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SAAT-WUCHERBLUME
Chrysanthemum segetum - Compositae
VON DEN GOLDTBLUMEN.
Die
Goldtblum hat ein lange/ weise Wurtzel/ mit vielen Zaseln/ bringet glatte
Stengel fast einer Elen lang/ die seynd geringsherumb mit tieffen/
zerschnittenen und gekerfften Blettern besetzt/ die seynd den Blettern deß
Beyfuß ähnlich/ Am obern theil gewinnt es schöne/ dottergeele oder goldtgeele
Blumen/ die seyn rundt und uberauß schön glantzendt wie die Blumen deß
Ringelkrauts/ die vergleichen sich der Gestalt halben einem Aug/ dannenher auch
dieses Kraut von etlichen BUPHTHALMUS, das ist/ Kühaug genennet worden ist. Wann
es noch jung ist/ wirdt es von dem Bauwersvolck mit andern Gemüß oder
Kochkreutern gessen. Dieses Kraut wächst an ungebauweten Orten neben den
Strassen. Es hat ein bitterechtigen Geschmack auff der Zungen/ mit einer
Astriction oder Zusammenziehung.
II. Das ander Geschlecht dieses Krauts hat ein zasechtige Wurtzel
wie der Reynfahrn/ Die Stengel seyndt glatt/ fast anderthalb Spannen lang/ die
seyndt mit langen/ zerschnittenen unnd gekerfften/ feysten unnd linden Blettern
bekleydet/ die seyndt den Blettern der Creutzwurtz nicht fast unähnlich/ oben
gewinnet dieses Gewächs schöne bleychgeele Blumen/ wie auch an etlichen
goldtgeele Blumen gesehen werden/ anzusehen wie die Kühaugen/ den Blumen deß
vorighen Geschlechts sehr gleich. Diß Gewächs blühet im Hewmonat/ wächst in den
gebawenen Feldern under dem Habern und in dem Weytzen. Ich hab mein lebenlang
dieser Blumen mehr nicht gesehen/ als im Westerwald zwischen Limburg und
Hachenburg/ da die Haberfelder im Hewmonat so voll stehen/ als wann sie dahin
gesäet/ oder als wann sie mit geelen Tüchern bedeckt werden.
III. Das dritte Geschlecht hat ein kleine tieff zerschnittene
haarechtige Blätlein/ die seynd der geelen Garben ähnlich/ der stengel ist eines
Schuchs lang/ mit vielen Nebenästlein/ welcher ein jedes ein schöne Goldgeele
Blum ohn Blätlein bringet/ die vergleichen sich fast der geelen Römischen
Chamillen/ und behaltet jhre schöne Farb lange Zeit/ wie der Hochgelehrte und
weitberühmbte Herr CAROLUS CLUSIUS bezeuget/ welcher dieses Gewächs erstmals in
dem Königreich Hispanien in der Valentinischen Provintz funden/ unnd sie sampt
deren Abconterfeytung in Druck gegeben hat/ dem billich alle Liebhaber der
Gewächs und Simplicien solches zu dancken haben/ der Allmächtige Gott verleihe
jhme gesunde Zeit und ein langes Leben. Es soll dieses Gewächs wie der Herr
CLUSIUS schreibet/ im MARTIO blühen/ unnd in den gebawenen Feldern neben den
Strassen wachsen.
Von den
Namen der Goldblumen.
