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STORCHSCHNABEL
Geranium-Geraniaceae


VON DEN STORCKENSCHNÄBELN


    Der Storckenschnäbel Kreuter haben wir auff die dreyzehen underschiedliche Geschlecht/ under denen auch etliche auss frembden Landen/ zu uns gebracht worden seynd/ die wir in den Lustgärten pflantzen müssen. DIOSCORIDES, PLINIUS und PAULUS AEGINETA, gedencken aber nur zweyer Geschlecht.
    l. Das erste Geschlecht hat ein dünne/ lange Wurtzel/ mit wenig Zaseln oder Nebenwürtzlein/ von Farben Leberfarb/ die Bletter vergleichen sich den Blettern der Anemonerösslein/ oder dem gemeinen Korbelkraut/ ein wenig haarechtig/ unnd zum theil rotlechtig/ die Stengel seyndt rundt/ unnd braunrot/ haarechtig/ mit gleichechtigen Knöpfflein/ darauss die Bletter unnd Nebenästlein wachsen/ Elenlang unnd auch bissweilen lenger. Oben am End der Stengel und Nebenästlein bringt es im Aprillen herfür/ schöne purpurrote Blümlein/ von fünff Blätlein/ die findet man schier den gantzen Sommer blüendt. Wann die aber abfallen unnd vergehen/ folget einem jeden Blümlein ein langes kleines Schötlein/ oben aussgespitzt/ mit ein Kranchschnäblein. Dieses gantze Gewächs hat ein starcken doch nicht unlieblichen Geruch. Es wächst gern auff alten Mauren/ in den Zwingern/ dessgleichen auff den Dächern/ unnd den Stammblöchern der abgehauwenen Bäum/ an schattechtigen/ feuchten und külen Orten.
    ll. Das zweyte Geschlecht/ hat ein weisse/ dünne/ lange Wurtzel/ mit ziemlichen Zaseln behenckt/ die ist am Geschmack herb unnd rauch/ die Bletter seynd rund/ wie die Bletter der kleinen Kesspappeln/ gerings herumb zerschnitten/ auff der letzten Seiten Eschenfarb/ mit vielen Riplein oder Aederlein durchzogen. Der Stengel ist klein/ rund/ haarechtig/ eines Schuchslang/ nicht dicker dann ein Strohhalm/ mit vielen gleychechtigen Gewerblein/ die seyn an der Farb braunlechtig/ am öbersten theil der Stengel und Nebenästlein/ gewint es blauwe Purpurfarbe Blümlein/ die seynd kleiner dann dess jetztgemelten/ blühen fast den gantzen Sommer. Wann die vergehen/ folgen hernach lange Spitzen/ die vergleichen sich den Kranichsköpffen mit jhren Schnäblein/ in denen ist ein grauwer Samen verschlossen/ dem Samen dess Radenkrauts gleich. Es wächst neben den Strassen auff wüsten ungebawenen Feldern/ auff den Kirchhöfen/ und in den Krautgärten under andern unkreutern/ erjüngt sich allen Frühling widerumb selbst/ dann es den Winterfrost nicht leiden kan.
    lll. Das dritte Geschlecht/ ist ein klein Kreutlein auff der Erden ligende/ es hat ein lange Wurtzel/ ausswendig geelfarb/ und innwendig weiss/ die Bletter seynd weiss zerkerfft/ wie die kleinen Bibernell/ die Stengel seynd klein/ rothlechtig unnd dünn/ ein wenig haarechtig/ die Blümlein kleiner/ dann der vorigen/ von Farben Presilgenbraun/ darauff werden lange Schnäblein/ wie die Kranchsschnabel. Dieses Kreutlein hat kein besonderen geruch. Es wechst gern in sandechtigen gebauwenen Feldern und Fruchtäckern.
    lV. Das vierdte Geschlecht ist dem jetztgemelten mit Wurtzeln/ Bletter unnd Stengeln gleich/ die Blümlein aber seind schön weiss/ und ist seltzamer zu finden/ als das vorgemeldte. Es wächst an gleichen Orten/ da das vorgeschrieben wächset. Bey Mecheln in Braband hab ichs ziemlich viel gesehen in den Fruchtfeldern.
    V. Das fünffte Geschlecht hat ein runde weisse Wurtzel/ Fingerslang/ ist am Geschmack süss wie die Rapuntzeln. Die kleinen zerkerfften Bletter vergleichen sich dem jetztgemelten/ doch mehr dem Dollkörffel oder Wüterich ähnlicher: Die Stengel seynd langlecht/ mit gleychechtigen knöpflein/ ein wenig rot und rauch. Jm Aprillen bringt es viel Presilgenbrauner Blümlein/ von fünff Blätlein/ an gekrümmeten Stilen/ darauss werden Köpfflein mit langen Schnäbelein/ die vergleichen sich den Kranichschnäbeln/ darinnen der Samen verschlossen ist. Dieses Kraut ist eines ziemlichen guten Geruchs/ doch nicht so starck und lieblich/ wie das Ruprechtskraut. Es wächset gern in magern sandechtigen Gründen/ unnd auff den alten Hoffstätten.
    Vl. Das sechst Geschlecht/ hat ein lange/ starcke und rothfarbe Wurtzel/ mit vielen Zaseln behenckt/ ist inwendig holtzechtig. Die Bletter seynd grösser/ dann der andern Storckenschnäbel/ wie die Bletter dess grossen Hanenfuss/ mit sieben oder acht Spalten zertheilt und tieff zerschnitten/ sonst gerings herumb zerkerfft/ die hangen an langen dünnen Stilen. Von der Wurtzeln kommen herfür etliche runde/ feyste/ lange Stengel/ die seynd unden von der Wurtzel her etwas rothlechtig/ ein wenig Wollechtig oder Haarig/ mit Gleychechtigen Gewerben/ oder Knoden abgetheilet. Oben an den Gipffeln kommen im Meyen und Brachmonat/ seine schöne blawe Blumen herfür/ die vergleichen sich an der Gestalt und grösse den Anemone Rösslein/ welche so sie abfallen/ wachsen die Schnäbel herfür/ wie in den andern/ ziemlich gross/ doch kürtzer unnd schöner anzusehn. Jn einem jeden Schnäbelein findet man fünff langer süsser Körnlein/ das ist der Samen/ die springen zu letzt selber auss. Es hat auch dieses Kraut einen ziemlich guten Geruch. Dieses Gewächs/ wiewol es viel in Hochteutschland von sich selbst wächset/ so wirdt es doch von wegen seiner schönheit und hüpschen lieblichen blawen Blumen/ auch in den Lustgärten gezielet und gepflantzet. Man findet dieses Krauts viel im Neckerthal auff den Wiesen/ zwischen Neckergemünd/ unnd der Churfürstlichen Statt Heydelberg/ und bey dem Kloster Neuwenburg: dessgleichen auch in der Ober Pfaltz im Beyerland/ bey der Statt Amberg in den Wiesen/ und vielen andern Grassechtigen Orten.
