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(BEIFUSS)
Artemisia pontica - Compositae
Von dem Pontischen/ dem kleinen kriechenden/
Alexandrinischen und Egyptischen Wermuth

Der Pontisch Wermuth Galeni ist jetzund zu unsern Zeiten sehr
bekannt/ und von fleissigen Artzten widerumb in Brauch kommen/ wiewol etlich ungeschickte Apotecker dessen nicht achten. Dieser
Wermuth hat ein kleine Wurtzel/ die hin unnd her in der Erden kreucht/ mit wenig Zaseln/ die stost jährlich im Frühling viel
Schoss herauss/ die hernachmals sich in Stengel zweyer oder dreyer Spannen hoch erstrecken/ mit schönen zerkerfften/ weissen oder
äschenfarben Bletter dem Wermuth gleich/ mit wenig nebenästlein. Gegen dem Herbstmonat gewinnt er oben an den Gipfflein viel
kleiner runder Knöpfflein/ darauss werden schöne bleychgeele Blümlein/ wie die Blümlein an dem gemeinen Feldt unnd
Bergwermuth: Und ist in summadieses Gewächs dem Wermuth an stengel/ Blettern unnd Blumen/ dem gemeldten Wermuth durchauss gantz
gleich/ aber doch viel kleiner. Ist am Geruch lieblich/ unnd hat etlicher massen ein anmütigen Würtzgeschmack mit einer
bitterkeit. Wiewol man nun diesen Wermuth hin und wider gemeiniglich in den Gärten zielet unnd pflantzet/ so find man dennoch in
unserm Teutschlandt denselben im Altzeyergäw/ nit weit von der Statt Altzey/ dessgleichen bey GawHöfelach gnugsam vor sich
selbst wachsen/ an den dürren Rechen bey den Strassen/ wie auch zwischen Oppenheim und Nerscheim: Dieser Wermuth beschreibet
GALENUS sehr artig/ LIB.11.METH.MED.CAP.17.
ll. Der ander klein und kriechend Wermuth/ hat zerspaltene Bletter wie der ander Wermuth/ dem Baumwermuth
hernach beschrieben/ nicht ungleich/ doch kleiner/ seine Stengel die von einer holtzechtigen unnd zaselechtigen Wurtzel herfür
wachsen/ strecken sich nicht ubersich/ sondern ligen zur erden gesencket. Die Blümlein seynd dem vorgeschriebenen wermuth nicht
ungleich/ der Geruch ist lieblich/ der Geschmack bitter/ würmechtig und zusammenziehend. Er wird mehrentheils bey uns in den
Gärten gepflantzet/ wiwol er auch an etlichen Orten vor sich selbst wechst: Und wird auch dieser Wermuth von etlichen vor den
Pontischen Wermuth gebraucht/ und thun dieselbigen besser/ dann die den gemeinen Wermuth darvon nemmen/ Sintemal dieser dem
Pontischen Wermuth mit seiner Krafft unnd Tugendt durchauss fast gleich ist/ dann kein ander geschlecht dess Wermuths.
lll. Der Alexandrinisch Wermuth hat ein holtzechtige Wurtzel wie der gemeine Wermuth/ die Blättlein seyn
klein/ tieff zerkerfft und weisslecht/ die Stengel Ehlenlang/ mit vielen nebenästlein/ die Blümlein vergleichen sich den
obgemelten. Der Geruch ist lieblich wie ein Würtzgeruch/ der Geschmack ist bitterlecht und zusammenziehend. Es wird auch dieses
Geschlecht dess Wermuths/ von den MEDICIS zu Trient/ vor den rechten Pontischen Wermuth gebraucht/ welches wol zu zulassen/ wo man
den Pontischen nicht haben kann/ sintemal auch dieser dem rechten Pontischen Wermuth an Krafft und Tugend gleich und verwandt ist.
