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STERNDOLDE
VON DER SCHWARTZEN MEISTERWURTZ.
Die schwartz Meisterwurtz habe ich gleich der Meisterwurtz nach setzen wöllen/ nicht von deßwegen daß ich
dieselbig vor ein Geschlecht der Meisterwurtz halte/ sondern allein von dess Namens wegen. Es hat dieses Krut ein schwartze
Wurtzel eines kleinen Fingers dick/ mit vielen kleinen Würtzlein behenckt/ die sich etlicher massen der Christwurtz vergleichen.
Die Wurtzel ist innwendig weiß/ und gibt einen geelen Safft/ der ist aber gar nicht scharpff wie der Meisterwurtz.von der
Wurtzeln kommen im Früling glatte dünne stengel herfür mit Gleychlein auff die anderhalb Spannen lang. Die Bletter die von der
Wurtzel herauß wachsen/ deßgleichen auch die auß den Gleychlein der stengel herfürkommen/ sind in fünff Bletter zertheilt/
ein jedes blat auff seinem eygenen stengel/ und gerings herumb zerkerfft/ anzusehen wie die Bletter deß Fünffingerkrauts oder
deß Sanickels/ von Farben dunckelgrün. Am obertheil der Stengel und den Nebenästlein die zwischen den blettern auß den
gleychlein herfür wachsend/ gewinnt es im Meyen schöne gerolte runde flockechtige Blümlein/ ein jede Blum auff seinem stiel
besonder/ an der gestalt der gefüllten Maßlieblein/ oder den Blumen deß Scabiosenkrauts gleich/ von Farben weiß/ und an
etlichen Stöcklein gesprinckelt mit Purpurbraunen Flecklein/ denen fplget ein langlechter weisser Samen. Es wächßt in finstern
dunckeln Wälden/ unnd in Bergen: sonderlich aber findet man dessen uberflüssig unnd in grosser menig hinder dem Berghauß
Königstein am Feldtberg/ deßgleichen hin unnd wider auff dem Schwartzwald und Spessart. Etliche die weit von den gemeldten Orten
wohnen/ die zielens in den Gärten die Wunden darmit zu heylen unnd Wundtränck darvon zu bereyten.
Von den Namen der schwartzen Meisterwurtz.
Die schwartze Meisterwurtz ist ein Mittelgewächs oder Zwickdorn/ under der Meisterwurtz und dem
Sanickel/ dann was die Wurtzel anlanget/ hat sie ein grosse gleichheyt mit der Meisterwurtzel/ dannen her sie auch schwartz
Meisterwurtz ist genennt worden. Was aber das Kraut/ Stengel und Blumen anlangt/ hat sie nicht ein geringe gemeinschafft mit dem
Sanickel/ derowegen es auch etlich dem Sanickel zugesellet haben. REMBERTUS DODONAEUS haltet dieses Gewächs vor das VERATRUM
NIGRUM DIOSCORIDIS, so es doch gantz unnd gar kein gemeinschafft mit dem VERATRO hat/ wie dann das die Beschreibung DIOSCORIDIS
bezeuget/ so man dieses Kraut mit derselben conferirt. Es hat gleichwol dieses Krauts Wurtzel ein leichte purgierende Krafft/
welche diesen hochberühmten Mann in dieser seiner Meynung gestärckt/ aber dieselbige purgierende wirckung/ ist nicht genugsam/
die dem VERATRO NIGRO gebüret. Das wahre VERATRUM NIGRUM wirdt hernachfolgend an seinem Ort beschrieben werden. Die schwartz
Meisterwurtz wirdt von den Kreutlern IMPERATORIA NIGRA, ASTRANTIA NIGRA, OSTRUTIUM NIGRUM. Von LEONARDIO FUCHSIO, SANICULA
FOEMINA. Von andern IMPERATORIA MINOR, unnd SANICULA NIGRA genannt. Teutsch wirdt sie genannt schwartz Astrentz/ schwartz
Meisterwurtz/ Mutterwurtz/ klein Meisterwurtz/ Sanickel Weiblein/ unnd schwartzer Sanickel.
[Das ander nenn ich HELLEBORUM NIGRUM SANICOLAE FOLIO MINOREM, das ist/ kleine schwartze Nießwurtzel mit
Sanickelbletter.]
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der schwartzen Meisterwurtz.
Es hat die schwartz Meisterwurtz ein trucknende unnd adstringierende zusammenziehende Krafft unnd
Wirckung/ beyde Wurtzel unnd Kraut. Darneben aber hat die Wurtzel auch die Eygenschafft den Bauch zu bewegen/ unnd das mit einer
adstriction wie die Rhabarbara und die MYROBALANI.
Gebrauch der schwartzen Meisterwurtz.
Das Kraut der schwartzen Meisterwurtz/ ist im Täglichen gebrauch beyde innerhalb unnd ausserhalbs
Leibes/ die Wunden und Stich damit zu heylen. Jnnerlich wirdt es gebraucht zu den Wundträncken/ und eusserlich zu den Salben/
Pflastern und Wundölen. Es wirdt auch das Kraut gebrauchet zu den alten flüssigen Schäden/ unnd wirdt in Wein unnd Wasser
gesotten/ die alten Schäden darmit zu wäschen unnd säubern/ unnd dieselbige zur heylung zu befürdern. Darzu wirdt auch das
gepülvert Kraut gebraucht unnd in die Schäden gestreuwet.
Die Weiber brauchen die Wurtzel vor schmertzen unnd Krimmen der Mutter/ ein quintlein schwer warm mit Wein
getruncken.
Dieweil auch die Wurtzel die Melancholische feucht gar sittiglich außführet/ wirdt sie heylsamlich mit den
Träncken und andern Artzeneyen vermischt/ die man wider das viertägliche Fieber brauchet.