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ROSMARIN
Rosmarinus - Labiatae
VON DEM ROßMARIN.
Weil von den Roßmarinkreutern
an diesem Ort gehandelt worden/ und deß gemeinen Roßmarin keine meldung
geschicht/ hab ich die Historiam hieher setzen wollen/ weil er nicht allein umb
der Kräntz willen von den Jungfrawen in den Gärten gezielet wird/ sondern auch
in der Artzeney ein nutzlich Kraut ist.
Roßmarein ist ein holtzechtiger Staud mit vielen kleinen Reißlein
die ein weißlechte Rinden haben/ die seyn mit langen/ schmalen/ dicken Blätlein
besetzt/ die unden gegen der Erden gantz weiß oder grawlecht/ oben aber fast
grün unnd streifflecht. Die Blümlein so im Frühling und Herbstzeit herfür
kommen/ seind weißblauw/ im angriff zähe. Nach der Blüht kompt ein kleiner
schwartzer Samen/ darauß man Stöcklein zielen kann/ wiewol es viel eher von den
Zweiglein gezielet wird/ so man dieselbigen gegen dem Frühling setzet. Die
Wurtzel ist holtzecht/ greifft weit umb sich auff der erden.
Der Roßmarin zu gewisser zeit an junge Wachholderstauden gepfropfft/
bleibt desto liber uber Winter im Felde. Wächst sonst gern an Orten/ dahin viel
Sonne kompt. Jn Franckreich/ in Languedock ist er gantz gemein/ daß er auch wie
ander Holtz im Fewer verbrannt wird/ ja auch so groß/ daß man Lauten/ Tisch/
unnd anderen Zeug darauß bereytet. Jst auch erstlich auß Langendocken in
Teutschland kommen.
Reuchet wohl unnd starck/ fast wie Weyrauch/ darumb er auch bey den
Griechen LIBANOTIS heisset. Lateinisch/ ROSMARINUM CORONARIUM. Teutsch/
Roßmarin. ANGUILLARA wil/ es seye CNEORUM NIGRUM THEOPHRASTI.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und
Eygenschafft deß Roßmarin.
Roßmarin ist warm unnd trucken/ zertheilet alle grobe Feuchtigkeit
in und ausserhalb deß Leibs: am Geschmack vermischt/ scharpff/ bitter/ unnd ein
wenig zusammenziehend/ unnd ist im Herbstmonat am dauglichsten. Die Blümlein
können gut und frisch auff zwey Jahr erhalten werden/ wann sie zuvor ein wenig
in der Sonnen/ unnd hernach follends im Schatten getrucknet werden.
Jnnerlicher Gebrauch deß Roßmarein.
Roßmarin gehöret inn die Küchen/ Keller unnd Apotecken/ darumb daß
alle Speiß unnd Tranck mit Roßmarin bereytet/ lieblich und wol schmecken/ auch
zu vielen Gebresten dienlich ist.
Roßmarin stercket das Hirn und allerley Sinn/ ist gut wider alle
kalte Flüß und Kranckheyten deß Hirns und der Glieder/ als da ist die fallende
Sucht/ Schlaffsucht/ Tropff/ Läme/ Zittern und unempfindlichkeit.
Roßmarin und Rauthen in Wein gesotten und ein wenig Pfeffer darunder
vermischet unnd getruncken/ braucht man zur fallenden Sucht.
Roßmarinblettlein die gantze zeit weil es blühet/ sampt den Blumen/
mit ein wenig Saltz auff einer schnitten Brods gezedelt/ und alle Morgen
nüchtern gessen/ macht ein gut scharpf Gesicht: vertreibet auch den stinckenden
Athem.
Roßmarin gedörrt/ zu Pulver gestossen/ unnd auff einem gebeheten
Brod gessen/ oder das Pulver mit Malvasier getruncken/ ist gut dem kalten blöden
Magen/ welcher die Speiß nit kann halten.
Roßmarin und Hirtzung uber Nacht in Wein gelegt und darvon
getrunckenbenimpt die Geelsucht.
Roßmarin in Wein oder Wasser gesotten/ zu Morgens frühe getruncken/
und nach etlichen Stunden ins Bad gangen/ nüchtern und trucken Geschwitzt/
zertheilt unnd heylet die Geelsucht/ treibt viel uberflüssigkeit von dem
Menschen/ lest kein Gifft schaden/ thut auff die verstopffte Leber unnd Miltz/
und stercket sie in jhrer schwachheit.
Roßmarin wehret den weissen Mutterflüssen/ so die Weiber darvon
trincken/ und Dampffbäder oder Bähung darauß machen.
Der Roßmarinwein/ oder das Kraut mit sein Blümlein darinn gesotten/
Abends unnd Morgens ein guten Trunck gethan/ wehret dem Keichen/ eröffnet die
Lufftröhr an der Lungen/ machet außwerffen/ hilfft der däuwung/ stillet das
Krimmen/ reynigt das Geblüt/ und macht schwitzen/ wo man sich im Beth zugedeckt
still behelt.
Auß den Blumen mit Zucker zusammen in einem Steinernen Mörser
gestossen/ unnd bereytet als Rosenzucker/ macht man ein Conserva oder Zucker/
ist sonderlich gut wider die Ohnmacht.
Man distillirt auch auß Roßmarin ein Wasser/ ein Trüncklein am
Morgen darvon gethan/ dienet dem Magen unnd Hertzen/ die Sprachlosen erweckts
wider zu der Sprach und Vernunfft.
Ein Oele bereytet man auch darauß/ welches eines lieblichen Geruchs/
und zu obgemeldten Kranckheyten dienstlich.
Eusserlicher Gebrauch.
Roßmarin gebrännt/ den Rauch in Halß und Nasen empfangen/ ist gut
für den Husten und flüsse deß Haupts.
Roßmarin mit Bertram in Wein gesotten/ ist gut zu dem geschwollenen
Zäpfflein/ damit gegurgelt. Mit Essig unnd saurem Wein gesotten/ den Mundt damit
geschwenckt/ dienet zu den faulen Zähnen und Zahnfleisch.
Roßmarin unnd Melissen gesotten in Wasser/ die Mutter damit
gereyniget/ macht Fruchtbar. So es aber mit Dictam gesotten/ säubert das Wasser
die faulen Wunden unnd Geschwer/ und das Pulver darein geseet.
Bäder auß Roßmarin gemacht/ haben die art der zamen Müntzen/ deß
Dictams und Poleyen. Also so mans in Laugen legt/ ists gut zu dem Hauptzwagen.
Mit der Brühe/ darinn Roßmarein gesotten/ werden die Glieder
nützlich gebähet. Das Hauß zur zeit der Pestilentz mit Roßmarin geräuchert/
vertreibt die böse Lufft.
Auß dem Roßmarinholtz macht man nützlich Zahnstürer. Man brennet
auch auß diesem Holtz Kolen/ welche in ein seiden Tüchlein vermacht/ und die
Zähn damit gerieben/ machet sie frisch/ und tötet die Würm darinnen. Es brauchen
auch die Mahler diese Kolen darmit zu entwerffen.
Mit dem gebrannten Wasser das Genick und die Schläff warm gerieben/
ist den jenigen dienstlich/ die ein blöd Haupt und den Schwindel haben. Dienet
wider den faulen Athem/ und stercket die Zähne.
Das Oele ist nützlich den Gliedern/ die lahm oder oder verhartet
sind. Jtem/ zu verhütung deß Schlags/ schmieret man damit das Genick.