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WIESENKNOPF
Sanguisorba - Rosaceae
VON DEM SPERBENKRAUT/ ODER WELSCHEN BIBERNELLEN
Des
Sperbenkrauts haben wir zwey Geschlecht/ mit einem andern Namen Welsch Bibernell
genennet/ die sind menniglich wol bekannt.
l. Das erst und grösser geschlecht hat ein lange und krumme
holtzechtige Wurtzel/ die ist rotlechtig eines herben zusammenziehenden
Geschmacks. Die Bletter seyndt langlechtig/ rauhe unnd gerings herumb zerkerfft/
schier anzusehen wie die Bletter deß
Betonienkrauts/ sendt doch linder/ dünner unnd zärter/ unnd etwas blauwfärbig.
Die Stengel werden Elen lang/ unnd auch bißweilen
lenger/ seyndt dünn unnd rund wie die Rockenhälmer/ braunfarb mit vielen
Nebenzweiglein/ die seyndt wie der Stengel glatt/ unnd doch mit Härlein/ einer
zarten Wollen ähnlich/ ein wenig uberzogen. Auff den Stengeln wachsen an statt
der Blumen schöne Kestenbraune Kölblein/ die seyndt voller Löchlein oder Heußlein/
wie die Rossen der Bynen anzusehen/ die thun sich gegen dem Brachmonat auff/
darauß
kommen kleine grüne Blümlein/ die haben in der mitten geele Härlein/ wann die
vergehen/ so wirdt darauß
ein rauher/ eckechtiger/ grauwer Samen/ darauß
wider junge Stöckllein wachsen. Es wächst dieses Krauts viel am gantzen
Rheinstrom/ auff den dürren Wiesen/ ungebaweten Aeckern unnd Graßfeldern/
so die Sonne stets haben mögen.
ll. Das ander Geschlecht hat ein kleinere Wurtzel/ die ist etwas
geelfarb/ zeucht doch nicht destoweniger den Mundt zusammen so man die keuwet/
als die erste/ unnd ist sonst durchauß
der jetztgemeldten mit Blettern/ Blumen unnd Samen gleich/ außgenommen
daß
sie viel kleiner/ lustiger/ unnd zarter von Blettern ist/ deren auch viel mehr
und drauschlechter anzusehen ist. Beyde gemeldte Kreuter haben einen Geruch wie
die Peponen oder Cucumern/ doch ist der Geruch deß
kleinen Geschlechts viel lieblicher unnd anmütiger als deß
grösseren Geschlechts. Dieses Krauts wächst viel in dem Gebirg unnd
steinechtigen Lettengrundt an den Hübeln unnd Rechen der Strassen/ hin und wider
an dem Rheinstrom/ deßgleichen
im Ostwaldt unnd Franckenlandt hin und wider. Dieweil auch dieses Gewächs zärter
und linder ist/ als das grösser/ so wird es fast in allen Gärten gepflantzet zu
den Salaten/ Suppen und anderen Speisen/ dardurch es dann noch geschlachter unnd
in der Speiß
zu gebrauchen/ linder und milter wird.
Von den
Namen der Sperbenkreuter/ oder Welschen Bibernellen.
Was diese beyde Gewächs bey den Alten gewesen/ unnd wie sie genannt
worden/ hat noch niemandt eygentlich angezeigt. Etliche haben vermeynt es seye
das TRAGIUM DIOSCORIDIS, die andern haben das zweyte SIDERITIM darauß
machen wöllen/ dieweil aber dieser Kreuter keins mit den Beschreibungen der
gemeldten Kreuter zustimmet/ und andere vorhanden die näher zuschlagen/ wie an
seinem Ort angezeigt werden sol/ wöllen wir sie dieweil bey jhren gemeinen
bekannten Namen bleiben lassen.
