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WEIZENBROT
VON DEM WEYTZENBROD.
Das allerbeste unnd fürnembste weiß Brodt/ haben die Alten auß zartem reinem gebeuteltem Semel oder Weitzenmeel lassen bereyten/ das muste ziemlich gehöfelt/ gesaltzen unnd wol gebacken werden/ dann ein solch Brod stärcket den gantzen Leib sehr wol unnd gibt gute Nahrung/ sonderlich wann das Meel von gutem wol zeitigem Weitzen gemalen worden ist. Frisch Weitzenbrod von newem Weitzenmeel gebacken/ nehret den Leib fast wol und macht den Menschen feyst unnd starck/ doch daß es zum wenigsten eines Tags alt sey. Heutiges Tages hat man in unserm Teutschland viel Leuth unnd wolerfahrne Becker/ die wissen auß dem schönen Semelmeel von Weitzen herliche/ wolschmäckendes Weißbrot zu backen/ sonderlich aber am Reinstrom/ im Elsaß/ zu Straßburg/ zu Heydelberg/ zu Pfortzheim und andern mehr Orten/ da das Weitzenbrod sonderlich den preiß hat/ und sol dasselbige allwegen außerwehlet unnd vor das beste gehalten werden/ wie wir hiebevor von dem Rockenbrod der lenge nach gelehrt.
Von den Namen deß
Weitzenbrods.
Das Weitzenbrod wird Lateinisch TRITICEUS PANIS genannt. Das aller
schönste Weißbrot so von der Blumen deß leichsten Weitzens bereytet unnd
gebacken wird/ heisset bey dem SENECA, PANIS SILIGINEUS, bey dem FABIANO, PANIS
PRIMARIUS unnd PANIS CANDIDUS. Hochteutsch/ Herrenbrod und Weißbrod.
Das Brod das von dem Semelmeel deß Weitzens gebacken wird/ heisset
Lateinisch/ PANIS SIMILAGINEUS und PANIS SIMULACEUS. Hochteutsch/ Simelen/
Semelen/ Simel oder Semelwerck/ Simel oder Semelbrod und Feinbrot. Das
Weitzenbrod aber das sein Kleyen noch hat unnd nicht gebeutelt worden ist/ heißt
Lateinisch bey dem CICERONE, PANIS CIBARIUS, bey dem CELIO, AUTOPYRUS, bey
andern PANIS CONFOSANEUS, und bey dem SUETONIO, PANIS SECUNDARIUS. Hochteutsch/
grob Weitzenbrod/ Bürgerbrod und Speißbrod.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Weitzenbrods.
Das Weitzenbrod/ Weißbrod und Semelbrod von dem subtielsten und der
Blumen deß Weitzenmeels gebacken/ nehret besser als kein ander Brod/ stärcket/
gibt gute Krafft/ unnd gebieret ein gut Geblüt/ ist mittelmässiger Natur/ wärmet
doch mehr als kein ander Brod/ wird nicht allein zur speiß/ sondern auch
nutzlich zu der Artzeney gebraucht.
Jnnerlicher Gebrauch
deß Weytzen und Semelbrods.
Es wird die Brossam von dem Weitzen oder Semelbrodt sehr in der
Küchen gebraucht/ dann darauß macht man gute kräfftige Müßlein und Breylein
beide vor die Gesundedn und die Krancken/ die bereytet man ab mit guter
Ochsenfleischbrühen/ oder mit Hammelfleisch/ Hüner oder Capaunenbrühen welche
man deren jederzeit an der Hand haben kann. Solche Müßlein speisen sehr wol unnd
geben dem Leib gute nahrung/ geberen ein frisches unnd gesundes Geblüt/ unnd
stärcken den Leib/ seind fast dienlich den blöden Menschen/ die von langer
Kranckheit außgemattet worden seind.
Etliche bereyten die gemeldten Müßlein mit guter frischer Milch/
oder aber mit Mandelmilch/ unnd temperieren die mit Zucker/ sonderlich aber in
Brustkranckheiten.
Den die mit hitzigen Febern unnd dem Seitenstechen oder Hitzigen
Apostemen beladen seyndt/ soll man diese Breylein mit wolgesottener
Gerstenbrühen und ein wenig frisches Buttern bereyten/ und seind jhnen auch
anfenglich dienlich wann sie nur allein mit frischem Brunnenwasser gemacht
werden.
