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WEIZEN
Triticum - Gramineae
VON DEM WEYTZEN.
Der Weytzen ist
ein gemeines und wol bekanntes Gewächs so wol in unserm Teutschlandt als in
andern Nationen/ und haben wir ohn den Winter- und Sommerweytzen noch vier
Geschlecht/ die wiewol sie vorzeiten frembd gewesen/ seynd sie doch nunmehr auch
bekannt worden/ die unser Erdtreich auch annimbt/ und man sie nun auch weiß zu
säen und zu pflantzen.
l. Der gemeine Weytzen der fast allen Ländern EUROPAE bekannt ist/
stösset erstmals vor Winter kleine/ schmale Graßblettlein herfür/ zarter dann
die Blätlein deß Rockenkorn/ das theilet sich darnach auff dem Erdreich auß wie
ein ander Graßgewächs. Nach dem Winter gegen Aprillen/ fahet es an schön zu
wachsen und grün zu werden/ unnd steiget in die Hälmer unnd Aeher/ ein jeder
Halm wirdt etwas dicker dann ein Rockenhalm/ unnd ist mit etlichen Gleychen oder
Gewerben underscheiden/ ein jedes Gewerb ist mit einem schmalen rohrechtigen
Graßblat bekleydet/ also daß die holen Hälmer durch die graßechtige Bletter
herfür schliefen biß zu den Aehren/ die blühen umb S.Johannis Tag/ wann die
verblühet/ folgen die lange/ geele Granen/ deren etwa lx. Weniger und auch
bißweilen mehr in einem Aeher gefunden werden/ und darff auch diese Frucht
keines scheelens/ sondern wird mit Flegeln wie das Rockenkorn außgetroschen.
ll. Das ander Geschlecht ist der Sommerweytzen/ der ist mit den
kleinen Blettern/ Knöpfen/ Hälmen unnd Aehren/ deßgleichen auch mit den Gränen/
dem Winterweytzen gleich/ außgenommen daß die Aeher viel lengere unnd spitzere
Stacheln oder Gräd haben wie die Gersten/ unnd ist ein jedes Aeher ordenlich mit
zweyen Zeilen Granen oder Körner besetzet/ der ligt in Häußlein verschlossen wie
die Speltz/ oder S.Peters Korn/ darumb diese Frucht wie Speltz gescheelet muß
werden. Dieser Samen ist nicht so geel wie der Winterweytz/ sondern weißlecht.
Der beste Weytzen zu säen soll vollkommen/ satt/ leicht und goldtgeel von Farben
seyn/ als der wol und vollkommenlich zeitig worden ist/ welches man wol erkennen
kan/ wann es gebacken wirdt. Welcher Samen aber zerstochen/ runtzelechtig unnd
mager ist/ sol man nicht nemmen/ dann er ist untüchtig. Es muß der Weytzen tieff
gesäet werden/ unnd begehrt ein lettechtig oder leymechtig Erdtreich/ und das
etwas feucht ist. Es wächst auch sehr gern in einem Kalchsteinechtigen Erdreich/
deßgleichen in dem Kreydengrundt da er gar keines tüngens bedarff. Der
Winterweytzen sol im Herbst vor Winter gesäet werden/ unnd der Weiß oder
Sommerweytzen im Hornung und Mertzen.
lll. 1. Das erst Geschlecht deß Welschenweytzen/ welches Figur in
der zweyten Stell hierbey stehet/ der ist nicht an allen Orten Teutschlandts
bekannt/ wirdt aber doch in dem Elsaß unnd etlichen Orten am Rheinstrom
gezielet/ ist mit den Halmen unnd Blettern dem gemeinen Weytzen gleich/
außgenommen daß sie etwas vollkommener seynd/ Dieser Weytzen hat gar grosse/
lange vollkommliche Aeher/ gleich wie die Wintergerst/ mit sehr langen Spitzen/
Es seynd auch die Aeher von den Weytzenkörnern getrungener unnd runder dann die
Aeher deß gemeinen Weytzens/ ist ein schön unnd lustig Gewächs anzusehen. Diesen
Weytzen muß man etwas dünner säen/ dann es ein starck Gewächs und viel Halmen
gibt/ dann den gemeinen Weytzen. Jm Elsaß nahe bey dem Gebirg ist dieser Weytzen
wolbekannt und sehr gemein/ da man dessen viel zu säen pflegt/ von wegen deß
Wilds/ und der wilden Schwein die dann der Frücht an diesen Orten sehr gedrang
thun/ die versuchen diesen Weytzen gar selten/ von wegen der langen/ scharpfen/
stechenden Granen oder Stacheln/ darvon sie/ so sie die versuchen/ ersticken und
erstummen müssen.
lV.2. Das zweyte Geschlecht deß Welschenweytzens ist stärcker von
Gewächs dann alle andere Weytzengeschlecht/ die Aeher seyndt auch sehr groß unnd
schön/ mit fast langen/ stachelechtigen/ scharpffen Spitzen/ etwas auff
braunfarb geneyget/ die seyndt mit schwartzbraunen grossen Weytzenkörnern
besetzt/ die seyndthart unnd glantzend. Dieses Geschlecht ist in Welsch Flandern
gemeiner dann bey uns/ wirdt mehr der Seltzamkeit halben dann Nutzes halben bey
uns gesäet unnd gepflantzet/ sintemal wir deß edlen guten Weytzens unnd andern
Getreydts genug haben/ dass wir GOtt nicht genug dacnken können.
V.3. Das drit Geschlecht deß Welschenweytzens/ ist mit dem Gewächs
dem ersten Geschlecht gleich/ außgenommen daß die Aeher manigfaltig und schön
doppel seyndt/ unnd mit Nebenährlein besetzt/ ist auch ein lustig Gewächs
anzusehen/ und ist der Weytzen dem ersten Geschlecht gleich.
Vl.4. Das vierdt Geschlecht deß Welschenweytzens/ ist dem zweyten
Geschlecht Gewächs halben fast gleich/ die Gran aber oder der Weytzen so es in
den langen spitzen und gebarten Aehren bringt/ ist schöner und gute weisse
Frucht/ die ein weisses und zartes Meel gibt.
Von den Namen deß
Weytzens.
Es gedencken die alten Lehrer in jren hinderlassenen Schrifften
mancherley Geschlechten deß Weytzens/ wie dann auch dieselben in mancherley
Landtschafften wachsen/ wie bey dem THEOPHRASTO LIB.8.CAP.4. zu lesen ist/ aber
wir wöllen uns mit den unsern und bekannten Geschlechten behelfen/ unnd deren
Namen nach der Ordnung erzehlen. Der Weytzen wird in gemein Lateinisch
geheissen/ ROBUS, TRITICUM, FRUMENTUM, und von den Kreutlern/ TRITICUM ROBUM.
Hochteutsch/ Weytzen/ und im Elsaß und Westerich/ Korn.
