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SPARGEL
Asparagus - Liliaceae
VON DEN SPARGEN UND SEINEN GESCHLECHTEN
Der gemeinen Spargen haben wir zwey Geschlecht/ eins das in den Gärten zur
Küchen gepflantzet und gezielet wird/ und das ander/ das von sich selbst in Wiesen und andern feuchten Orten wächst. Der wilden
Spargen aber/ die man sonst Steinspargen nennet/ deren sind auch drey unterschiedliche Geschlechte.
I. Das erste und zahme Geschlecht hat viel dünner lucker Wurtzeln/ die von einem Haubt schwammechtig hin und
wieder sich in der Erden auspreiten/ darvon thun sich im Anfang des Mäyens/ lange/ schlechte Dolden herfür/ die sind Fingers
dick/ safftig und feist/ ohne Blätter/ die vergleichen sich den Dolden oder Spargen der Hopffen/ ausgenommen/ daß sie dicker und
feister sind/ die werden im Brachmonat zu langen Stengeln/ mit vielen kleinen zinnlechtigen Blättern bekleidet/ die sind viel
kleiner und zarter/ dann das Fenchelkraut/ darzwischen viel geeler Blümlein des Oelbaums ähnlich/ wann die vergehen/ so folgen
runde/ geelrothe Körner/ in der Grösse der gemeinen Corallen/ daraus zielet man wieder junge Stöcklein.
II. Das zweyte Geschlecht ist dem zahmen Gartenspargen mit Wurtzeln/ Stengeln/ Blättern/ Blumen und Beeren
allerdings gleich/ allein daß die Dolden kleiner/ und daß es mehr Blumen und Beeren bringet dann das zahme/ und wächst hin und
wieder an dem Rheinstrom/ in dem Wormsergau auf den feuchten Wiesen/ an den Rechen/ und andern feuchten Gründen/ deßgleichen im
Rheingau bey Weinheim in den feuchten Wiesen/ an welchen Orten man es so überflüßig hat/ daß man es zur Speiß genugsam
bekommen kan/ und auch von den Wurtzelträgern in grosser Menge die Wurtzeln daselbst ausgegraben/ und in andere Provintzen hin
und wieder in die Messen getragen werden/ und ist also unter dem zahmen un diesem Wasserspargen kein anderer Unterscheid/ dann
daß dieser durch die Pflantzung schöner und auch grössere Dolden und Spargen bringt/ und der ander von sich selbst wächset/
und kleinere Dolden hat/ und dieweil man an den gemeldten Orten der Wasserspargen zur Speiß genugsam haben kan/ wird des zahmen
desto weniger geachtet/ und nur allein in der grossen Herren Gärten gepflantzet: Dieweil aber derselbig auch mit sonderm Fleiß
muß gezielet werden/ haben wir nicht unterlassen wollen hie anzuzeigen/ wie man denselbigen pflantzen soll. Die Spargen
bedörffen einen schlechten Grund/ doch soll er feist und wol gedüngt seyn/ im Frühling oder Glentzen säet man sie also: Man
machet Grüblein dreyer Zwerchfinger tieff/ und zu beyden Seiten Ellen lang/ und zweyer Schuhsweit von einander/ und legen in
jedes Grüblein drey oder vier Körner des Spargensaamens. Wann sie nun alle gesäet sind/ soll man sie das erste Jahr zufrieden
lassen/ und allein das Unkraut fleißig und offt davon jetten. Im Weinmonat solt du sie dann mit wol verwesenem Roß- oder
Schaafs- oder aber Hünermist düngen/ und oben darauff ein gut Theil Weintrester schütten. Im Hornung soll man das Erdreich
offtermals erneuern/ und andern Mist auf das neue darauff werffen/ und solches auf das ander künfftige Jahr wieder im Hornung
oder Mertzen thun/ alle Jahr aber im Heumonat. Das ander oder dritte Jahr soll man sie versetzen/ und doch nicht eher dann im
dritten Jahr im Mäyen beschneiden. Man mag auch an statt des versetzens die Wurtzel lassen ausgraben/ und etliche übrige
Wurtzeln davon lassen abbrechen/ und dieselben anderswohin setzen/ doch soll man vorhin was faul und verwesen ist/ beschneiden:
Man soll auch die Spargen aus ihrer gewöhnlichen Stätt nicht versetzen/ sie stehen dann zu dick an einander.
