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ODERMENNIG
Agrimonia - Rosaceae
VON DER ODERMENIG ODER AGRIMONIEN.
Die Odermenig oder Agrimonien ist ein gemein unnd gar wol bekandt Kraut in unserm Teutschland/ es hat eine schwartzbraune Wurtzel mit vielen Zincken/ die ist hart unnd holtzechtig/ grösser unnd lenger dann die Wurtzel deß Benedictenkrauts/ hat keinen Geruch/ aber ein bitteren Geschmack mit Astriction oder Zusammenziehung. Die Bletter seynd in viel kleiner Blätlein zerspalten/ gleich wie das Gänserichkraut/ von Farben grauw oder äschenfarb/ dieselbige neben zerschnittene Blätlein seyndt widerumb gerings herumb mit kleinen Schnittlein zerkerfft wie die Sicheln oder wie Kerfflein am Fünffingerkraut. Jm Ende deß Meyens kommen gemeiniglich von einer Wurtzeln zween langer/ holtzechtiger/ rauher und haarechtiger Stengel/ die wachsen gerad uber sich auff einer Elen hoch/ und auch bißweilen höher: uber der mit der gemeldten Stengel/ wachsen kleine/ bleichgeele/ gestirnde Blümlein/ eines am andern nach gerings herumb biß oben aussen/ die sindt undersich gebogen/ nach den Blümlein/ wann dieselben vergangen und abgefallen/ erscheinen klein rauhe Klettlein/ die hencken sich an die Kleider der fürgehenden/ darinnen findet man weisse und süsse Körnlein/ das ist der Samen darauß junge Stöcklein wachsen. Dieses Kraut wächst hin unnd wider in den Hecken/ auff der Strassen neben dem Weg/ an Rechen der Aecker/ auff nidrigen Bühelin/ hinder den Zeunen/ unnd Mawren/ unnd auch etwann in truckenen/ Wiesen unnd Graßplätzen. Blühet fast den gantzen Sommer durchauß/ welche Zeit sie sampt den Blumen und Samen gesammlet und zu der notturfft auffgetrucknet/ und im Schatten gedört werden soll.
Von den
Namen der Odermenig oder Agrimonien.
Daß man heutigs Tags die Odermenig oder das Agrimonienkraut/ welches
das wahr unnd recht EUPATORIUM der Griechischen Aertzten ist/ bey den
Practicanten/ Apoteckern und gemeinen Aertzten zu Latein AGRIMONIUM nennt/
welches wort von den wort ARGEMONE erstlich seinen anfang bekommen hat/ das ein
ander Kraut ist dann Odermenig oder EUPATORIUM, unnd von vielen fälschlich/ auch
zu den zeiten DIOSCORIDIS vor das wahre EUPATORIUM ist gehalten worden/ das sol
niemands jrren/ allein daß wir wissen/ daß das gemeldte Kraut das rechte
Leberkraut EUPATORIUM ist/ welches der König EUPATOR erstmals erfunden/ unnd
auch den Namen EUPATORIUM von jhme bekommen hat/ wie es dann auch noch auff den
heutigen Tag daher bey vielen zu Teutsch Königskraut genennet wirdt. Es hat viel
Jahr her schier ein jeder MEDICUS und Practicant sein eygen EUPATORIUM GEHABT/
ALSO Daß MAN FAST IN ALLEN Apotecken ein besonders EUPATORIUM gezeiget. Einer
hat gewöllt/ die wild Salbey seye das rechte EUPATORIUM, der ander hat die
Manstrew darvor gehalten/ der dritt hat das Flöhkraut/ CONYZIAM EUPATORIUM
genennet/ der vierte Flöchpfeffer PERSICARIAM, der fünfft das Künigundkraut oder
Wasserdost/ und wiewol sie alle mit einander gefehlet unnd gröblich gejrret
haben/ so ist doch under solchen Jrthumben der am unschädlichsten gewesen/ die
den Wasserdost vor das EUPATORIUM gehalten/ sintemal es auch ein EUPATORIUM ist/
aber doch nicht das EUPATORIUM GRAECORUM, welches doch zu allen verstopffungen
unnd gebrechen der Leber seine Wirckung so wol hat als die Odermenig und das
rechte EUPATORIUM GRAECORUM. Dieweil aber nunmehr das recht und wahre EUPATORIUM
offenbar worden ist/ will sich in keinen Weg gebühren ein anders oder falsches
davor zu gebrauchen/ unnd were dermalen eins hohe Zeit/ daß man unsere Apotecken
ein mal von den falschen EUPATORIJS reyniget/ und das wahre und rechte an
derselben statt wider ordnet/ unnd jhm sein gebührlich Ort eynraumet.
Lateinisch/ EUPATORIUM, HEPATORIUM, HEPATIS, unnd bey dem PLINIO EUPATORIA. Bey
den Kreutlern wirdt die Odermenig EUPATORIUM GRAECORUM genennet/ zum underscheid
der Araber EUPATORIJS, deren jeder auch ein besonders hat. Jtem MARMORELLA,
CONCORDIA, ARCELLA, ABSCELLA, ASELLA, und LAPPA INVERSA dieweil seine Klettlein
undersich gewendet seyndt. Bey den Apoteckern und gemeinen Aertzten wird es
AGRIMONIA und AGRIMONIUM genannt. Hochteutsch/ Agermeng/ Agriminien/ Adermenig/
Odermenig/ Agrimonien/ Bruchwurtz/ Leberkletten/ unnd Königskraut.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Agrimonien.
Die Odermenig oder das Agrimonienkraut ist warm im ersten Grad unnd
trucken im andern/ ist subtieler substantz/ es löset ab/ zertheilet/ säubert
unnd reyniget ohn merckliche Hitz/ mit einer geringen Astriction oder
zusammenziehung/ dardurch es dann die Leber mercklich stärcket/ und in
Gesundheit erhaltet.
Jnnerlicher
Gebrauch der Odermenig.
Es ist die Odermenig ein edel und rechtes heylsames Leberkraut/ dann
es ist fürnemlich vor andern Kreutern der Lebern nütz und gut/ die verstopffung
derselben zu eröffnen und zu stärcken/ So es mit seiner Wurtzel/ Kraut/ Blumen
und aller Substantz gesäubert/ darnach in genugsamen Wein gesotten/ biß der
drittheil verzähret ist/ und durch ein Tuch gesiegen/ und getruncken wirdt.