l. Das erst und grösser Geschlecht dieses Krauts wird von den
Kreutlern/ und erfahrnen MEDICIS, SANGUISORBA MAIOR, SOLBASTRELLA MAIOR,
SORBASTRELLA MAIOR, SORBARIA MAIOR, SORBUS PUMILA MAIOR, BARBULA CHRISTI MAIOR,
SOLBASTRELLA PRATENSIS, SANGUISORBA PRATENSIS, PIMPINELLA SANGUINARIA MAIOR,
PIMPINELLA SANGUISORBA MAIOR, und PIMPINELLA ITALICA MAIOR genannt/ dieweil es
die Jtalianischen Aertzt vor die Bibernell im brauch haben. Die andern Namen hat
es fast alle bekommen von den Blettern deß
Sperbenbaums/ die weil dieses Krauts Bletter den Blettern dises Baums ähnlich
sind. Von ALEXANDRO BENEDICTO wird es THRIALLIS genannt/ welcher Namen
eygentlich einem Geschlecht VERBASCI zustehet. Hochteutsch/ groß
Sperbenkraut/ groß
Blutkraut/ groß
Welsch Pimpernell/ groß
Kölbleinkraut/ groß
Bluttröpfflein/ unnd Wurmwurtz/ dieweil es wider den außwerffenden
Wurm der Pferd dienlich ist/ unnd denselben vertreibt und heylet. Die andern
Namen hat es daher/ daß
gemeld Kraut etlicher massen der Bibernellen so viel die Bletter belangt ähnlich
ist/ und daß
es dient wider die Blutflüß.
ll. Das zweyt Geschlecht/ wirdt von den Kreutlern/ PIMPINELLA
ITALICA MINOR, SOLBASTRELLA oder SORBASTRELLA, oder aber SORBARIA MINOR,
PIMPINELLA SANGUINARIA MINOR, PIMPINELLA SANGUISORBA MINOR, SOLBASTRELLA
MONTANA, und von GESNERO PEPONELLA genannt/ sintemal der geruch den Peponen
gleich ist. Hochteutsch/ klein Welsch Pimpinell/ klein Sperbenkraut/ klein
Blutkraut/ klein Herrgotsbärtlein/ klein Kölbleinskraut/ klein Blutströpfflein
und Megelkraut.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Sperbenkreuter.
Die beyden Geschlecht der Sperbenkreuter/ haben ein zusammen
ziehenden unnd kleberichten Geschmack/ haben derowegen ein Krafft unnd
Eygenschafft mittelmässig zu külen/ zu trucknen unnd die Wunden zu hefften/ unnd
das Blut gewaltiglich zu stillen.
Jnnerlicher
Gebrauch der Sperbenkreuter oder Welschen Pimpernellen.
Es ist die klein Welsch Pimpernell so gemein worden/ daß
die Köch deren in der Küchen nicht entberen wöllen/ dann sie nicht allein
täglich zu den Salaten gebraucht wird/ sondern sie wird auch nutzlich mit andern
Mußkreutern
zu dem Gemüß
und Suppen vermischet.
Dieses Kraut wirdt auch heutigs Tags den gantzen Sommer frisch inn
den Wein gelegt/ darab zu trincken/ dann es demselben ein anmüthigen Geschmack
mittheilet/ zu dem ist es allen denen dienlich/ so mit stätigen Hauptflüssen
beladen seynd/ sonderlich so dieselben zu der Brust unnd Lungen fallen/ dann es
verhütet vor der Lungen und Schwindsucht/ sollen derowegen solche stätig uber
das Kraut trincken. Es solle aber auch die traurigen Menschen frölich machen.
Es vermischen heutiges Tages unsere Artzet auß
unverstandt/ die Kräfft unnd Tugendt der Pimpernellenkreuter/ mit der Krafft
unnd Tugendt unserer gemeinen weissen Bibernellen unweißlich/
also wann sie der Jtalianischen und Welschen Authoren Schrifften von der
Bibernellen lesen/ so geben sie es der unsern zu/ da sie die Jtalianer doch
allewegen durch die Bibernellen/ das gemeldt Sperbenkraut verstehen/ welches
dann nit ein geringer Jrrthumb ist/ so man die Natur/ Krafft/ Wirckung unnd
Eygenschafften dieser beyder Kreuter gegen einander erwegen will. Sie geben
beyden gemelten Kreutern/ das ist/ unser weissen Bibernellen oder Bockspeterlein
unnd dem Sperbenkraut diese Tugenden zu/ das sie wider die Lungensucht und
Schwindtsucht dienlich seyn sollen/ und thun gleichwol recht und wol daran/ aber
daran thun sie gar unweißlich/
daß
sie die Kräfften dieser Kreuter nit underscheiden/ wann ein jedes gebraucht
werden soll/ damit den Krancken mehr schaden dann nutz zugefüget wird. Dann
unser gemein Bibernell oder Bockspeterlein hat die Eygenschafft unnd Wirckung
den zähen Schleim und Lungenkoder abzulösen/ dünn zu machen und durch den Husten
außzuführen/
und so lang dz von nöthen ist/ thut man recht daran/ daß
man sie braucht: aber wann man die geschädigte Lung heylen wil/ sol allwegen die
Welsch Pimpernell gebraucht werden/ dann kaum under allen Kreutern eins gefunden
wirdt/ das zu der Lungensucht dienlicher ist/ die verwundung derselben zu
heylen/ aber zum außwerffen
ist es untüglich/ da thut die weiß
Bibernell das best.