Jn unsern Landen wechst er nicht von sich selbst/ sonder muss in Gärten gezilet werden. Jn Nidland ist er sehr gemein in den
Gärten. Ich hab jhn zum aller erstenmal bey dem Edlen und Wolgelehrten Herrn und PHILOSOPHO IOANNI BOYSOTO in seinem herrlichen
Lustgarten zu Brüssel gesehen/ welcher mir denselben auch mitgetheilt.
lV. Der Egyptische Wermuth wie er hie Conterfeyt abgerissen ist/ ist mir also von dem fürstlichen MEDICO unnd
PHILOSOPHO GUILIELMO TURNERO auss Engelland mitgetheilt worden/ welcher jhm also von dem hochgelerten MEDICO und PHILOSOPHO
CONRADO GESNERO von Zürich/ zugeschickt worden ist/ welchem wir neben andern auch dessen zu dancken haben. Von diesem Kreutlein
soll die Art dess Wurmsamens/ den man mit einem andern Namen Zittwansamen genennet/ gesamlet werden. Das Kraut hat mir nie grün
zu sehen werden mögen/ wiewol ich grosse nachforschung in Franckreich/ Flandern und Braband/ da die herrlichsten Kräutergarten
seynd/ gehabt habe.
Von dem Namen dess Pontischen Wermuths und der andern obgemelten Geschlechten
Lateinisch heisst er ABSINTHIUM PONTICUM GALENI, ABSINTHIUM MINUS, ABSINTHIUM TENUIFOLIUM, weil er an seiner
gantzen Substantz kleiner ist/ dann der gemeine Wermuth/ dannenher er auch von AUERRHOOE ABSINTHIOLUM genant wird. Wir Teutschen
nennen jhn Pontischen Wermuth/ Welschen Wermuth/ unnd Grabkraut/ dieweil man der Todten Gräber darmit zieret/ unnd auff dieselben
pflantzet.
ll. Der ander klein Wermuth heisst Lateinisch ABSINTHIUM SUPIUM, ABSINTHIUM REPENS, und zum Underscheid dess
vorgenanten ABSINTHIUM MINUS SUPINUM.
lll. Das dritte Geschlecht wird von den Lateinischen ABSINTHIUM ALEXANDRINUM geheissen.Teutsch heisst er
AlexandrinischerWermuth/ und ist das ABSINTHIUM NABATHAEUM AUICENNAE, wiewol etliche ein SERIPHIUM ABSINTHIUM darauss machen
wöllen.
lV. Das vierde Geschlecht wird von den Kräutlern und MEDICIS ABSINTHIUM AEGYPTIACUM genant. Hochteutsch
Egyptischer Wermuth.
Von der Eygenschafft/ Krafft und Wirckung dess Pontischen Wermuths/ sampt den andern obgemelten dreyen Wermuthen
Der Pontisch Wermuth Galeni/ das ist unser Welscher Wermuth/ ist heiss im anfangdess ersten Grads. Ist am
Geschmack nicht so bitter wie der gemeine Wermuth/ die Astriction aber/ oder sein zusammenziehende Krafft/ ist grösser und
stärcker/ derwegen er der Leber viel dienstlicher ist/ soll auch vor andern in die Artzneyen zu gebrauchen erwehlt werden/
sintemal er auch weniger hitziger ist/ als der gemein Wermuth. Er hat ein Krafft zu stärcken/ zu erwärmen/ zu eröffnen/ zu
extergiren und zu trücknen. Führet auss die Gallen durch den Harn/ und ist dem Magen und Brust so mit zähem Schleim beladen/
von wegen seiner zusammenziehenden Krafft schädlich/ so er vor sich selbst/ allein ohn ein Zusatz gebraucht wird.
Der kriechende Wermuth aber/ wie auch der Alexandrinische/ seynd diesem in der Krafft
unnd Wirckung von wegen der anmütigen Bitterkeit und lieblichen Würtzgeruchs durchauss gleich/ und mag derwegen je einer an dess
andern statt nützlich gebraucht werden. Der Egyptische Wermuth ist wärmer/ truckner Natur und Eygenschafft/ doch minder als der
Pontisch Wermuth.
