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SILBERWURZ
Dryas octopetala - Rosaceae
VON DEM WELSCHEN SILBERKRAUT.
Das Welsch Silberkraut/ oder das Silberkraut von Mompelier hat eine schwartzbraune holtzechtige Wurtzel die sich in etliche Nebenwürtzlein abtheilet/ eines trucknenden und zusamenziehenden Geschmacks/ wie die Wurtzel deß Tormentills oder Fünffingerkrauts. Die Bletter seynd den Blettern deß Braunmänderleins oder deß Edelgamänderleins an der gestalt gleich/ unnd auch also zerkerfft/ [ jedoch kleiner/ die unden gegen der Erden/ ] von Farben weiß oder äschenfarb glantzendt wie das Genserichkraut/ die Stengel seynd schwartzbraun ein wenig runtzelechtig unnd holtzechtig/ [ so auff der Erden ligen/ also daß zu zeiten auß jhnen kleine Würtzlein wachsen/ und sich also vermehrt/ daß es gantze Wasen gibt/ ] die Blumen seyndt mir nie zu sehen worden. [ Von den ästlein wachsen dünne Stiel/ auff einem jeden stehet im Brachmonat ein schöne weisse Blum/ den Costen Rößlein ähnlich/ so acht oder neun Bletter hat und in der mitten viel fäßlein/ seind ohne Geruch: wann diese vergehen/ folget im Augstmonat der Samen mit Wollen uberzogen/ gleich wie die Kuchenschell oder Benedictenkraut.] Dieses Gewächs wie es hie abgerissen ist/ hat mir der hochgelehrte MEDICUS DOCTOR SIMON GRYNAEUS PHILOSOPHIAE PROFESSOR auff der hochlöblichen Universitet der Churfürstlichen Statt Heydelberg mitgetheilet/ dem etliche Stäudlein von Mompelier zugeschickt worden seyndt unter dem Namen ARGENTINAE, da es dann von sich selbst wachsen sol/ in hartem/ steinechtigem und sandechtigem Erdtreich [ Dieses habe ich erstlich auff dem hohen Schweitzergebirg gefunden/ wie dann auch C. GESNERUS dessen gedenckt in Beschreibung deß Pilatusberg/ man findet es auch wie C. CLUSIUS meldet/ auff den hohen Gebirgen in Steirmarck. Und weil der AUTHOR das Kraut nicht gantz gehabt/ habe ich eine newe Figur hieher setzen wöllen.]
Von den
Namen deß Silberkrauts vom Mompelier.
Dieses Gewächs haben wir ARGENTINAM MOMPELIACAM genannt/ dann wir
keinen andern Namen wissen/ wie es nun bey den Alten geheissen worden seye/
stellen wir in zweifel/ doch möchte es vielleicht das LEUCAS DIOSCORIDIS seyn/
welcher jhme sonder zweiffel diesen Namen von wegen der weissen/ glantzenden
Bletter gegeben hat/ sintemal keine Beschreibung der Alten sonst mit diesem
Kraut zuschlagen wil/ unnd wiewol DIOSCORIDES LIB.3.CAP.101. deß Krauts LEUCADIS
mit sehr wenig Worten gedencket/ also daß man schwerlich etwas gewisses darauß
schliessen kan/ wöllen wir es doch nicht desto weniger vor ein Geschlecht
LEUCADIS halten/ sintemal es umb der weissen Bletter willen diesen Namen wol
haben mag/ unnd auch ohne allen zweiffel deß zusammenziehenden unnd trucknenden
Geschmacks halben/ der sich der Tormentill vergleichet/ wider das Gifft dienet/
gleich wie der LEUCAS DIOSCORIDIS, derwegen wir auch nicht underlasen wöllen die
Wort DIOSCORIDIS die er von dem LEUCADE schreibt/ hie an diesem ort zu erzehlen/
und spricht also: Deß Krauts LEUCADIS sindt zwey Geschlecht/ das eine ist zam/
das andern wild/ unnd wächst an den Bergen/ wirdt derwegen LEUCAS MONTANAE
genennet/ und hat breytere Bletter dann das zame/ sein Samen ist auch zangerer
und schärpffer/ bitterer unnd am Geschmack unlieblich/ aber doch kräfftiger dann
das zame. Auß dieser deß DIOSCORIDIS beschreibung ist leichtlich abzunemen/ daß
das Kraut LEUCAS mehr auß seinen Kräfften und Wirckungen unnd auß deß Krauts
Namen muß erkannt werden/ dann sonst auß dern Kennzeichen/ deren doch der AUTHOR
nicht gedenckt/ sol derwegen uns dieses Kraut LEUCAS MONTANAE DIOSCORIDIS seyn
unnd bleiben/ biß ein anderer ein bessers auff die Ban bringet. Dieses Gewächs
wirdt von DIOSCORIDE unnd GALENO Lateinisch LEUCAS und von ARTEMIDORO lib.3.c.6.
LEUCEA, Von Den Simplicisten ARGENTINA MOMPELIACA, und zu Teutsch Welsch
Silberkraut oder Silberkraut von Mompelier genant. [Dieses wirdt in dem
Schweitzer Gebürg/ Hirtzwurtz genennet/ wie das C. GESNERUS und IOSIAS SIMLERUS
bezeugen/ Ich halt es für ein Gamänderlin.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Silberkrauts und seinem Gebrauch.
Das Silberkraut kann leichtlich auß dem zusammenziehenden
trucknenden Geschmack den es gleich hat mit dem Fünffingerkraut unnd Tormentill/
indiciret werden/ daß es truckner Natur und Eygenschafft sey biß in dritten
Grad/ derwegen es auch wieder das Gifft und der gifftigen Thier Biß dienet.
DIOSCORIDES gibt seinem LECADI an oben angezogenem ort eben diese wirckung zu/
unnd spricht daß es gut seye/ wie ein Pflaster ubergeleget/ oder mit Wein
eyngenommen unnd getruncken/ wider aller gifftigen Thier Stich und Bißz/ und
sonderlich der gifftigen Meerthier/ Weitere Erfahrung haben wir nicht von diesem
Kraut.