    Vll. Das vii.Geschlecht/ hat ein dicke/ knorrechtige/ runde Wurtzel/ wie die Erdtcastanien/ mit wenig kleinen Nebenwürtzlein/ von farben schwartzbraun/ innen aber weiss/ am geschmack unlieblich/ zum unwillen reitzende. Die Bletter seyndt den Blettern der Anemonerösslein gleich/ welche von jhrem Mittel in v.Theil/ ein jedes mit tieffen schnitten abgetheilt ist/ die hangen an sehr langen Stilen/ zu der Erden sich neigende. Die Stengel deren es drey oder vier hat/ die seynd dünn/ auff die anderthalb Spannenlang/ mit gleychechtigen Gewerblein oder Knöpflein. Die Blumen seynd Purpurfarb von v.Blätlein/ deren jedes ein Gestalt hat wie ein Hertzlein/ gleich wie die Blümlein dess roten oder weissen Widerstoss/ anzusehen wie kleine Rösslein/ die blühen schier den gantzen Sommer aussen: wann die abfallen/ folgen hernach langelechtige Schnäbelein/ wie die Kranichsschnäbel. Dieses Gewächs wird in den Niderlanden zu Mecheln und Brüssel/ dessgleichen auch bey uns in Hochteutschland in den Lustgärten gezielet/ ist erstlich auss Dalmatien und Windischland zu uns gebracht worden/ in welchen Orten und andern Ländern gegen dem Auffgang der Sonnen gelegen/ es vor sich selbst ungepflantzt wächset.
    Vlll. Das viii.Geschlecht/ hat ein lange weisse Wurtzel/ eines kleinen Fingers dicke/ die Bletter seynd lang unnd zerkerfft/ schier wie die Bletter der Wetterrösslein/ mit vielen Blutroten Riplein oder Aederlein. Die Stengel seynd dick/ einer Ehlenlang/ von Farben roth/ mit Gleychen oder Gewerben/ wie der Wasserpfeffer. Die Blumen seynd von Farben Purpurblaw: Nach denen folgen lange spitze Schnäblein/ wie die Kranich oder Storckenschnäbel. Dieses geschlecht wächst vor sich selbst in der Jnsel Creta/ in unsern Landen wird es in den Lustgärten wie andere frembde Gewächs getzielet.
    lX. Das ix.Geschlecht/ hat ein weisse Wurtzel/ ziemlich lang/ mit wenig Zaseln oder Nebenwürtzlein. Die Bletter vergleichen sich den Rosspappeln/ seynd doch lenger/ aber linde unnd weych/ von Farben Schweytzergrün/ die ligen auff der Erden aussgespreyt wie die Pappelbletter. Die Blümlein seynd klein/ Leibfarb/ nach welchen lange Schötlein folgen mit gekrümmeten Stilen/ die vergleichen sich den Storckenschnäbeln/ die im fünfften Ort beschrieben seynd. Umb Mompelier wächst dieses Kraut viel von sich selbst. Jn Braband und unserm Hochteutschland wird es in den Lustgärten getzielet.
    X. Das x.Geschlecht/ hat ein runde Wurtzel wie die geel Ackerzwibel/ von Farben schwartzrot/ am Geschmack süss. Die Bletter seyn gleich den Blettern der Anemonerösslein/ seynd aber tieffer/ biss zu jhrem mittel zerspalten/ also dass die understen ein jedes in sechs Bletter zerspalten/ und die öbersten in fünff von einem jeden Hauptblat. Der Stengel ist dünn/ rund/ fast einer Elenlang/ mit gleychechtigen Gewerben underscheiden/ auss welchen die öbersten Bletter wachsen. Die Blumen seynd schön und Purpurrot/ allerdings anzusehen wie die Nardenrösslein/ nach denen kommen kleine Schnäbelein/ die seynd vornen her ein wenig krumb. Es wird auch dieses Geschlecht in den Gärten getzielet/ ist erstlich von Constantinopel zu uns/ in diese Land gebracht worden. (Zwischen diesem x. und dem vii. ist kein Underscheid zu machen.)
    Xl. Das xi.Geschlecht/ hat ein lange Wurtzel/ ist eines kleinen Fingers dick/ mit vielen Nebenwürtzlein behenckt. Es hat Bletter in der gestalt dess Hanenfuss/ ein jedes Blatt in fünff underscheid zerschnitten/ wie die Bletter dess Sanickels/ mit etlichen schwartzen und braunen Flecken bezeichnet. Die Stengel deren es ii. oder iii. hat/ auch bissweilen mehr/ die seynd eines Schuchslang/ haben etliche Nebenzweyglein/ auff denen/ wie auch auff den Stengeln kommen herfür schöne lustige blumen/ die schön braunroth seynd/ in der Mitten aber weiss unnd umbgebogen/ wann die vergehen/ wachsen hernach kleine schnäbelechtige Schötlein/ den Kranichschnäbeln sich vergleichend. Es wirdt auch dieses Gewächs bey uns in den Gärten zum lust gezielet.
    Xll. Das xii.Geschlecht hat ein lange/ krumme/ gleichechtige Wurtzel/ ist von Farben rötlecht/ eines kleinen Fingers dick/ mit vielen Zaseln behenckt/ und ziemlich wolriechend. Die bletter seynd auch dem Sanickel gleich/ von Farben weisslechtig unnd ein wenig wollechtig: die stengel seynd kleiner als die stengel dess vi.Geschlechts blawe Gottes genad genant. Die blumen Veielbraun von fünff blettern/ an gestalt und formen der blawen Gottes genad gleich/ aber kleiner. Es wächst an feuchten Gründen/ und Bergechtigen Wiesen. Man pflantzt es auch in den Lustgärten.
    Xlll. Das xiii.Geschlecht/ hat ein runde lange Wurtzel/ die ist ausswendig und jnwendig braunrot. Die Bletter seynd rund wie die Bletter dess Taubenfuss oder dess zweyten Storckenschnabels/ aber viel mehr unnd tieffer aussgeschnitten/ mit vielen Kerffen/ anzusehen wie ein Händlein mit Fingern. Es hat viel dünner haarechtiger Stenglein eines Schuchslang/ darauff wachsen schöne braunrote blumen/ die seynd einer zimlichen grösse/ die vergleichen sich den kleinen Rösslein/ nach denen volgen lange Schnäbelein/ wie an den andern Schnabelkreutern. Es wächst in hohen Bergen und Felsen/ sonderlich aber auff dem Wurmberg bey Cronweissenburg/ bey Rotruprecht am Gebirg/ dessgleichen im Franckenland bey Marienthumb/ und andern vielen Orten Teutschlands.