Jnnerlicher Gebrauch dess Pontischen Wermuths Galeni
Der Pontisch Wermuth Galeni/ dienet fürnemlich vor alle Kranckheiten und Gebresten der Leber/ die von Kälte
verursacht werden/ eröffnet deren verstopffung/ stillet den Schmertzen derselben/ vertreibt die Geelsucht/ lest die Gall bey dem
Menschen nicht uberhand nemmen/ kompt zu hülff den Lebersüchtigen/ reiniget die Leber/ vertreibt die böse ungestalte Todtenfarb
dess Leibs/ der grün Siechtag genant/ und verhütet die Wassersucht.
Dienet sehr wol den kalten flüssigen Menschen/ trücknet und verzehret die Flüss die zur Brust und Lungen
fallen. Stärcket und erwärmet den blöden erkalten Magen/ stillet das trucken und schmertzen desselben: Wehret dem auffstossen/
fürdert die däwung/ bringet wider den verlornen Appetit zur Speiss/ vertreibet die Massleyd/ verzehret alle böse Feuchtigkeit/
stillet den Schmertzen dess Bauchs/ vertreibt das Krimmen und Reissen in den Därmen/ treibet den Harn/ und legt den Schmertzen
der Lenden unnd Nieren/ und öffnet derselben verstopffung.
Erwärmet und stärcket die blöde erkalte Mutter/ und legt den Schmertzen/ und stillet das Mutterkrimmen. Er
vertreibt alle böse veraltete faule Feber/ reinigt das Geblüt/ und verhütet es vor Fäulnuss/ verhütet das Podagram unnd die
Gliedsucht/ und stärckt alle Glieder dess gantzen Leibs. Und mag man den nicht allein in der Artzney/ Träncke oder Pulver
gebrauchen/ sondern auch in der Speiss/ und auff alle Weiss und Weg/ wie man will.
Eusserlicher Gebrauch dess Pontischen Wermuth Galeni
Eusserlich stillet dieser Wermuth allen Schmertzen im Leib vor sich selbst/ oder mit dem drittentheil Vcamillen
in leinin
Säcklein gethan/ dieselbige mit einem Faden fein gerigen: Darnach in halb Wein und Wasser gewärmt/ folgends
mit zweyen Tellern aussgetruckt/ und also warm eusserlich uber geschlagen: stillen solchen den Schmertzen dess Magens/ dess
Bauchs/ der Därm/ der Mutter/ der Leber und Seiten/ die von Kälte jhren Ursprung haben. Solche Artzney thut sehr wol in den
schmertzlichen Krimmen/ dessgleichen auch den Kindbetterinnen/ die nach der Geburt krimmen und reissen im Leib und in der Mutter
fühlen/ welche man die Nachwehen nennet.
Vor das Brechen dess Magens: Nimb ii.Loth Pontischen Wermuth/ geröst Brodt/ Gallöpffel/ Aloepatick/
Mutterzimmat/ Mastix und Weyrauch/ jedes i.Loth. Stoss alles zu reinem Pulver/ thu dazu ein Becherlein voll Essigs/ Küttenöle/
Nardenöle/ jedes ii. oder iii.Loth/ sieds mit einander in einem eysen Pfännlein mit stätigem rühren/ biss es wird wie ein
Brey/ darvon streich auff ein Tuch wie ein Pflaster/ leg es so warm es zu leiden ist/ uber das Hertzgrüblein/ es ist ein gewiss
Experiment/ welches nit allein den Alten/ sondern auch an jungen Kindern offtermals erfahren ist.