Der allerleichtest Weitzen/ auß welches Meel die Alten das
allerbeste Weißbrod gebacken haben/ der jnnwendig nicht satt gefüllt/ sondern
luck und nicht Meelreich ist/ wie der an vielen Orten gefunden wird/ unnd wie
gemeiniglich aller Weitzen ist/ so in Franckreich wächset/ der wird Lateinisch
genannt/ STRYGIS, unnd TRYGIS, HIPPOCRATIS, SILIGO, TRITICUM SILIGINEUM, und von
COLUMELLA, TRITICI VITIUM: PLINIUS nennt diesen TRITICI DELICIAS. Under diesem
und dem andern Weitzen ist kein ander underscheid/ dann daß der gemein Weitzen
satt/ und voller dickes Marcks schwer und Meelreich ist/ dieser aber ist leicht/
luck/ unnd gibt wenig/ doch gleichwol gut und schön Meel/ darauß die Alten das
aller schönste Brod gebacken haben/ wie solches PLINIUS bezeuget/ jrren derwegen
die jenigen nicht wenig/ die biß daher noch heutiges Tages das Rockenkorn
fälschlich SILIGINEM genennet haben. Der schwer unnd satt vollkommlich Weitzen/
wird fürnemlich und eygentlich von COLUMELLA ROBUS, und von den Simplicisten/
TRITICUM ROBUM, genannt/ wie derselbig schöner unnd schwerer in Seeland wächset/
dann er an einigem Ort Teutsches oder Welschlands wachsen mag.
l. Der Winterweitzen wird von den Kreutlern TRITICUM SEMESTRE,
TRITICUM HYEMALE und HYBERNUM genannt. Hochteutsch/ Winterweitzen.
ll. Der Sommerweitzen heisset Lateinisch/ TRITICUM TRIMESTRE,
DIOSCORIDI TRITICUM TRIMENIAEUM, COLUMELLAE, SETANIUM, und von den Kreutlern/
TRITICUM AESTIVUM. Hochteutsch/ Sommerweitzen.
lV. Das erst Geschlecht deß Welschenweitzens/ wird Lateinisch von
den Kreutlern genannt/ TRITICUM TIPHYNUM. Hochteutsch/ gebarter Weitzen.
V.2. Das zweyte Geschlecht wird von den Kreutlern Lateinisch
genannt/ TRITICUM NIGRUM. Hochteutsch/ brauner Weitzen.
Vll.4 Bey uns Teutschen werden sie alle Welsch Weitzen/ und gebarte
Weitzen getaufft.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Weytzen.
Der Weitzen hat ein mittelmässig temperament zu wärmen und zu
trucknen/ unnd wird vor allem andern Getreyd und Kornfrüchten hoch gepriesen/
unnd aber nicht allein umb seiner grossen unnd kräfftigen Nahrung willen/
sondern auch darumb/ daß er auch sonst zu vielen jnnerlichen unnd eusserlichen
Leibsgebrechen fast nutzlich in der Artzeney gebraucht wirt/ und ubertrifft der
gemeine Weytzen die Welschen Weytzen alle in der güte. Nach diesem ist der
erste/ dritte und vierte Welschweytzen zu erwehlen. Das zweyte Geschlecht
TRITICUM NIGRUM genannt/ ist der allerschlechtest/ gibt ein braun Meel unnd ein
schwartz/ grob Bawrenbrod/ das allein vor die starcke arbeytet/ Holtzflösser und
Ackerleut gehöret/ die es besser dann blöde Menschen verdawen können. Der
Weytzen und sein Meel haben eine Krafft zu miltern/ zu zertheilen und zu
zeitigen.
Jnnerlicher Gebrauch
deß Weytzens und Weytzenmeels.
Es ist der Weytzen heutiges Tages auch in die Küchen kommen unnd
sehr gemein darinn worden/ dann unsere Weiber unnd der grossen Herren
Meisterköch/ pflegen denselbigen so er jung unnd schier noch in der Milch ist/
oben mit dem Stroh abzuschneiden/ unnd sengen die Aeher uber dem Feuwer oder
dörren sie in einem Backofen wann das Brodt herauß kombt/ etliche aber lassen
die in der Sonnen dürr werden/ reiben dieselbigen wol zwischen den Händen/ biß
die Weytzenkörner herauß fallen/ solches pflegen sie nach dem sie wol gesäubert
ist/ mit guter Ochsenfleisch oder Hammelfleischbrühen abzubereyten/ thun jung
Dillkraut klein geschnitten oder Peterleinkraut darzu/ und ist ein herrliches
und gesundes essen/ beide vor gesunde und krancke Leuth/ ist denjenigen
sonderlich nutz/ so mit Nierenschmertzen unnd dem Samenfluß beladen seynd.
Andere lassen das gemelte außgerieben Weytzenkorn dürr werden und
behaltens uber Jahr zur speiß/ und wann sie es gebrauchen wöllen so legen sie es
in ein frisches Brunnenwasser/ so quellet es wider auff als wann es grün were/
das bereyten sie dann wie gemeldet ist.
Die Die Weytzenkörner mit Kühemilch wol gesotten/ speiset sehr wol/
ist dienlich in Gebrechen der Nieren/ und ein fürtreffenliche gute Speiß/ denen
so mit dem Hundshunger beladen seynd.
Jn den hitzigen Febern ist solches auch ein nutzliche und anmütige
speiß/ so man die gemelten Weytzenkörner nach dem sie in einem frischen
Brunnenwasser wol erweychet seynd/ mit einer Hünerbrühen abbereytet unnd wol
sieden lässet biß die Kernen schier zerfahren/ und mag man ein wenig der vier
kalten Samen/ von Melonen/ Kürbsen/ Cucumern unnd Citrullen zerquetscht und in
ein Tüchlein gebunden darbey sieden lassen/ dasselbe im sieden offtermals
außwerffen außdrucken/ so wird diese Speiß desto kräfftiger.
Von dem Weytzen oder Semelmeel das vom Weytzen bereytet wirdt/
machet man treffenliche gute Breylein mit Milch/ Hüner oder Fleischbrühen also:
Man nimbt deß Meels wenig oder viel/ nach dem man deß Breyes wenig oder viel
machen will in ein Pfännlein/ thut frischen Buttern darzu/ schweisset es ein
wenig doch daß es nicht braun wirdt/ schüttet darnach Milch/ Fleisch oder
Hünerbrühe zu unnd lässets wol sieden biß es ein dünner Brey wirdt. Diese
Breylein seyndt fast dienlich in Brustkranckheiten/ in Gebrechen deß bösen Halß
unnd deß Zäpffleins/ deßgleichen im Blutspeyen/ im Husten in Versehrung der
Nieren unnd Blasen/ in Durchläuffen oder Bauchflüssen/ unnd sonderlich in der
roten Ruhr.
Weytzenmeel mit Milch unnd frischem Gänßschmaltz zu einem Brey wol
gesotten/ ist eine kräfftige gute Speiß vor die Seugmütter/ dann sie machet unnd
gebieret viel Milch/ unnd machet dieselbige fallen. Alle gemeldte Speisen sol
man ziemlich und doch nicht zu viel saltzen.
Weytzenmeel mit Milch/ frischem süssem Mandelölen unnd ein wenig
Zuckers zu einem Brey gesotten/ ist eine heylsame Speiß den Lungensüchtigen/ und
denen so ein Geschwer in der Brust haben.
Weytzenmeel mit frischem Buttern/ weissem firnem Wein/ und gnugsamem
Zucker zu einem Breylein wol gesotten/ ist eine treffentliche Speiß und Artzeney
wider den Husten von kälte verursacht.
Jn hitzigen Schwachheiten mag man auff folgende weiß ein nützliches
Weytzenbreylein bereiten: Man nemme Semel oder Weitzenmeel/ lasse das mit
frischem Brunnenwasser uber einer Glut auffsieden ein wall oder sechs/ darnach
schütte drey aml so viel Mandelmilch darzu/ und laß es wol zu einem Breylein
sieden.
Weitzenmeel in Meth oder Honigwasser zu einem Breylein gesotten und
genützet/ benimbt und stillet alle jnnerliche Entzündung.
So jemandts Weitzen zu der Speiß gebrauchet/ machet er Würm im Leib
wachsen/ welches nicht allein SERAPIO LIBR. CAP.29. sondern auch die tägliche
Erfahrung selbst bezeuget.
Weitzenkörner ein wenig zerstossen/ und mit frischer Milch zu einem
Brey gesotten/ ist denen so ungeschickt sind zu den ehelichen Wercken ein gute
Speiß unnd Artzeney/ dann sie hilffet wider in den Sattel.