Von den Namen der Schnabelkreuter oder Storckenschnäbel
    Es haben die alten Griechischen Lehrer DIOSCORIDES, und nach jm PAULUS AEGINETA, nicht mehr als zweyer Geschlecht der Storckenschnäbel in jhren Schriften gedacht. Dessgleichen PLIN.lib.26.cap.ll. GALEN. aber thut in allen seinen Schriften der Schnabelkreuter gar kein Meldung. Wir aber haben zu unser zeit der Storckenschnäbel xiii.underschiedliche Geschlecht/ wie wir die dann so viel müglich beschreiben/ unnd jhre abrissz aussweisen.
    l. Das erste Geschlecht/ ist auch ein recht Geschlecht dess Storckenschnabels/ onangesehen dass DIOSCORIDES dasselbige lib.4.cap.17. under die Wundkreuter gesetzt hat/ dann es auch wircklich ein fast heylsam Wundkraut ist/ derwegen man es mit denselben muss passieren lassen. HIERONIMUS TRAGUS mein PRAECEPTOR hat es under die Schwalbenkreuter gesetzt/ und es CHELIDONIUM MINOREM und zu Teutsch klein Schwalbenkraut getaufft/ welches wie wol es nicht ein geringer fähl ist/ so ist doch dem guten Mann der der zweyt nach ORTHONE BRUNFELLIO auch meinem PRAECEPTORE gewesen/ der zu unser zeit die Kreuter erkanntnuss angefangen hat zu beschreiben/ solches zu gut zu haben/ sintemal es zu der zeit mehr gethan/ als die andern vor jm/ ja auch noch etliche nach jhm thun werden/ darzu er dann den gelehrten und liebhaber der Kreuter ein solchen anfang gemacht/ unnd jhnen ursach gegeben fleissiger und embsiger diesen dingen nachzutrachten/ derwegen er seines fleiss halben wol höchlich zu loben ist/ unnd keines wegs nicht zu schelten/ wie etliche fast ungereumpt zu thun pflegen/ und besser daran theten/ dass sie jre viel grösser mangel und jrrthumb verbesserten/ dann wol verdiente Leuth also holhiepten: und ist in kein zweifel zu setzen/ wann er TRAGUS diese unsere zeit erlebet haben solte/ dass es jm in geschicklichkeit unnd erkanntnuss der Kreuter/ diese Kunst zu propagiren keiner wurd gleich gethan haben/ und wird er jhnen jre Mäuler wol haben können stopffen.
    Nun dass wir mit den Namen der Schnabelkreuter fortfahren/ so heisset das erste Geschlecht bey dem DIOSCORIDI SIDERITIS HERACLEAE CRATEVAE, oder SIDERITIS CRATEVAE/ auch ohn ferneren Zusatz. Die Gelehrten unnd Kreutler zu unserer Zeit nennens GERANIUM RUPERTIANUM, GERANIUM VULNERARIUM, GRATIAM DEI, HERBAM RUBEAM, RUBEAM MUSCHATAM, ROPERTINAM, RUPERTIANAM, HERBAM ROBERTI oder RUPERTI. Ich halte darvor dass es fast alle diese Namen von wegen der roten Stengel unnd Blettern empfangen habe. Sonst wirdt es auch von wegen dess spitzigen Schötlein ACUS MUSCHATA genannt. Hochteutsch/ Ruprechtskraut/ Gichtkraut/ Gottsgenad/ Rotlauffenkraut/ dieweil es zu dem Rotlauffen dienlich ist/ und klein Schöllwurtz oder klein Schwalbenwurtz/ dieweil es mit der Schöllwurtz in der Widerkunfft der Schwalben blühet/ daher es auch GUILIELMUS (HIRUNDINARIUM) TURNERUS GERANIUM CHELIDONIUM, und GERANIUM HIRUNDINARIUM genannt hat.
    ll. Das zweyte Geschlecht/ ist das zweyt GERANIUM von DIOSCORIDE beschrieben/ unnd wird von jhm genannt ...... Lateinisch heisset es GERANIUM ALTERUM DIOSCORIDIS, OXYPHYLLUM, HIEROBRINCAS unnd PESCOLUMBINUS. Bey den Kreutlern unnd unsern Simplicisten wird es GERANIUM COLUMBINUM genannt. Und Hochteutsch Taubenfuss. Es wirdt fälschlich von etlichen ungeschickten Aertzten und Apoteckern vor das CARDAMOMUM gehalten/ das vergleicht sich eben darmit wie die Nesseln mit dem Majeran.
    lll. Das dritte Geschlecht heisset GERANIUM MINUS, GERANIUM ARVENSE, und GERANIUM INODORUM. Teutsch kleiner Storckschnabel und Ackerschnabelkraut.
    lV. Das aber mit dem weissen Blümlein/ wird GERANIUM ARVENSE ALBUM genannt. Zu Teutsch/ weisser Ackerstorckenschnabel/ und weiss Ackerschnabelkraut/ von wegen seiner weissen Blümlein genannt.
    V. Das fünffte Geschlecht gehöret zu dem ersten GERANIO DIOSCORIDIS, wiewol es nicht eigentlich dasselbig ist/ das DIOSCORIDES LIB.2.CAP.118. beschreibet/ so ist es aber nicht dester weniger ein Geschlecht desselbigen/ und jhm an der Krafft/ Tugendt und Wirckung gleich. Dieses wirdt von den Kreutlern/ GERANIUM MYRTHINUM, unnd GERANIUM CICUTARIUM genannt/ dieweil seine Bletter dem Myrrhenkraut gleich ist. Sonst heisst es bey den MEDICIS und Apoteckern ROSTRUM CICONIAE, ROSTRUM GRUINUM, GRUINA, HERBA GRUINA SIUE GRUATIA, unnd ACUS PASTORIS. Teutsch/ Storckenschnabel.
    Vl. Das sechste Geschlecht/ wirdt von den gelehrten unserer zeit Griechisch ........ genannt/ von wegen der gleichheit der Bletter die mit dem BATRACHIO, das ist Hanenfuss/ gemein hat: Dann DIOSCORIDES oder die anderen Griechischen Artzet dieses Kraut auch nicht beschrieben haben. Es mag aber auch wol zu dem ersten Geschlecht DIOSCORIDIS von wegen seiner krafft und wirckung gezehlet werden. Die Kreutler nennen dieses Gewächs GERANIUM COERULEUM, BATRACHIUM COERULEUM, RANUNCULUM COERULEUM, und GRATIAM DEI COERULEUM. Von etlichen wirdt es auch GERANIUM BATRACHOIDES genannt. Hochteutsch heisset es/ blaw Gottes genad/ blaw Schnabelkraut und blawer Storckenschnabel.