Auffgetrückneter Pontischer Wermuthsafft
ABSINTHII PONTICI SUCCUS EXICCATUS
Den auffgetrückneten Pontischen Wermuthsafft/ mag man bereiten/ wie den
Safft von gemeinem Wermuth/ davon wir oben gnugsam gesagt: Und gefellt mir aber vor allen andern der vierde MODUS am allerbesten/
wie man den auss dem dürren Wermuth bereiten soll/ sintemal derselb der best ist. Und kann solcher in allen Kranckheiten/ wie vom
Wermuth gesagt ist/ gebraucht werden: Weil man aber denselben allein vor sich selbst/ sehr selten gebraucht/ sonder den mit
Pillulen und andern Apoteckischen Artzeneyen zu vermischen pflegt/ wöllen wir desselben Gebrauch den Medicis befehlen.
Gedistillirt Pontisch Wermuthwasser
AQUA STILLATITIA ABSINTHII PONTICI
Von dem Pontischen Wermuth Galeni wird aller gestallt wie von dem
gemeinen Wermuth/ ein heylsam unnd köstlich Wasser künstlich gedistillirt und abgezogen. Und dienet solch wasser sonderlich zu
den kalten Gebresten der Leber und dess Magens/ auff einmal iiii. oder v.Loth getruncken. Es sollen die bleychen Jungfrawen/ die
stätig ein Todtenfarb haben/ jhnen dieses Wasser lassen befohlein seyn/ und alle Morgen iiii.Loth darvon trincken.
Dieses Wasser ist auch sehr dienstlich den Kindbetterinnen die Mutterkrimmen zu stillen unnd Nachwehen zu
verhüten/ gleicher gestalt getruncken.
Den jungen Kindern die Schmertzen und das Reissen im Leib haben/ soll man jederweilen ein Löffelein voll/ von
diesem Wasser zu trincken geben/ und jhnen eusserlich das Bäuchlein mit Pontischem Wermuthöl schmieren/ oder ein Wolle darinn
netzen/ darnach ein wenig ausstrucken/ und also warm uber das Bäuchlein legen.
Sonst mag man es nützlich zu allerhand Kranckheiten und Gebresten brauchen/ wie oben hiebevor von dem Kraut
angezeigt worden.
Pontischen Wermuthwein/ oder Wein von Pontischem Wermuth
ABSINTHITES EX PONTICO ABSINTHIO
Von dem Pontischen Wermuth Galeni/ wird auch ein sehr heylsamer Wein
bereitet/ aller gestalt/ wie oben von dem gemeinen Wermuth weitleuffig ist gemeldet worden/ der wird zu allen Kranckheiten/ darzu
das Kraut vor sich selbst gut ist/ gebraucht/ unnd dienet aber sonderlich den jenigen/ so mit dem Zipperlein/ Podagra und
Gliedsucht beladen seyn/ dann er trucknet die Flüss auss/ verhütet die gemelte Gebresten/ unnd stärckt die Gleych und Glieder/
dass sie die Flüss nicht so leichtlich annemmen/ stätig getruncken. Es sollen auch die jhnen solchen wein befohlen lassen seyn/
sie stätig mit Magenweh/ Bauchschmertzen und Krimmen geplagt werden/ dann er solche Schmertzen verhütet. Sonst mag er weiter zu
allen Kranckheiten/ wie oben von dem Kraut gemeldet ist/ nützlich gebraucht werden.
Ein köstlichen Wermuthwein mit einem Zusatz/ macht man also: Nimm dess Pontischen Wermuths Galeni iiii.Loth/
Bergwermuths ii.Loth/ Zitwan i.Loth/ rote Rosen iii.quintlein/ der rohen seiden Bälglein/ Zimmetrinden/ jedes dritthalb
quintlein/ Paradeyssholtz/ Muscatenblüt/ weiss Widerstosswurtzel/ jedes ein halb Loth/ Citronenbasilgen/ weissen Jngber/ Cubeben/
jedes anderthalb quintlein/ Jndianisch Spicanarden/ Näglein/ Angelick/ jedes i.quintlein. Solche Stück soll man klein
zerschnitten oder groblecht zerstossen/ in ein Säcklein thun/ und mit Häselen Spähnen in ein achtmässiges Fässlein einmachen/
solches mit gutem Most zufüllen unnd verjehren lassen/ folgends uber Jahr darvon trincken/ auch zu rechter zeit füllen und
ablassen/ wie oben von dem Wermuthwein gelehrt worden ist.