Zerstossene Weitzenkörner mit Geyßmilch unnd frischem Mandelölen zu
einem Brey gesotten unnd gessen/ machet den Seugmüttern viel Milch. Solches thut
auch so man gequetschte Weitzenkörner seud mit gnugsamem frischem Mangoldtsafft
und Gänßschmaltz zu einem Brey/ unnd gibt den der Seugmutter zu essen.
Ein Weitzenmüßlein von drey theil Weitzenkernen/ einem theil Meel
von Griechischem Heuwsamen/ einem halben theil gestossenem Amelmeel/ und
Penidzucker unnd Honig/ jedes ii.loth/ und i.loth frisch Rosenölen/ gesotten
unnd bereytet/ ist ein heylsame Speiß und Artzeney wider die Schwindt und
Lungensucht.
Weitzenbreylein oder Müßlein seyndt den jenigen so die Bein oder
Glieder gebrochen nicht allein ein gute Speiß/ sondern auch ein uberauß
treffentliche gute Artzeney/ dann sie heylen die gebrochenen Bein sehr/ unnd
löthen oder hefften sie fest zusammen.
Die gemeldten Breylein sind denen auch dienlich und nutz so
Christwurtzel gessen haben/ dann sie benemmen die schädlichkeit so sie
hindersich lässet.
Weitzenmeel mit Balsammüntz unnd Buttern gesotten/ ist gut wider den
Husten genützet/ und sänfftiget den rauhen halß und Schlundt.
Weitzenmeel mit Wasser zu einem dünnen Breylein gesotten/ und
sänfftiglich hinein geschluckt/ ist gut wider das Blutspeyen und brechen.
Ein Breylein von Weitzenmeel und Milch mit süß Mandel oder Sesamölen
gemacht/ ist den Lungensüchtigen eine gesunde Speiß unnd Artzeney/ unnd so man
an statt der andern Milch Eselsmilch nimbt/ so wirdt es desto nützlicher seyn.
Weitzenmeel mit Mandelmilch zu einem Breylein gesotten/ ist eine
fast dienliche Speiß und Artzeney wider das Brust und Seitengeschwer unnd
innerliche Apostemen/ mit gestossenem Penidzucker süß gemacht.
Wider die rote Ruhr: Nimb wolgeröschter Weitzenkörner die
braunlechtig seyndt zwey Loth/ wol geröschter Gersten unnd Erbsen/ jedes ein
Loth. Stosse die zu einem subtielen Pulver/ unnd schlage es durch ein härin
Sieblein/ dhue dann darzu sechs Untzen wolverscheumptes Honigs/ vermisch es wol
durcheinander zu einer Latwergen/ unnd gib dem Krancken Morgens nüchtern zwey
loth darvon zu essen ein Stundt vor dem Jmbiß/ unnd thue das täglich/ so lange
die Latwerge währet.
Gantze Weitzenkörner etliche Tage nach einander auff die xv. oder
xvi. deß morgens nüchtern gantz eyngeschluckt/ sollen den weissen Weiberfluß/
das Weißgesicht genannt stillen und verzehren.
Weitzenmeel mit einem Eye/ Buttern unnd Pferdtsbruntz zu einem
Teyglein gemacht/ unnd in warmer Aeschen gebacken oder gebraten/ hilfft dem
Rindtvieh so jhm Blut zu dem Hindern oder Gemächt/ oder auß der Nasen herauß
laufft/ so man es jhm zu essen gibt.
Weitzenmeel xv. untzen in einer Pfannen uber einem Kohlfewer wol
geröschet/ darnach mit ii. oder iii. Pfundt Wassers zertrieben/ dienet wider den
Durchlauff mdeß Rindtviehes/ so mans jhnen eynschüttet.
So ein Rossz kranck were/ unnd man wüste nicht was jhm were/ soll
man jhm Weitzenmeel in Wasser zertrieben/ unnd das Rossz solches Wasser/ unnd
kein anders trincken lassen.
Wann ein Pferdt das Feber hat/ sol man jhm Weitzenmeel vor sein
Futter zu essen geben/ doch nit so viel auff einmal/ unnd sol jhm auch das Meel
in lawem Wasser zertrieben/ und sonst nicht anders trincken lassen.
Wann ein Pferdt zu viel mager wird/ sol man jhm geröschten Weitzen
zum Futter zweyfach vorschütten/ unnd zum Tag dreymal träncken. Bleibt dann das
Pferdt noch mager/ sol man jhm den Weitzen mit Kleyen vermischen/ unnd das
Pferdt mit geringer sittsamer arbeit üben.
Die Schwein werden sehr feyst so man sie mit Weitzenkleyen mästet/
darzu ist auch gut das außgereutert von Weitzen in den Schewren und auff den
Speychern.
Die Spreyer und Außgereuter von dem Weytzen/ ist dem Rindtviehe sehr
gut/ so man jhnen solches under jhr Essen unnd Gebrütes machet/ dann sie werden
starck unnd feyst darvon.
Wann man die halbjährigen Kälber wol mästen unnd feyst machen wil/
sol man jhnen Weitzenkleyen und zart jung Graß zu essen geben/ und deß tags
zweymal/ nemlich deß Abends und Morgens träncken.
So man Gänß mästen unnd feyst machen wil/ sol man jhnen geweychten
Weytzen zu essen geben/ und sie deß Tags dreymal darmit speisen/ unnd jhnen kein
ander Waser zu trincken geben/ dann das/ darauß man rohe unnd blutig Fleisch
gewäschen hat/ so bekommen sie auch grosse Lebern. Oder nimb Weytzenmeel/ mache
mit Wasser unnd Honig einen Teyg darauß/ unnd speise die Gänß deß Tages dreymal
darmit.
Die Wachteln macht man feyst/ so man jn grünen Weitzen zu essen
gibt/ und sauber Wasser zu trincken.
Wiltu daß die Hennen fruchtbar werden unnd viel Eyer legen/ so gib
jhn Weitzen zu essen.
Die Pfawen wann sie Eyer legen werden sie schwach unnd sehr matt
darvon/ aber denen wird wider geholffen/ wann man jhn Weitzen zu essen gibt.
Die Hüner werden feyst/ so man jhn nichts dann Weitzenkleyen zu esen
gibt.
Wiltu gute und feyste Capaunen machen/ so sperre sie eyn in ein
dunckel Kammer/ weyche jhn Weitzenkörner in einem besondern Geschirr mit Milch/
und gib jhn auch Milch in besonder Geschirr zu trincken/ unnd thu das täglich
ein Monat lang oder dreyssig tag/ gib jhn aber darneben nichts anders zu essen
oder zu trincken/ so werden die Capaunen so feyst/ daß sich zu verwundern/ und
gewinnen darvon ein sehr zartes/ weisses und wolgeschmacktes Fleisch.
Will man die jungen Gänß baldt auffbringen/ soll mann jhnen Weitzen
inn Wasser gequellet zu essen geben/ so baldt sie außgeschloffen seyndt/ darvon
werden sie baldt flück unnd feyste.
Die jungen Gänß machet man feyst und gut/ wann man nimbt vier theil
Weitzenkleyen/ unnd zwey theil Gerstenmeel/ das rühret man jhnen mit warmem
Wasser/ und lässet sie dreymal deß tags so viel essen als sie mögend. Sie müssen
aber trincken genug darbey haben.
Wann man Enden feyst machen wil/ soll man sie in einem
verschlossenen ort under dem freyen Himmel halten/ und jhnen Weytzen genug zu
essen geben/ den sol man in ein Trog mit wasser werffen/ und den darauß essen
lassen.
Wann ein Rossz engbrüstig ist unnd sehr keichet/ soll man
Weytzenmeel mit lawem Wasser eynrühren/ und dem Rossz solches zu trincken geben/
unnd etliche Tag nichts anders trincken lassen.