Wilt du schöne und viel Spargen zeugen/ so solt du die Gruben vorhin unten am Boden/ mit Widder und allerhand
Thier-Hörneren klein zerstossen/ beschütten/ oder besäe das Ort/ darinn du die Spargen setzen wilt/ mit gepülverten Schaafs-
oder wilder Bockhörner/ und besprenge sie darnach mit Wasser. Etliche wollen/ man solle allein die gemeldten Hörner durchbohren/
und in gutem Grund vergraben/ so sollen Spargen daraus wachsen. Andere geben für/ unter welchen auch CORNELIUS AGRIPPA einer ist/
man solle Widderhörner zu Pulver gefeilet säen/ wie man Saamen säet/ so sollen Spargen daraus wachsen.
Damit aber die Spargen schöne Dolden zum offtermal tragen mögen/ so soll man die Wurtzel umgraben/ und wann
man die Spargen oder Dolden abschneidet/ soll man darnach Hornpulver darauff streuen lassen/ so stossen sie immerdar neue Spargen
hernach/ daß man sie also das gantze Jahr haben kan. Nun wollen wir fürter zu den andern Spargen Geschlechter tretten/ die man
Wilde und Steinspargen nennet/ und dieselbigen auch beschreiben.
III. Das erste Geschlecht der Wilden oder Steinspargen/ welches dieser unser Ordnung nach das dritte Geschlecht
gerechnet wird/ hat lange/ bäuchechtige Wurtzeln/ die seynd der Gestalt halben den Wurtzeln der geelen Affodill ähnlich. Die
Stengel und Nebenzweigelein sind den gemeinen Spargen gleich/ außgenommen/ daß sie weisser/ stärcker und rauher/ und die
Blätter schärpffer/ kürtzer und besser in einer Ordnung stehen/ zu dem spreiten sich die Nebenästlein weiter aus/ an welchen
viel bleichgeeler Blümlein gesehen werden/ daraus hernachmals grünschwartze Beerlein werden/ die sind auch kleiner dann die an
gemeinen Spargen wachsen/ das ist der Saamen/ daraus junge Stöcklein gezielet werden. Diese Art der Spargen/ wird heute
fälschlich von etlichen Kräutlern vermischet. Er wächset an Bergen und steinechtigen Hübeln/ nahebey dem Meer gelegen in der
Provintz Languedock/ in unser Land Art wird er in den Gärten gezielet.
IV. Das zweyte Geschlecht/ welches das vierdte ist/ hat Wurtzeln die sind dem nächstgemeldten Geschlecht
ähnlich/ ausgenommen/ daß sie ein wenig bäuchechtiger sind/ die Blätter sind auch grösser/ härter und spitziger/ dem
stechenden Scorpionenkraut nicht ungleich/ der Saamen oder die Beeren sind dem andern gleich. Dieses Gewächs ist bey uns im
Oberteutschland noch unbekannt/ in den Niederlanden wird es von dem edlen Herren JOHANNE BOYSOTO, da ichs zum erstenmal gesehen/
deßgleichen von den andern fleißig in den Gärten gezielet/ welches erstlich zu ihnen aus Hispanien geschickt worden. In
Hispanien und Portugall soll es häuffig von sich selbst wachsen.
V. Das dritte Geschlecht/ welches das fünffte ist/ ist mit den Wurtzeln dem nächsten Geschlecht zu
vergleichen/ allein daß sie kürtzer sind. Die weißlechtigen Stengel/ und die Nebenästlein sind nicht schlecht/ sondern hin und
her krumm gebogen/ die Blätter sind länger und weicher dann der vorigen/ deren stehen gemeiniglich fünff oder sechs bey
einander/ an einem jeden Bogen oder Krümme der Stengel und der Nebenästlein/ die sind süß am Geschmack/ mit einem
Hartzgeschmack vermischet/ unten an dem Ursprung der Blätter/ wächst an einem jeden Bogen oder Krümme ein scharffer/ rauher und
harter spitziger Dorn heraus/ die die Spitzen unter sich wenden/ darzwischen kommen herfür bleichgrüne Blumen an langen Stielen
hangend/ daraus werdne grüne Beeren/ die werden roht wann sie zeitig werden/ welche scheinen dreyeckechtig seyn von wegen der
durchgehenden Linien/ da sie doch rund sind/ in der Grösse der Zaunrübenbeeren/ inwendig voller schleimiges Marcks/ darinn ligt
ein schwartzes/ hartes Kernlein/ das ist innwendig weiß/ und werden auch bißweilen derselbigen zwey in einer Beer gefunden/
darvon kan man junge Stöcklein zielen. Dieses wächst auch von sich selbst in Portugall/ aber in den Niederlanden wird es in den
Lustgärten mit grossem Fleiß gezielet. Man soll es heutiges Tages in der Provintz Franckreich von sich selbst wachsend in
ziemlicher Meng gefunden haben/ da man auch die Dolden oder Spargen davon zum täglichen Wollust in der Speiß nutzet/ wie wir
unsere gemeine Spargen zu gebrauchen pflegen.