    Vll. Das siebende ist das recht und das erst GERANIUM DIOSCORIDIS, sindemal die beschreibung mit diesem Kraut durchauss ubereinstimbt. Es wird von DIOSCORIDE Lateinisch GERANIUM, PELONITIS, GERANOGERON, TRICA, HERBA GRUINA, ECHINASTRUM, UCHINASTRUM, PULMONIA, ROSTRUM GRUNIUM unnd RUSTRUM CICONIAE genannt. Von den Kreutlern aber unnd Simplicisten/ wirt es PERIMONIA, GERANIUM TUBEROSAM, von wegen der Knorrechtigen Wurtzeln/ GERANIUM ILLYRICUM, GERANIUM PRIMUM oder VERUM DIOSCORIDIS genannt. Hochteutsch/ Schlauonisch Schnabelkraut/ "Sclandhischer Storckenschnabel/ Windisch Schnabelkraut und Windischer Storckenschnabel.
    Vlll. Das achte Geschlecht/ ist von den alten auch nicht beschrieben worden/ ist aber doch ein wahres Geschlecht dess GERANII. Von den Kreutlern unnd Simplicisten wirdt es genannt GERANIUM CRETICUM, unnd GERANIUM CANDIACUM. Hochteutsch/ Cretischer oder Candischer Storckenschnabel oder Kranichshalss/ unnd Cretisch oder Candisch Schnabelkraut/ sintemal es erstlich auss der Insel Creta oder Candia zu uns in diese Land gebracht worden ist.
    lX. Das ix.Geschlecht/ wirdt von unsern Kreutlern Lateinisch genannt/ GERANIUM MALVACEUM, und GERANIUM MOMPELIACUM. Teutsch/ Pappelschnabelkraut. Und wiewol auch dieses Geschlecht/ dess GERANII von den Alten nicht beschrieben worden/ so soll es doch dem zweyten GERANIO DIOSCORIDIS, Taubenfuss genant/ zu gethan werden.
    X. Das x. soll dem ersten Geschlecht dess GERANII DIOSCORIDIS zugestellt werden/ sintemal es ein wahres Geschlecht desselbigen ist/ und wirdt von den Simplicisten Lateinisch GERANIUM BULBOSUM, GERANIUM ROTUNDUM, von wegen der Wurtzeln/ die sich einer Zwibeln vergleicht/ und GERANIUM CONSTANTINOPOLITANUM, GERANIUM BIZANTINUM, und GERANIUM TURCIUM genannt. Hochteutsch/ Zwibelschnabelkraut/ Constantinopolitanischer Storckenschnabel oder Schnabelkraut/ dieweil es erstlich von Constantinopel unnd auss der Türckey zu uns in diese Land gebracht worden ist.
    Xl. Das eilffte Geschlecht wirdt von den Kreutlern GERANIUM MACULARUM oder MACULOSUM, von wegen der fleckechtigen Bletter/ unnd GERANIUM FUSCUM von den schwartzbraunen Blumen genannt. Hochteutsch/ Fleckenschnabelkraut/ oder Fleckenstorckenschnabel.
    Xll. Das zwölfft Geschlecht wirdt von den Kreutlern GERANIUM BATRACHIOIDES MINUS, GERANIUM VIOLACEUM und GRATIA DEI MINOR genannt/ zu underscheydt dess grösseren/ so in der sechsten Stell beschrieben ist. Hochteutsch wirdt es klein Gottsgenad genannt.
    Xlll. Das dreyzehende Geschlecht wirdt Lateinisch GERANIUM HAEMATODES, ISCHAEMUS, GERANIUM SANGUINARIUM, GERANIUM GRUINUM, GERANIUM MONTANUM, ROSTRUM GRUNIUM, und SANGUINARIA, RADIX genannt. Hochteutsch/ Blutwurtz/ Blutrösslein/ unnd Bergschnabelkraut.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Schnabelkreuter
    Das erst Geschlecht/ Ruprechtskraut genannt/ hat ein mittelmässige wärmende und kühlende/ unnd auch ein trucknende krafft unnd wirckung mit einer Astriction/ neben dem es abstergiert und consolidirt. Jst ein berühmbdes Wundtkraut/ das nicht allein zu Wunden/ sonder auch zu alten Schäden nützlich mag gebraucht werden/ nicht allein die blutenden Wunden zu stillen/ dieselben zuhefften unnd zuheylen/ sondern auch die alten Schäden zu seubern/ zureynigen unnd zuheylen/ sie seyen wie sie wöllen/ dann dieses Kraut von Natur also temperirt dass es den hitzigen Schäden und Rotlauffen hilfft/ und den kalten nicht allein kein schaden thut/ sonder sie zur heylung treffentlich fürdert.
    2. Das zweyt Geschlecht/ ist bey den Alten in keinem Gebrauch der Artzeney nicht gewesen/ und darzu untüchtig geachtet worden wie DIOSCORIDES und PAULUS AEGINETA bezeugen/ aber zu unser zeit ist es durch gewisse erfahrung an Tag kommen/ das es ein heylsam Wund unnd Bruchkraut ist/ derowegen es beyde innerlich und eusserlich nütz mag gebraucht werden/ es hat ein Krafft mittelmässig zu erwärmen mit einer truckenen eygenschafft/ und einer kleinen Astriction.
    3. 4. 5. 9. Dessgleichen auch das dritt/ vierdt/ fünfft/ unnd neundt Geschlecht.
    6. 12. Das sechst und zwölffte Geschlecht/ die seynd warmer und truckener Natur im ersten Grad/ mit einer Astriction/ seynd derwegen fast heylsamlich innerlich unnd eusserlich zu allen Wunden zu gebrauchen.
    7. 10. Das siebend unnd zehend Geschlecht/ seynd warmer und truckener Natur im anfang dess zweyten Grads/ haben ein Krafft zu verzehren zu zertheilen und zu öffnen.
    13. Das dreyzehend Geschlecht hat ein külende und trucknende Eygenschafft/ derowegen es das Blut der Wunden und andere Blutflüss gewaltig stopffet: hat auch darneben ein Krafft zuhefften und zu heylen.

