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TAUMELLOLCH
Lolium temulentum - Gramineae
VON DEM LULCH ODER DORT.
Dieweil wir an die Graßkreuter kommen/ wöllen wir nun fort schreiten/ dieselbigen und was jhrer Art ist/ hie in dieser Section vollendts zu beschreiben/ dazu auch der Lulch oder Dortkraut gerechnet und gezehlt wirt. Es hat aber das Dort oder Luch Wurtzel/ bletter und knodtechtige Stengel wie der Weytzen oder die Gerst/ die Aeher seyndt lang ein jedes von vielen kleinen Aehrlein zusammen gesetzt/ unnd gehet zwischen jedem Aehrlin ein kleines/ spitzes Blätlein herfür/ dardurch es dann von dem Mäußkorn oder Mäußgersten underscheiden wird/ welches diesem Gewächs gleich ist/ unnd aber allein die kleinen Blätlein zwischen den Aehrlein nicht hat. Jn jedem kleinen Aehrlein deß Lulchs findet man zwey oder drey Körner in Hülßlein verschlossen/ die seyndt kleiner dann die Weytzenkörner. Es wächst in den gebauwenen Feldern under dem Getreyd/ fürnemblich aber under dem Weytzen/ von welchen es auch herkompt/ oder seinen Ursprung her hat/ dann es ein Unkraut oder VITIUM deß Weytzens ist/ unnd begibt sich daher/ wann der Weytzen von stätigem Ungewitter zu viel beregnet wird/ so degeniert der Samen/ unnd wirdt unartig darvon/ entweder daß er zumal ertrincke/ verfaul/ oder in ein Unkraut gerathe. Dieses Unkraut kombt bald im anfang deß Winters herfür/ unnd wird mit dem Weytzen zeitig.
Von den
Namen deß Lulchs.
Es ist das Lulchkraut ein sehr gemeines Gewächs/ unnd ist allem
Bauwersvolck wol bekannt/ wann es aber noch gemeiner were/ so habens doch die
unwissende Calenderschmid sampt jhrer Gesellschafft biß daher nicht erkennen
können/ und wann sie gleich etwas von dem LOLIO in den Authoren gelesen haben/
so hat einer dz gemein Radenkraut/ der ander den Küheweytzen/ unnd der dritte
Mäußgersten/ oder aber den Tauben habern darvor gebraucht.
Das wir aber dessen Nahmen anzeigen/ so wirdt es Lateinisch genannt/
AERA ZIZINIUM und ZIZINIA,, THYARUS und LOLIUM. Von den Kreutlern wird es auch
nach dem Französischen Wort RURAIE, LURAIA, LUREUM unnd LURUM, Lateinisch
genannt. Hochteutsch heisset es Twalchweytzen/ Lulch/ Lolch/ Dort/ Durt/ unnd in
Sachsen Trespe/ Trebsen/ Walchtrespe/ Trestdorp und Weytzenthwalch.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Lulchs.
Das Lulch oder Weytzenthwalch ist warmer unnd truckner Natur/
nemblich warm im dritten Grad/ und trucken im andern. Es hat ein Krafft dünn zu
machen/ zu zertheilen/ abzulösen und zu säubern.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Lulchs.
Die Ackerleuth durchsieben den Lulchsamen unnd scheiden denselben
also von dem Weytzen/ unnd geben denselben den Hünern/ Capaunen unnd Tauben die
werden feyst darvon/ sonderlich aber lieben die Tauben diesen Samen/ deßgleichen
auch die Wachteln/ die ubermässig gut unnd feyst darvon werden.
Sonst schadet der Lulchsamen den Menschen so er denselbigen
innerlich in Leib gebrauchet/ und das Brod das von dem Lulchmeel gebacken unnd
gessen wird/ beschweret das Haupt/ macht den schwindel/ bringet ein tieffen
Schlaff/ unnd macht den Menschen doll als wann er voll Weins und truncken were.
Es schadet auch das Lulch den Augen unnd verfinstert das Gesicht/ welches auch
der Poet OVIDIUS war genommen/ als er I.FAST. mit folgendem Verßlein bezeuget,
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Der Poet VIRGILIUS MARO verwirffet auch dieses Unkraut als untüchtig (verstehe zum innerlichen gebrauch) I.GEORG. da er in folgendem Verßlein also sagt:
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Eusserlicher Gebrauch deß Lulchs.
