasser/ jedes ix.untzen/ verlutier das Känntlein/
und stells in ein Pfann oder Kesselein mit Wasser/ und lasse es zum allerwenigsten
ein Stund sieden/ dann hebs herauß/ lasse es kalt werden/ und seihe es ab durch
ein Tuch/ und trinck darvon allen Morgen und Abend/ jedesmal fünff loth.
Man machet auch
ein herrlich Speiß oder Trinckwasser von dem Camelenheuw in vielen schwachheiten
und Gebrechen an statt deß Weins oder andern gemeinen Trancks nach notturfft den
Durst zu leschen zu trincken: Man nimbt gutes frisches Camelenheuw ein loth/ schneidet
das klein/ thuts in ein Kannt/ schüttet daruber anderthalb Maß/ oder ii. Maß frisch
Brunnenwassers/ verlutiert die Kannte wol zu/ unnd lasset es vier Stunden ion einem
Kessel mit Wasser sieden/ und wann es uber Nacht gestanden/ seihet mans deß Morgens
frühe durch ein Tuch/ und behaltet es zu täglichen gebrauch. Solches ist ein heylsamer
gesunder Tranck in schwachheiten deß Magens unnd schmertzen im Leib/ in dem Darmgegicht/
schmertzen der Nieren/ Blasen/ Leber und deß Miltzes/ und in allen obenerzehlten
Kranckheiten/ fast nutzlich vor einen gemeinen Tranck zu trincken/ darinnen man
keinen Wein trincken darff/ oder so doch der Wein erlaubet wirdt/ daß man jhn zum
drittentheil oder ja zum wenigsten zum vierten theil mit diesem Wasser vermische
und breche.
Eusserlicher
Gebrauch deß Camelenheuws.
Camelenheuw klein
geschnitten unnd in Wein gesotten/ unnd mit der durchgesiegenen Brühen den Mund
zum offtermal geschwenckt unnd außgespielet/ vertreibet den ubeln Gestanck desselben.
Das thut auch das Pulver von dem Camelenheuw so man das Zahnfleisch und die Zähn
offt darmit reubet.
Oder nimb die
Blumen von dem Camelenheuw drey loth/ Veielwurtz zwey loth/ gedörrt Saltz anderthalb
loth/ Bimßstein/ Candischdosten/ jedes ein loth. Solches alles stosse zu einem subtielen
Pulver unnd schlags durch ein härin Sieblein unnd behalts in einem Schächtelein/
mit diesem Pulver reib die Zähn/ das machet einen wolriechenden Mund unnd weisse
Zähn.
Camelenheuw klein
geschnitten/ in Laugen gesotten und das Haupt damit gezwagen/ reynigt und purgiert
das Haupt und Hirn/ und stärcket dasselbig.
Das Angesicht
und Hände oder auch den gantzen Leib schön und glatt zu machen: Nimb die Blumen
deß Camelenheuws anderhalb loth/ Veielwurtz i.loth/ Mastix ein halb loth. Stosse
diese Stück zu Pulver unnd mache mit gesottenem Gerstenschleym Teyglein darauß/
darnach formir sie zu kleinen Scheiblein/ lasse die trucken werden/ und wann du
sie brauchen wilt/ so stosse sie unnd zertreibe die mit Wasser wie ein dünnes Sälblein/
darmit streich dich an am Angesicht Händen oder andern orten deß Leibs/ darnach
wäsche es uber ein Stund wider ab/ und thue das offt/ es machet ein schöne und linde
Haut/ und vertreibt die Runtzeln.
Camelenheuw klein
geschnitten und in Wasser gesotten/ darnach mit der durchgesiegenen Brühen den Halß
gegurgelt/ vertreibt die Geschwulst deß Zäpffleins.
Wider die schwachheit
und blödigkeit deß Magens/ denselben zu stärcken und die däuwung zu fürdern/ mache
folgendes Magensäcklein: Nimb die Blumen deß Camelenheuws eine Handvoll/ Chamillenblumen/
Deymenten/ jedes ein halb Handvoll/ Anißsamen/ Zimmatrinden/ Kalmuswurtzel/ jedes
i.loth. diese Stück soll man alle klein schneiden/ sonderlich aber die Blumen unnd
Deymenten/ die andern Stück aber soll man nicht allein klein schneiden/ sondern
auch darnach in einem Mörser stossen/ das nichts scharpffes mehr darinnen ist/ als
dann soll man sie alle durcheinander vermischen und in ein Zendelin oder rot Daffetensäcklein
stepffen/ und dasselbig stätig auff dem Magen tragen.