Das welsch Bibernellenkraut klein gehackt/ und i.handvol davon mit
einem Löffel voll Habermeel in einer guten Fleischbrühen gesotten/ darnach an
statt einer Suppen allen Morgen gessen/ ist nit allein ein gute Speiß/
sondern auch ein heylsame Artzeney den Lungensüchtigen/ dann solche Brühe
speiset nit allein/ sondern heylet auch das Geschwer unnd schädigung der Lungen.
Gleicher gestalt in Müssern und andern Speisen gebraucht/ ist es nicht weniger
dienlich.
Das gemeldte Kraut inn der Artzeney auff alle Weiß
gebraucht/ ist es den Lungensüchtigen dienlich/ dann es heylet die Geschwer der
Lungen/ unnd wehret der Schwindsucht/ thut deren gewaltigen widerstandt/ und
heylet darneben alle jnnerlichen Glieder verwundung/ sonderlich aber der Därm in
der Ruhr und durchleuffen.
Es wird auch das Kraut nutzlich zu den Wundträncken gebraucht/ und
ist insonderheyt dienlich zu den wunden unnd stichen der Brust/ wie ich solches
etlichmal erfahren/ erstlich an einem Druckergesellen/ der durch die Brust und
Lungen gestochen werden/ und dann an einem Spanier/ welcher mit einem Dolchen
durch die Lungen und Rippen von der Brust oben herab mehr als einer Spannenlang
gestochen worden/ diese beyde seynd in kurtzer zeit mit folgendem Wundtranck von
grund herauß
glücklich geheylet worden den hab ich jnen zu Heydelberg/ und dann zu Speyer
machen lassen. Nimb der kleinen Welschen Bibernellenkraut ii. Handvoll/
Thannenmispelbletter mit den Beeren anderthalb Handvoll/ Sanickel/
Brunellenkraut/ wild Angelick/ Brandtlattich/ Engelkraut/ jedes ein handvoll/
Ehrenpreyß/
Sophienkraut/ wild Salbey/ Scabiosenkraut/ Betonien/ Maßliebenkraut/
jedes ein halb handvoll/ Wechholderbeeren ein wenig zerquetscht/ anderthalb
loth/ Angelickwurtz ein loth. Zerschneid alle diese Stück klein/ vermischs wol
durcheinander/ nimb darvon das halb theil/ thue sie darnach in ein Kannten oder
Zinnenfläschen/ schütt darüber i. maß
frisch Brunnenwasser/ und weissen fürnen wein ein halb maß/
verlutir den Ranfft der Kannten oder Fläschen wol/ setz die darnach in ein
Kessel mit siedendem Wasser/ und laß
vier stunden in stäter hitz sieden: Wann der Tranck nun kalt worden ist/ so thue
die Kannten oder Fläschen auff/ und seihe den dann durch ein sauber Tuch/ behalt
den in einem wolvermachten Glaß
zum gebrauch: gib darvon dem Verwunden allen Morgen und Abendts v. oder vi.loth
warm zu trincken/ zum wenigsten zwo stunden vor dem Jmbiß.
Darneben verbinde den Krancken deß
Tages zweymal mit einem Stichpflaster/ unnd inn den Stich brauch folgenden
Wundtbalsam von Pimpernellen warm/ mit Meysseln/ so wirstu in kurtzer zeit ein
wunderbarliche heylung sehen. Den Balsam aber mach also.