Von den Namen der Spargen.
Es haben die alten Lehrer DIOSCORIDES, PLINIUS, APULEJOS und andere/ ein geringen Unterscheid von den zahmen
und wilden Spargen/ als zu ihrer Zeit fast und wolbekannten Kräutern angezeiget/ und in ihren Schrifften hinderlassen/ daraus in
der Posterität eine Confusion erwachsen/ daß sie die zahmen und wilden Steinspargen durcheinander also vermischt/ daß man
keinen Unterscheid mehr gewust/ dann allein von dem gemeinen Garten- und Wasserspargen/ dessen Unterscheid nichts mehr ist/ dann
daß das eine gezielet und in Gärten gepflantzet/ und das ander von sich selbst in Marten und anderen feuchten oder
wasserechtigen Orten wächst/ derwegen wir dieselben samt den andern wilden Steinspargen hie an diesem Ort unterscheiden/ und ihre
rechte gewöhnliche Namen anzeigen wöllen.
I. Der Spargen wird in gemein Lateinisch/ ASPARAGUS, oder ASPHARAGUS genannt. Der zahme Spargen aber wird
Lateinisch/ ASPHARAGUS ALTILIS oder LATIVUSgenannt.
ASPARAGUS HORTENSIS, ASPARAGUS HOLERACEUS, ASPARAGUS REGIUS, ASPARAGUS NOSTER, und ASPARAGUS ohne ein weiteren Zusatz. Von den
gemeinen Aertzten und Apotheckern/ SPARAGUS, SPERAGUS, und HERBA CORALLI. Hochteutsch/ Spargen/ Spargeln/ zahm Spargen/
Gartenspargen und Corallenkraut/ von wegen der rohten Beeren/ die sich den gemeinen rohten Corallen der Gestalt halben
verglaichen.
II. Das zweyte Geschlecht wird Lateinisch/ ASPARAGUS PALUSTRISgenannt. Hochteutsch/ Wasserspargen und Corallenkraut/ wie die Gartenspargen/ dardurch auch die anderen Nationen durch die
obgemeldten Namen die Wasserspargen so wol verstehen/ als die so in Gärten gepflantzet wird.
III. Das dritte Geschlecht/ wird Lateinisch/ ASPARAGUS PETRAEUS, MYACANTHA von dem AEGINETA. Von GALENO, ASPARAGUS MYACANTHINUS,
von SORANO EPHESIO, SPARAGO von GAZA, CORRUDAGO genennet/
welcher den gemeinen Spargen unrecht CORRUDAM vertieret hat/ sintemal der Namen
CORRUDA diesem Geschlecht gebühret/ von APULEJO ACANTHYLLIS, ASPARAGUS RUSTICUS und ASPARAGUS ERRATICUS, von THEOPHRASTO,
ASPARAGIA, und von den Kräutlern/ ASPARAGUS SYLVESTRIS, ASPARAGUS MONTANUS, und CORRUDA.
Hochteutsch/ wild Spargen/ und Steinspargen.
IV. Das vierdte Geschlecht/ und das zweyte der wilden Spargen/ wird von den Kräutlern/ CORRUDA HISPANICA,
CORRUDA LUSITANICA, und ASPARAGUS LUSITANICUS PETRAEUS. Hochteutsch/ Hispanische
Steinspargen/ und Portugallische Steinspargen.
V. Das fünffte Geschlecht/ welches das dritte von den wilden ist/ wird von den Kräutlern CORRUDA HISPANICA
ALTERA, CORRUDA LUSITANICA ALTERA, und CORRUDA NARBONENSIS genannt. Hochteutsch/ Provintzisch Steinspargen.
Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Spargen.
Es haben die Spargen eine mittelmäßige Natur und Eigenschafft/ sind nicht zu warm und nicht zu kalt/ sie
säubern und öffnen die innerliche Verstopffung/ werden beyde in der Speiß und Artzney gebraucht. Die wilden Spargen sind in
ihrer Würckung stärcker/ und sonderlich die Steinspargen. Man braucht das Kraut/ Wurtzel und die Beeren/ darinn der Saamen ist.
Innerlicher Gebrauch der Spargen.
Die jungen Dolden aller Spargen werden heutigs Tages sehr in der Küchen gebrauchet/ dann sie den
Schleckmäulern eine gute anmühtige Speiß ist/ die kochet man mit einer Fleischbrühen und ein wenig Pfeffer/ und isset sie
anfangs Essens den Bauch zu erweichen. Etliche quellen sie ein wenig/ und machen mit Eßig/ Baumöle und ein wenig Saltz ein Salat
daraus. Andere machen sie ein mit Saltz und Eßig/ wie man die Bacillen und das Porcellankraut einzumachen pfleget/ und behaltens
über Jahr Salat darvon zu machen/ und an statt der Salsen zum Fleisch und anderer Speiß zu gebrauchen/ den Appetit zum Essen zu
erwecken/ welcher Brauch auch bey den Alten gemein gewesen. Etliche machen sonst gute Müßlein daraus/ und lassen sie auch bey
dem Fleisch sieden/ aber man muß sie nicht zu lang sieden lassen/ sonst vergehen sie gar/ derwegen muß man sie nur ein wenig
quellen/ dann sie sehr bald weich gesotten sind/ daher dann der Käyser DRUSIUS das Sprichwort gemacht/ wann er ein geschwinden
Fortgang eines Dings anzeigen wolte/ zu sagen pfleget: CITIUS QUAM ASPARAGI COQUANTUR, das ist/ bälder und geschwinder eher die
Spargen gesotten werden.
Die Spargen in der Speiß vor sich selbst oder mit anderer Speiß gekocht geessen/ dienet sehr wol in den
Haubtschwachheiten oder Wehethum von dem Magen un der Leber verursacht/ deßgleichen in allen Fehlen und Gebrechen der Augen/ in
den Brustkranckheiten/ und sonderlich in der Lungen- oder Schwindsucht. Sie bekommen auch dem Magen sehr wol/ stärcken und
eröffnen die Leber und Miltz/ und sind gut wider die Bauchflüß/ von der Leber verursachet/ dienen wider die Geelsucht/ und sind
fast nütz denjenigen/ so mit dem Grimmen und der Geelsucht beladen sind/ und die drittägige Fieber haben. Item/ wider das
Ruckenwehe/ den Schmertzen des Rückgrads/ der Nieren und Lenden/ deßgleichen wider alle Gebrechen des Eingeweids/ sie treiben
den Harn und öffnen die Nieren/ Harngäng und die Blasen/ dienen denen wol die mit noth harnen und die Harnwinde haben/ auch
denen so mit dem Grieß/ Nieren oder Lendenstein beladen sind/ helffen den erkalten schwachen Männern in Sattel/ fürdern die
weibliche Monatblumen/ und sind denen so mit der Wassersucht beladen/ eine nützliche Speiß/ schaden aber denen so eine verwundte
Blasen haben. Es sind die Spargen den Alten fast angenehm in ihren Speisen und Wollüsten gewesen/ wie solches der Poet MARTIALIS
auch gedenckt/ da er in folgenden Versen also spricht:
MOLLIS IN AQUOREA QUA CREVIT SPINA RAVENNA.
NON ERIT INCULTIS GRATIOR ASPARAGIS.
Die Spargen in der Speiß und Artzney gebraucht/ haben eine heimliche verborgene Eigenschafft/ in allen
Kranckheiten der Augen/ denselbigen zu hülff zu kommen.
Spargen kommen auch allen Gebrechen der Leber wunderbarlich zu hülff/ sie lösen auf derselbigen Verstopffung
und stärcken sie.