Lulchkraut mit aller Substantz zerschnitten unnd klein in einem
Mörser gestossen/ heylet die dicken/ roten Geschwerlein oder bausen deß Haupts/
wie ein Pflaster ubergelegt.
Lulchsamen mit Leinsamen unnd Taubenmist in Wein gesotten/ wie ein
Pflaster temperiert/ zertheilet die Kröpff/ Drüsen/ unnd harte Knollen/ unnd
erweychet die harten Geschwer.
wider das unwillen unnd erbrechen deß Magens: Nimb Lulchsamen und
deß wilden Senffsamens das man fälschlich Eisenkraut das Weiblein nennet/ jedes
gleichviel/ stosse die zu einem reynen Pulver/ vermisch es mit Honig unnd
weychem Bech/ daß es werde wie ein Pflaster/ streichs auff ein Leder oder Tuch/
und lege es uber den Magen/ es hilfft.
Lulchsamenmeel mit süßem Most der den dritten theil eyngesotten ist/
oder aber mit Traubenmuß/ SAPA OVARUM, vermischet wie ein Pflaster/ vertreibet
und zertheilet die hartigkeit deß Miltzes/ auff ein Tuch gestrichen und
ubergelegt.
Wider die Unfruchtbarkeit der Weiber: Nimb Lulchsamen und Weyrauch/
jedes gleich viel/ lege das auff glüende Kolen/ und lasse den Dampff davon durch
ein bequemes Jnstrument zu dem Weibe gehen/ ehe das Weib beyschlaffet. Etliche
nemmen Myrrhen und Saffran zu dem Lulch und Weyrauch/ und gebrauchens gleicher
gestalt.
Die rauhen/ ungleichen/ zerschrundene Nägel an Händen und Füssen
hinzunemmen und zu vertreiben: Nimb Lulchsamen anderhalb loth/ Reuschgeel/
Operment/ Geelen Acrament/ Myrrhen/ Weyrauch/ jedes ein halb loth. Stosse alle
Stück zu einem subtielen Pulver/ vermischs mit gnugsamem Terpentin/ daß es werde
wie ein Pflaster/ streichs auff ein Tüchlein und lege es uber den Nagel.
Lulchsamen mit Saltz/ lebendigem Schweffel/ jedes gleichviel zu
einem subtielen Pulver gestossen/ folgends mit starckem Weinessig vermischet
unnd temperiert wie ein Sälblein/ heylet die wilden Flechten unnd den bösen
flüssigen Grind/ angestrichen.
Lulchsamenmeel mit rinderen Mist in Meth oder Honigwasser gesotten/
miltert den Schmertzen deß Zipperleins und der Gliedsucht/ wie ein Pflaster warm
uber die Schmertzhafften Ort gelegt.
Oder nimb Lulchsamenmeel ein gut theil/ seude das mit Essig und
Honig zu einem Pflaster/ streichs auff ein Tuch unnd legs warm uber/ es hilfft
sehr wol.
Lulchmeel in Honigwasser gesotten zu einem Pflaster/ ist ein
nutzliche Artzeney wider das Hüfftwehethumb warm ubergelegt.
Lulchmeel mit Taubendreck in Wein gesotten biß es dick wird wie ein
pflaster/ erweychet und öffnet alle harte Geschwer/ auff ein Tuch gestrichen und
warm ubergelegt.
Lulchmeel mit wenig Saltz/ Rettich und Essig zu einem Pflaster
temperiert/ heylet die umbsichfressende Geschwer/ und den kalten Brand/ darvon
die Glieder faulen unnd ersterben müssen/ doch so der vorhanden ist/ soll man
zuvor jedes Glied mit einer Flieren durchbicken/ unnd darnach das gemelte
Pflaster uberlegen.
Lulchsamenmeel mit Honig temperiert wie ein Pflaster und ubergelegt/
zeucht die Beynschrötlein auß den Wunden. Solches thut es auch so man dieses
Meel mit andern Zugpflastern vermischet/ das zeucht auch Spreissen unnd andere
ding so im Fleisch stecken auß.
Wie man die Bäum verwahren soll/ daß sie die Frücht nit fallen
lassen/ sammel den Lulch oder Dort under dem Weytzen wächset/ die reiß mit den
Wurtzeln auß/ und so sie anfahen welck zu werden/ mache einen Krantz darauß unnd
gürte den umb den Baum/ so behaltet er die Frücht biß zur rechten zeitigung/
unnd lasset die nicht fallen/ wie solches SOCION bey dem CONSTANTINO L.10.C.87DE
AGRICULTURA, bezeuget.