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SAUERKIRSCHE
Prunus cerasus - Rosaceae
VON KIRSCHEN
Es werden uns allhier vielerlei Art Kirschen von dem Authore vorgestellt/ welche doch in zwey Geschlecht können abgetheilet werden/ also dass etliche zahm sind/ etliche wild. Auss den zamen sind etliche einheimisch/ etliche frembd/ so man Welsche oder Hispanische Kirschen nennet. Es werden auch unterschiedliche Geschlecht erfunden/ so jhren Unterscheid haben/ beyd an den Blumen/ etliche mit schlechten einzigen Blümlein erfunden werden: So viel die Früchte belanget/ seyn dieselbige an Geschmack zum theil süss/ zum theil sauwr/ und von Farben zum theil roth/ zum theil weiss unnd auch schwartz: Uber das werden sie unterschiedlich an den Stielen erfunden. Also dass bissweilen nur ein Kirsche allein/ bissweilen auch zwo/ drey oder viel mehr an einem Stiel zu wachsen pflegen. Wie dann bey einer jeden Figur zu sehen ist. So viel den Baum anlanget/ ist derselbige jederman wol bekandt/ mit einer glatten schwartzweissen Rinden bekleidet/ seine Bletter vergleichen sich beynahe den Nesseln/ aussgenommen/ dass sie härter und breyter sind/ rings umbher zerkerfft/ gewinnt ein weisse Blüet/ nach welcher die Frucht erfolget. Die Blüet kompt im Lentz hervor/ aber die Kirschen werden im Brachmonat/ unnd Hewmonat zeitig.
Von den Namen
Kirschenbaum wirdt Lateinisch genennet CERASUS.
Die Frücht oder Kirschen heissen Lateinisch CERASA.
Von der Natur/ Krafft/ unnd Eygenschafft der Kirschen
Jnnerlicher Gebrauch
Von Kirschenwasser
Auss den sauwren Kirschen wird ein köstlich Wasser gebrennt/ nemlich also: Nimb saure Kirschen/ zerstoss
sie ein wenig/ legs in ein Kolbenglass/ giess darüber guten Wein/ und brenne darnach in BALNEO MARIAE ein Wasser darauss/
nachmals wass dieser Wein distillirt ist/ so giesse ein wenig frischen Safft auss den sauren Kirschen darzu/ so gewinnt er gar ein
schöne Farb. Diss Wasser ist gut dem schwachen Magen/ gibt auch dem Hertzen grosse Krafft.
Es wird auch auss den rothen sauren Kirschen ein Wasser gebrennt/ welches nützlich ist wider die Flüsse der
Mutter/ stopffet auch die Rothe Ruhr unnd andere Bauchflüss/ drey oder vier Loth getruncken
Ist auch gut für die hitzige Leber und den hitzigen Magen.
Von eingemachten Amarellen
Die Amarellen werden auff solche weiss eingemacht: Nimb der frischen Amarellen/ die nicht zerstossen sind/
(die recht zeitig/ und von welchen der grüne Stiel mehr dann halber abgeschnitten/) zwey Pfundt/ nimb auch ein Pfund Zucker/ den
siede unnd läutere/ wann er halb gesotten ist/ schütt die Amarellen darein/ unnd lass gar sanfft mit einander sieden/ damit die
Beer nicht zerkliebendt/ biss sich der Zucker als ein zart Fädemlein auffziehen lässt. So dann die Brüh etwas erkühlet/ setz
die Beer in jrrdene oder glläsine Schalen mit den Stielen ubersich/ so bleiben sie uber Jahr gut. Eben also sind auch die
Weichsseln einzumachen.
Von Amarellen Lattwerg
Die Lattwergen oder Seltz von dieser Frucht bereit man also: (Nimb die frisch vom Baum/ wann sie wol zeitig seynd/ thue die Stiel hinweg/ zerstosse sittiglich in einem steinern Mörser/ unnd thue den aussgetruckten Safft in ein sauber verglasst Geschirr/ setze jhn auff ein lind Kolfewer/ lass gemächlich mit stättigem rühren zu einer Lattwergen sieden. Etlich thun Honig und Zucker wolgeläutert darunter. Diese Lattwerg ist gut den Durst zu leschen/ in allen hitzigen Febern und Kranckheiten/ bringt auch Lust zu essen. Andere bereitens also:) Nimb der Amarellen so viel du wilt/ lass die wol mit wenig Wein sieden/ treibs durch ein Tuch oder härin Syb/ das lass folgends sieden/ biss es dick wird/ mit stättem umbrühren/ wann dess Saffts drey Pfund ist/ setz darzu zwey Pfund wol geläuterten Zucker/ dass siede vollend ab so dick du wilt. Man bereit auch ein Lattwerge mit Specerey/ wie folgt: Nimb gedachter Seltz/ weil sie noch warm ist/ ein Pfundt/ darunter misch gestossen Zimmet/ Muscatennüss jedes ein halb Loth/ Jngwer/ Galant/ jedes ein quintlein/ Cardamom/ Nägelein/ Macis/ Paradeyssholtz/ jedes ein halb quintlein. Diese kräfftiget das Hertz mehr dann vorgemeltes/ ist auch gut die hitzige unnd truckne Zungen darmit zu feuchten. Man soll auch diese Lattwerg den jenigen geben/ so ein hitzig Feber haben. Andere bereiten ein Kirschenlattwerg auff solche weiss: Nimb der sauren Kirschen/ beitz sie in Honig und Zucker/ durcheinander gemischt/ so viel du wilt/ lass vierzehen Tag darinn liegen/ darnach thue die die Kirschen herauss/ und siede einen Tranck von Jsop/ Rosen/ Violen und Süssholtz/ würtze es so viel du wilt/ mit Zimmetröhrn/ Nägelein/ und Muscatenblumen/ misch mit gutem Wein/ lass aber vierzehen Tag darunter stehen/ darnach lass die Kirschen an der Sonnen trucken werden/ die magstu feucht oder trucken zu Tisch tragen.
Von Kirschenwein
Auss den sauren Kirschen wird auff zweyerley weiss ein Wein bereitet/ so zu vielen Sachen dienstlich/ Etliche nehmen die Kirschen ohn Stiel/ zerstossen dieselbigen in einem steinernen Mörser/ thun sie darnach in ein Fass/ unnd schütten Wein darüber: Andere befehlen jhn also zu bereiten: Lege ein Zeil Spän/ welcher du wilt/ darauff ein Theil Weichseln/ und also fort biss das Fass voll wird/ darüber fülle den Wein/ lass ligen biss an den vierden Tag/ so ist er schon genugsam gefärbt/ dieser uberkompt ein recht temperirte Natur/ ist taugenlich in grosser Sommerhitz den Durst zu leschen/ und die innerliche erhitzte Glieder zu befeuchten. Eröffnet auch die Leber/ treibt den Harn/ fürnemlich wann die Kern darinn zerstossen sind/ derselbige fürdert auch den Griess und Stein zum Aussgang. (Etliche hencken Gewürtz darein/ aber wider die Natur dess Kirschenweins.)