Wider den Schmertzen
der Leber so von kalter windiger feuchte kompt: Nimb Camelenheuw anderhalb Handvoll/
Bergwermuth/ Odermenig/ jedes i. Handvoll/ Anißsamen/ Kalmuswurtzel/ jedes i.loth.
zerschneide diese Stück klein/ unnd seude sie in einer Maß Wassers den dritten theil
eyn/ seihe die Brühe ab unnd netze einen Schwamm darinn/ darmit bähe die Leber warm:
Oder thue die gemeldten stück klein geschnitten in zwey Säcklein/ seude die in Wasser
wie gemeldet/ druck darnach eines mit zweyen Telern hart auß daß es nicht mehr trieffe/
und lege also je eins nach demn andern warm uber.
Wider die hitzige
Geschwulst der Leber: Nimb Camelenheuw zwey loth/ Weinrauthen ein halb Händlein
voll/ gequetschten Leinsamen ein halb loth/ und ein halben Magsamenknopff alles
klein geschnitten. Diese Stück seude in genugsamen unzeitigem Baumölen/ darnach
seihe das Oele darvon und salbe die Leber deß Tages etlichmal darmit/ dann es ist
ein treffenliche Artzeney.
Camelenheuw in
Wasser gesotten unnd den Dampff darvon durch ein bequemes Jnstrument in die Mutter
empfangen/ fürdert die Nachgeburt. Camelenheuw klein zerschnitten unnd auff glüende
Kolen geworffen/ denselbigen Dampff obgemelter massen in die Muter empfangen/ hat
gleiche Wirckung.
Camelenheuw in
Wasser gesotten unnd ein Lendenbad darvon gemachet/ ist gut wider die hitzige Geschwulst
der Mutter/ wann sich die Frauwen darein setzen zu baden unnd sich damit bähen.
Camelenheuws gedistilliert Wasser.
SCHONANTHI AQUA STILLATITIA.
Wiewol man das Camelenheuw nicht grün haben kan/ so kann man aber doch nicht desto weniger ein sehr köstliches und edles Wasser auß diesen dürren Gewächs distillieren/ welches in viel weg zu mancherlei Leibes gebrechen nutzlich mag gebraucht werden/ und soll man dasselbige also bereyten: Nimb deß besten außerlesenen Camelenheuws ein Pfund von xvi.untzen. schneide das klein und darnach stosse es in einem Mörser/ thu es in ein bequemes Geschirr/ schütte daruber vier oder fünff Maß frisch Brunnenwassers/ lasse es drey Tag und Nacht in einem warmen Rosszmist oder in BALNEO MARIAE beytzen/ darnach distilliers durch die Aeschen oder durch ein VESICAM biß du hast zwo Maß/ als dann so heb dasselbige Wasser auff/ und schütte das ubrige in dein Kolben oder in der VESICA hin: Nimb darnach deß frischen Camelenheuws sechs untzen/ schneide solches und stosse es wie vorhin/ schütte die zwo obgemelte Maß Wassers daruber/ lasse sie wol vermacht vier und zwantzig Stunden in BALNEO MARIAE mit einander digerieren/ darnach ziehe anderhalb maß sänfftiglich ab durch die Aeschen/ so hast du ein edels und kräfftigs Wasser/ welches kräfftiger unnd stärcker ist/ dann wann es von dem grünen Kraut gebrannt worden were/ welches du leichtlich mit einem gemeinen dürren Kraut versuchen magst/ und als kann man von allen dürren warmen Kreutern/ Wurtzeln/ Blumen und Samen heylsame Wasser brennen/ in vielen Gebrechen sehr nutzlich zu gebrauchen.
Gebrauch deßCamelenheuwwassers.
Das Camelenheuwwasser
ist wider den Schmertzen der Leber/ Nieren/ Blasen unnd allen obgemelten Kranckheiten
ein sehr köstliche Artzeney Morgens unnd Abends/ jedesmal vier oder fünff loth getruncken/
und bißweilen auch den Wein darmit gemischet unnd gebrochen. Es kann auch nutzlich
mit andern Wassern/ Säfften unnd Syrupen in mancherley Leibs gebrechen vermischet
werden/ wie das die MEDICI PRACTICI wol zu thun wissen.