Jnnerlicher Gebrauch der Gottsgenad oder Ruprechtskraut
    Der Namen dieses Krauts Gottsgenad/ darmit es sonderlich bey dem gemeynen Mann bekant/ gibt genugsam Anzeigung dass es solchen von wegen seiner vielfaltigen krafft/ wirckung und tugenthalben/ damit es von Gott dem Allmechtigen begabet ist/ empfangen hat/ wiewol es sehr wenig von den Aertzten unserer zeit innerlich in Leib gebraucht ist worden/ als die seine wirckung/ und eygenschafft nicht gewusst/ und jhnen dieselbigen unbekant gewesen seynd/ sintemal in jhren Schrifften/ die innerlichen wirckungen dieses heylsamen Gewächs sie gar nicht mit dem geringsten gedacht haben. Aber es haben die Bawersleuth uns erstlich müssen anzeigen dass es auch wol und one gefahr nützlich in Leib möge gebraucht werden/ ohnangesehen/ dass es biss daher allein zu vilen eusserlichen Schäden gebraucht worden ist. Dann dieses Kraut wie die tägliche erfahrung bezeugt dem Rindvieh ein fast nützlich Kraut ist/ vornemlich aber wann demselben der Harn verstanden ist/ gibt man jhme das Ruprechtskraut zu Pulver gestossen mit Wein zertrieben/ und geusset es jhme warm eyn. Etlich sieden das kraut mit wasser oder Wein und geben es dem Vieh zu trincken. Die andern stossens zu Pulver und gebens mit Saltz zu lecken. Daher ist auch von fleissigen Hausvättern diesem nachgedacht worden/ dass man dieses Kraut auch in die Wiesen pflantzet/ darvon dann das Heuw ein solche Krafft bekommen sol/ dass es dem Rindvieh viel gutes thut/ unnd es von dem Nierenstein erledigen/ so der vorhanden/ und auch darvon bewahren soll.
    Jch hab von CAROLI QUINTI dess hochlöblichen Römischen Keysers Wundartzet VINCENTINO SERRAS das Ruprechtskraut innerlich zu Wundträncken unnd eusserlich in Pflastern mit grossem nutz unnd wolfahrt der Krancken sehen gebrauchen/ auch der zeit hero erfahren dass es so wol innerlich als eusserlich ein heylsam Kraut ist nicht allein zu allen Wunden und Schäden/ sondern auch den Griess unnd Nierenstein ausszuführen/ derwegen solch Kraut hinfürter zum innerlichen gebrauch nit mehr soll verachtet werden.