Eusserlicher Gebrauch
deß Weytzens und Weytzenmeels.
Es hat das gemeine Bauwersvolck ein gemeine Regel/ wann man ein gute
Weytzenerd habe/ und viel Weytzens wachse/ so soll auch dasselbe jahr ein
reicher Herbst werden/ und viel Weins wachsen.
Weytzenstroh in heisser Laugen gesotten und das Haupt damit
gezwagen/ unnd in der Sonnen damit gestrehlt/ macht ein schönes und geeles Haar.
So einer ein schiepechtig Haupt hat/ der nemme ein gut theil
Weytzenkleyen/ thue die in ein Hafen/ und schütte siedend heiß Wasser darüber/
lasse es dann Tag unnd Nacht stehen/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd zwage
sein Haupt offt damit/ unnd streich es täglich etlichmal auff das Haupt/ unnd
lasse es von sich selbst trucken werden/ es vertreibet die Schiepen.
Weytzenmeel mit Honigwein oder weinmeth zu einem pflaster gesotten/
dient wider die Carbunckeln der Augen/ auff ein Tuch gestrichen und daruber
gelegt.
Weytzenspreiher in Wasser gesotten unnd durchgesiegen/ ist gut wider
das abnemmen unnd schwinden deß Augapffels/ so man ein ungewäschen Schaffwollen
darin netzet/ wider ein wenig außdrucket und warm uber das Aug leget/ und
offtermals damit bähet.
Wider den Schmertzen der Augen: Nimb i. Handtvoll Weytzenmeel/ ein
gebratene Zwibel/ frischen Buttern/ Schweinenschmaltz/ Rosenöle unnd
Rosenwasser/ jedes so viel genug ist ein Pflaster darauß zu machen/ das
vermische wol durcheinander/ streich darvon auff ein Tuch/ und legs uber die
zugethanen Augen.
Wider das dunckel unnd blöde Gesicht ein kräfftig Augenwasser: Nimb
ein Handvoll Weytzen/ zerstosse den in einem Mörser/ thu den in ein küpfferin
Becklein/ geusset daruber einen guten weissen Wein/ lässet solches eine zeitlang
stehen/ darnach seihet man dieses durch ein Tuch unnd behaltet es zu gemeltem
Gebrauch/ darvon thut man täglich ein par Tröpfflein in ein jedes Aug/ das
erläutert das Gesicht wunderbarlich/ unnd verzehret auch die Flecken in den
Augen.
Weytzen zwischen zween Stein gelegt unnd hart darmit außgedruckt/
das gibt ein Wasserechtige Feuchte/ die vertreibet die Flecken in den Augen/ so
man sie darmit anstreichet.
Sommerweytzen im Mund wol gekäwet/ erweichet die Geschwer der Augen/
wie ein Pflaster daruber gelegt.
Wider die Flecken unnd Runtzeln deß Angesichts/ und daß der Mensch
lang jung geschaffen scheine zu seyn: Nimb Weytzen oder Semelmeel acht Untz/
Habermeel i. Untz/ Marmelstein/ Gibs/ jedes i.loth/ geriebene Perlein/
gebrannter Cristall/ weiß Corallen/ jedes ein halb loth/ Rittersaltz ein quintl.
Alle gemeldte Stück soll man zu einem subtielen Pulver stossen unnd wol durch
einander vermischen/ und etliche Grän Biesems darzu oder nach deinem gefallen.
Von diesem Pulver nimb ein wenig/ zertreib das mit gutem Rosenwasser das es
werde wie ein dünnes Sälblein/ damit bestreich dein Angesicht deß Nachts wann du
zu Beth wilt gehen an/ unnd deß Morgens wäsche es mit lawem Wasser darinn Bonen
gesotten sind/ widerumb ab/ thu das ein zeitlang nacheinander/ und hernachmals
je zu acht Tagen einmal oder zwey.
Oder nimb Semel oder Weytzenmeel/ unnd temperier das mit Honigwein
oder Weinmeth wie ein Sälblein/ streich Abends wann du zu Beth wilt gehen das
Angesicht darmit an/ und wäsche es deß Morgens mit gesottenem Bonenwasser
widerumb abe.
Weytzenkleyen inn Wasser gesotten unnd durchgesiegen/ ist gut wieder
die rauhigkeit unnd den Schmertzen deß Halß unnd der Keelen/ offtermals warm
darmit gegurgelt.
Weytzenkleyen mit Schweffel unnd Terpentin zu einem Pflaster
vermischt/ heylet die Kröpff unnd Knollen deß Halß/ auff ein Tuch gestrichen
unnd daruber gelegt/ heylet auch die Geschwulst unnd Geschwer under den Achseln
unnd bey den Gemächten.
Weytzenmeel mit Milch und Baumölen temperiert wie ein Sälblein/ und
die Lefftzen und das Angesicht darmit angestrichen/ verhütet daß sie nicht
runtzelechtig werden/ unnd machet die weiß und schön.
Wider den Schmertzen der Brüst/ von ubriger Milch: Nimb Weytzenmeel
seude das wol mit Wasser/ thue dazu Rosenwasser/ Rosenölen/ jedes vier loth/
unnd ein drittheil eines quintleins gestossenen Saffrans/ temperiers und seuds
wol zu einem Pflaster/ streichs auff ein Tuch unnd legs warm uber die Brüst.
Wider die Geschwulst und Apostemen der Brüst: Nimb Weytzenmeel vier
loth/ Rosenhonig drey loth/ zween Eyerdotter und Schweinenschmaltz so viel genug
ist/ temperier es wol durcheinander zu einem Pflaster/ darvon streich auff ein
Tuch und legs darauff.
Weytzenkleyen in der Brühe darinnen Rauthen ist gekocht worden/
gesotten und temperiert wie ein Pflaster/ legen die Geschwulst der Brüst nach
der Geburt/ ubergelegt. Gemeldte Artzeney ist auch gut wider die Bissz der
Viperschlangen/ und das krimmen deß Bauchs.
Weytzenmeel mit Baumölen angemacht unnd temperiert wie ein Pflaster/
erweychet die harten Geschwer der Brüst/ auff ein Tuch gestrichen unnd daruber
gelegt. Etliche sieden das Weytzenmeel mit Wasser und Baunölen zu einem
Pflaster/ und gebrauchens gleicher Gestalt/ das erweychet die Geschwer in
kurtzer zeit.
Weytzenmeel mit Weinessig gesotten wie ein Pflaster/ unnd darvon
auff ein Tuch gestrichen/ vertreibet die hangenden Brüst der weiber/ uber Nacht
daruber gelegt.
Weytzenkleyen in ein bequemes Säcklein gethan/ unnd Rauthenweiß mit
einem Faden geriegen/ darnach ein wenig in einem Wasser erwallen lassen/ dann
hart außgedruckt mit zweyen Tellern daß es nicht mehr trieffe/ miltert das
stechen in dem Seitengeschwer/ warm daruber gelegt/ unnd so offt es kalt wirdt/
widerumb in der vorigen Brühen gewärmet.
Weytzenkleyen obgemelter massen in ein Säcklein gefüllt/ und in
guten Wein gleichfalls gewärmet/ leget und miltert den schmertzen deß Magens/
warm daruber gelegt/ und solches offtermals reiteriert.
Die Geschwer deß Magens zu erweychen: Nimb Weytzenmeel zwölff
Untzen/ Höfel oder Sauwerteyg zwo Untzen/ süß Mandelölen drey Untzen/ rein
gepülverten Saffran ein halb loth/ frisch Brunnenwasser vier und zwantzig
Untzen. Alle solche Stück soll man durch einander vermischen/ unnd uber einem
linden Kolfewerlein zu einem Pflaster sieden lassen daß es nicht zu dick seye/
das soll man dann mit einer ungewäschenen Schaffwollen uber den Magen unnd das
schmertzhafftig Orth warm legen/ wirdt solches die Apostemen baldt erweychen.
