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SUMPF-HAARSTRANG
Peucedanum palustre - Umbelliferae
VON DEM OLSENICH
kein Bild
Das Gewächs von den Sachsen Olsenich genannt/ ist ein mittel Gewächs under dem Peterlein unnd der Pastenachen. Es hat ein schwartze Wurtzel/ die sich von jrem Haupt in etliche Nebenwurtzeln hin und wieder unnd uberzwerch außtheilen und underscheiden/ die seind fast eines kleinen Fingers dick unnd auch kleiner/ mit etlichen Zaseln behenckt/ ist inwendig weiß/ am Geschmack subril/ fast hitzig und bitter. Seine bletter sind breit und in viel theil zerschnitten/ kleiner und schmäler dann deß Peterleins/ fast ähnlich den Blettern deß Schirlings unnd der Pastenach. Von der Wurtzel wachsen herauß zween unnd auch etwan drey Stengel mit eckechtigen Holkelen/ die seindt rund und inwendig hol/ gegen der Erden zu braunrot/ die seind mit Gewerben oder Gleychen underscheiden/ die werden Elen lang unnd auch lenger. Die bletter so auß den Gewerben oben herauss wachsen/ sind schmäler unnd kleiner dann die untersten. Oben am ende der Stengel gewinnen sie schöne Dolden oder Kronen wie Schatthütlein wie der Dill/ mit vielen kleinen unnd weissen Blümlein/ denen folget nach ein runder breiter doppeler Samen/ welcher an der Form und Gestalt dem Dillsamen ähnlich ist/ eines hitzigen unnd bitteren Geschmacks wie die Wurtzel. Dieses Gewächs hat seine Wohnung in feuchten Orten/ da es gern wächst/ nemlich da Pfül und Sumpff seind/ in dem Moß bey den Erlenstauden. Unnd findet man dessen sonderlich viel zwischen Kneßlar unnd der Statt Gent in Flandern/ da ichs in grosser menge gefunden hab/ in den Orten da viel Erlenbaum wachsen. Jn Sachsen ist es auch sehr gemein/ aber im Oberteutschlandt sehr wenig.
Von den
Namen deß
Olsenichs.
Die Wurtzel deß Olsenichs ist viel Jahr her von
etlichen Aertzten unnd Apoteckern vor das MEUM der Alten/ welches unser
Beerwurtz ist/ gehalten worden/ die es in jhren Artzeneyen vor dasselbig/ doch
nicht ohn kleinen Jrrthumb fälschlich gebraucht haben/ sonderlich aber in den
Niderlanden und Mitnächtigen Orten/ wie solches dann noch auff den heutigen Tag
in Polen vor das recht MEUM gehalten unnd gebraucht wirdt/ dann sie das MEUM der
Alten auff jhre Muttersprach Olßenick nennen/ daher auch sonder Zweiffel der
Name Olsenick bey uns Teutschen den ursprung bekommen hat. Was nu das recht und
warhafftig MEUM der Alten ist/ haben wir hiebevor an seinem Ort von der
Beerwurtz angezeigt. Olsenich aber was es bey den Alten gewesen/ haben bißher
noch wenig angezeigt. Doch halten wir es eigentlich vor das THYSSELIUM, welches
PLINIUS LIB.25.CAP.II. beschreibet/ sintemal die beschreibung durchauß mit
unserm Olsenich uberein stimmet. Die Kreutler nennens OLSENICHIUM und MEUM
PALUSTRE, und die Teutschen Olsenick.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Olsenichs.
Die Wurtzel/ Kraut unnd Samen haben ein wärmende unnd
trucknende Eigenschafft/ welches der hitzig unnd bitter Geschmack genugsam
Anzeigung gibt/ unnd seindt aber warm unnd trucken im dritten Grad. Die Wurtzel
unnd Samen werden allein zur Artzeney von etlichen gebraucht/ sintemal sie nicht
jederman bekannt ist/ wie hiebevor auch angezeiget.
Gebrauch deß Olsenichs.
Die Wurtzel und Samen deß Olsenichs/ wirdt heutiges
Tages neben dem daß sie an etlichen Orten vor das wahre MEUM der Alten
gebrauchet wirdt/ auch wider die verstopffung der Nieren/ Blasen und Harngäng
gebraucht/ den verstandenen Harn/ Grieß und Schleim fort zutreiben unnd
außzuführen. Sie wirdt auch für alle Gifft nützlich eingegeben/ dasselbig durch
den Schweiß außzuführen.
Die Wurtzel im Mund gekeuwet/ zeucht viel Schleim auß dem
Mundt/ und miltert das Zahnwehe. Das thut auch so man die Wurtzel in Wein
seudet/ und darnach die durchgesiegene Brühe im Mundt/ so warm man die leiden
kan/ haltet/ und das offtermals reiterirt. Diese Wirckung schreibet auch PLINIUS
dem THYSSELIO zu.