Eusserlicher Gebrauch dess Ruprechtkraut oder Gottesgenad
    Das Ruprechtskraut uber die entzündten und geschwollenen Brüst der seugenden Weiber/ oder der Kindtbetterin gelegt/ legt die Geschwulst unnd stillet den schmertzen.So man das Winterszeit nicht gehaben kan/ soll man es dürr nemmen/ unnd mit seinem gedistillirten Wasser ein wenig anfeuchten/ unnd warm uberschlagen. Gleicher Gestalt gebraucht dient es wider die Geschwulst der Hoden oder Hochbelg.
    Gottesgenad gestossen/ legt nider alle Geschwulst/ zertheilet die Knolen in den Brüsten/ unnd auch die Geschwulst der zerstossenen Glieder wie ein Pflaster ubergelegt.
    Vor die Hoden Geschwulst: Nimb Ruprechtskraut ein Handvoll/ Pappelkraut/ Mawerpfeffer/ jedes i.halb Handvoll. Stoss diese Stück/ seude die mit Wein/ unnd schlags uber so warm es zu leiden ist wie ein Pflaster.
    Vor die Geschwulst der Mannsruthen oder heymligkeit der Weiber nach der Geburt: Nimb ein gut Handvoll Ruprechtskraut/ thu die in ein saubern wolgewässerten Hafen/ schütte darüber ein Mass gutes Weins/ lass sittiglich bey einem Fewerlein biss zum halben theil eynsieden/ seihe darnach die Brühe darvon/ leg das gesotten Kraut Warm umb und auff den geschwollenen Gebresten/ das thu dess Tags zum wenigsten zweymal/ bähe auch den Schaden wol mit dem gemeldten durchgesiegenen Wein/ und spritz auch mit einem Spritzlein in das Gemächt/ es ist ein Experiment. Solche Artzeney hilfft auch den geschwollenen Wunden und Schäden.
    Ruprechtskraut zwey theil/ und breyten Wegrich ein theil grün und also frisch in einem Mörser gestossen/ den Safft aussgetruckt durch ein Tuch/ ist ein edel Artzeney vor die Geschwulst der heymligkeit der Weiber/ so man leinen Tüchlein darinn netzet/ und in den Schaden legt/ oder lass die Gemeldten Kreuter in halb Wein unnd Wasser sieden/ unnd das geschädigte Ort wol mit der Brühen bähen/ darnach die Kreuter warm wie ein Pflaster darüber schlagen.
    Ruprechtskraut ist ein sehr löbliche Artzeney in den hitzigen Febern/ so man das stosset mit Essig und ein wenig Saltz/ und legts oder binsd also kül auff die Fusssolen/ zeucht die Hitz gewaltig auss.
    Ruprechtskraut ist ein fürtreffentliche Artzeney das Blut der Wunden zu stillen/ es werde gleich grün oder dürr gebraucht. Welche krafft unnd wirckung dann jhm DIOSCORIDES LI.4.CAP.27. auch zuschreibt/ als er von dem SIDERITIDE oder Wundtkraut CRATEVAE redet/ da er also spricht: Diss Kraut hat auch die Krafft/ dass wann es uber die frischen Wunden gelegt wirdt/ das Blut darinnen stopffet/ unnd dieselbigen zuhefftet unnd heylet.
    Ruprechtskraut in die Nasen gesteckt/ stillet das Nasenbluten/ oder eyn Meyssel von leinen Tuch gemacht in Wein genetzet und das Pulver von diesem Kraut darauff gesehet/ wircket dessgleichen.
    Ein Schweissbad von zwey theil Ruprechtskraut/ und einem theil Attichkraut gemacht/ und darin trucken geschwitzt/ hilfft gewaltig wider den Schmertzen dess lauffenden Gegichts in gliedern. Man muss aber die gemeldten Kreuter auff die schmertzhafftigen Ort im Bad legen/ und ehe man auss dem Bad geht die Glieder mit dem Wasser darinn die Kreuter gesotten worden seynd/ wol abwäschen.
    Es wirdt auch dieses heylsam Kraut in bädern und sonst vor den Grindt nützlich gebraucht/ beyde Jungen und alten Menschen/ und ist darneben zu den frischen Wunden/ Stichen und andern versehrungen ein edel Artzeney.
    Von der Gottes genad macht man ein köstliches Wundpflaster/ zu allen frischen Wunden fast nützlich/ dann es heylet gewaltig/ unnd verhütet die Wunden vor der Wundsucht und allen andern sorglichen zufällen: Nimb Gottesgenad oder Ruprechtskraut das grün unnd frisch ist/ x.Handvoll/ breyt Wegrichkraut iii.Handvoll/ Fünffingerkraut/ Ackeleyenkraut/ Benedictenkraut/ Beyfuss/ rot Kölkraut/ jedes ii.Handvoll. Die gemelten Kreuter soll man klein hacken/ unnd darzu thun ii.Pfundt guten Meybuttern/ solches wol durch einander stossen/ darnach in eim steininen Krug vierzehen Tag an die Sonn setzen. Darnach soll mans in ein küpfferen Kesslein thun/ und gemächlich uber einem linden Kolfewerlein sieden lassen/ biss sich aller Safft in den Kreutern verzehret/ als dann soll mans durchseihen unnd hart ausspressen/ folgends darinn zergehen lassen guts verscheumpts Honig/ Kübelhartz/ Terpentin/ jedes xii.loth/ Jungfrauwen Wachs xvi.loth/ wann ads zergangen ist/ unnd es schier kalt worden ist/ soll man dareyn thun vi.loth Fussmeel oder Staubmeel auss einer Mülen von dem Boden oder Wenden gesammlet/ unnd wol durchgebeutelt/ iiii.loth gestossenen Weyrauch/ ii.loth gepülverten Mastix/ dess Gummi SARCOCOLLAE Mumien/ Aloepatick/ alles reyn gepülvert/ jedes ein Loth/ rührs wol durch einander biss es kalt wird/ darnach böre es unnd mach Zapffen darauss/ so hastu ein edel und heylsam Wundpflaster/ darauff du dich in einer jeden Wunden zu verlassen ist.
    Ruprechtskraut ist ein bewehrte Artzeney wider das Rotlauffen unnd Wildtfewer/ frisch zerstossen und wie ein Pflaster ubergelegt.
    Ruprechtskraut zwey theyl sampt einem theil Aron mit Kraut und Wurtzel in Wasser gesotten/ vertreibt die Milwen im Haar/ dieselbigen wol damit gerieben unnd gewäschen darnach auch das Kraut darüber geschlagen.
    Mit dem Safft dess Ruprechtskraut wird ein jede newe oder alte tieffe Fistel gedörrt/ gereynigt unnd zu der heylung gefürdert/ dessgleichen auch alle feuchte umb sich fressende schäden/ es seye gleich von bösen Blatern/ Franzosen unnd dergleichen verursacht.
    Gemeldter Safft reyniget auch ein jede frische Wund/ und bringt sie baldt zur heylung. Es heylet auch dieser Safft alle verletzung an heymlichen Orten beyde der Manns unnd Weibs Personen/ darmit gewäschen unnd leinen Tüchlein darinn genetzt und ubergelegt. Jtem zu der anfahenden Geschwulst und entzündung gemeldter Ort gleichfalls mit darinn genetzten leininen Tüchlein umbwunden/ unnd zum offtermal ubergelegt/ vertheilet unnd vertreibt sie schnell. Also auch uber das Rotlauffen unnd Wildfewer gelegt/ hilfft es sehr bald/ legt die entzündung unnd stillet den schmertzen.
    Gottesgenad heylet auch die Mundfeul/ Geschwer an de Weiber Brüsten und heymlichen Orten/ das gepülvert Kraut darein gestrewet/ oder die frischen Bletter gestossen darauff geleget.
    Der Safft von gemeldtem Kraut reynigt auch die Feygwartzen/ und fürdert sie zur heylung/ so man dieselbigen offt darmit wäschet/ unnd leinine Tüchlein darinn netzet und uberleget.