Es haben etliche auß dem süssen Hanenfuß mit den Dottergeelen Blumen
das CHRYSANTHEMUM DIOSCORIDIS machen wöllen/ welches DEMOCRITUS CHRYSANTHEMUM
nennet/ unnd auch CHRYSANTHEMUM DEMOCRITI bleiben soll. Aber daß solcher auch
das CHRYSANTHEMUM DIOSCORIDIS seyn soll/ ist weit gefehlet. Die anderen wöllen
kein Underscheid under dem BUPHTALMO DIOSCORIDIS und seinem CHRYSANTHEMO machen/
unnd vermischen das BUPHTALMUM welchs DIOSC.LIB.3.C.141. besonder und
underschiedlich beschrieben/ mit dem CHRYSANTHEMO LIB.4.C.48. unweißlich/ als
wann er DIOSCORIDES in beyden gemelten Orten ein Gewächs/ nemlich den BUPHTALMUM
verstanden hette/ welches sie aber noch nicht bewiesen/ dann so er das
CHRYSANTHEMUM auch vor das BUPHTALMUM gehalten hette/ wird er solches nit in
zweyen underschiedlichen Büchern und auch besondern Capiteln beschrieben haben/
oder doch zum wenigsten im vierdten Buch desselbigen Anregung gethan haben/ daß
aber nicht geschehen/ also daß es noch viel beweisens bedörffen wirdt/ daß wie
sie meynen das 48. Cap. DIOSCORIDIS uberflüssig seye/ sintemal es in allen alten
gedruckten und auch geschriebenen Exemplaren gefunden wirdt. Zu dem ist das
beweiß genug/ daß es nicht uberflüssig ist/ dieweil wir Gott lob die Kreuter
beyde haben/ die mit beyden Beschreibungen DIOSCORIDIS mit allen Noten unnd
Kennzeichen zuschlahen/ derowegen unvonnöthen ist/ hinfürter vergebenlich sich
darinn zu bemühen/ unnd ein fuder Stroh zu treschen. Lateinisch/ CHRYSANTHEMUM,
CHALCITIS, CHALCAS, CHAGLA, CHALCANTHUM, CHALCANTHEMUM, GARULEUM und CALTA.
Teutsch/ Goldtblum.
II. Das zweyte Geschlecht ist von DIOSCORIDE nit beschrieben/ wird
von den Kreutlern CHRYSANTHEMUM SEGETALE, CHRYSANTHEMUM ARVENSE, und CALTA
ARVENSIS genannt. Etliche nennens auch BELLIDEM LUTEAM. Hochteutsch wildt
Goldtblum oder Ackergoldtblum/ S.Johannsblumen/ und geel Gänssblum. Jn dem
Speyrer und Trierer Bisthumben werden diese Blumen Kalbsaugen genannt.
III. Das dritte Geschlecht CHRYSANTHEMUM HISPANICUM genannt/ wirdt
von dem hochberühmbden Herrn CAROLO CLUSIO CHRYSANTHEMUM VALENTINUM genannt/
dieweil es in Hispanien in der Valentinischen Provintz erstmals erfunden hat/
wiewol es sich aber schier besser zum BUPHTALMO schicken will/ wöllen wir es
doch diesem lobwirdigen unnd wolverdienten Mann zu Ehren und ewiger Gedächtnuß
CHRYSANTHEMUM CLUSII nennen/ zu Hochteutsch/ Hispanisch oder Spanisch/
Goldtblum.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Goldtblumen.
Unsere beyde Goldtblumen seyndt warmer unnd truckner Eygenschafft/
werden zu unserer Zeit gar nicht in der Artzeney gebraucht. Was dann die
Spanische Goldtblum belangen thut/ sintemal jhr Natur/ Krafft und Eygenschafft
uns unbekannt seyndt/ wissen wir auch auff dißmal nichts weiters darvon zu
schreiben.
Jnnerlicher
Gebrauch der Goldtblumen.
Die Blumen deß gemeldten unnd ersten Geschlechts dieses Krauts
etliche Tage nacheinander/ so man auß dem Bad geht/ getruncken/ vertreiben die
Geelsucht unnd bringen wider die vorige natürliche Farbe.
Eusserlicher Gebrauch der Goldtblumen.
Die Blumen deß gemeldten Krauts mit Oel und Wachs wol vermischet/
vertreiben die Speckgeschwer oder Unschlittrüsen/ STEATOMATA genannt.