Ein sehr köstliches anmütiges unnd liebliches Breylein die Krancken
verzehrten Menschen darmit zu stärcken in allen Schwachheyten da keine hitzige
Feber vorhanden seind/ Nimb die Brossam von Weitzensemel/ riebel die klein/ nimm
dazu ii.theil gutes weisses fürnen Weins/ und ein theil guter feyßter Hüner unnd
Capaunen oder Ochsenfleischbrühen/ ein wenig gepülverten Zimmat/ unnd eines
Hellers schwer rein gepülverten Saffran/ seude diese stück wol bey einem
Kolfeuwerlein ohne Rauch/ zu einem dünnen Breylein/ wann es gesotten/ thue darzu
zween frischer Eyerdotter/ laß ein klein wenig noch sieden und temperiers mit
schönem gepülvertem Maderizucker nach deinem oder deß Krancken gefallen/ unnd
soll so viel zu einem Gerichtlein auff einmal bereytet werden/ solches stärcket
uber die maß wol.
Denjenigen so Blut außwerffen/ soll man Breylein von Weitzenmeel mit
Mandelmilch bereyten/ unnd jhnen zu essen geben/ ist eine Speiß und Artzeney.
Weitzenmeel Brossam in ein Zinnlein oder Schüsselein geriebelt/
darzu gethan ein wenig gepülverten Zimmat/ darnach Wein daruber geschüttet/ unnd
mit genugsamem Zucker eine kalte Schalen bereitet/ und dieselbige mit Löffeln
gessen/ nehret sehr wol/ ist krancken und gesunden Menschen dienlich/ die nit
hitzige Feber haben.
Jn den Febern aber und hitzigen Schwachheiten/ mag man solche
Schalen allein mit frischem Brunnenwasser/ ein wenig Zimmat und Zucker bereyten
das stärcket wol/ leschet den durst unnd nehret. Es mögen auch gesunde Leuth in
grosser Hitz/ wann sie grossen Durst haben/ denselben mit dieser Artzeney wol
leschen.
Weitzenbrodt Brossam geriebelt unnd mit frisch gemolckener
Geyßmilck/ ohne Buttern unnd Saltz zu einem Breylein gesotten unnd gessen/ ist
eine kräfftige gute Speiß den Schwind unnd Lungensüchtigen wann kein Feber
vorhanden ist. So man aber ein mercklichs Feber spüret/ so soll an statt der
Geyßmilch Mandelmilch genommen werden. Aber zu diesem Breylein hab ich die Milch
also bereytet/ unnd sie allwegen in der gemeldten Kranckheit nutzlich befunden:
Man nimbt drey ächtmaß frisch gemolckener Geyßmilch/ oder in mangel derselbigen
Kühemilch/ thu die in ein neuwes wol gewässertes Häfelein/ mißt mit einem
weissen Stäblein wie hoch die Milch gehet/ an dag orth schneidet man ein
Kerfflein/ schüttet ferner darzu ein ächtmaß frisches/ süsses Brunnenwassers/
und ein loth schönen Maderizucker/ stellet darnach das Häfelein zu einem
Kolfeuwerlein/ lassets sittiglich sieden so lang biß das Wasser verzehret unnd
die Milch widerumb an das Kerfflein am Stäblein kommet. Mit dieser Milch hab ich
die gemeldten Breylein lassen bereyten/ unnd auch den Krancken geriebelt
Semelbrod inn ein Schalen gethan deren Milch daruber geschüttet/ unnd sie es mit
Löffeln also küle auß essen lassen/ hab sie auch darneben solche bereyte Milch
nach Durst trincken lasen/ dann die Milch also bereytet gerinnet nit im Leib wie
andere Milch/ speiset und stärcket die Krancken sehr wol.
Alt/ dürr Weytzenbrod stopffet den Stulgang allein/ oder mit andern
darzu dienenden stücken vermischet. Seind derwegen die Brodmüßlein oder Breylein
so davon bereytet werden fast nützlich in allen Bauchflüssen.
Weytzenbrod in Wasser geweychet ist ein treffenliche gute Mästung
vor die Gänß dieselbige mit feyst zu machen/ so man sie deß Tages dreymal darmit
speiset/ unnd sie darnaben genug trincken lässet.