Gemeldter Tranck löset auch auff die verstopffung deß Miltzes und
anderer innerlichen Glieder/ vertreibt die Geelsucht/ die Wassersucht unnd die
faulen alten Feber/ die von verstopffung der Leber und Miltzes jhren ursprung
haben. Er stillet auch das Blutspeyen und benimbt den Husten/ tödtet die Würm im
Leib/ und verhütet daß sie nicht wachsen/ bringet den weiblichen Monatfluß und
treibet den Harn/ stopffet den flüssigen Bauch und die Blutrhur.
Die Lebersüchtigen sollen stätig das Agrimonienkraut in jrer Speiß
gebrauchen/ unnd das Kraut in jhren Wein legen/ darüber zu trincken. Denen ist
auch fast nützlich unnd heylsam die folgende Artzeney: Nimb der Bletter der
Odermenig iii. Untz/ Costenwurtzel ii. Untz/ Pfefferkörner ein Untz. Stoß
gemeldte Stück zu einem subtielen Pulver/ und schlags durch ein härin Sieblein/
darnach mach mit xviii.untzen verscheumptes Honigs ein Latwergen darauß/ die
behalt zum Gebrauch in einer Porcellanbüchsen/ darvon gib dem Lebersüchtigen
allen Morgen nüchtern einer Castanien groß zu essen/ das wirdt jhme treffenliche
gute hülff beweisen/ unnd auch den schmertzen der Leber legen.
Oder nimb auffgetrucknetes Odermenigkrauts iii. Loth/ geschaben
Süßholtz ii. Loth/ Ammeysamen/ anderhalb loth/ Jndianischen Narden/ Saffran/
Costenwurtz/ Feigbonen/ Myrrhen/ jedes iii.quintlein. Stoß alle gemeldte Stück
zu einem reynen subtielen Pulver/ unnd mach mit gutem Malvasier ein Teyglein
darauß/ darvon formier klein Kügelein oder Zeltlein in der grösse der Feygbonen/
lasse sie drucken werden/ und behalt sie in einem Schächtlein zum Gebrauch. Wann
es nun die Notturfft erfordert/ so gib einem Lebersüchtigen ein quintlein zu
reynem Pulver gestossen mit Wein zu trincken/ so er aber Hitz oder ein Feber
hette/ so gibt es jhme mit warmem Wasser und sol solches deß Morgens nüchtern
ii. Stunden vor dem Essen geschehen.
Ein ander gute Artzeney den Lebersüchtigen fast dienlich/ die auch
den schmertzen der Leber stillet: Nimb Odermenigkraut/ Griechischheuwsamen/
Florentinisch Veielwurtz/ jedes ein Loth. Stoß sie zu Pulver/ und schlags durch
ein härin Sieblein/ unnd behalts zum Gebrauch/ gib darvon ein Löffel voll mit
ii.loth deß sauren Essigs Syrups OXYMELITE unnd iiii.loth deß gedistillierten
nAgrimonienwasserszu einem Träncklein zertrieben/ und laß es den Krancken
Morgens nüchtern drey Stunden vorm Essen trincken.
Odermenig in der Speoß und Tranck genützt/ ist den geelsüchtigen ein
gesunde Artzeney/ die auch stätig uber das Kraut trincken sollen.
Odermenigkraut das noch frisch und grün ist/ gestossen und den Safft
darvon außgeprest/ unnd desselben genommen iiii.loth/ unnd darinn zertrieben
i.loth Feygbonen oder Geyßkoth/ darnach durch ein Tüchlein gesiegen und wol
außgedruckt/ folgendts deß Morgens nüchtern getruncken/ unnd das iii. Tag
nacheinander gethan/ ist ein gewisse hülff unnd Artzeney wider die Geelsucht/
und ist ein besonders Experiment.
Wider die Verstopffung der Leber/ und die Geelsucht zu vertreiben/
ist auch nachfolgender Tranck bewehrt erfunden/ den mach also: Nimb
Odermenigkraut ii. Handtvoll/ Nesselseiden/ Wegwarten/ Taubenkropff/ jedes ein
Handvoll/ Schellkrautwurtzel/ Wegwartenwurtzel/ jedes anderhalb loth/ Anißsamen/
Fenchelsamen/ jedes anderhalb quintlein. Zerschneid alle gemeldte Stück klein/
thue dazu ein vierling Feinzucker/ unnd thu sie in ein Kannten/ schütt darüber
ein Maß frisch Brunnenwasser/ verlutier den Ranfft der Kannten wol/ unnd setz
sie in ein Kessel mit siedendem Wasser/ darinn laß iiii. Stunden mit einander
sieden mit stäter Hitz/ darnach thu die Kannte herauß/ und wann es kalt worden
ist/ so seihe es durch ein Tuch/ und gib dem Geelsüchtigen allen Morgen unnd
Abend nüchtern iiii. Untz dieses Trancks warm zu trincken/ so lang der Tranck
wehret.
Deß frischen außgedruckten Saffts von Agrimonien genommen iiii.
Loth/ unnd darmit vermischet ii.loth Peterleinsafft/ unnd allen Morgen nüchtern
jedesmal etliche Tage nach einander so viel getruncken/ ist ein gute Artzeney
wider die Wassersucht.
Odermenig zu Pulver gestossen unnd deß Pulvers anderhalb quintlein
mit Wein zertrieben/ unnd deß Morgens nüchtern warm getruncken/ tödet die Würm
im Leib. Deß außgepresten Saffts drey Untz warm getruncken/ hat gleiche
wirckung.
Odermenigpulver obgemeldter massen mit Wein getruncken/ deß Abendts
wann man will zu Bethe gehen/ ist ein gute Artzeney wider die Harnruhr/
DIABETEM. Oder: Nimb Agrimonienkraut v.quintlein/ deß gebrannten Pulvers von
einem Jgel/ deß gebrannten Pulvers von einem Hasenkopff/ der innersten Bälglin
den Hünermägen die bereytet seyndt/ Mastix/ jedes i.loth. Stoß diese Ding zu
einem reynen Pulver/ und schlags durch ein härin Sieblein/ darvon gib dem der es
bedarff anderhalb quintlein mit rauhem/ roten Wein zertrieben warm zu trincken/
deß Abendts wann er sich zu Beth begeben wil: ist erfahren.