Spargenwurtel in Wein oder Wasser gesotten/ und die durchgesigene Brühe getruncken/ eröffnet nicht allein die
Verstopffung der Leber/ sondern treibet aus die Geelsucht/ reiniget die Nieren/ Harngäng und die Blasen. Etliche sieden die
gemeldte Wurtzel mit Zisererbsen/ und nehmen der durchgesigenen Brühe 1. Becherlein voll/ zertreiben darinn ein halb Loth
Schaafbonen/ und gebens vor die Geelsucht zu trincken.
Wider die grüne Geelsucht: Nimm Spargenwurtzel/ 3. Loth/ Peterleinwurtzel/ Ochsenzungen oder Borragenwurtzel/
jedes 2. Loth/ jung Rettichkraut/ Bibernellenkraut/ weissen Andorn/ Venushaar/ Saurampferkraut/ Endivien und Wegwarten/ jedes 1.
Händlein voll/ Nessel oder Flachsseiden/ Thymseiden/ EPITHYMUM genannt/ Ochsenzungenblümlein/ jedes ein halb Loth. Thue solche
Stück klein zerschnitten in eine Kante/ und noch darzu 5. oder 6. Untzen fein Zucker/ schütte darüber anderthalb Maß frisch
Brunnenwasser/ verlutier den Ranfft der Kanten geheb zu/ darnach stelle sie in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse es
darinn fünff Stunden in stäter Hitze sieden/ darnach thue die Kante heraus/ laß erkalten/ dann seihe es durch ein Tuch/ und gib
dem Geelsüchtigen Morgens und Abends/ jedesmal 4. Untzen warm zu trincken/ so lang der Tranck währet.
Wider die Verstopffung der Leber und die Geelsucht: Nimm Spargenwurtzel/ 4. Loth/ Peterleinwurtzel/ 2. Loth/
Fenchelwurtzel/ 2. Loth/ zerschneid die Wurtzeln klein/ thue sie in eine Kante und 4. Untzen fein Zucker darzu/ schütte darüber
dritthalb ächtmaß Wassers und anderthalb ächtmaß guten fürnen Wein/ und lasse sie wol verlutirt obgemeldter massen vier
Stunden lang sieden/ und wann die materi kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch/ davon gib dem Krancken alle Morgen 4. Untzen
nüchtern zu trincken/ und auch des Abends so viel/ zwo Stunden vor dem Nachtessen.
Spargenwurtzel zu einem subtilen Pulver gestossen/ und eines Quintleins schwär mit einem Trüncklein fürnen
weissen Weins getruncken/ hilfft wider den Lendenschmertzen und das Nierenwehe/ wie solches auch der Poet SERENUS mit folgenden
Versen von dem Lendenwehe bezeuget/ da er also spricht:
AUT CAPUT ASPARAGI CUM VINO SUINE VETUSTO:
SEU MAVIS APPONE: MODUS CONDUCIT UTERQUE.
Oder/ nimm Spargenwurtzel und Römischenkümmel/ jedes gleichviel/ stosse die zu einem reinen Pulver/ und gib
davon eines Quintleins schwär mit Wein oder Wasser zu trincken/ es vertreibet das Wehethum der Lenden und Nieren.
Spargenwurtzel oder Saamen gepülvert/ 1. Quintleins schwär mit Wein getruncken/ treibt aus den Nierenstein
und Blasenstein.
Wider den reissenden Stein ein gute bewährte Artzeney: Nimm Spargenwurtzel 2. Loth/ Attichwurtzel/
Bibernellenwurtzel/ Klettenwurtzel/ Peterleinwurtzel/ jedes 1. Loth/ drey gereinigter Knoblauchshäubter/ Weidenblätter/
Bibernellensaamen/ jedes 1. Loth. Alle gemeldte Stück soll man klein schneiden/ darnach zu einem subtilen Pulver stossen/ und
durch ein härin Sieblein schlagen/ folgends in einem Schächtlein zum Gebrauch verwahren. Darvon gib demjenigen der den Stein
hat/ etliche Tag nacheinandern des Morgens nüchtern/ 1. Quintleins schwär mit Bastard oder einem andern süssen Wein zu
trincken. Diese Artzney soll man auch so bald einen der Stein anstosset/ gebrauchen/ und den Krancken in ein Lendenbad setzen/
darinn wilde Pappeln gesotten worden seyn.