Nimb der jungen Welschen Bibernellen/ die noch grün und frisch ist/
viii.untz/ Buchspick sonst auch groß
Meußörlein
genannt/ vier Untz/ Sophienkraut/ Maßliebleinkraut/
Ehrenpreyß/
Brunellenkraut/ Egelkraut/ jedes ii.Untz/ Sanickel/ Brandtlattich/ jedes i.untz.
alle gemelde stück stoß
klein in einem Mörser/ vermisch damit ein pfund Baumölen oder xvi.untzen/ guten
Meybuttern vier untzen/ und guten fürnen Wein viii.untzen/ lasse diese stück
miteinander sieden uber einem linden Kolfewerlein biß
der Wein und Safft sich gar verzehrt haben/ darnach preß
es hart auß
durch ein reyn Tuch in ein küpfferin Pfann/ und thue noch ferner darzu vi.
untzen Terpentin/ unnd ii. loth gedistillirt Wechholderölen/ laß
ein Tag oder acht wol verdeckt in der Pfannen stehn/ so wird der Balsam schön
grün/ und bekompt neben dem er heylet/ ein Krafft zu reynigen und zu seubern/
und magstu solchen Balsam zu allen Wunden unnd Stichen künlich gebrauchen.
Wider das schwindtsüchtig Feber das gemeinlich mit der Lungensucht
kompt/ mach folgenden Syrup: Nimb deß
frischen Bibernellenkrauts zwo Handvoll/ Hundszungenkraut/ Geroldt und gewäschen
Gersten/ jedes ein Handvoll/ deß
Gummi Tragants ein Loth. Seude diese stück in iii. ächtmaß
Wassers uber das drittheil eyn/ seihe es dann durch ein Tuch/ thue darzu
xvi.untzen guten Feinzucker/ lasse miteinander sittiglich zu der dicke eines
Syrups sieden/ und gib dem Krancken je uber drey Stunden ein guten Löffel voll
mit ii. Untz Welsch Pimpernellenwasser zu trincken.
Welsch Pimpernellenkraut ii. guter handvoll in einer maßen
Regenwassers gesotten biß
uber daß
drittheil/ darnach durchgesiegen/ unnd allen Morgen unnd Abend jedesmal
dritthalb untzen/ mit anderthalb untzen Rosensyrup von den dürren roten Rosen
vermischt/ und warm getruncken/ dient wider die Blutruhr und alle andere
Bauchflüß.
Es ist in warheit dieses Kraut zu den vergifften Bauchflüßen
da bißweilen
ein Pestilentzische Contagion mit underlauft/ ein edle Artzeney in Speiß/
Tranck/ und Artzney auff alle manier gebraucht/ derwegen man es auch in solchen
zeiten den jungen Kindern gebrauchen soll/ dieweil sie noch gesundt seindt/ das
verhütet sie daß
sie die Blutruhr nicht bekommen.
Es wirdt auch beyde das Kraut unnd wurtzel von treffenlichen
erfahrnen und geklehrten Männern höchlich gelobet/ daß
es der Pestilentzischen Contagion in Sterbensleuffen treffenlich wiederstandt
thun solle/ in Speiß/
Tranck/ und Artzeney gebraucht.
Etliche machen von der Wurtzel nachfolgendt Pulver wieder die
Pestilentz: Nimb der Welschen Bibernellen i.loth/ Baldrianwurtzel/ Zimmatrinden/
Mutterzimmat/ Wechholterbeeren/ Citrinatöpffelrinden/ Graffeyenwurtz/
Aronwurtzel/ Candischen Diptam/ Tormentillwurtz/ Küchenschellenwurtzel/
Gifftheylwurtzel/ Angelickwurtz/ Armenischen BOLUS, der rechten unnd wahren
TERRAE SIGILLATAE jedes ein Loth/ roten/ geelen und weissen Sandel/ Eberwurtz/
Geyßrauthen/
weiß
Bibernellenwurtzel/ Meisterwurtzel/ Schwalbenwurtz/ edel Gamanderlein/
Wasserbathengel/ Melissenkraut/ Kermesinbeeren/ jedes ein quintlein. Alle
gemeldte stück soll man zu einem subtielen Pulver machen/ durch ein ärin
Sieblein schlagen/ unnd zum gebrauch in einem lederen Säcklin behalten. Darvon
soll man allen Morgen ein halbes quintlein zur bewahrung nüchtern eynnemmen/ sol
einer denselben Tag vor dieser Seuchte sicher sein. So aber einer damit behafft
würde soll er dieses Pulvers nemmen ein halbes quintlein/ guten Theriack ein
quintlein/ starcken Weinessig ii.loth/ Angelick/ Ehrenpreiß/
oder Cardenbenedictenwasser/ welches man under diesen haben kann iiii.loth/
Solches sol man vermischen und warm trincken/ darauff im Beth auff die iii.