Rauhe Klettlein der Odermenig mit dem Samen zu Pulver gestossen/
unnd ein quintlein mit Wein getruncken/ ist gut wider die rote Ruhr.
Welche einen geschwollenen Miltz haben/ die sollen die Odermenig
stättig in jhren Speisen gebrauchen und für und für darüber trincken.
Odermenig in Wein oder Wasser gesotten/ je nach gelegenheit der
Kranckheit/ oder dessen/ ¨der diese Artzeney gebraucht/ unnd der durchgesiegenen
Brühen ein Becher voll getruncken/ mit einem loth Zucker/ treibt auß den
Lendenstein. Dieser Tranck ist auch ein gewisse Hülff und Experiment wider die
Harnwinde.
Agrimonienkraut in gedistilliertem Spargenwasser gesotten unnd warm
getruncken/ treibet den verhaltenen Harn gewaltiglich fort.
Odermenigkraut gepülvert/ unnd eines Gülden schwer mit warmem Wein
getruncken/ vertreibet das Quartan Feber/ so man das eine zeitlang brauchet/ so
baldt man vermercket/ daß das Feber vorhanden ist/ unnd darauff niderlegt.
Solches thut auch wann man nimbt deß Agrimonienkrauts iii.Handtvoll/ unnd lässet
das zum drittentheil eynsieden/ darnach seihet man es durch ein Tuch unnd gibt
dem der mit dem Feber behafft ist/ allen Morgen unnd Abendts jedesmal vier
Untzen warm zu trincken.
Oder nimb deß außgepresten frrischen Odermenigsafft iii.Untzen/ unnd
guten Malvasier i.Untz/ vermisch es durcheinander/ unnd gibs dem der das Quartan
Feber hat drey/ oder zum wenigsten zwo Stunden zuvor warm zu trincken ehe jhnen
das Feber anstösset/ unnd thu es ein mal etliche/ allwegen auff den Tag deß
Febers/ so wirst du gewisse Hülff befinden: Es muss aber der Leib zuvor durch
ein bequeme Artzeney gereyniget seyn.
Wider die alten langwierigen faulen Feber/ die jhren ursprung von
verstopffung der Leber haben/ mach folgenden Tranck: Nimb Odermenigkraut
ii.Handtvoll/ Odermenigwurtzeln eine Handtvoll. Die jungen Spargen von dem
Hopffen/ oder die öbersten Spitzen mit den Blettern der Hopffen/ Hopfenblumen/
Haselwurtzkraut und Wurtzel mit einander/ jedes i.Handtvoll. laß diese Stück mit
einander in einer alten Maß Wassers den drittentheil einsieden/ darnach seihe es
durch ein Tuch/ und zerlaß ein vierling Zucker darinn. Von diesem Tranck gib dem
Krancken allen Morgen und Abendt/ jedesmal iiii.Untz warm zu trincken/ daß er
drey Stunden darauff fasten möge.
Agrimonienkraut zu Pulver gestossen/ und dessen ein quintlein oder
anderhalbs mit Wein oder Brühen deß Abends wann man zu Beth gehen will warm
getruncken/ ist denen ein gute Artzeney die deß Nachts den Harn nicht können
halten/ unnd alle Nacht ins Beth seychen.
Darzu ist auch sehr nützlich nachfolgendts Pulver/ welches von
BARTHOLOMAEO MONTAGNANA höchlich gelobt wirdt/ unnd in diesem fall erfahren ist:
Nimb Odermenigkraut ii.loth/ die innern Fällin von den Hünermagen die bereytet
unnd auffgetrucknet seindt/ i.loth/ der Aeschen von einem gebrannten Jgel
iii.quintlein. Stoß solche Stück zu einem reynen Pulver/ und gib darvon
i.quintlein mit warmem Wein oder einer Brühen zu trincken/ so er will zu Beth
gehen.
Odermenig Wurtzeln ii.Handtvoll in einer Maß Weins den drittentheil
eyngesotten/ darnach durch ein Tuch gesiegen/ unnd Morgens und Abendts jedesmal
ein guten Becher voll warm darvon getruncken/ ist ein heylsame Artzeney denen so
lam unnd contract sindt/ so sie diese eine zeitlang beharren.
Der außgepreste Safft von dem frischen Kraut/ ist eine gebenedeyte
Artzeney zu allen Fehlen derselbigen/ unnd sonderlich wider den Wehthumb unnd
Schmertzen der Leber/ so man etliche Tage nacheinander allen Morgen desselbigen
iii.Untzen nüchtern trincket.
So einer von einem gifftigen Thier gebissen oder geschädiget worden
were/ der nemme iii.Untz frisches außgeprestes Saffts von dem Agrimonienkraut/
unnd vermisch darmit i.quintlein reyn gepülverten Eyerschalen/ unnd trinck das
mit einander hineyn/ das treibet alle vergifftung durch den Mundt sehr schnell
hinweg/ und heylet einen jeden gifftigen Bissz.
Das Kraut gepülvert/ unnd auff die anderhalb quintlein in Wein
getruncken/ ist gut wider die Schlangenbissz/ und wider die Bissz der unsinnigen
Hundt und der Menschen.
Odermenig in Wein oder Wasser gesotten/ unnd der durchgesiegenen
Brühen allen Morgen und Abendt ein Becher voll getruncken/ ist ein heylsame
Artzeney wider die Bissz der vergifften Thier.
Wider die Würm im Afftern: Nimb ein gute Handtvoll Odermenigkraut/
unnd seud das in einer Maß Wassers den halben theil eyn/ seihe es darnach durch/
unnd trinck Morgen unnd Abendt ein gemeines Tischbecherlein darvon warm/ unnd
wäsche den Hindern auch darmit/ es hilfft. So aber die Würm tieff in Afftern
weren/ soll man von dem gemeldten Tranck mit einer Schritzen inn den Afftern
hineyn schritzen.