Oder/ nimm Spargenwurtzel 2. Loth/ Mäußdornwurtzel/ Steinbrech/ Odermenig/ Meerhirß/ Bibernellenwurtzel/
Fünfffingerkrautwurtzel/ jedes 1. Loth/ Nägelein anderthalb Loth. Laß diese Stück zuvor klein zerschnitten in anderthalb Maß
guten Weins den dritten Theil einsieden/ darnach seihe die Brüh davon durch ein sauber Tuch/ und thue ferner darzu 8. Untzen
frisches Honigs/ laß wiederum sittiglich sieden/ und verschäum es wol/ seihe es dan wieder durch/ und gib demjenigen so mit dem
Stein beladen/ alle Morgen und Abend/ jedesmal 4. Untzen warm darvon zu trincken.
Wider das schwärlich harnen: Nimm Spargenwurtzel und Pfefferkümmel/ jedes gleichviel. Stoß diese beyde zu
einem subtilen Pulver/ und gib davon 1. Quintleins schwär mit fürnen Wein zu trincken/ es hilfft bald. Gemeldte Artzney fürdert
auch die ehelichen Werck.
Spargelwurtzel klein zerschnitten in Wein gesotten/ und darvon Morgens und Abends/ jedesmal 1. Becher voll warm
getruncken/ vertreibet die Kaltseich/ fürdert auch die weibliche Monatblumen.
Wider das Blutharnen: Nimm Spargensaamen/ Peterleinsamen/ Pfefferkümmel/ jedes
gleichviel/ Stoß diese Stück zu einem reinen Pulver/ und gib dem Krancken fünff Tage nacheinander/ jedesmal ein halbes quintl.
mit weissem Wein/ des Morgens nüchtern und warm zu trincken/ das hilfft/ wie CHRYSIPPUS bezeuget.
Spargenwurtzel zu einem subtilen Pulver gestossen/ davon eines Quintleins schwär offtermals mit Wasser
getruncken/ dienet wider den Hodenbruch/ den Fleisch und Wasser-Carnöffel.
Spargenwurtzel zerschnitten/ darnach in Wasser den dritten Theil eingesotten/ und von der durchgesigenen
Brühe/ des Morgens und Abends/ jedesmal ein gemeinen Tischbecher voll warm getruncken/ ist eine gute heilsame Artzney wider das
Rücken und Lendenwehe/ deßgleichen wider das Hüfftwehe: dienet auch wider das viertägige Fieber/ sieben Tage nacheinander
obgemeldter massen getruncken.
Spargen gestossen/ den Safft darnach ausgepreßt und geläutert/ dienet wider die Biß der Schlangen/
desselbigen auff 3. Untzen auff einmal getruncken.
Spargenwurtzel und Kraut in Wasser den dritten Theil eingesotten/ und der durchgesigenen Brühen des Morgens
und Abends/ jedesmal auf die 4. Untzen getruncken/ dient wider die Biß der gifftigen Erdspinnen.
CHRYSIPPUS lehret/ so man Spargenwasser seudet/ und dasselbige den Hunden zu trincken gibt/ so sterben sie
davon/ das bezeugen auch DIOSCORIDES, AVICENNA und der Naturkündiger PLINIUS. Soll man sich derowegen hüten/ daß man den Hunden
keine Speise nicht gebe/ darbey oder damit Spargen gesotten worden seyen.
Die Wildenspargen oder Steinspargen sind zu allen obgemeldten Kranckheiten dienlicher und kräfftiger/ als die
Garten- oder Wasserspargen/ welche zur Speiß lieblicher und anmühtiger sind.
Eusserlicher Gebrauch der Spargen.
Wein darinn Spargenwurtzel gesotten worden/ stillet den Schmertzen der Zähn: so man den lang im Mund warm
haltet/ darnach wann er kalt wird/ wiederum ausseyet/ und wiederum andern warmen Wein nimmet/ und das also ein Weil beharret. Das
thut auch der ausgepreßte Spargensafft/ gleichfalls gebrauchet/ und sind aber die gemeldeten Artzeneyen kräfftiger/ wann man sie
von den wilden Steinspargen bereitet.
Den Safft von den Steinspargen in dem Mund gehalten/ befestnet die wackelnden Zähn.
Spargenwurtzel zu Pulver gestossen/ und das Pulver mit einer Baumwollen an den schmertzhafftigen Zahn gehalten/
zeucht denselbigen ohn einigen Schmertzen aus.