Der Arabisch Artzet RAZES der lehret wie man von Weytzenmeel die
Hüner so feyßt machen soll/ daß sie sich kaum in jhrer Haut sollen können
behalten: Man soll nemmen Weytzenmeel/ unnd dasselbe vermischen mit
Eydechsenschmaltz/ Ritersaltz und Pfefferkümmel/ und den Hünern das zu essen
geben. Aber so du nimbst Weytzenbrod von ungebeuteltem Weytzen/ weychest solches
in Milch/ unnd gibst den Hünern oder Capaunen ein Monat lang in einem besondern
Gemach zu essen/ unnd lässest sie die gemelte Zeit nichts anders als Milch
trincken/ so werden sie uber die maß feyst/ unnd bekommen ein weisses/ mürbes
und wolgeschmacktes Fleisch. Andere machen die Hüner auch feyst allein mit
Weytzenbrod/ in frischem Wasser geweychet.
Eusserlicher Gebrauch
deß Weytzenbrods.
Die Brossam von Weytzenbrodt mit süß Mandelölen zu einem Pflaster
temperiert unnd auff ein Tuch gestrichen/ miltert unnd legt das Hauptwehethumb/
ubergelegt. So aber das Hauptwehethumb von Hitz kompt unnd der schmertz sehr
groß und scharpff ist/ soll man an statt deß Mandelölens/ Magsamenblumenöle
nemmen und das Pflaster mit anmachen.
Wider das hitzig Augenwehe: Nimb ein Untz Brossam von Weytzenbrod
klein geriebelt/ Rosenöle/ Chamillenöle/ jedes ein Untz/ deß Schleims von
erweychtem Leinsamen anderhalb Untz/ seude das mit genugsamem Brunnenwasser zu
einem Pflaster/ wann es gesotten unnd kalt worden ist/ so vermisch zwey Eyerklar
darunder/ davon streich auff ein Tuch und leg es uber die Augen/ es leschet die
Hitz gewaltig/ und stillet den schmertzen.
Die Brossam von warmem Weytzenbrod wie es auß dem Ofen kompt in Wein
geweychet/ wie ein Pflaster temperiert/ heylet die roten unnd blutigen Augen/
auff ein Tuch gestrichen unnd warm ubergelegt/ das soll deß Tages zum wenigsten
drey oder vier mal geschehen. So man aber das warm Brod nit allwegen haben kan/
soll man es auff einem Rost oder Kolen bähen unnd heiß machen/ darnach
obgemeldter massen temperieren.
Wider die Schiepen deß Angesichts: Nimb die Brossam von Weytzenbrod/
so warm sie auß dem Ofen kompt/ weych sie in weissem Wein/ Rosenwasser/
Bonenblüht und Seeblumenwasser/ jedes gleich viel/ laß an einem warmen ort mit
einander Tag unnd Nacht beytzen/ deß Morgens druck das Brod auß/ unnd seihe das
Wasser durch ein Tuch/ wäsche damit das Angesicht unnd lasse es von sich selbst
trucken werden/ das thue etlichmal es vertreibt die Schiepen unnd macht ein
schönes und hübsches Angesicht.
Die Brossam von Weytzenbrod mit Honig temperiert wie ein Pflaster/
heylet und vertreibet die Masen im Angesicht/ von schlagen/ stossen oder fallen.
Diese Artzeney vertreibet auch die Schiepen deß Angesichts wann es dünn mit
Honig angemachet und temperiert wird wie ein Sälblein/ darmit soll man dz
Angesicht deß Abends anstreichen und Morgens mit gesottenem Kleyenwasser
abwäschen.
Die Brossam von Weytzenbrod in Wasser gesotten/ darnach hart
außgedruckt und durch ein Tuch gesiegen/ miltert/ lindert und heylet die rauhe
Keele und Schlund/ offtermals warm damit gegurgelt.
Brossam von Weytzenbrod so warm von dem Brod genommen wie es auß dem
Ofen kompt/ und mit Eppichsafft und Honig zu einem Pflaster temperiert/ heylet
und vertreibet das Halsgeschwer ANGINAM, auff ein Tuch gestrichen unnd warm umb
die Keel geschlagen.
Brossam von Weytzenbrod mit Milch und Rosenölen gesotten zu einem
Pflaster/ und darzu gethan ein par frischer Eyerdotter und ein wenig gestosenen
Saffran solches wol durch einander vermischt/ auff ein Tuch gestrichen und warm
ubergelegt/ leget die hitzige Geschwulst der Weiberbrüst/ unnd miltert den
schmertzen.