Stunden schwitzen/ das treibet alles Pestilentzisch Gifft durch den Schweiß
hinweg.
Welsch Bibernell gestossen/ und den Safft darvon außgedruckt/
unnd in die Fistel gethan/ darnach das Kraut wie ein Pflaster darüber gebunden/
heylet dieselbige.
Wieder die Fistel ist auch folgender Wundtranck erfahren: Nimb
Welsch Bibernellen zwo Handvoll/ breyter Wegerich/ spitzer Wegerich/ Wermuth/
Bethonienkraut/ Schlehenblüth/ jedes ein Handtvoll. Zerschneide diese Stück
klein/ und lasse sie in einer maß
Weins zum halben theil eynsieden/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd zerlaß
ein quart Honig darinn/ trinck darvon allen Morgen und Abend/ jedesmal drey
Stunden vor den beyden Jmbsen iii. untzen warm/ und beharr diesen Tranck biß
du besserung befindest.
Wieder den außwerffenden
Wurm der Pferde/ ist das groß
Sperbenkraut ein gewisse erfahrne Artzeney/ derowegen es auch Wurmwurtz genannt
wirdt. Man soll dem Pferdt die Wurtzel deß
Krauts anhencken/ und das Kraut klein klein zerschnitten mit dem Futer
vermengen/ das Kraut auch in sein Trincken legen/ unnd darab trincken lassen.
Oder mag man das Kraut zu Pulver stossen und dem Pferdt deß
Tags dreymal jedesmal vier loth/ mit warmem Wasser zertrieben eynschütten. Man
brauche nun das gemeld Kraut wie man wil/ so ist es gut/ und hilfft/ welches ich
etlichmal selbst erfahren/ und auch andere gelehrt/ die es allwegen gut und
bewert befunden. Diese Kunst hat mir Keysers CAROLI QUINTI Hoffschmidt
offenbaret/ der es vor ein sonderlich Secret hielte. Hernachmals aber hab ichs
auch sehen einen Teutschen vom Adel Friederich von Lybenstein genannt/ brauchen/
der nennt es Wurmwurtz/ der hat es auch zum offtermal erfahren.
Die gemeldten beyde Kreuter die stopffen den unmässigen Blutgang der
Weiber vor allen andern Kreutern/ so man die in der Kost nützet/ oder aber die
Kreuter in Wein leget unnd darab trinckt. Gleicher gestalt gebrauchet/ dienet es
den schwangeren Weibern sehr wol/ dann es verhütet sie vor der Mißgeburt.
Sonst dienen sie beyde unnd deren Kraut/ Wurtzel/ und der außgepreßt
Safft wieder alle Blutflüß/
die Blutrhur unnd durchlauffen/ unnd stillen den Flüß
der gülden Adern/ auff alle weg gebraucht/ unnd sonderlich darvon getruncken und
in den Wein gelegt/ oder in Speisen gebraucht.
Eusserlicher Gebrauch der Sperbenkreuter.
Welsch Bibernellenwurtzeln in die Nasen gethan/ oder aber das Kraut
uber die Stirn gebunden stillet das Nasenbluten gewaltiglich.
Die Wurtzel stillet das bluten der Nasen/ so sie nur in der Handt
gehalten biß
sie erwarmet.
Die Bletter gestossen/ heylen allerhandt Wunden/ Fisteln/ Krebs/
unnd alte Schäden/ den Safft dareyn gedruckt/ unnd das Kraut ubergelegt wie ein
Pflaster.
Die Wurtzel zu Pulver gestossen/ und in die blutende Wunden gethan/
stillet das Blut/ unnd häfftet die Wunden zusammen und heylet sie.
Ein Lendenbad von diesen beyden Kreutern gemacht stillet den
unmässigen Blutfluß
der Weiber/ deßgleichen
auch den Fluss der gülden Adern/ darinn gebadet.