Dieser Wein verzehret die Feuchtigkeit unnd Fäulniss im Magen/ kompt denen zu hülff die mit dem Hertzklopffen
und schweren Träumen geplagt werden/ vertreibet alle Gebresten dess Haupts unnd Hirns von Kälte verursacht/ erwärmet den Magen/
stärcket denselben/ fürdert die Däwung/ stillet den Schmertzen dess Bauchs/ und ist denen sehr nützlich/ die sich ohn Ursach
förchten und kleinmütig seynd.
Etliche machen von diesem Wermuth ein köstlichen Wein/ mit einem Zusatz/ wie folgt: Nimm dess Pontischen
Wermuths Galeni vi.Loth/ der Gipffel vom Bergwermuth iiii.Loth/ rote Rosenii.Loth/ Jndianisch Spicanarden ein halb Loth. Diese
Stück mach mit Häselen oder Hanbüchen Spähnen/ in ein zehnmässiges Fässlein ein/ füll es mit gutem Most zu/ lass verjehren/
uber Jahr darvon zu trincken. Man mag jhn auch mit gesottenem Most zurichten/ wie oben im ersten Capitel von dem Wermuthwein
gelehrt worden ist.
Dieser Wein stärckt den Magen/ die Leber/ alle Jnstrument die der Däwung dienen/ er erwecket die Begird zur
Speiss/ vertreibt die Geelsucht/ zertheilt die Wind im Leib/ und treibt die bösen Feuchten durch den Harn.
Ein andern Wein den Lebersüchtigen uber die Mass heilsam und nutz/ mach also: Nimm dess Pontischen Wermuths
viii.Loth/ Bergwermuth iiii.Loth/ Braunmänderlin ii.Loth/ Adermenig anderthalb Loth/ Wegwartenkraut unnd Wurtzel/ bitter
Mandelkern/ jedes i.Loth/ Anissamen ein halb Loth. Diese Stück schneid klein/ und mach sie mit Hanbüchen Spähnen in ein
zehnmässiges Fässlein/ geuss ein guten Most darüber/ und lass verjehren/ uber das Jahr davon zu brauchen. Du magst jhnen auch
nach deinem Gefallen/ mit gesottenem Most bereiten.
So du auch gern ein purgirende Wein machen willst/ so nimm an statt dess gemeinen Wermuths/ wie der purgirend
Wein oben im ersten Capitel/ dieses Pontischen Wermuths/ und den andern Zusatz/ von allen Stücken darzu/ so hastu ein guten
purgirenden Wermuthwein/ zu den gemelten Kranckheiten an demselben Ort zu gebrauchen.
Extract von dem Pontischen Wermuth Galeni
ABSINTHII PONTICI GALENICI EXTRACTUM
Der Extract von diesem Pontischen Wermuth/ wird in aller gestalt gemacht/
wie der Extract von Bergwermuth: Er dienet zu allen Kranckheiten/ dazu der Pontisch Wermuth gut ist/ wie die hiebevor erzehlt
seynd. Und gibt man dessen auff einmal ein drittheil eines quintleins/ das ist ein Scrupel mit einer andern bequemen Artzney/
gedistillirtem Wasser oder Wein ein/ je nach Gelegenheit der Kranckheit/ wie du in dem Register zu end dieses Buchs finden wirst.