Agrimonienwurtzeln gesäubert unnd gedörrt/ darnach zerschnitten und
zu einem reynen Pulver gestossen/ unnd solches in allen Speisen gebraucht und
genossen/ auch stätig uber die Wurtzel getruncken/ heylet den Krebs. Dann dieses
Kraut hat eine wunderbarliche wirckung die Fisteln unnd den Krebs zu heylen:
Dann das Kraut in Wein gesotten/ darnach durchgesiegen/ unnd allen Morgen umb
vi. Uhren ein Becher voll warm getruncken/ deßgleichen auch nach Mittag umb
ii.uhr/ unnd alle mal iii.stunden darauff gefastet/ unnd das gesotten Kraut
außwendig an statt eines Pflasters ubergelegt/ heylet die Fistel und alle alte
flüssige Schäden/ und sollen aber die Geschädigten darneben stätig ab dem
Agrimonienkraut trincken.
Wider die Fistel/ den Krebs unnd alle alte Schäden/ wirdt folgender
Wundtranck hoch gepriesen: Nimb Agrimonienkraut/ Tausengüldenkraut/ Garafelkraut
mit der Wurtzel/ jedes ii. Handtvoll/ gute Rhebarbara ein halb loth. Alle
gemeldte stück sol man klein schneiden/ darnach in ein Kannten thun unnd darüber
schütten i. Maß guten fürnen weissen Wein/ Garafelkraut unnd Wurtzel Wasser/
Odermenigwasser/ jedes i. ächtmaß oder 16. Untz. Die Kannte soll man als dann
wol verlutieren/ darnach in ein Kessel mit siedendem Wasser setzen/ und v.
Stunden darin mit stätem Fewer sieden lassen/ darnach sol man es herauß thun/
und wann es kalt worden ist/ durchseihen. Von diesem Tranck sol man dem
geschädigten allen Morgen unnd Abendt fünff oder sechs loth zu trincken geben/
dann er heylet gewaltig und wunderbarlich.
Ein guter Wundtranck zu den frischen Wunden: Nimb Odermenigkraut ii.
Handtvoll/ Sanickel/ Salbeyen/ Bethonienkraut/ breyten Wegerich/ jedes ein
Handvoll. Zerschneid alle gemeldte Stück klein/ thue sie in ein Kannten unnd
noch ferner darzu vier untzen Feinzuckers/ schütt darüber anderthalb Maß Weins
oder Biers/ verlutier die Kannte unnd lasse darnach fünff Stunden wie oben
gemeldet in einem Kessel mit Wasser sieden/ seihe den Tranck darnach ab/ unnd
gebrauch darvon Morgens unnd Abends/ jedesmal vier oder v.loth/ warm.
Einj anderer herrlicher Wundtranck zu allen Wunden/ sie seyen gleich
gehawen oder gestochen/ so heylet er sie von Grund herauß/ sehr schnell: Nimb
Agrimonienkraut ii. Handvoll/ Gänserich/ wild Ochsenzungenkraut/
Geyßfüsselkraut/ klein Schwalbenkraut mit den runden Blettern/ weissen Andorn/
Fünffingerkraut/ roten Mangolt/ jedes ein Handvoll/ weissen Wintergrün/ Gochheyl
mit den roten Blümlein/ jedes anderhalb Handvoll/ Hagendornblühet/ klein
Monkraut/ jedes ein halbe Handvoll: Alle gemeldte Stück sol man klein schneiden
und durch einander vermischen/ unnd noch darzu thun ii.loth Schwalbenwurtzel
auch klein zerschnitten/ und darvon abwiegen das halbtheil/ solches in eine
Kannten thun/ unnd Feinzucker darzu auff die iiii.untz oder viii.loth/ darnach
guten weissen Wein oder gut Bier/ auff die anderhalb maß darüber schütten/ und
die Kannte wol verlutieren/ dann v. Stunden in einen Kessel mit Wasser sieden
lassen/ folgends durchseihen/ unnd den Verwunden Morgens und Abends jedesmahl
iiii. Oder v.loth warm zu trincken geben.
Wiltu aber ein guten Wundtranck zu allen Wunden unnd Schäden machen/
den man mit uber Feld führen und uber Jar behalten kan: So nimb Odermenigkraut/
Sechs Handvoll/ Sanickel/ Egelkraut/ Buchköle/ jedes iii.Handvoll/ Wasserbungen/
wild Ochsenzung/ Hagendornblühet/ jung Meyblumenbletter/ Specklilgen/
Teuffelsabbiß/ Pfaffenröhrleinkraut/ Bibernellenkraut/ Benedictenkraut/
Garafelwurtz/ jedes ii.Handvoll/ Haselwurtzbletter/ Lindenblühet/ Schaffgarben/
jedes anderhalb Handvoll. Alle gemeldte Stück sol man klein schneiden/ die
darnach in ein VESICAM thun/ und auff die zehen Maß frisch Brunnenwasser darüber
schütten/ und folgends v. Maß darvon mit sanfftem Feuwer distillieren lassen/ so
hastu ein herrlichen Wundtranck/ auch zu allen flüssigen Schäden/ Fisteln und
den Krebs/ darvon gibt man in den Wunden vier Loth auff einmal Morgens und
Abends zu trincken/ und in den Schäden Fisteln oder dem Krebs sechs loth.
So es aber im Winter were/ unnd der obgemeldte Wundtranck dir
abginge/ soltu der obgemelten auffgetruckneten stück nur das halb theil nemmen/
die vermischen unnd klein schneiden/ darnach ein wenig stossen/ folgents in ein
VESICAM thun/ darüber zehen Maß Wassers schütten/ und vier und zwantzig Stunden
mit einander beytzen lassen/ unnd dann mit sanfftem Fewer v. maß davon
distilliren/ so hastu ein kräfftigen Wundtranck/ als wann er von frischen unnd
grünen Kreutern gemacht were.