Frisch Brossam von Weytzenbrod in Nachtschadensafft oder
Haußwurtzsafft gesotten zu einem Pflaster/ unnd uber das hitzig Podagram oder
Zipperlein gelegt/ stillet den schmertzen desselbigen. Gleichfalls gebrauchet/
stillet es auch den Schmertzen der Gliedsucht/ er seye gleich an welchem Glied
es wölle.
Frisch Weytzenbrod mit Saltzwasser zu einem Pflaster temperiert/
heylet die Flechten oder Zitterschen/ auff ein Tuch gestrichen und daruber
gelegt.
Weytzenbrod in Meth oder Honigwasser gesotten/ und wie ein Pflaster
ubergelegt/ sänfftiget alle hitzige Geschwulst/ von wegen seiner Krafft/ damit
es erweychet und kület/ und sonderlich wann nützliche oder dienliche
Kreutersäfft darunder vermischt werden.
Brossam von Weytzenbrod mit Baumölen oder Schweinenschmaltz
temperiert zu einem Pflaster/ auff ein Tuch gestrichen unnd ubergeleget/
erweychet unnd zeitiget alle hitzige Apostemen.
Oder nimb Brossam von Weytzenbrot vier untzen/ Korbfeigenmarck durch
ein Sieblein gestrichen zwo untzen/ kleiner Roseinleinmarck ein untz/ reyn
gepülverten Saffran ein halbes quintl. Seude solche Stück alle mit drey untz
Schweinenschmaltz in genugsamem Wasser zu einem Pflaster/ und vermisch darmit
zween Eyerdotter/ streichs auff ein Tuch unnd legs uber/ dann es ist ein
trefflich weychung.
Brossam von Weytzenbrod mit dem innern geschabenen Marck der Kürbsen
in einem Mörser wol durch einander gestossen das es werde wie ein Pflaster/
leschet das Wildfewer oder Rotlauffen/ daruber gelegt.
Von dem Weytzenbrodwasser.
PANIS TRITICEI AQUA STILLATITIA.
Auß dem Marck oder Brossam deß Weytzenbrods/ distillirt man auch ein Wasser/ jnnerhalb unnd ausserhalb deß Leibs nutzlich zu gebrauchen/ das riebelt man gar klein unnd zeucht es sänfftiglich ab in BALNEO MARIAE.
Jnnerlicher Gebrauch
deß Weytzenbrodwassers.
Weytzenbrodwasser deß Morgens und Abents/ jedesmal vier oder v.loth
getruncken/ dienet wider alle Bauchflüß und die rote Ruhr. Davon mag man auch
den jungen Kindern jedesmal ein Löfflein voll zu trincken geben.
Wider das viertägig Feber: Nimb Brossam von Weytzenbrod/ zerriebel
die klein in ein steinin oder gläsines Gefäß/ schütte daruber einen gemeinen
gebrannten Wein/ laß die ein Nacht miteinander beytzen/ darnach distilliers
durch ein gläsinen Distillierzeug/ dieses Wassers nimb xvi.untzen unnd thue
darzu vier untzen guter Näglein zu einem groblechtig Pulver gestossen/ behalst
in einem Glaß wol vermacht/ laß acht Tag stehen unnd mit einander erbeytzen/
darnach seihe es sittiglich ab durch ein sauber Tuch und behalts zum gebrauch.
Wann nun einer das Quartan Feber hat/ so bib jhm darvon auff den Tag wann das
Feber zu kommen pflegt/ ohngeferlich ein stund oder anderhalb zuvor/ allwegen
ii. Löffel voll.
Oder nimb die Brossam von zweyen frischen Weytzenbroden die erst auß
dem Ofen kommen/ unnd schütte in einem Geschirr darüber ein Quartier oder
ächtmaß Essigs/ distilliers darnach durch ein gläsinen Distillirzeug/ unnd gib
dem Febricanten darvon zween Löfel voll zwo stunden nach dem jhnen das Fieber
verlassen/ zu trincken.
Eusserlicher Gebrauch
deßWeytzenbrodtwassers.
