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SCHLÜSSELBLUME
Primula - Primulaceae


VON SCHLÜSSELBLUMEN

    Die Schlüsselblumen oder Himmelschlüssel/ PRIMULAE VERIS genennt/ werden von LEONARDO FUCHSIO under die Wüllkreuter gerechnet/ dieweil jre Bletter etwas weissfarbig und wollecht seyn/ Es seyn bemeldter Blumen zwey Geschlecht/ erstlich die gemeine/ so in Gärten und Wiesen wachsen: Darnach das wilde Geschlecht/ so in Wälden erfunden wirdt. Es meldet CAMERARIUS dass so viel Geschlecht der Schlüsselblumen wachsen/ dass man sie kaum zelen könte: Jedoch seyn sie einander an Form und Gestalt also nahe verwandt/ dass/ wie LOBELIUS zeuget/ welchem derselben nur ein Geschlecht bekandt sey/ derselbige die andere Geschlecht alle gar leichtlich unnd wol erkennen möge. Haben allein jhren grössten Underscheidt an den Blumen/ deren etlich gefüllt/ etliche ungefüllt/ ein Theil gantz gelb/ ein Theil aber bleych gelb: Etliche auch grün erfunden werden/ unnd dass die Bletter an etlichen grösser und breyter erfunden werden/ denn an andern.

Von den Namen
    Die Schlüsselblumen haben bey den LATINIS viel Namen. Erstlich werden sie genennet PRIMULA VERIS, dieweil sie baldt im Frühling herfür kommen: Darnach HERBA PARALYSIS oder ARTHRITICA, das ist Gichtkraut/ wegen seiner grossen Krafft zum Gegicht. BETONICA ALBA/ VERBASCULUM ODORATUM.
    Deutsch Himmelschlüssel/ S.Petersschlüssel/ Handtschuchblumen. (Fastenblumen/ weiss Betonien.)

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Schlüsselblumen
    Die Schlüsselblumen seyn an Geschmack etwas scharpff und bitter/ unnd haben eine zusammenziehende Natur/ daher sie von FERNELIO und andern mehr/ warm und trucken geachtet werden. (die gäle aussgeropffte Blümlein seyn zart/ süss/ und eins Honiggeruchs/ daher sie gesamblet werden/ und Zucker oder conserven darauss gemacht.)

Jnnerlicher Gebrauch der Schlüsselblumen
    Etliche Artzte nemen die Wurtzel von den Schlüsselblumen/ thun darzu Calmus und Eysopwurtzeln/ und schwartzen Pfeffer/ zerschneiden und zerstossen solche stück/ binden sie in ein seiden Tüchlein/ unnd henckens zwen oder drey tage in Brandtenwein oder in andere AQUAS VITAE, darnach vermischen sie solchs mit Schlüsselblumen und Endivienwasser/ geben davon dem Krancken drey oder vier loth zu trincken/ und wirdt für ein sonderlich experiment gehalten. Es wirdt auch die Wurtzel gebraucht die Verstopffung der Nieren und Blasen zu eröffnen/ in Wein oder Wasser gesotten und darvon getruncken. (Die Wurtzel gestossen/ kan mit nutz den Kindern gebrauchet werden wider die Würm.)
    An etlichen Orthen machet man auss den jungen Schösslingen der Blumen Salat/ und isset dieselbige.

Eusserlicher Gebrauch
    Es wird diss Kraut auch eusserlich zu dem Gicht gebraucht. Dann es schreibet FERNELIUS, dass die Schlüsselblumen zerstossen und auff das schmertzhaffte Gliedt gelegt/ demselben gar wol thun.
    Da man auch die Bletter oder Blumen auff Geschwülst legt/ (so von gifftigen Thieren entstanden/ trücken sie dieselbige nider.
    Mit dem Safft so auss den Blümlein getruckt worden/ das Angesicht uberstriechen/ vertreibt die Flecken/ Masen/ und Runtzel derselbigen wunderbarlich/ verzehret auch die Feigwartzen im hinderen/ miltert die Harnwinde.