Ein anderer guter Wundtranck den ich glücklich unnd wol in heylung
der Wunden hab gesehen gebrauchen/ der ist leichtlich zu machen/ unnd wird also
bereytet: Nimb der Wurtzeln von dem Agrimonienkraut ii.Handvoll/
Hundszungenkraut/ Wintergrün/ Garafelkraut und Wurtzel/ jedes ein Handvoll/
guten Jungfrawenhonig zehen loth/ fürnen Wein/ oder aber gut Bier ein Maß. Die
Kreuter zerschneid klein/ vermisch durch einander/ thue alle Stück zusammen in
ein Kannte/ verlutier den Ranfft der Kannten wol/ setz es in ein Kessel mit
Wasser/ und laß darinn vier Stunden lang in stätem Sud sieden/ darnach wann es
kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch/ und behalt den Tranck wol vermacht
in einem Glaß an einem külen Ort/ und gib darvon allen Morgen und Abend dem
Verwundten iiii.loth/ jedesmal zu trincken.
Die Knöpff/ Knollen und Trüsen zu vertreiben ist folgende Artzeney
gut erfunden worden: Nimm des frischen außgedruckten Agrimonienkrautsafft iii.
Untzen/ vermisch das mit drey Untzen frischem Käßwasser/ unnd trinck so0lches
Morgens nüchtern warm/ fast zum wenigsten iii. Stunden darauff/ und beharr das
neun Tag nach einander in einem abnemmenden Liecht.
Wider den Zwang der Pferd/ das ist/ wann ein Roßz nicht zürchen oder
scheissen kan/ so nimb ein Stück Speck eines Fingers lang und grossen Daumens
dick/ und bestrewe dz wol mit gepülvertem Agrimonienkraut/ unnd stoß es jhm in
Hindern wol in den Afftern hinein/ es ist gut und hilfft bald.
Wider den beissenden Wurm der Pferd: Nimb Odermenigkraut und
Wurtzel/ stoß es zu Pulver/ gib dem Roßz vier Loth mit warmem Wasser zertrieben
eyn/ und schneide auch dz Kraut klein/ und gibs jhm under dem Futter zu essen.
Eusserlicher Gebrauch deß Agrimonienkrauts.
Odermenigkraut mit Balsamkraut gestossen/ jedes gleich viel/ darnach
mit einem Eyerweiß temperirt/ wie ein Pflaster/ und uber die blutigen Augen
ubergelegt/ vertreibt und zertheilet das undergerunnen Bluth/ von schlagen und
von stossen verursacht.
Agrimonienkraut mit Weinrauthenbletter/ deren jedes ein Handvoll/ in
zwantzig Untzen Weins den halben theil eingesotten/ und mit der durchgesiegenen
Brühen die Geschwer und Fisteln der Augen offtermals gewäschen/ reiniget
dieselbige und heylet sie.
Die Wurtzel grün und frisch gestossen/ fürdert den Schlaff/ so man
die wie ein Pflaster uber das Haupt leget.
Wider die Geschwer deß Munds und der Mundfäul: Nimb Odermenig zwo
Handvoll/ Olivenbaumbletter eine Handvoll. Zerschneide diese Stück/ und seud sie
in einer halben Maß Wassers/ und einer ächtmaß Weins uber den drittentheilo ein/
seihe sie dann durch/ und zertreib vi. oder vii. Loth Rosenöle darinn/ unnd
wäsche den Mund zum offtermal warm darmit.
Wider die Geschwer der Zungen: Nimb Agrimonienkraut anderthalb
Handtvoll/ auffgetrucknet Saurachbeerlin/ Sumachbeerlin/ Myrthenkörner/ jedes
ein halb Loth. Zerschneid das Kraut/ die Beerlein und Körner zerstoß ein wenig
groblecht/ laß darnach in xx. Untz Wassers den halben theil einsieden/ und seihe
es durch ein Tuch/ thu darzu vier loth Rosenhonig/ vermisch es wol
durcheinander/ und gurgel die Zung offt darmit/ so warm du kanst.
Wider den Grind deß Haupts/ den man den Erbgrind nennet: Nimb
Agrimoniensafft/ unnd schmier das Haupt offtermals darmit. Das Kraut auch in
Wein gesotten/ und das Haupt offtermals darmit gezwagen/ heylet gleychfals den
Erbgrind und andern Hauptgrind.
Agrimonienkraut an dem Halß getragen/ soll gut wider den Sod und
brennen deß Magens seyn/ und denselben verhüten.
Agrimonienkraut mit Schweinenschmaltz gestossen/ heylet die Geschwer
der Brüst/ wie ein Pflaster ubergeschlagen. Mit Baumöle und Saltz gestossen/ und
wie ein Pflaster durcheinander temperirt/ darnach ubergelegt/ vertreibet die
Geschwulst der Brüst.
Agrimonienwurtzel in der Hand gehalten biß sie erwärmet/ stillet das
bluten der Nasen.
Agrimonienkraut unnd Wurtzel vor die Mutter gehalten/ fürdert die
Geburt gewaltig/ die soll man aber alsbald nach der Geburt hinweg thun/ damit
die Mutter nicht hernach folge.
Agrimonienkraut in ein Sack gethan/ und in genugsamem Bachwasser zum
drittentheil eyngesotten/ darvon ein Lendenbad gemacht/ und darinn gebadet/ den
Sack auch im Bad mit den Kreutern umb die Lenden geschlagen/ treibet auß den
Nierenstein/ und bringet wider den verhaltenen Harn.
Agrimonienkraut mit Saltz gestossen/ und wie ein Pflaster uber das
Miltz gelegt/ vertreibet die Geschwulst desselben.
Wider die Hitz deß Tertianfebers: Nimb Agrimoniensafft/ und
temperirs mit Honig/ damit schmier beyde Schläff.
Wider die Müdigkeit der Füß von dem Reysen/ seud Agrimonienkraut in
Wasser/ und mach ein Fußbad darvon/ daß zeucht alle Müdigkeit auß den Füssen.
So jemands ein Glied verrenckt hette/ der nemme Agrimonienkraut/
grün oder dürr/ thue darzu Weyzenkleyen/ lasse sie mit einander sieden in
Drauffwein/ daß es dick werde gleich wie ein Pflaster/ darnach streichs auff ein
Tuch und legs warm uber/ es bringt das Gliedt wider zu recht. Etliche röschten
diese Stück in ein wenig Essig und Buttern/ unnd legens warm uber.
