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WACHTELWEIZEN (GEMEINER -)
Melampyrum pratense - Scrophulariaceae
VON DEM WALDTHIRSCHEN.
Deß Waldthirschens haben wir zwey Geschlecht.
l. Das erste
Geschlecht hat ein kleines/ holtzechtiges/ weisses Würtzlein mit etlichen Nebenzincken/
darvon wächst herauß ein eckechtiger Stengel mit vielen Nebenästlein/ einer Elen
hoch und auch höher/ die seyndt mit vielen Knoden oder Gewerben underscheiden/ die
seyndt von unden herauff mit schwartz oder dunckelgrünen Blettern bekleydet/ den
Blettern deß Küheweytzens ähnlich/ außgenommen daß sie breyter und ein wenig kürtzer
seynd/ und gegen den stengeln ein wenig zerkerfft/ deren kommen je zwey unnd zwey
von jedem Gleych oder Gewerb gegen einander uber/ am oberntheil deß Hauptstengels
und der Nebenzweiglein/ da die Bletter anfahen kleiner zu werden/ wachsen zwischen
den Blätlein im Meyen und Brachmonat schöne/ gehälmte Blumen herfür/ je zwo und
zwo gegen einander uber/ die einander den Rücken wenden/ die seyndt erstlich geel/
darnach werden sie schön Goldtgeel/ wann dieselbigen verwelcken und vergehen/ so
folgen hernach kleine Belglein/ darinnen ist der Samen verschlossen/ der ist dem
Hirschen ähnlich. Es wächst hin und wider auff dem Ostwaldt/ auff dem Spessart/
Westerwaldt und im Wassgaw in den Wälden/ Hecken und dunckeln Orten/ da es ein ziemlichen
feuchten Grundt und Boden hat.
ll. Das zweyt
Geschlecht ist dem jetztgemeldten mit Wurtzeln/ Stengel/ Bletter und Blumen durchauß
gleich/ außgenommen daß die Blumen weiß/ wie die andern geel seyndt/ Es wächst in
den obgemeldten Orten/ wirdt aber under tausenden kaum eins mit weissen Blumen gefunden.
Von den Namen
deß Waldthirschens.
Der Waldthirschen
ist biß daher nicht bekannt gewesen/ wie er bey den Alten genannt worden seye/ so
man aber die Beschreibung CRATAEOGONI DIOSCORIDIS, LIB.3.CAPIT.126. mit unserm Waldthirschen
fleissig examinirt und gegen demselben conferirt/ wird sich Augenscheinlich befinden/
daß es das wahre CRATAEOGONUM der Alten ist/ sintemal es mit allen Noten und Kennzeichen
mit denselbigen durchauß zuschlegt/ derowegen wir es vor das CRATAEOGONUM behalten
wöllen/ biß andere ein bessers auff die Ban bringen werden/ welches doch lange weil
bedörffen wirdt/ Und sollen derowegen die jenigen so das PERSICARIAM oder den Flöhepfeffer
vor das CRATAEOGONUM an Tag geben haben/ billich mit Gespött unnd Gelächter abgefertiget
werden/ dieweil nicht ein einziges Kennzeichen daran gefunden wirdt/ die mit dem
CARTAEOGONO zustimmen. Es wirdt von DIOSCORIDE Lateinisch Genannt/ CRATAEOGONUM,
CRATAEONUM, unnd von THEOPHRASTO CRATAEUM, von HIPPOCRATE, POLYCARPUM und POLYCRITUM.
Etliche unserer Kreutler nennens ALSINEN SYLVATICAM und die andern PARIETARIAM SYLVESTREM,
wir habens von dem gemeinen Teutschen Namen Lateinisch/ MILIUM SYLVATICUM genannt.
Teutsch/ Waldthirschen wie es die Hirten und Schäffer nennen.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Waldthirschens.
Es hat der Waldthirschen
ein scharpffen unnd räsen Geschmack/ derwegen wirdt er warm unnd trucken geschetzt/
biß in den vierdten Gradt.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Waldthirschens.
Es seynd etliche
(spricht DIOSCORIDES an dem obangezogenen Ort) die Schrifftlich hindersich gelassen
haben/ daß wann ein Fraw nach der reinigung jhres Monatblumens/ alle Tag dreymal/
vierzig Tag nach einander ehe sie beyschläffet/ deß Waldthirschsamens ein halbes
quintlein mit v.loth Wassers trincket/ und desselben gleichen der Mann auch so offt
und viel wie das Weib vor dem Beyläger trincket/ so sol davon ein Mannliche Frucht
entpfangen werden.
Weitern Gebrauch
oder Kräfft und Tugendt/ können wir noch zur zeit nicht anzeigen/ biß daß wir dieselbige
durch den täglichen Gebrauch besser erlernen.