Das gedistilliert Weytzenbrodtwasser trucknet die Flüß der Augen/
vertreibt die Röte und Flecken darinn/ jedertweilen ein par Tröpfflein dareyn
getraufft: vertreibt auch die Flecken und Schiepen im Angesicht/ dasselbige
offtermals darmit angestrichen und von jhm selber lassen trucken werden/ und
macht ein schöne und weisse Haut.
Die Haut deß Angesichts und der Hände schön unnd weiß zu machen:
Nimb der Brosam von frischem Weytzenbrodt vi. Untzen/ thue sie in ein sauber
Gefäß/ schütte darüber xxiiii. Untzen Geyß oder Eselsmilch/ damit bestreich die
Händ und Angesicht/ nach dem du sie zuvor sauber gewäschen hast/ thu das offt
und laß sie allwegen von sich selbst trucken werden.
Oder nimb frisch Brossam von Weytzenbrodt/ weyche dasselbige in
Eyerklar zu Wasser geschlagen/ distilliers darnach mit einander/ gebrauchs wie
gemeldet.
Oder wilt du dieses Wasser noch kräfftiger haben/ so beytze die
Brossam von Weytzenbrodt in sawer Pomerantzen oder Melonensafft/ darnach
distilier und gebrauchs obgemeltdter massen.
Oder nimb die Brossam von Weytzenbrodt xvi. untzen/ ein grünen
Kürbiß mit Rinden unnd allem klein zerschnitten/ der weissen Türckischen Bonen/
gescheelter Pfersichkernen/ gereiniget Zürbelnüßlein/ jedes acht Untz/ Pfeben
oder Peponenkernen/ Melonenkernen/ alle mit den Rinden groblechtig gestossen/
jedes vier untzen/ ein junge Taub außgenommen/ und mit den Federn zu kleinen
Stücken zerschnitten/ Alle gemelte stück sol man klein in einem Mörser stossen/
thue sie darnach in ein steininen Krug/ schütte Geyßmilch darzu/ daß sie zum
wenigsten zween Zwerchfinger uber die genannten Stück gehe/ Laß also ein Nacht
stehen und mit einander beytzen/ darnach distilliers und behalts zu obgemeldtem
Gebrauch.
Oder mach nachfolgendes Wasser welches ein sehr schöne zarte und
glatte Haut machet: Nimb vier untzen Brossam von frischem Weytzennrodt/ weyche
die in Lemonensafft eyn/ so viel genug ist/ thu darzu sechs frischer Eyer mit
jhren Schalen zerklopffet/ Honig vier Untzen/ sechs roter Schnecken/ stoß alle
diese Stück wol durcheinander: Nimb ferner noch vier Untzen frischer Brossam von
Weytzenbrodt/ zerriebel daß in ein Kolbenglaß/ schütte darüber xvi. Untzen weiß
Rosenwassers/ unnd die andern obgemeldten Stück darzu/ setze ein ALEMBICUM auff
den Kolben/ unnd distillier mit sanfftem Fewer das Wasser darvon/ welches die
Haut schön und glatt zu machen sonderlich erfahren und fürtrefflich ist/ Dieses
Wasser vertreibet auch den Kindbeterinnen die geelen Flecken im Angesicht/ so
sie sich darmit anstreichen.
Brodtwein
VINUM PANATUM oder VINUM EX PANE, oder aber CLAREUM VINUM EX PANE.
Auß dem Weytzenbrodt macht man ein herrlichen guten Speißwein oder Claretwein/ in grossen Schwachheiten/ unnd Verzehrungen deß Leibs/ von langwieriger Kranckheit verursacht/ sonderlich denen nützlich/ die wenig essen/ unnd die Speiß nicht wol geniessen können/ dann er stärcket und nehret sehr wol/ unnd machet man den also: Man nimbt schön Semelbrodt wie es auß dem Ofen kompt also heiß/ darvon nimbt man der Brosam sechs Untzen/ thut die in ein steinin Krug/ und noch ferner darzu vier Untzen guten Maderyzucker/ und ein halb Loth scharpffen außgelesenen Zimat groblechtig gestossen/ darüber schüttet man ein Elsasser Maß guten firnen Wein/ lasset solches zwölff Stunden mit einander erbeytzen/ darnach seihet man es durch ein Claretsack/ lasset solches so lang durchlauffen/ biß es lauter wirdt/ unnd darmit dieser Wein desto liechter unnd klärer werde/ sol man darzu schütten ein Pfenniggläßlein voll frischer Milch/ und jhnen als dann lassen durchlauffen.