Agrimonienwurtzel gestossen und mit Essig gesotten unnd getemperiert
wie ein Pflaster und warm ubergelegt/ miltert den Schmertzen deß Zipperleins
oder Podagrams.
Agrimoniensafft mit gestossenem Bibergeil gesotten/ unnd wie ein
Sälblein temperiert/ ist ein gute Artzeney wider die schlagsüchtige Glieder/
dieselben deß Tages zum wenigsten zweymal damit gesalbet.
Wider die erfrorne Füß und Löcher von der winterkälte verursachet/
Seud Agrimonienkraut und Alantwurtz in Wasser/ und bad die Füsse deß Tags zwey
oder dreymal darin/ es zeucht die Kälte herausser/ und heylet die Löcher.
Die alten haben eine nützliche Salb oder Pflaster von diesem Kraut
bereytet/ unnd haben die grünen Bletter der Agrimonien mit Schweinenschmaltz wol
zerstossen/ dieselbige zu den alten Wunden gebraucht/ und alte/ faule/ böse/
flüssige/ unartige Schäden und Geschwer/ welche sich nicht leichtlich wöllen
schliessen/ oder zuheylen lassen: unnd kann man heutiges Tages mehr mit dieser
Salben oder Pflaster außrichten unnd heylen/ dann mit unserer vermeynten
Wundtärtzten der Bader und Scherer/ geelen/ grünen unnd roten Karrensalb oder
Wagenschmier/ damit sie die Leut lange vergebens auffhalten und ubel ärger
machen.
Agrimonien Wein oder Wasser gesotten/ unnd die Wunden unnd alte
Löcher unnd Schäden der Menschen unnd deß Viechs zum offtermal warm darmit
gewäschen/ auch Tücher darinn genetzet/ und warm in und uber die Wunden
gebunden/ heylet dieselbigen sehr baldt. Man mag auch dz Kraut zu einem reynen
Pulver stossen/ und in die Wunden unnd Löcher streuwen/ dann es säubert und
heylet dieselben gleichfalls.
Agrimonienkrautbletter grün mit Schweinenschmaltz wol gestossen/ und
auff ein Tuch gestrichenund ubergelegt/ heylet Fisteln und Krebs.
Agrimonienkraut mit starckem Weinessig und Saltz gestossen/
vertreibt und heylet die Wartzen unnd Krähen Augen/ ubergelegt wie ein Pflaster/
und deß Tags zum wenigsten zwey oder dreymal erfrischet.
So ein Rossz under dem Sattel vom reiten ist gedruckt worden/ so
seud Agrimonien in Wein/ und wäsche den Schaden darmit auß/ darnach streuwe
gepülvert Odermenigkraut/ dareyn/ es heylet baldt.
Wann ein Pferdt gebrochen ist: Nimb Agrimonienkraut sampt der
Wurtzel eine gute grosse Handtvoll/ Seud das in Wasser/ darmit wäsche den Bauch
wol so warm es zu leiden ist: darnach binde das gesotten Kraut darüber/ und lege
ein dickes vierfachs leinen Tuch oben darauff/ binde es darnach mit Tüchern umb
den Leib/ darmit die Artzeney darauff möge ligen bleiben. Dieses beharr etlich
Tag also nacheinander deß Morgens und Abendts/ biß das Rossz gesundt wirdt.
Den Grindt der Pferdt: Nimb gepülverten Odermenig iiii.loth/
gedörrten Taubenkoth zu Pulver gestossen iiii.loth/ reyn gepülverten Spangrün
zwey Loth/ alt Schweinen Schmer xvi.Untz/ vermischs wol durcheinander/ und
schmier dem Pferdt den Grindt darmit/ es heylet diese Salbe den Grindt baldt.
Agrimonien oder Odermenig
gedistilliert wasser.
EUPATORII AQUA STILLATITIA.
Auß der Odermenig distilliert man auch ein köstlich gut Leberwasser/ unnd ist die beste Zeit dasselbe zu distillieren im ende deß Brachmonats/ sol man nemmen das Kraut mit Wurtzeln unnd Blumen/ dasselbige säubern/ darnach klein hacken und in BALNEO MARIAE mit sanfftem Fewer abziehen: Wann dz geschehen/ sol man zu jeder Maß deß gedistillirten wassers iiii. Untzen deß gedörrten Krauts mit den Wurtzeln und aller Substantz zu einem groblechten Pulver gestossen vermischen/ unnd 24. Stunden in BALNEO MARIAE beytzen lassen/ darnach sol mans zum andern mal mit sanfftem Fewer distillieren/ und in einem wol vermachten Glaß zu rectificieren in die Sonn setzen.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Agrimonienwassers.
Es Ist das Agrimonienwasser ein herliche Artzeney zu allen Mängeln
der Leber/ dann es löset auff die verstopffung derselben/ vertreibet die
Geelsucht/ dienet wider die geschwer und schmertzen der Leber/ stärcket sie/
unnd behütet die in guter Gesundheit/ deß Abendts und Morgens jedesmal iiii.
Oder v.loth getruncken/ und den Wein damit gemischt.
Gleicher Gestalt gebraucht/ eröffnet alle Glieder deß Eyngeweids/
dienet wider den grünen Siechtagen CACHEXIAM und anfahende Wassersucht/ unnd
verhütet solche Kranckheiten/ deßgleichen die Geelsucht/ Feber und was vor
Gebrechen von obgemeldten verstopffungen verursacht werden mögen.
Stercket die Däuwung deß Magens unnd der Leber/ machet dem gantzen
Leib ein natürliche gute Farb/ tödtet die Würm im Leib/ unnd lässet die nicht
wachsen/ darumb solches Wasser nicht allein den alten Menschen/ sondern auch den
jungen Kindern dienlich ist. Einem alten Menschen gibt man iiii. v. biß in
vi.loth/ einem jungen mittelmässigen Menschen ii.oder iii.auch biß in iiii.loth/
und einem jungen Kindt/ i.loth/ auff einmal zu trincken/ unnd soll man aber
daselbig deß Morgens und Abendts thun.