Wider den schmertzen der Leber: Nimb Weytzenmeel acht untzen/
Gänßschmaltz zwo untzen. Seude solche stück miteinander in Wasser darinnen
Chamillenblumen und Wermuth gesotten worden ist/ zu einem Pflaster/ streich es
auff ein Tuch und legs warm uber die Leber.
Wider die hitzige geschwulst der Leber: Nimb Weitzen meel
viii.untzen/ Rosenöle zwo untzen/ und Wegwartenwasser i. pfund. Lasse solche
stück sittiglich miteinander sieden zu einem pflaster/ strreich darvon auff ein
Tuch und legs uber die Leber.
Weytzenmeel mit Baumölen unnd Wasser gesotten zu einem Pflaster/
erweychet unnd zeitiget die Apostemen der Leber unnd deß Miltzes/ auff ein Tuch
gestrichen/ unnd warm darüber gelegt.
Wieder die Erhartung deß Miltzes: Nimb Weytzenmeel sechs Untzen/
gepülvert Cappernwurtzel/ Senfsamen/ unnd Meisterwurtzel/ jedes zwey loth/ alles
rein gepülvert/ Cappernölen zwey Untzen/ starcken Weinessig/ gesotten Most/
jedes viii.untzen. solche Stück soll man durcheinander vermischen unnd uber
einer linden Glut zu einem Pflaster sieden lassen/ darvon auff ein Tuch
streichen/ unnd eusserlich uber das Miltz legen.
Weytzenmeel das nicht gebeutelt ist mit seinen Kleyen mit
Violenölen/ frischem ungesaltzenem Buttern unnd Wasser zu einem pflaster
gesotten/ und eusserlich uber die Leber gelegt/ vertreibt die Geschwulst
derselbigen.
Die jenigen so mit der rechten Wassersucht beladen seyndt/ die
sollen sich in ein Kasten mit Weytzen vergraben unnd zudecken/ daß nur das Haupt
herausser gehet/ so wirdt jhnen geholffen/ dann der Weytzen trucknet alle
wasserechtige Feuchtigkeit bey jhnen auß.
Weytzenmeel das nicht gebeutelt ist mit seinen Kleyen genommen/ mit
ein wenig rein gepülvertem Ysopkraut/ mit wasser und Honig zu einem Pflaster
gesotten/ leget und miltert den schmertzen deß Ruckens/ auff ein Tuch gestrichen
und darüber geleget.
Weytzenmeel mit Bilsenkrautsafft vermischet/ ist gut wider die
Auffblehung der Därm/ wie ein Pflaster ubergeleget.
Weytzen ein wenig gebrochen/ unnd in ein bequemen leininen Sack
eyngeriegen mit einem Faden/ darnach ein wenig in halb Wasser unnd Wein
gesotten/ folgends mit zweyen Brettern hart außgetruckt/ unnd warm uber den
Nabel unnd Bauch geleget/ ist eine gute Artzeney den Weibern/ denen sich jhre
Beermutter hinab sencket/ unnd auß der stat verruckt wirdt.
Weytzenmeel mit ein wenig Saltz unnd Sesamölen zu einem Pflaster
gesotten und auff ein Tuch gestrichen/ miltert den grossen schmertzen der vom
Stein verursacht wird/ warm uber die Lenden gelegt.
Oder nimb Weytzenmeel xii.untzen/ Baumölen vier Untzen/
Fenchelkrautsafft xvi.untzen unnd ii.loth Essigs/ solches seude mit einander zu
einem pflaster/ unnd leg es deß Tags zweymal warm uber den schmertzen. Dieses
pflaster dient auch wider den Lendenschmertzen gleichfalls gebraucht.
Weytzenkleyen mit Tag und Nachtkraut/ jedes gleichviel in ein leinen
Säcklein eyngeriegen/ darnach ein wenig in Wasser gesotten/ und folgends mit
zweyen Tellern außgeprest/ und uber das Gemächt warm gelegt/ unnd so offt es
kalt wirdt wider gewärmet/ miltert den grossen schmertzen von dem Blasenstein
verursacht.
Wider den Nierenstein wann der so in den Nieren verharret ist/ nicht
fort gehen wil/ unnd grossen Schmertzen erwecket: Nimb Weytzenmeel vier Untzen/
Leinsamen/ Griechischhewsamen/ alles zu reinem Pulver gestossen/ jedes drey
loth/ gepülvert Eybischwurtzel ii.loth/ Dillölen/ geel Veielölen/ jedes drey
loth/ Honig drey Untzen/ Wasser darinn Chamillenblumen gesotten worden seyndt/
Solches alles vermische durcheinander/ und laß sittiglich uber einem linden
Kolfewerlein sieden zu einem Pflaster/ unnd wann es gesotten ist/ so thue darzu
drey loth Terpentin/ unnd vermische es wol durcheinander/ darvon streich ein
Tuch/ unnd lege es warm uber die Lenden unnd Nieren/ das leget den unleidlichen
grossen schmertzen/ und erweitert die Gäng.
Wider die Geschwulst der Gemächt: Nimb Weytzenmeel vier untz/
gepülvert Cypressennüß i.loth/ seuds mit Honigwein oder Weinmeth zu einem
pflaster/ und legs warm auff ein tuch gestrichen uber/ es ist offt bewehrt.
Oder nimb Weytzenmeel vier untz/ durchgestrichen Marck von Feigen
ii. Untz/ Baumölen vier loth/ seude es mit Meth oder Honigwasser zu einem
Pflaster/ unnd gebrauch es wie gemeldet.
So sich die jungen Kinder sehr ubergeben und keine Speiß können
behalten: Nimb vier loth Weytzenmeel/ röscht es in einem Eisern Pfännlein/ biß
es gar braun wirdt/ thue darzu zween hart gebratener Eyerdotter/ rein
gepülverten Weyrauch ein loth/ Mastix auch gepülvert ein halb loth/ GUMMI
ARABICUM ,rote Rosen/ Muschatennüß/ alles gepülvert/ jedes i.quintlein. alle
gemeldte stück stoß wol durch einander mit zwey theil Essig und Balsammüntzsafft
einem theil/ daß es wie ein Pflaster werde/ darvon streich auff ein leinen
Tüchlein oder weissen Barchen/ unnd legs dem Kind warm uber das Hertzgrüblein
und den Magen.
Wider den zwang und gelüst zum Stulgang: Nimb Weytzenkleyen/ thu sie
in ein Säcklein/ seud die in gutem Weinessig/ druck es mit zweyen Tellern auß/
unnd sitz so warm darauff als du es leiden kanst/ es hilfft.
Wider den grossen zwang deß Maßdarms wie er pfleget in den
Bauchflüssen unnd in der Ruhr zu kommen: Nimb Weytzenkleyen und Pappelen/ jedes
gleich viel/ thue sie in ein leinen Säcklein/ reihe sie Rauthenweiß mit einem
Faden/ daß sie nit zusammenlauffen/ seude es darnach in Weinessig/ drucks
folgendts mit zweyen Tellern hart auß/ unnd lasse den Krancken also warm darauff
sitzen/ und wann es erkaltet so wärme es wider/ thu solches offt/ es ist
bewehrt.
Wider den schwerenden Hindern unnd verwundten Maßdarm: Nimb rein
Semmel oder Weytzenmeel/ alt Baumölen/ jedes gleich viel/ und ein wenig Bech/
lasse diese Stück zergehen/ nemblich das Baumölen unnd das Bech/ welches nur
halb so viel seyn sol als deß Oels/ darnach thue das Semmelmeel darzu/ unnd
temperiers wol durch einander zu einer Salben/ unnd legs warm auff leinene
Tüchlein gestrichen uber den Schaden.