Gottesgenad oder Ruprechtskraut Wasser
GERANII RUPERTIANI AQUA

    Auss dem Ruprechtskraut pflegt man auch ein nützlichs Wasser zu distilliren/ zu vielen dess Leibs Gebresten dienlich. Die beste zeit solches zu distilliren ist im end dess Aprillen/ wann es in seiner vollkomenen Blüth ist/ die Bletter/ stengel unnd Blumen klein gehackt/ unnd dann fleissig in BALNEO MARIAE mit sanfftem Fewer abgezogen.

Jnnerlicher Gebrauch dess Ruprechtskrautwassers
    Ruprechtskrautwasser täglich dreymal/ jedesmal vier oder fünff Loth getruncken/ zertheilet das gerunnen Blut im Leib von fallen oder stossen und führt es auss.
    Gottesgenadwasser in obgemeldter massen getruncken/ treibet gewaltig den Harn/ führet auss Griess/ Sand/ und den Lendenstein/ reynigt die Harngeng/ unnd vertreibet den Schmertzen der Nieren und Lenden.

Eusserlicher Gebrauch dess Gottesgenad Wassers
    Gottesgenadwasser ist ein besondere heymliche und gewisse Artzeney wider die Breun/ grosse hitz unnd entzündung dess Munds und Kelen/ in den hitzigen und brennenden Febern. So auch die Zung von hitz auffgerissen unnd voller Schrunden were/ soll man ein wenig Küttenkernen in diesem Wasser weychen/ wird es zu einem dünnen zarten Schleimlein dass soll offtermals mit einem Federlein in die Schrunden und auff die Zung streichen/ es leschet gewaltig und heylet.
    Zu der Mundtfeule ist gemeldt Wasser auch treffentlich gut/ den Mund offt darmit geseubert. Gleicher Gestalt genützt/ heylet es auch das essen der jungen Kinder im Mundt/ sonderlich aber so man das geschädigt Ort wol mit einem Tüchlein in diesem Wasser genetzt abreibet. Und hilfft aber solche Artzeney dester mehr/ wann man das grün Kraut neben gemeldter Artzeney dem Kindt uber sein Häuptlein bindet.
    Ruprechtskrautwasser heylet die hitzige versehrung der Kinder under den Armen und zwischen den beinen/ von der schärpff dess Harns verursacht/ damit gewäschen/ und Tüchlein darinn genetzt unnd ubergelegt. Solche Artzeney heylet auch die fratte und geschädigte Hälsslein der jungen Kinder.
    Dieses Wasser obgemeldtermassen gebraucht/ heylet unnd reyniget alle schädigung und versehrung der heymlichen Oerter der Mannen und Frawen.
    Gottesgenadwasser darinn ein wenig Galitzenstein oder weisser Vitriol zertrieben ist/ heylet die Flechten unnd Zitterschen/ offtermals damit bestrichen/ oder leinine Tüchlein darinn genetzt unnd darauff gelegt.
    Gottesgenadwasser mit leinine Tüchern uber die Brüst der Weiber gelegt/ vertreibet die uberflüssige Milch/ dessgleichen die Knollen und roten Strämen.
    Wann einer Frawen die Brüst geschwellen/ unnd von Geschwulst rot werden dass die glitzend: so nimb Gottesgenadwasser/ Liebstöckelwasser/ deren jedes ein pfund/ grün Baumnüsswasser ein halb pfundt/ vermische es durcheinander/ unnd netz darinn ein vierfach leinin Tuch/ unnd legs warm uber die geschwollene Brüst/ unnd so offt es trucken wirdt/ so erfrischs wider/ es hilfft und ist ein gewisse Artzeney.

