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ZIRMET
Tordylium
VON DEM CRETISCHEN SESEL.
Deß Cretischen oder Candischen
Sesels haben wir heutigs Tags zwey Geschlecht/ unangesehen daß DIOSCORIDES und
andere Alte Lehrer nur ein Geschlecht beschrieben/ und seynd aber diese beyde
geschlecht nit allein der form und gestalt halben/ sondern auch jhrer Krafft
unnd Tugendt halben also gleich/ daß keins von dem andern mag abgesöndert
werden.
l. Das erst und wahre SESELI CRETICUM DIOSCORIDIS, hat ein lange/
weisse und dünne zaselechtige Wurtzel. Das Kreutlein ist klein und staudechtig/
Rauch und scharpff/ mit runden Blettern/ dem Körbelkraut fast gleich/ sind aber
doch grösser unnd breyter/ unnd nicht so tieff zerkerfft. Der Stengel ist schmal
und rauch/ nicht viel uber Spannen lang/ der hat seine Nebenzweiglein/ darauff
seine Krönlein oder Schatthütlein wachsen/ wie die Krönlein deß Klettenkörffels
mit weißleibfarbigen Blümlein/ wann dieselben abfallen/ so folgt hernach ein
breyter/ runder/ gedoppelter samen/ der hat geringsherumb ein umbleg/ und ist
anzusehen wie ein Schildt/ am Geschmack ein wenig zanger/ unnd eines lieblichen
Würtzgeruchs. Es wirdt auch dieses Kreutlein in Teutschlandt in den Lustgärten
gezielet/ aber in der Provintz Franckreich wächset es häuffig in den
Fruchtfeldern unnd neben den Strassen/ wiewol DIOSCORIDES schreibt/ daß es auf
dem Berg Amano in der Landtschafft Cilicia wachse/ da er dieses Gewächs ohne
allen zweiffel zum ersten mal funden hat.
ll. Das ander Geschlechtist dem jetztgemeldten allerdings gleich/
außgenommen daß es grösser unnd lenger ist/ dann die Stengel werden fast zwoer
Elen lang/ so seindt auch die Bletter lenger/ unnd geringsherumb wie ein Sägen
zerkerfft/ der Samen ist dem vorigen an der form/ gestalt/ geruch unnd geschmack
durchauß gleich. Es wächst von sich selbst in den obgemeldten Landtschafften/
und wird bey uns in den Gärten geziehlet. Dieses Gewächs hab ich zum aller
ersten mal bey dem Edlen Herrn BOYSOTO zu Brüssel in Brabandt in seinem
herrlichen Lustgarten gesehen.
Von den Namen deß Candischen
Seselkrauts.
Es haben viel gelehrter Männer unser Beerwurtz lange zeit vor das
SESELI CRETICUM gehalten/ wie schwerlich aber sie gejrret/ gibt das Liecht das
jhnen nu mehr under die Augen scheint zu erkennen/ welches durch diese zwey
Gewächs offenbar worden/ also daß wir nu auch den wahren unnd rechten SESELI
CRETICUM der alten haben.
l. Der Cretisch Sesel wirdt Lateinisch TORDYLIUM, GORDYLIUM, SESELI
CRETICUM, SESELI CANDIACUM, SESELI CILICIUM, GORGYLUM Und von NICANDRO ORDELIUM
genannt. Hochteutsch/ Cretischer Sesel/ unnd Candischer Sesel.
ll. Das ander und grösser Geschlecht deß Cretischen Sesels/ wirdt
von den Kreutlern SESELI CRETICUM MAIUS, unnd TORDYLIUM MAIUS, Zum underscheidt
deß ersten/ welches viel kleiner ist/ genannt/ wie sie dann auch das kleiner
SESELI CRETICUM MINUS, unnd TORDYLIUM MINUS, zum underscheidt dieses zu nennen
pflegen.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und
Eygenschafft deß Cretischen Sesels.
Der Cretisch oder Candisch Sesel hat eine Krafft zu wärmen unnd zu
trucknen/ und ist warm unnd trucken im andern Grad. Das soll auch gleichfals von
dem zweyten Geschlecht verstanden werden/ sintemal sie einerlei Krafft unnd
Wirckung haben/ unnd mag derwegen je eins vor das ander/ ohn einige gefahr
nützlich gebraucht werden.
Jnnerlicher Gebrauch deß Candischen
Sesels.
Der Samen deß Candischen Sesels ist gut getruncken wieder die
Harnwinde/ das tröpfflingen harnen/ und wider alle andere hindernuß deß Harns/
und treibet die weibliche Monatblume.
Der Safft auß dem frischen Kraut unnd Samen geprest/ unnd eines
halben quintleins schwer mit Bastardwein zehen Tag nach einander getruncken/
heylet die Gebrechen der Nieren.
Die Wurtzel zu Pulver gestossen/ und mit dem vierden theil
verscheumpts Honigs zu einer Latwergen temperiert/ und darvon deß Tages etliche
mal ein wenig eineleckt/ reyniget die Brust/ und machet den zähen Schleim und
Koder leichtlich außwerffen.
Eusserlicher Gebrauch deß Candischen
Seselkrauts.
Der Rauch oder Dampff deß angezündten Cretischen oder Candischen
Sesels in die Nasen empfangen/ erwecket die Schlaffsüchtigen.
Das Kraut unnd Stengel mögen nutzlich zu Dampff und Lendenbädern
genutzet werden/ die Weibliche Monatblumen zu fürdern/ die Mutter zu reynigen/
unnd zu erwärmen. Jst auch fast dienlich zu den Schweißbädern/ dieweil es den
Schweiß treibet/ unnd die erkalten schwachen Glieder erwärmet unnd stärcket.