Agrimonienwasser deß Morgens unnd Abendts/ jedesmal iiii.oder
v.loth/ oder auch biß in vi.loth getruncken/ unnd den Wein damit gemischet/
reyniget das unsauber böß Geblüt/ und ist ein sonderlich gute Artzeney wider das
drittägig und viertägig Feber/ dann es nicht allein die Verstopffung der Leber/
sondern auch deß Miltzs verstopffung öffnet/ und ist denen fast dienstlich die
ein geschwollen Miltz haben.
Eusserlicher Gebrauch deß Agrimonienwassers.
Agrimonienwasser dienet wider die Geschwer unnd Löcher deß Halß/
wider die Versehrung deß Mundts/ der Zahnbiller unnd die Mundtfäul/ den Halß
offtermals darmit gegurgelt/ unnd den Mundt unnd Biller wol darmit gewäschen
unnd außgespület. So man solche Artzeney aber kräfftiger haben wil/ sol man den
sechsten theil Rosenhonigs darmit vermischen.
Dieses Wasser vertreibt auch unnd heylet den jungen Kindern das
essen im Mundt/ so man jhnen die Zung unnd den Mundt offt darmit außwäschet.
Agrimonienwein.
EUPATORITES oder VINUM EX
AGRIMONIA.
Es
gedencken die Alten Lehrer deß Agrimonienweins gar nicht in jhren Schrifften/
dessen ich mich offtermals verwundert habe/ sintemal sie anderer Kreuter Wein
beschrieben/ die man besser dann dieses edlen Krauts Wein mangeln hette können.
Zu unserer zeit aber ist er etlichen inj den Gebrauch kommen/ und zweiffelt mir
gar nicht/ wann mann die herrliche Kräfft/ Tugendt unnd nutzbarkeit dieseds
Weins wüste/ unnd sie den gemeinen Practicanten/ oder dem gemeinen Mann bekanndt
werendt/ es wirdt kein Hausvater nicht seyn/ der nicht auch jährlich ein
Agrimonienwein im Herbst würde zurichten/ daß er denselben uber Jahr gebrauchen
möchte/ den Leib in guter gesundtheit zu erhalten.
Es wirdt aber dieser Wein wie der Wermuthwein und anderer
Kreuterwein zugerichtet: Man nimpt deß Agrimonienkrautds mit Wurtzeln/ Kraut/
Blumen/ und aller seiner Substantz/ von der Erden wol gereynigt gewäschen/ und
im Schatten und Lufft wol getrucknet ein gut theil/ das zerschneidet man unnd
machts mit Häselen oder Hanbüchen Spähnen in ein Fäßlein eyn/ füllt dasselbig
darnach mit einem guten Most zu/ unnd lasset den Most darüber verjähren/ wann
das geschehen/ lasset man den uber etlich Monat ab/ unnd verwahret den/ daß man
uber Jahr darvon trincken mag/ aller ding wie wir oben von dem Wermuthwein
gelernet haben.
Der Agrimonienwein ist ein edel unnd heylsamer Wein die Leber vor
allen anderen Kreuterweinen zu stercken/ deren verstopffungen zu öffnen/ den
Magen zu stärcken/ die däuwung zu fürdern/ die Leber und alle innerliche Glieder
in Gesundheit zu erhalten/ den Menschen vor allen Febern/ die Geelsucht/ dem
grünen Siechtagen/ Wassersucht/ Grieß unnd Stein zu verhüten/ die böse bleyche
Farb zu vertreiben/ das Geblüt zu reynigen/ vor aller fäulnis zu verhüten/ und
den Menschen in beständiger Gesundheit zu erhalten. Er dient auch wider alle
oberzehlte Kranckheiten/ wie die in dem jnerlichen Gebrauch der Odermenig
erzehlet nworden seynd. Und ist solcher Wein ein sonderlicher guter heylsamer
Tranck in heylung der Wunden/ der alten bösen flüssigen Schäden/ Fisteln/ Krebs
und den Schorbock/ stätig zu einem Speißwein getruncken.
Etliche die grosse Verstopffung deß Miltzes haben/ stätige stechen
der lincken Seiten/ und ein auffgeblehtes oder geschwollenen Miltz haben/ die
machen folgenden Wein von der Odermenig: Sie nemmen deß auffgetruckneten
Agrimonienkrauts sechzehen Untz/ Spicantkraut oder groß Rösselfahrn/
Hirtzzungenkraut/ jedes acht Untz. Gemeldte Kreuter schneiden sie klein/ und
machen die mit Escheren Spähnen eyn in ein sechzehen mässiges Fäßlein/ unnd
schütten ein guten Most darüber/ lassen den darüber verjähren/ unnd trincken vor
die obgemelten Gebrechen uber Jahr darvon.
Ein ander köstlicher Wein von mehr Stücken/ den wir offtermals in
folgenden Kranckheiten heylsam befunden haben/ unnd noch täglich unsern Krancken
gebrauchen/ der wird also bereytet: Nimb deß Agrimonienkrauts das im Schatten
aufgetrucknet worden ist/ acht Untz/ klein Rösselfahren/ sonst mit einem andern
Nahmen klein Maltzkraut genant/ zwo Untzen/ guter Rhebarbarenwurtz drey Loth/
Edelgamänderlein/ roter auffgetruckneter Rosen/ jedes ii.loth/ Haselwurtz und
Kraut/ anderthalb loth/ Anißsamen v.quintlein/ Jndianisch Spickanarden/
Zimmatrinden/ jedes ein halb loth. Alle obgemelte stück soll man auff kleinest
schneiden/ und mit Häselen oder Hahnbüchen Spähnen in ein acht oder neunmässiges
Fäßlein einschlagen/ darnach mit gutem Most zufüllen/ und daruber verjähren
lassen/ und den wie andere Kreuterwein verwahren.
Dieser Wein löset gewaltiglich auff die verstopffung der Leber und
deß Miltzes/ vertreibet die langwirige Feber die von obgemelten verstopffungen
entsprungen seynd/ deßgleichen die erstorben Geelsucht/ und den grünen
Siechtagen CACHEXIAM: Von diesem Wein soll man nicht trincken nach Durst wie von
dem gemeinen Agrimonienwein/ sondern soll allen Jnbiß nit mehr dann ein halbe
ächtmaß im anfang deß essens trincken/ und den Durst mit anderm gemeinen
Tischwein leschen: So aber der gemelt Wein zimlich gebraucht unnd gefüllt
worden/ also daß man ein maß zwölff oder vierzehen davon getruncken hette/ mag
man dessen darnach zum Jmbsen nach Durst trincken/ unnd so lang nachfüllen/ so
lang man vermercket dass Krafft darinnen seye.