Jnnerlicher Gebrauch dess zweyten Schnabelkrauts/ Taubenfuss genannt
    Wiewol DIOSCORIDES und PAULUS AEGINETA schreiben/ dass der Taubenfuss in der Artzeney kein gebrauch habe/ unnd darzu untüchtig seye/ jedoch bezeuget die tägliche erfahrung/ dass ein treffentlich heylsam Wundtkraut ist/ zu den Wundträncken fürnemlich dienlich/ dessgleichen auch wider die Weydbrüch das gepülvert Kraut/ oder aber ein Tranck darvon gesotten ein zeitlang gebraucht. Darzu ist auch das gebrannt oder gedistillirt Wasser fast gebreuchlich und heylsam. Es dient auch dieses Kraut treffentlich wol zu dem Krimmen und schmertzen der Därm.

Eusserlicher gebrauch dess Taubenfuss
    Das gantze Gewächs dess Taubenfuss ist fürtreffentlich gut zu allerley Wunden unnd Geschweren mit Wein oder Wasser je nach gelegenheit dess Schadens gesotten/ und dieselbigen darmit gereynigt/ oder aber sonst zu den Wundpflastern/ Balsamen und Salben gebraucht.
    Sonst mag man den Taubenfuss auch nützlich gebrauchen zu bähungen/ den schmertzen/ so sich in Gleychen/ Gewerben unnd den Gliedern erregen. Man mag auch zu den schmertzen aller Glieder nützliche Schweissbäder darvon machen/ unnd trucken von dem Laum allein schwitzen.

Jnnerlicher gebrauch dess siebenden Geschlechts dess Windischen Storckenschnabels
    Windischer Storckenschnabel mit der Wurtzel in Wein gesotten unnd getruncken/ vertreibt das auffblehen unnd hitzige Geschwulst der Mutter/ unnd hilfft gleicher gestalt genützet den Schwindsüchtigen. Die Wurtzel gepülvert unnd mit Wein getruncken/ hat zu dem gemeldten Gebresten gleiche Wirckung.

Eusserlicher Gebrauch dess Windischen Schnabelkrautes
    Die Bletter dess Windischen Schnabelkrauts mit Essig und ein wenig Saltz gestossen/ unnd wie ein Pflaster auff die Solen der Füss gelegt/ ist ein fast gute Artzeney in grosser hitz und hitzigen Febern/ dann es zeucht die hitz gewaltig under sich zu den Solen hinauss.

Jnnerlicher Gebrauch dess 13. Geschlechts dess Schnabelkrauts/ Blutwurtz genannt
    Die Wurtzel dieses Schnabelkrauts in weissem guten Wein gesotten/ und davon getruncken/ stillet den unmässigen unnatürlichen Blutfluss der Weiber/ unnd thut das in kurtzer zeit.
    Blutwurtzel vier loth in einer halbenmass Wegrichwasser ein stund in einer verlutirten Kannten in ein Kessel mit Wasser gesetzt/ und darzu gethan vi.loth drey oder vier jährigen Rosenzucker/ und also sieden lassen/ darnach durchgesiegen/ alle Morgen unnd Abends allwegen ein Stundt von den beyden Jmbsen/ jedesmal ein Mackelbecherlein voll warm getruncken/ ist heylsame Artzeney wider die rote Ruhr.
    Das gemeldt Kraut mit der Wurtzel in Wein gesotten/ und davon Morgens unnd Abendts ein guten Bechervoll getruncken/ ist ein gute Artzeney wider den Nieren Stein.

Eusserlicher Gebrauch der Blutwurtzel
    Blutwurtzel mit dem Kraut ist ein kräfftige gute Blutstillung in frischen Wunden/ und sonst in allen andern Blutflüssen eusserlich gebraucht. Es heylet auch dieses Kraut unnd Wurtzel alle frische wunden/ und hefftet sie zusammen/ in Pflastern/ Salben und Hefftpulvern gebraucht.
    Die Wurtzel in der Hand gehalten/ stillet das Nasenbluten.

Eusserlicher Gebrauch aller Schnabelkreuter in gemein
    Die Bletter aller Schnabelkreuter/ mögen eusserlich fast nützlich gebraucht werden in hitzigen Febern und andern hitzigen Kranckheyten/ dieselbigen mit Essig unnd ein wenig Saltz gestossen/ und Pflastersweiss auff die Solen der Füss gebunden/ geben gute milterung/ und ziehen die hitz unden zun Solen hinauss.