Conserven Zucker von dem Pontischen Wermuth
ABSINTHII PONTICI GALENICI CONSERVA
Den Conserven Zucker von dem Pontischen Wermuth/ mach also: Nimder
Blümlein mit den zarten Gipfflein dess Pontischen Wermuths/ also frisch und grün viii.Loth/ zerschneid die/ unnd stoss sie klein
in einem steinen Mörser/ mit einem höltzenen Stösser: Wann sie wol gestossen seynd/ sothu darzu xxiiii.Loth fein guten Zucker/
stoss und vermischs wol durch einander/ thu es darnach in ein Zuckerglass/ vermachs wol/ stells ein zeitlang an die Sonn/ und
behalts zum gebrauch. Dieser Conserven Zucker ist ein bewerte Artzeney/ vor den grünen Siechtagen (CACHEXIA) und die anfahende
Wassersucht/ so man alle Morgen nüchtern einer Castanien gross/ oder i.Loth darvon/ vier Stunden vor dem Morgenessen einnimpt.
Sonst dienet dieser Conserven Zucker/ auch in allen oberzelten kranckheiten/ darzu der Wermuth gebraucht wird/ gleichfals
genützt.
Pontischen Wermuths Syrup
ABSINTHII PONTICI GALENICI SYRUPUS
Wiewol der Pontisch Wermuth Syrup sehr wenig im gebrauch ist/ wird er
doch von etlichen fleissigen Artzten bereit/ wie der gemein Wermuth Syrup/ aber ich pfleg denselben also im Brauch zu haben/ wie
folget/ und hab denselben zu den undenbenanten Schwachheiten nun viel Jahr her nützlich und heylsam befunden: Nimb dess
auffgetrückneten Pontischen Wermuths Galeni xxiiii.Loth/ thu den in ein steinen Krug/ schütt darüber iiii.lb. oder ein Mass
gedistillirt Wasser von dem gemelten Wermuth/ verlutir den Krug/ stelle den in ein Kessel mit Wasser/ lass zum wenigsten drey
Stunden mit stetem fewr sieden/ darnach thue den Krug auss dem Wasser/ lass erkalten/ seihe die Brüh durch ein Tuch/ und druck
den Wermuth wol auss/ thue ii.lb. Zucker darzu/ lass gemächlich sieden/ biss es zu bequemer dicke eines Syrups kompt/ dann seihe
den durch/ und behalte den wol vermacht zum täglichen gebrauch. Im sieden verschäum jhn wol/ und läuter jhn mit einem
Eyerweiss. Von diesem Syrup gibt man auff einmal iii.Loth/ zu folgenden Kranckheiten.
Dieser Wermuth Syrup stärcket sonderlich die erkalte blöde Leber und den Magen/ unnd bringt den erlecherten
Magen wider zu recht/ legt und miltert desselben Schmertzen/ stärcket die behaltende Krafft/ vertreibet die Massleyd zur Speiss/
bringet wider den verlornen Appetit/ das Brechen dess Magens/ stärcket die Jnstrument die der Däuwung dienen/ dessgleichen alle
jnnerliche Glieder/ erhaltet den Leib bey Gesundheit unnd Jung geschaffen/ vertreibet das Spannen dess Zwerchfells/ führet auss
die Geelsucht/ stillet den Schmertzen der Leber/ stopffet den täglichen Bauchfluss/ stärcket den bauch/ und Eyngeweyde/
verhütet vor Fäulnuss/ und kommet den Lebersüchtigen zu hülff/ dienet zu allen Kranckheiten der Leber/ benimmet der Därm
Schlüpfferigkeit/ vertreibet CHOLERAM MORBUM, das ist/ den Bauchfluss von der Gallen mit Kotzen/ Würgen und Reissen im Leibe. Er
erwärmet und stärcket die erkalte Mutter/ legt den Schmertzen derselben/ dienet vor die Jungfrawen/ die mit der weissen
Kranckheit beladen seyn/ vertreibet die Feber in gemein/ und behütet/ dass sie den Menschen nicht anstossen.
Aussgezogener Pontischer Wermuth Syrup
SYRUPUS EXTRACTIONIS ABSINTHII PONTICI
Der aussgezogene Syrup von dem Pontischen Wermuth/ wird gemacht wie der
aussgezogen Zimmat Syrup.
