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STRAUCHJASMIN
Jasminum fruticans - Oleaceae
VON DER BEERRAUTHEN
Die Beerraute solte billicher zu den Stauden gesellet werden/ dann unter die Kräuter/ dieweil wir aber biß daher von den Rauten gehandelt/ und deren Geschlecht nach einander beschrieben haben/ haben wir auch nicht unterlassen wollen/ die Beerrauten hie zu beschreiben/ sintemal etliche dieselbig auch vermeintlich unter die Kräuter zehlen/ und das POLEMONIUM DIOSCORIDIS daraus machen wollen. Es hat dieses Gewächs eine lange holtzechtige/ überzwerche/ krumme Wurtzel/ die sich weit und breit in der Erden außspreitet/ die schwärlich außzugraben ist/ am Geschmack zanger mit einer Bitterkeit.Von der Wurtzel wachsen herfür etliche dünne/ holztechtige und runde Stengel von Ruhten/ die haben eine dunckelgrüne Rinde wie die Pfriemen/ die werden drey und auch bißweilen vier Ellen lang/ haben etliche Nebenästlein/ die sind von unten an biß oben aus mit dicken und steiffen Blättern besetzt/ je ein Gesetze über dem anderen/ auf einem jeden Stiel drey/ die vergleichen sich etlicher massen den Blättern der Rauten/ allein daß sie grösser sind/ dem Geißklee fast ähnlich/ außgenommen daß sie sattgrün von Farben sind. Am Obertheil der stengel und der Nebenästlein erscheinen im End des Mäyens/ schöne geele Blumen/ die sind den Blumen der Veyelreben ähnlich/ eines geringen Geruchs. Wann die Blumen vergehen/ so folgen im Ende des Augstmonats schwartze runde Beeren/ die werden im Herbstmonat zeitig/ die vergleichen sich den Beeren des Faulbaums/ die sind voll braunrohtes Safts. Dieses Gewächs wächst nicht bey uns in Teutschland von sich selbst/ sondern wird wie ein ander fremd Gewächs in den Lustgärten gezielet und gepflantzet. Um Mompelier und in der Provintz Franckreich wächst es viel in steinechtigen Hübeln und Bergen. [Diese Beerraut wird wiederum beschrieben/ und eine andere Figur gesetzt im andern Buch 4. Sect. 29. Cap unter dem Namen baumischer Wiesenklee.]
Von den Namen der Beerrauten.
Die Beerraute wird von den Gelehrten zu Mompelier/ vor das
POLEMONIUM DIOSCORIDIS beständiglich gehalten/ aber daran mangeln die schmalen
Aestlein/ die auf beyden Seiten gefiederte Blätter gegen einander über haben/ so
mangelt auch der schwartz Samen/ dann wann das POLEMONIUM DIOSCORIDIS schwartze
Beeren haben solt/ wurde DIOSCORIDIS solches nicht verschwiegend/ und nicht ein
schwartzen Saamen dafür gesetzt haben. Was dann die holtzechtige Wurtzel dieser
Beerrauten belangen thut/ reimet sie sich auch nicht mit der Beschreibung
DIOSCORIDIS, zu dem/ wann DIOSCORIDIS POLEMONIUM nicht ein Kraut gewesen/
sondern ein baumechtig Gewächs oder ein Staud/ so wurde DIOSCORIDES sonder
Zweiffel solches auch nicht ungeendet gelassen/ noch sein POLEMONIUM unter die
Kräuter gesetzt haben. Derowegen diese unsere Beerrauten mit nichten das
POLEMONIUM genugsam in Teutschland wachsen haben/ welches nicht allein mit der
Description DIOSCORIDIS, so viel sein Gestalt/ sondern auch die Krafft/ Tugend
und Würckung belangen/ durchaus übereinstimmet/ wie wir dann das genugsam durch
täglichen langwierigen Gebrauch erfahren haben. Die Beerraut wird von den
Kräutlern und Simplicisten RUTA BACCIFERA, und RUTA TRIFOLIA genannt.
Von der Natur/ Krafft/ Eigenschaftt und dem Gebrauch der Beerrauten.
Der zanger und bittere Geschmack der Beerrauten/ gibt genugsame Anzeigung/ daß solches Gewächs warmer und
truckener Complexion seye/ weiter ist von seiner Krafft/ Tugend und Würckung/ zu dieser Zeit noch nichts bewust.