Spargenwurtzel zu Pulver gestossen/ und mit Honig temperiert wie ein Salbe/ heilet den schwärenden und
flüßigen Haubtgrind/ denselben damit gesalbet.
Spargenkraut und Wurtzel zerschnitten/ darnach gestossen und in Wein gesotten/ folgends wie ein Pflaster
übergelegt/ vertreibet den Schmertzen der Nieren.
Spargensaamen gestossen/ in ein Tüchlein eingenähet wie ein Mutterzäpfflein/ bringet die verstandene
Monatblumen wieder/ solches in weiß Lilienöle genetzet/ und zu sich in die Mutter gethan.
Spargenwurtzel gestossen und mit Eßig oder Traufwein gesotten/ folgends wie ein Pflaster übergelegt/ stillet
den Schmertzen der verrenckten Glieder. Die gemeldte Artzney so sie mit Eßig also bereitet wird/ dienet sie wider die
aufgeloffene geschwollene Schenckel von Aussatz/ wie ein Pflaster übergelegt.
Spargenwurtzel zu einem subtilen Pulver gestossen/ und mit Baumöle wie ein Sälblein temperiert/ verhütet
daß einen die Bienen oder Wespen nicht stechen/ wann man sich damit salbet.
Wilt du einem Wein ein guten Geruch und Geschmack machen/ so samle Spargenblüht/ lasse sie am Schatten
trucknen und dürr werden/ darnach hencke sie in einem Tüchlein in ein Faß mit Wein/ so wird er wolriechend und wolgeschmackt.
Gedistilliert Spargenwasser.
ASPARAGI AQUA STILLATITIA.
Die beste Zeit das Spargenwasser zu distilliren/ ist im Herbst/ wann es die rothen Beerlein hat/ soll man das Kraut mit den Wurtzeln und Beerlein klein hacken/ darnach in BALNEO MARIAE erbeitzen lassen/ darnach zum andernmal distilliren/ und eine Zeitlang in die Sonne setzen.
Innerlicher Gebrauch des Spargen-Wassers.
Das Spargenwasser soll insonderheit von denen gebrauchet werden/ die zum Grieß/ Stein und Lendenwehe geneigt
sind/ dann es treibet das Grieß und den Stein hinweg/ deßgleichen auch den Schleim davon der wächst/ hat eine fürtreffenliche/
eröffnende Krafft/ treibet den Harn gewaltig/ wehret das Tröpfflingen harnen/ vertreibet die Kaltseich oder die Harnwinde/
löset auff die Verstopffung der Leber und des Miltzes/ treibet aus die Geelsucht/ und mildert das Lenden- und Nierenwehe/ Morgens
und Abends/ jedesmal 4. oder 5. Loth getruncken/ und den täglichen Tranck darmit gemischet.
Spargenwein.
ASPARAGITES.
Der Spargenwein ist meines wissens heutiges Tages nicht im Brauch/ er wird von
DIOSCORIDE und andern alten Lehrern nicht beschrieben/ allein gedencket seiner MARCELLUS EMPYRICUS, und lobet denselbigen sehr
wider den Hüfftschmertzen/ deßgleichen wider das Wehethum der Lenden und Nieren. Sonst mag er auch nützlich gebraucht werden
wider die Geelsucht/ Wassersucht/ und andere obgemeldte Gebrechen/ wie von dem gedistillirten Wasser angezeigt ist. Welcher Lust
darzu hat/ der mag ihn bereiten wie den Angelickwurtzwein.
Wider den Stein der Nieren und Blasen/ habe ich den Spargenwein auf folgende weiß offtermals bereiten lassen/
welcher mit grossem Nutz ist gebrauchet worden/ den mache also: Nimm Spargenwurtzel/ 8. Untzen/ Klettenwurtzel/ Peterlinwurtzel/
Bibernellenwurtzel/ Steinbrechwurtzel/ jedes 2. Untzen. Alle gemeldte Stück sollen dürr seyn/ klein geschnitten/ und groblecht
gestossen werden/ folgends soll man sie mit Häselen oder Hagenbüchen Spähnen/ in ein zwölffmäßiges Fäßlein einschlahen/
darnach dasselbige mit gutem Most zufüllen/ den darüber verjähren lassen/ und über Jahr darvon trincken.