Von diesem Syrup/ gibt man auff einmal i.Loth eyn vor sich selbst/ oder mit einem bequemen gedistillirten
Wasser/ je nach der Krancken gelegenheit vermischt/ dess Morgens nüchtern zum allerwenigsten ein paar Stunden vor dem Essen/ und
richtet man eben so viel darmit auss/ als wann man gleich der andern Syrup fünff oder sechs mal so viel einnemme. Unnd wird aber
auch dieser Syrup gebraucht/ zu allen denen kranckheiten/ darzu der Wermuth Syrup von diesem Kraut/ und auch der Pontisch Wermuth
selbst gebraucht wird.
Pontischen Wermuthsaltz
ABSINTHII PONTICI GALENICI SAL
Es wird auch von diesem Wermuth/ wie von dem Feld/ und Bergwermuth/ ein
nützlich Saltz zu vielen Leibs Gebresten dienlich bereitet/ welches mit Pillulen/ Mixturen und andern Apoteckischen Artzneyen
vermischt/ gebraucht wird. Dienet sonderlich aber vor die Pestillentz/ grünen Siechtagen CACHEXIAM, die Geelsucht und
Wassersucht/ vier oder zum höchsten fünff Granen auff einmal obgemelter massen gebraucht.
Pontischen Wermuthöle
ABSINTHII PONTICI OLEUM
Es wird auss dem Pontischen Wermuth/ ein köstlich Oel bereitet/ zu
nachfolgenden Gebresten/ das macht man also: Nim grünen und frischen zeitigen Pontischen Wermuth/ schneid oder stoss den klein/
füll ein Glass damit/ mit einem weiten Halss/ geuss darnach ein zeitiges Baumöl darüber/ und lass vierzehen Tag an der Sonnen
beytzen/ oder aber so du die Sonn nicht haben kanst/ sonst an einem warmen Ort. Darnach lass sieden in einem Kessel mit Wasser/
biss der Safft vom Kraut sich verzehret/ darnach drucks auss und seihe es durch/ thue widerumb frischen Wermuth wie zuvor drein/
stells an die Sonn/ seuds und trucks auss wie zuvor/ und thue dem also zum drittenmal/ so hastu ein gutes gerechtes Oel.
Dieses Oel stärcket und erwärmet den blöden erkalten Magen
denselbigen nüchtern und warm damit gesalbet/ unnd ein warm Tuch darauff gelegt. Gleicherweiss gebraucht/
stillet es den Schmertzen dess Magens/ dess Bauchs und der Därmen/ benimpt das Krimmen und Därmgegicht/ stillet den schmertzen
der Leber/ dess Rückens/ der Lenden und Nieren. Er stärcket und erwärmet die erkalte Mutter/ legt die Nachwehen im Kindbeth. Es
ist solches Oel ein heylsame Artzney vor dz krimmen im Leib der jungen Kinder/ so man jhnen die Bäuchlein drey oder viermal
darmit salbet/ oder welches besser ist/ dz man ein Lambwoll warm uber den Nabel und das Bäuchlein legt/ und wol verbindet.
Gedistillirt Pontischen Wermuthöl
ABSINTHII PONTICI OLEUM STILLATITIUM
Auss dem dürren und aussgetruckneten Pontischen Wermuth/ wird durch die
Destillation ein künstlich heylsam Oel aussgezogen/ welches zu allen Kranckheiten/ darz der Wermuth an jhm selbst dienlich
gebraucht wird. Darvon gibt man auff einmal drey oder zum aller vielsten iiii.Tröpfflein mit wein/ oder bequemen gedistillirtem
Wasser/ oder aber mit einem Syrup/ Conserven Zucker oder Safft ein/ je nach gelegenheit dess Gebrestens. Sonst wird es auch
heylsamlich mit anderen Artzeneyen vermischt.