Den Stulgang zu fürdern: Nimb zwey theil Weytzenmeel unnd ein theil
Saltz/ mache mit einem Eyerweiß ein Teyglein darauß/ mach darvon Zäpfflein nach
deinem gefallen/ lasse sie trucknen/ unnd wann du sie gebrauchen wilt/ so salbe
sie mit Baumölen oder Butter.
SEXTUS POMPEIUS hat sein Zipperlein oder Podagram mit Weytzen
geheylet/ der ist (wie PLINIUS schreibet) biß uber die Knie im Weytzen gesessen/
und ist darvon erlediget worden. Daher habens etliche erfahren/ daß die Weytzen
mit seinen Kleyen in Essig gesotten zu einem Pflaster/ solches ubergeschlagen
und den Schmertzen deß Zipperleins darmit gemiltert. So man aber den Weytzen
groblecht zerstöst/ denselbigen darnach uber dem Feuwer in einem bequemen
Geschirr wärmet/ die Füß darnach dareyn setzet/ thut es den Podagramischen viel
guts/ leget den schmertzen/ und verzehrt die Feuchten die sich in die Gleych und
Gewerb setzen.
Oder nimb ungebeutelt Weytzenmeel mit seinen Kleyen xv. Untzen/
Rosenöl/ Chamillenöle jedes vi.untzen/ rein gepülvert Amelmeel/ Wachs/ jedes vi.
Untz. Seude das Weytzenmeel mit frischem Wasser zu einem Brey/ zerlasse darnach
die Oelen unnd das Wachs mit einander/ rühre das Amelmeel dareyn/ unnd vermische
es darnach wol mit dem vorhin gesottenen Breye/ darauß wirdt ein heylsams
Pflaster/ welchs den schmertzen eines jeden Zipperleins und der Gliedtsucht
heylet und miltert.
Weytzenmeel mit dem safft auß Bilsenkraut zu einem pflaster
gesotten/ ist gut wieder die Flüß der Nerven oder Sennadern/ auff ein Tuch
gestrichen und darüber gelegt.
Allen Schmertzen aller Glieder deß Leibs zu legen unnd zu miltern:
Nimb Weytzenmeel/ Gerstenmeel/ Chamillenblumen/ Rosen/ jedes gleich viel/ unnd
zu Pulver gestossen/ jedes zwo Untzen/ Chamillenölen/ Rosenölen/ jedes zwey
loth/ seude es mit einander mit genugsamem Wasser zu einem Pflaster/ streiche
darvon auff ein Tuch/ unnd legs uber das schmertzhafftig Gliedt.
Weytzenkleyen in Essig gesotten/ ist gut wider die verrenckten
Glieder unnd Sennadern/ warm wie ein Pflaster ubergeschlagen.
Weytzen gesotten unnd ii.theil desselben mit einem theil gepülverten
Weyrauch unnd genugsamem Wein temperieret/ unnd ubergeschlagen wie ein Pflaster/
vertreibet die Seyerlein unnd Flechten die darvon verursacht/ sie seyen gleich
im Angesicht/ Händen oder andern Orten deß Leibs.
Weytzenmeel zwey Theil mit einem theil reyn gepülvertem Venedischen
Glaß/ mit Frauwenmilch die ein Mendlein seuget temperiert zu einem Pflästerlein/
heylet den Wurm am Finger oder das Mittel auff ein Tüchlein gestrichen und
ubergelegt.
Weytzenmeel ii. Handvoll mit zweyen Eyerdottern/ einem Löffel voll
Honig/ und mit Milch zu einem Pflaster temperirt/ vertreibet die Geschwulst vom
Aderlassen verursacht/ warm ubergeschlagen.
Die Hände offt mit warmem Wasser unnd Weytzenkleyen gewäschen/ macht
sie lind/ schön und weiß.
Weytzenmeel mit altem Baumölen gesotten/ Terpentin darzu gethan/
temperiert wie ein Pflaster/ heylet Nabelgeschwer/ auff ein Tüchlein gestrichen/
daruber gelegt/ unnd deß Tages zweymal verbunden.
Geschwer zu erweychen: Nimb Weytzenmeel/ seude das mit Wasser unnd
Baumölen zu einem Pflaster/ streichs auff ein Tuch/ legs warm uber/ es erweychet
in kurtzer zeit ein jedes Geschwer.
Hitzige Beulen und Geschwer zu erweychen: Nimb Weytzenmeel
viii.untzen/ Rosenölen vier untzen/ gepülverten Saffran ein halbes quintlein/
seuds mit genugsamem Wasser zu einem Pflaster und legs obgemelter massen uber.
Oder nimb vi. Untzen Weytzenkörner/ käuwe die gar klein unnd wol deß
Morgens wann du noch nüchtern bist/ also daß sich der Speychel wol darmit
vermische/ darzu thue Rosenölen zwo Untzen/ rein gepülverten Saffran ein
quintlein. Vermische diese Stück wol durcheinander/ unnd legs deß Tages zweymal
oder dreymal uber die Beulen/ biß daß sie genug erweychet ist.
Ein gutes Sälblein das die Rüffen von den Beulen und allen Schäden
hinweg nimbt: Nimb Weytzenmeel/ Rosenölen/ Buttern/ jedes ii.loth. vermische
diese stück wol durcheinander und thue darzu ein Dotter von einem Eye/ darmit
schmier die Rüffen etlichmal deß Tags/ so fallen sie hinweg.
Oder nimm Weytzenmeel ii.loth/ ungesalzen frisch Unschlit/ frischen
ungesaltzenen Buttern/ jedes i.loth. vermische diese stück mit einem oder zweyen
Eyerdottern zu einer Salben/ und gebrauchs wie gemeldet ist.
Weytzenmeel mit Eppichsafft und Honig temperiert zu einem Pflaster/
zeitiget die Carbunckeln oder Zinnblatern/ auff ein Tüchlein gestrichen und
ubergelegt.
Oder nimb Weytzenmeel ii. Untzen/ Honig/ Buttern/ jedes ein Untz/
Kappeskrautsafft/ Rauthensafft/ Holdersafft/ jedes drey loth/ laß diese mit
einander sieden uber einem linden Kolfeuwerlein zu einem Pflaster/ das Gebrauch
wie oben gemeldet ist.
Oder so du nichts weiter haben magst/ so nimm Weytzenmeel/ mach mit
Baumölen ein Teyglein daraus/ streich es auff ein Tüchlein und legs uber die
Zinnblater.
Weytzenmeel ein Handvoll mit einem Eyerweiß und Honig zu einem
Pflaster temperirt/ leschet und miltert die entzündung der Wunden/ und vertreibt
die Wundsucht/ auff ein Tuch gestrichen und ubergelegt.
Weytzenkörner gekäuwet oder ungekäuwet/ dienen wider den wütenden
Hundsbissz/ dann wann sie gantz dareyn geleget werden/ so ziehen sie die
Feuchtigkeit an sich/ quellen auf unnd werden groß/ daß sie also den Bissz oder
Geschwer weiter machen. Etliche vermeinen und haltens vor gewiß/ daß der Weytzen
von einem nüchtern Menschen gekäwet/ von dem fasten ein besondere Krafft
uberkomme/ damit er dem Gifft widersteht/ solches halten aber etliche vor
ungewiß/ wann man aber sonst nichts anders haben kan/ solle man diese Artzeney
nit verwerffen unnd sie gebrauchen/ biß bessere Mittel zur Hand kommen.
Sommerweytzenmeel mit Essig oder Wein zu einem Pflaster temperiert
unnd ubergelegt/ ist gut wider alle Stich unnd Bissz der gifftigen Thier.