Ein anderer guter Odermenigwein/ welchen wir auch ein zeitlang her
im brauch gehabt haben/ der wird wie folgt gemachet: Nimm deß auffgetruckneten
Agrimonienkrauts fünff Untzen/ guter Rhebarbarenwurtz fünff loth/ bitter
Mandelkernen drey loth/ roth Rosen anderthalb loth/ Anißsamen ein loth/
Haselwurtz/ Feberrötwurtzel/ Peterlensamen/ jedes ein halb loth. Die Kreuter und
Wurtzeln soll man klein schneiden/ die bitter Mandeln klein stossen/ darnach
alle stück durcheinander vermischen/ und mit Häselen Spähnen oder Hanbüchen
Spähnen in ein zwölffmässiges Fäßlein eynmachen/ folgends das Fäßlein mit einem
guten Most zufüllen/ und darüber verjähren lassen.
Dieser Wein eröffnet die Verstopffung der Leber/ und vertreibet die
Geschwulst derselbigen/ er kompt zu hülff der Wassersucht/ bringt wider zu recht
die verlorne natürliche Farb/ unnd vertreibt den grünen Siechtagen.
Auffgetruckneter Agrimoniensafft.
EUPATORII SUCCUS EXICCATUS.
Es
wirdt der auffgetruckneter Safft von dem Agrimonienkraut in der Artzeney auch
manichfaltig in die Confect/ Latwergen/ unnd andere vermischung gebraucht/
derowegen die notthurfft erfordern will/ desselbigen auch hie insonderheit zu
gedencken/ derselbig wirdt auff nachfolgende weiß
von den Apoteckern auffgetrucknet/ unnd zu obgemeltem Gebrauch behalten. Nimb deß
außgepreßten
frischen Agrimoniensaffts/ thue die in ein sauber Schweinine oder Rindsblasen/
die zuvor auffgeblasen unnd wohl getrucknet worden seye/ binde dieselbig wol und
geheb zu/ hencke die Blasen auff/ unnd lasse den Safft darinn vertrucknen/ den
bewahr denn zu dem Gebrauch der Artzeney.
Der Agrimoniensafft aer auß
dem dürren Agrimonienkraut außgezogen/
ist viel besser/ dann der obgemelter massen auß
dem außgepreßten
Safft gemacht wird. Der soll allerdings bereytet werden auß
dem Kraut/ Wurtzel und der gantzen Substantz der Odermenig/ wie wir solches von
dem Wermuth gelehrt haben.
Agrimonien oder Odermenig Extract.
EUPATORII EXTRACTUM.
Das Extract der Odermenig wirdt auß dem auffgetruckneten Kraut/ Wurtzel/ Stengel unnd Blumen der Agrimonien außgezogen/ aller dings wie der Extract deß Wermuths. Und dienet aber der gemelt Extract zu allen obgemelten jnnerlichen Kranckheiten/ darzu die Odermenig gebraucht wirdt/ wie wir solches ordenlich in dem innerlichen Gebrauch der Odermenig erzehlet haben. Und man gibt aber dieses Extracts auff einmal ein drittheil eines quintleins/ mit Wein zertrieben zu trincken/ oder aber sonst mit einem anderen Safft oder bequemen gedistillierten Wasser/ je nach gelegenheyt der Kranckheit. Es wird auch mit andern Artzeneyen/ als Pilulen/ Mixturen/ Confecten unnd dergleichen vermischet zu vielen und mancherley Leibsgebrechen/ welches wir den MEDICIS PRACTICIS wöllen befohlen haben.
Agrimoniensafft Syrup.
EUPATORII SUCCI SYRUPUS.
Wiewol der Agrimoniensyrup heutigs Tags nicht viel im gebrauch ist bey unsern Practicanten/ unnd sie den SYRUPUM DE EUPATORIO MESUEI allewegen gebrauchen/ welches ein herrlicher guter Syrup ist/ wann er von unverfälschten stücken unnd von dem rechten wahren EUPATORIO MESUEI gemacht würde/ so ist doch auch dieser keines wegs der allein auß dem Safft deß Agrimonienkrauts bereytet wirdt zu verwerffen/ sondern dieweil er ein herrlicher Syrup ist/ in allen oben erzehlten Kranckheyten zu gebrauchen/ soll er billich hinfürter auch seinen Platz in der Apotecken haben/ unnd wird derselbig also gemacht: Man nimpt deß außgepreßten Agrimoniensaffts wann es noch jung ist im anfang deß Meyens/ in welcher zeit es dann am kräfftigsten unnd wohlriechendesten ist/ drey Pfund geleutert und gereyniget/ thut darzu zwey Pfund Feinzucker/ lasset es sittiglich mit einander sieden mit einem geklopfften Eyerweiß/ biß es die dicke eines Syrups bekompt/ dann seihet mans durch/ unnd behaltet den in einem Porcellangeschirr zu obgemeltem Gebrauch.
Außgezogener Agrimonien Syrup.
EUPATORII EXTRACTIONIS SYRUPUS.
Auß dem dürren Kraut/ Wurtzel/ Stengel unnd Blumen/ macht man auch ein herrlichen außgezogenen Syrup/ der wirdt allerdings bereytet wie der außgezogen Wermuthsyrup/ da man dessen Praeparation suchen mag. Dieser Syrup dienet wider alle obgenannte Kranckheiten/ wieder die der Agrimoniensafft Syrup gebraucht wirdt. Deßen gibt man aber viel weniger eyn auff einmal/ dann deß andern/ nemlich nur ein Loth/ der vollbringet doch gleichwol seine Wirckung so kräfftig als vier Loth deß andern/ der auß dem Safft bereytet wirdt. Etwann braucht man den mit Wein/ und etwan mit Agrimonienwasser/ oder aber einem andern bequemen Safft zertrieben.