Camelenheuwwein.
SCHOENANTHITES,
oder SCHOENANTHINUM VINUM.
Es haben gleichwol die Alten deß Camelenheuwweins gar nicht gedacht/ aber nicht
desto weniger ist es ein fürtreffenlicher und gesunder Wein/ in nachvolgenden Kranckheiten
erfahren/ und wird derselbige also bereytet. Man nimbt gutes außerlesenes Camelenheuws
sechszehen untzen/ schneidet das klein unnd stössets groblecht/ schlecht es darnach
in ein sechzehen Mässigs Fäßlein eyn/ mit Eschern Spähnen/ unnd füllet das Fäßlein
mit einem guten Most zu und lassets daruber verjähren/ unnd verwahret denselbigen
uber Jahr wie ein anderen Kreuterwein. Dieser Wein ist ein heylsamer Wein in der
Frantzosen Kranckheit unnd deren Cur vor einen gemeinen Tranck zu trinckenm/ an
statt deß gesottenen Wassers so von diesem Kraut bereytet wird/ sintemal dieses
Gewächs die gemelte Kranckheit vom Grund herauß heylet/ deßgleichen dienet der Wein
wider das Därmgegicht/ schmertzen der Leber/ Nieren unnd Blasen/ treibet die verstandene
Blumen der Weiber/ ist ein heylsamer Tranck wider die Wassersucht/ unnd treibet
dieselbige durch den Harn hinweg/ vertreibet den Schmertzen der Lenden/ zertheilet
die windigen Auffblehung deß Leibs/ bekompt wol dem blöden schwachen Magen/ vertreibet
dz unwillen und kotzen desselbigen/ und ist ein uber die maß gesunder Tranck denen
so das Miltz erhartet ist.
Ein anderer von
mehren Stücken: Nimb außerlesens Camelenheuw ii. Untzen/ Weiß Bibernellenwurtzel
ii. Loth/ Nesselwurtzel/ Veielwurtzel/ wildt Galganwurtzel/ jedes anderthalb Loth/
weissen Pfeffer/ Alantwurtzel/ jedes ein Loth. Ale gemeldte Stück soll man klein
schneiden oder ein wenig groblecht stossen/ darnach mit Eschern/ Hanbüchen oder
Häselnspähnen in ein eylffmässiges Fäßlein eynmachen/ folgendts dasselbige mit einem
guten Most zufüllen und darüber verjähren lassen. Dieser Wein hilfft der Speiß wol
abdäuwen/ erwärmet den erkalten Magen und Brust/ zertheilet die Winde/ vertreibet
den alten langwirigen Husten/ und das keichend und schwerlich äthmen.
Ein anderer guter
Wein/ wider das langwirig unnd tröpfflingen schmertzlich brennendes harnen: Nimb
gutes Camelenheuws vier Loth/ kleiner gewäschener Roseinlein iii. Loth/ roter Zisererbsen/
geschaben Süßholtz/ weissen Magseamen/ breyt Wegerichsamen/ Schafftenheuwwurtzeln/
jedes zwey Loth/ der schwartzen Brustbeerlein/ der roten Brustbeerlein/ jeder an
der Zahl dreyssig. Alle gemeldte Stück sollen klein geschnitten oder groblecht zerstossen
werden/ darnach soll man sie mit Hanbüchen Spähnen eynmachen in ein zehenmässiges
Fäßlein/ dasselbige darnach mit gutem Most zufüllen/ und darüber verjähren lassen.
Auß den obgemeldten
Stücken hab ich in gleichen Gebrechen ein herrlichen guten Meth gemacht/ habe dieselbige
in dreyssig Massen Wassers sieden lassen/ die Brühe durchgesiegen und darzu gethan
anderhalb maß Honigs und xxxii. Untzen Penidzuckers/ solches hab ich mit einander
sieden lassen biß auff die xii.maß/ darnach in ein Fäßlein gethan mit einem Löffel
voll Bierhöfen also verjähren lassen. Diesen Meth hab ich vor die allerbeste und
bewehrteste Artzeney in solchen Gebrechen befunden/ vor allen andern.