Weytzenmeel mit Wein zu einem Pflaster temperiert/ benimbt die
gifftige schädlichkeit deß eyngenommenen Bilsensamens oder deß Krauts/ auff ein
Tuch gestrichen und außwendig uber den Magen gelegt.
Weytzenmeel mit Schweinenschmaltz temperiert wie ein Pflaster/
erweychet alle Geschwulst. Das Weytzenmeel aber mit Oele gesotten/ und wie ein
Pflaster ubergelegt/ erweychet alle verhartete Geschwulst.
Weytzenmeel dz wol gebeutelt ist/ mit Butter/ Honig/ Zwibelsafft
unnd Wasser zu einem Pflaster gesotten/ erweychet alle Geschwulst und Geschwer/
wie die Namen haben mögen/ wie obgemeldt/ ubergelegt.
Weytzenmeel mit dem sauren Honigsyrup (OXYMELITE) temperiert wie ein
Sälblein/ vertreibet die Linsenflecken/ Sprutlen genannt/ und andere Masen deß
Angesichts/ dieselben täglichs damit angestrichen.
Weytzenkleyen in scharpffem Weinessig zu einem Brey oder Pflaster
gesotten unnd warm ubergeschlagen/ vertreibt den Grind unnd Räude/ unnd
sänfftiget alle anfahende hitzige Geschwulst.
Weytzenkörner von einem nüchtern Menschen wol und zum aller
kleinsten gekäuwet/ also daß sich die Speychel wol darmit vermische ii. Untzen/
mit vier Untzen schwartzer Seyffen temperiert zu einer Salben/ heylet den bösen
Grind der dem Außsatz gleich ist/ sonst die Muselsucht genannt/ die befleckten
Orth darmit gesalbet.
Weytzenmeel unnd Linsenmeel/ jedes gleichviel mit Wasser gesotten/
gleich einem Brey oder Pflaster/ leschet die Hitz unnd den schmertzen der
brennenden Nachtblatern/ auff ein Tuch gestrichen und daruber gelegt.
Weytzenmeel zwey theil mit einem theil rein gestossenen Gibs mit
Eyerweiß temperiert wie ein dünner Brey oder Salben/ unnd mit Hasenhar in die
blutende Wunden gelegt/ stellet das Blut gewaltig/ und ist ein kräfftige
blutstillung auch vor das Bluten der Nasen/ gleichfalls wie gemeldet/ uber die
Stirn gelegt.
Die Flechten der Händ zu heylen: Nimb Weytzenähern/ brenn die zu
Aeschen/ auß der Aeschen mach ein Laugen/ darin lasse zergehn iii.loth
Galbensafft/ unnd wäsche die Händ Morgens und Abends warm darauß.
Daß die Vögel den gesäeten Samen nicht auffressen. Nimb Weytzen und
weiß Nießwurtz/ vermische die undereinander/ seude die in Wein und säe die
gerings umb den Garten herumb.
Weytzenspreyer in Wasser den dritten Theil eyngesotten/ ist gut die
erfrorne Glieder von der Winterkält wider zu recht zu bringen/ so man sie
anfänglich in diesem Wasser badet. Wann aber dieselben wund werden/ und anfahen
zu schweren/ so brate oder röschte Weytzenkörner in einer eisenen Pfannen biß
sie braunschwartz werden/ die stosse zu einem subtielen Pulver/ und sträuwe die
in die geschädigten Löcher und Oerter/ das reynigt/ säubert und heylet sie.
Die Wiseln zu vertreiben: Erweyche Weytzenkörner mit Salmiax in
Wasser/ und säe den an die ort da sie gemeiniglich jhre Wohnung haben/ welches
dann darvon jsset/ das stirbt oder fleuhet darvon.
Allerley Fisch mit den Händen zu fähen: Nimb Weytzenmeel/
Reyherschmaltz/ Baumölen und der Beyn von einem Reyher/ jedes ein loth/ stoß die
Reyherbeyn zu einem sehr reinen Pulver unnd schlahe die durch ein härins
Sieblein/ unnd vermische solches wol mit den andern obgemeldten Stücken zu einer
Salben/ wann du nun Fisch fahen wilt/ so salbe damit die Händ unnd Schinbein/ so
wirtu wunder sehen wie sich die Fisch nähen werden/ also daß du sie leichtlich
mit den Händen fahen kanst.
Schimlenden und stinckenden Wein wider zu recht zu bringen: Mach
Semel oder Weytzenmeel heiß in einem Backofen/ thue das in ein Säcklein unnd
hencke dasselbige in den Wein mitten in das Faß/ in dreyen oder vier Tagen kombt
der Wein wider zu recht und wolgeschmackt.
Zähen/ seygern unnd trüben/ molckenfarben Wein wider zu recht zu
bringen/ und lauter und frisch zu machen: Nimb Semel oder Weytzenmeel/ frisch
gemolckene Milch und das weiß von Eyern wenig oder viel/ nach dem das Faß
darinnen der Wein ist/ groß oder klein ist/ schlage diese stück durcheinander
biß daß es ein Schaum gibt/ und geuß miteinander in den Wein/ schlag den Wein
darnach mit einem durchlöcherten Rührscheid durcheinander biß daß er anfengt zu
scheumen/ darnach lasse jhnen ruhen/ so wird er in vier Tagen schön lauter unnd
frisch/ Den fünfften Tag lasse jhn dann ab in ein ander sauber bereyten Faß/ und
lasse den zum wenigsten vierzehen Tag zugeschlagen ruhen/ so hastu ein hellen/
schönne/ klaren und frischen Wein.
Wann ein Wein essigts oder anzickt: Nimb Weytzen unnd neuw Wachs/
jedes ein pfund/ schneidt das Wachs zu kleinen stücken/ vermische es mit dem
Weytzen/ thue es in ein oder zwey Säcklein/ hencks in den Wein so kompt er wider
zu recht/ verleuret den Essiggeschmack unnd wird lieblich zu trincken/ welches
offt bewehrt und erfahren ist.
Dem abgefallenen Wein seine natürliche Farb wider zu bringen: nimb
zu einem Fuder Weins xxiiii.untzen Weytzens/ stoß den biß die eusserste Schelen
oder Rinden darvon kommen/ darnach wäsche jhnen auß einem saubern Brunnenwasser/
schütte darzu ein halb maß Milch/ vermisch und geuß es in das Faß/ bewegs unnd
rühre es wol durcheinander mit einem durchlöcherten Rührscheid/ fülle das Faß
unnd schlage es zu/ lasse den also xiiii. Oder xv. Tag ruhen/ so hastu ein
schönen/ klaren und kräfftigen Wein.
Ein guten brentzlenden Wein zu machen: Nimb zu einem Fuder Weins
xvi.untzen Weytzens/ röschte den in einer Pfannen biß er anfahet zu brentzlen
und braun zu werden/ den henck darnach also heiß in ein Säcklein gethan inn den
Most/ unnd lasse den acht Tag darinn hangen ehe er zu jähren anfengt/ darnach
thue das Säcklein wider herauß/ so wird der Wein natürlich gut.
Wie man sauwer Bier wider zu recht bringen soll/ daß es lustig unnd
anmütig zu trincken werde: Nimb zu einer grossen Ahmen ein Pfund Weytzens/
zerstosse den groblechtig in einem Mörser/ unnd henck jhnenin einem Säcklein
mitten in das Faß. Oder nimb den zerstossenen Weytzen unnd vermenge den mit der
Höfen desselbigen Biers/ unnd schütte den in das Faß/ lasse darauff ruhen biß es
sich gesetzt hat unnd das Bier lauter wirdt/ so ist es wider gut unnd anmütig zu
trincken.