An diesem Gewächs findet man in dem Landt zu Polen/ und andern
Mitnächtigen Landen/ runde Körnlein die an diesem Kraut wachsen/ die haben ein
Starcken Geruch/ unnd einen sauren Geschmack/ seindt von Farben braunschwartz
den Corinthertreublein ähnlich/ die werden von den Ferbern zu der Seiden
gebraucht/ unnd geben ein schöne Kermesinfarb/ derwegen sie thewer und hoch
verkaufft/ unnd dem Goldt zum halben theil gleich geachtet werden. Jn unsern
Landen aber werden solche Körnlein nimmer an diesem gewächs gesehen.
Von dem gedistillierten Wasser deß
Sperbenkrauts.
SANGUISORBAE AQUA ATILLATITIA.
AUß DEM Sperbenkraut pflegt man auch ein kräfftig unnd gut Wasser zu distillieren/ und aber die beste Zeit dasselbig zu bereyten/ ist im Brachmonat/ das Kraut mit den Wurtzeln und Blumen klein gehackt/ darnach sänfftiglich in BALNEO MARIAE abgezogen/ und deß Wassers genommen ein maß/ darinn vier untz deß vorgenannen Krauts unnd Wurtzeln zu einem groblechten Pulver gestossen/ zertrieben/ in ein Kolben gethan/ folgends mit einem blinden Helm verschlossen und xxiiii.stund in BALNEO MARIAE beytzen lassen/ darnach zum zweytenmal gedistillirt/ und wie gebreuchlich in der Sonnen gerectificirt/ unnd zum gebrauch behalten.
Jnnerlicher
Gebrauch deß
Sperbenkrautwassers.
Das Sperbenkrautwasser deß
Morgens unnd Abendts getruncken/ heylet alle verwundung unnd versehrung der
Lungen/ der Därm und aller innerlichen Glieder.
Wieder die Lungensucht unnd Schwindsucht: Nimb deß
Wassers ein halb Maß/
guten roten Rosenzuckers/ der zum wenigsten drey Jahr alt ist/ viii. untzen/
zerlaß
das durcheinander/ unnd seihe es dann durch ein Tuch. Darvon gib dem
Lungensüchtigen Morgens unnd Abendts/ jedesmal iii.untzen warm zu trincken.
Sperbenkrautsyrup.
SANGUISORBAE SYRUPUS.
Man
bereytet auß
dem Sperbenkraut ein fast heylsamen unnd nützlichen Syrup also: Man nimpt deß
außgepresten
Saffts deß
gemelden Krauts drey pfundt/ guten Feinzuckers ii.pfundt/ zerlasset das
sittiglich uber einer Glut/ unnd lassets sieden biß
es ein dicke eines Syrups bekompt: Jm sieden verscheumpt man es wol unnd
leuterts mit einem Eyerweiß/
dann seihet man den durch ein Tuch/ unnd behaltet jhnen zum gebrauch in einem
gläsinen oder Porcellangeschirr.
Dieser Syrup dienet vornemblich vor die Schwindt unnd Lungensucht/
heylet alle jnnerliche versehrung/ vertreibet die Blutruhr/ unnd alle andere
Bauchflüß/
deßgleichen
auch den Fluß
der gülden Adern/ vor sich selbst/ oder mit seinem gedistillierten Wasser
vermischt/ gebraucht.
Sperbenkraut Conservenzucker.
SANGUISORBAE CONSERVA.
Auß der zamen Welschen Pimpernellen macht man auch ein guten Conservenzucker auff folgende weiß: Man nimpt der jüngsten unnd zartesten Blätlein der zamen Welschen Bibernellen mit jhren Schößlein/ zerschneidet die auff einer Taffel mit einem bequemen Schneidmesser auff das aller kleinest als es seyn kan/ davon nimpt man ein theil/ stössets darnach in einem steininen Mörser gar klein/ thut ferner darzu iii.theil gutes Feinzuckers/ unnd wann es wol mit dem stossen durcheinander gearbeit ist/ so verwart mans darnach in einem Zuckerglaß oder Porcellanbüchsen. Dieser Conservenzucker dient zu allen obgemeldten Gebrechen/ wie von dem Syrup ist angezeiget worden/ deß Tages zum wenigsten einmal oder drey/ jedesmal einer gemeinen Castanien groß darvon eyngenommen.