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PESTWURZ
Petasites hybridus - Compositae
VON PESTILENTZWURTZ
Pestilentzwurtz uberkompt ein grosse Wurtzel etwann Armsdick/ jnnwendig weiss und lück/ eines (starcken
guten Geruchs/ und) bittern Geschmacks/ (die sich hefftig in die Erden flechtet/ ) der Stengel ist feyst unnd hol/ an Farben
braun/ wächst fast einer spannen hoch: (mit kleinen langlechten Blettlein bekleidet) Wenn die Bletter erstlich herfür kommen/
vergleichen sie sich dem Hufflattich/ werden darnach viel grösser und breyter/ ein jedes hat seinen eigenen Stiel (so braun/
häricht unnd hol ist/ ) darauff es sitzt wie ein breyter Hut als DIOSCORIDES schreibt/ auff dem Rücken grauw: Oben auff dem
Stengel erscheinet die Drauschlechte unnd Leibfarbe Blume/ anzusehen wie ein blüender Traube/ welche mit dem Stengel verwelcket
und darvon fleugt.
Sie wächst auff den feuchten Gründen/ und bey den Wasserständen: Blühet im Anfang dess Mertzen.
(Aber die Wurtzel ist am gebräuchlichsten/ mag wie andere eingesamblet werden/ gereiniget/ schäublich
zerschnitten/ an ein Faden gehefft/ an schattechten Lufft getrucknet werden: welche dann wann sie dürr/ ein nützlich Gummi Safft
gibt.)
Von den Namen
Pestilentzwurtz (oder Regenkrafft/ ) heisst Lateinisch PETASITES, MATTHIOLUS wil/ es sey nicht die rechte
PETASITES, sondern viel mehr ein Geschlecht dess Hufflattichs/ unnd nennet es TUSSILAGINEM MAIOREM.
Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft der Pestilentzwurtz
Die Wurtzel ist eines bittern Geschmacks/ wirdt derowegen für warmer und truckner Natur gehalten.
(Und wo sie frisch/ mag sie an statt dess verlegnen Wurmstichigen COSTI gebraucht werden/ sonderlich weil die
Tugendt so die Alten dem COSTO zu geschrieben/ von den nachkommenden durch erfahrnus dieser Wurtzel zu geeignet werden.)
Jnnerlicher Gebrauch
Das Pulver von dieser Wurtzel mit Wein getruncken/ ist gut den Weibern/ so von wegen der auffsteigenden Mutter
dahin fallen/ als wenn sie todt weren.
Auff gleiche weiss gebraucht/ ist es gut wieder das Bauchgrimmen/ COLICA genennt.
Welche einen schweren Athem haben/ stetigs husten und keichen/ unnd nichts ausswerffen können/ von wegen dess
groben kalten schleims/ der sich in die Brust gesetzt hat/ die sollen nemen Pestilentzwurtz und Alantwurtz/ jedes ii.loth/
Ehrenpreiss/ Eysop von Dosten jedes ein halb Handvoll/ Süssholtz ein halb loth/ Fenchel zwey Quint. Acht frische Feigen/ solch
stück in einem Honigwasser sieden/ und darvon trincken/ so wirdt jhnen geholffen.
LEONHARDUS FUCHSIUS schreibet/ dass die Wurtzel ein Krafft habe den Harn und die verstandene MENSES fort zu
treiben/ dann sie eröffnet fast alle verstopffungen der innerlichen Gliedern.
Es soll diese wurtzel gar kräfftig seyn wider die Pestilentz/ dann man sagt/ dz so jemandts dess Pulvers eines
halben loths schwer mit einem guten Trunck firnem Wein einneme/ und sich darnach zu Beth lege/ und einen schweiss halte/ so treibe
es das Gifft mit Gewalt durch den Schweiss auss.
(Die oberste Rinde von der Wurtzel geschölet/ in Essig gebeitzt/ biss es die Krafft an sich genommen/ darvon
mit ein wenig rauthen Safft und gutem Thyriack getruncken/ ist nicht allein wider die Pestilentz/ sondern auch ander Gifft
treffentlich gut.
Das Pulver von der Wurtzel/ ist nützlich für die Würm der Kindern.)
Eusserlicher Gebrauch
Das Kraut zerstossen/ und wie ein Pflaster ubergelegt/ soll gut sein wider die böse Geschwär/ so weiter umb
sich fressen/ wie DIOSCORIDES und GALENUS bezeugen.
(Die Wurtzel gedörrt unnd gepulvert/ drücknet alle fliessenden Wunden.)
Die Rossärtzt brauchen auch diese Wurtzel zu den Pferden/ wenn sie den Wurm haben.
(Von dem Pestilentzwurtzel Wasser
Von der Wurtzel klein zerhacket/ unnd ein Wein erbeitzet/ wirdt ein köstlich Wasser gebrandt/ welches
getruncken hat alle obgemeldte Krafft/ und ist anmütiger zu gebrauchen/ sonderlich zu Pestilentz zeiten zu Vorsorg. Oder so der
Mensch mit angegriffen were/ der soll dess Wassers ein Trinckglässlein warm eintrincken/ und im Bett wol schwitzen.
Stillt auch den Weibern das Mutterwehe/ tödtet den Kindern die würme: erwärmet den Magen unnd alle
jnnerliche Glieder.
Eusserlich gebraucht trucknet alle feuchte flüssige Wunden/ und böse schäden/ und fördert sie also zur
Heylung. Die Glieder wol darmit gerieben/ nimpt die Räude unnd Krätz/ unnd erwärmet die erkalten Glieder.
Oel von der Pestilentz Wurtz
Ein Oel von dieser Wurtzel gemacht/ und darmit gesalbet/ bekompt wol den Febricanten/ die sich ehe der Frost kompt/ darmit salben: Diss Oel wirdt auch zu anderer Unreinigkeit der Haut gebraucht: dessgleichen zu den erkalten Nerven unnd Gliedern.)
Extract von der Pestilentzwurtz
Auss dieser Wurtzel soll billich in den Apothecken ein Extract zubereytet werden/ welches man zur Notturfft haben köndte: Dann man desselbigen zur zeit der Pestilentz wol brauchen mag/ dieweil die Wurtzel derselbigen so grossen Widerstandt thut. Derowegen auch in etlichen Apotheken eine nützliche Composition auss dieser Wurtzel gemacht wirdt/ DIAPETASITES genennet/ welche man in Sterbensleufften gar nützlich gebraucht.