Wann ein Bier nach dem Faß stinckt/ so nimb ein handvoll
Weytzenkörner/ hencke die in ein Säcklein in das Faß dz Bier wird wider
wolgeschmackt und gut zu trincken.
Das ein Bier lang gut/ wolgeschmackt und nit sawer werde: Samle
Weytzenäher ehe der Weytzen gar zeitig wird/ doch daß er schon zu Korn gestossen
hab/ wie man den also frisch zu kochen pflegt/ die laß trucken unnd dürr werden
unnd behalte sie in einem saubern leinen Sack: Wann du nun Bier fassen wilt/ so
thu in ein jede Ahmen vier guter Handtvoll der gemelten gedörrten Weytzenähern/
und fülle das Faß mit Bier/ schlage es zu/ es bleibt gut und frisch.
Wann einem Rindviehe die Augen Geschwollen seynd: Nimb Weytzenmeel/
temperier das mit Meth oder Honigwasser zu einem Pflaster/ und binde es dem Rind
uber das Aug/ es hilfft und vertreibt die Geschwulst.
Wider den Huffzwang der Rossz: Nimb Weytzen/ zerstoß den
groblechtig/ temperier den mit Schmaltz/ unnd seude die mit Wasser daß der
Weytzen weych wird wie ein Pflaster/ das binde dem Rossz uber den Huf mit einem
Wüllinen Tuch.
So einem Roß die Hüfft oder Hessen seynd außgelauffen: Nimb
Weytzenmeel unnd Eyerklar mit den Schalen/ zerstosse die Schalen gar klein/ unnd
vermische es alles durcheinander wie ein Salbe/ und schmiere den Gaul darmit.
Wann ein Gaul ein harte Geschwulst hat die im nicht vergehen oder
nachlassen will: So nimb Weytzenmeel/ Kleyen/ Essig unnd Honig/ und ein
Eyerklar/ Vermische solche zu einem Pflaster/ das schlag dem Gaul uber die
Geschwulst/ laß drey Tag darauff liegen darnach thue es hinweg und lege ein
frisches uber wie zuvor/ das thu so lang biß daß die Geschwulst gar verzehrt und
vergangen ist.
Wann ein Gaul under dem Sattel gebrochen unnd wund worden ist/ so
brenne oder röschte Weytzen in einer eisenen pfannen/ stosse den zu Pulver und
sträuwe dasselbige in den Bruch und Schaden/ es heylet gewaltig.
So ein Rossz ein Uberbeyn hat: Nimb Semel oder Weytzenmeel und mach
mit Wasser ein Teyglein darauß/ das binde dem Roß uber das Beyn wie ein
Pflaster/ das lasse iii. Tag liegen/ dann nimbs hinweg/ ist nun die Haut nicht
offen/ so öffne dieselbige mit einem Flieten/ mache darnach ein Pflaster von
Weytzenmeel mit Seuwkaat unnd nüchterm Speychel/ binde es uber das Uberbeyn/ laß
wider iii. oder vier Tag ligen/ so lediget es sich ab von dem andern Beyn.
Wider die Struppen der Pferd: Nimb Weytzenmeel/ seud es mit Wasser
zu einem dicken Brey/ zerlaß darnach Kübelhartz halb so viel/ vermische solches
und temperiers wol mit dem Brey durcheinander daß es ein Pflaster werde/
streichs auff ein Wüllin Tuch unnd legs also warm auff die Struppen/ laß es iii.
Tag darauff liegen/ darnach zeuch das Tuch geschwind hinweg/ so bleiben die
Butzen und Kolben an dem Tuch hangen/ darnach wäsche das geschädigt Ort mit
einer warmen Laugen/ wann es gewäschen unnd trucken worden ist/ so temperier
Nußölen und Eyerklar durcheinander und salbe es darmit/ so heylet es bald.
Wann ein Roß an den Bügen oder an allen vieren mangel hat/ also daß
das Geäder am Bug zerstossen/ oder verrucket und sich verbüget hat: Oder so ein
Pferd geritten worden/ daß es an allen vieren vermüdet ist/ welches die
Roßärtzet den lauffenden Hendsch nennen/ so mache jhm ein eynsatz von Semel oder
Weytzenmeel mit Wein und Honig/ und schlag dem Gaul etliche Tag allen Abend
damit eyn/ und thue das so lang biß es besser wird.
Weytzenwein
PYRITES
oder VINUM EX TRITICO.
Jm Elsaß machet man ein sehr starcken Weytzenwein von dem Weytzen/ der ist fast lieblich unnd süß zu trincken/ ist aber sehr starck/ er schwechet das Haupt/ alle Glieder unnd die Nerven/ machet Hauptwehethumb/ Schmertzen unnd reissen in Gliedern/ ein schädlicher Tranck allen denen so ein blödes Haupt unnd Hirn haben/ auch denjenigen so mit dem Zipperlein und Gliedsucht behafftet seynd/ vor einen gemeinen Tranck getruncken. Hergegen aber ist es denen fast nutzlich die ein schweren Athem und das Keichen haben/ deßgleichen auch den jenigen so die Brust erkaltet/ unnd denen so die Lungenröhrlein mit zähem Schleim und Koder gefüllet seynd/ dann er erwärmet die Brust/ erweychet den zähen/ widerspenstigen Schleim/ reynigt die Brust unnd machet außwerffen/ so der mit bescheidenheit und vor eine Artzeney allein getruncken und gebrauchet wird/ dann so man dessen zuviel trinckt/ bringet er schaden. Es wirdt der Weytzen in lauterm frischem Most gesotten/ Aber wie der eygentlich mit dem Gewicht oder Maß bereytet wird/ haben wir biß daher nit erfahren können/ dann diese Kunst heymlich gehalten wird.
Weytzenöl.
TRITICI OLEUM
Es wirdt das Weytzenöle auff mancherley Form unnd weiß bereytet/ etliche pflegen es also zu machen/ nemblich/ daß sie dasselbige außdrucken zwischen zweyen glüenden Blechen. Andere bereyten den Weytzen auff ein Amboß auß in einer Schmitten/ oder sonst auff einem Eisen Blech oder Tafel/ unnd drucken mit einer glüenden Schineneisen das Oele herauß/ das samlen sie also mit einem Löffelein zum gebrauch. MARCELLUS EMPIRICUS der heisset den Weytzen auff ein glüende Ziegel außbreyten/ und das schwartz Oele so herauß lauffet mit einem Löffelein samlen. Etliche andere bereyten dieses PER DESCENSUM wie das Oele vom Wechholterholtz/ das ist durch das undersich brennen in zweyen Häfen. MESUE der schreibet daß der gescheelte Weytzen werde gedistilliert und abgezogen durch ein sublimir Gefäß/ wie das Zigelsteinöle/ OLEUM PHILOSOPHORUM genannt. RAZES lehret dieses Oele zwischen einem Marmelstein unnd einem dicken eisenen Blech außdrucken/ Andere stossen den Weytzen und röschten den in einem Kessel uber dem Feuwer biß daß er wol heiß wird/ darnach pressen sie den auß wie das Nüßölen/ Etliche andere distillieren dieses Oele wie das Anißölen/ dann dieses wird viel kräfftiger unnd fürtrefflicher dann die andern. Es werde aber nun bereitet wie es wölle/ so ist es fast nutz die Zittermal unnd Flechten darmit zu heylen/ deßgleichen den spitzigen/ beissenden Grind/ Räude unnd alle andere befleckung der Haut. Es machet auch die rauhe Haut deß Leibs glatt und schön. MARCELLUS EMPIRICUS lobet es zu dem geschwollenen unnd abgelauffenen Zäpfflein/ so man es nur ein wenig darmit bestreichet oder anrühret/ soll es auff ein stund helffen.