1 / 311-315
NELKENWURZ
Geum - Rosaceae
VON DEN BENEDICTENKREUTERN.
Der
Benedictenkreuter haben wir vier underschiedliche Geschlechter/ wiewol
gemeiniglich nur eines heutigs tags im Gebrauch der Artzeney ist.
l. Das erste unnd gebräuchlichste Geschlecht hat ein zasechtige
Wurtzel/ die ist etwan kleines Fingers dick/ ist unden stumpff als wann sie
abgebissen were/ oder in der Erden abgefaulet/ von farben ausserhalb schwartz
und jnwendig rotfarb. Diese Wurtzel hat einen sonderlichen lieblichen unnd
anmütigen Geruch/ gleich wie die Näglein/ sie seye gleich grün oder dürr/
fürnemlich aber wann sie im Mertzen gegraben wird/ darnach wohl gesäubert/ und
im schattechtigen Lufft auffgetrucknet unnd gedörrt. Die Bletter seynd rund/
eckechtig/ gerings umb gekerfft unnd tieff zerspalten wie die Erdbeerbletter/
von Farben grün unnd am griff rauch/ wie die Bletter der Odermenig/ deren
wachsen gemeiniglich undenher fünff an einem Stiel/ under denen seyn die
understen sehr klein/ unnd deren seynd zwey gegen einander uber gesetzt/ die
öbersten aber seyn groß/
werden doch den Stengel nhinauff kleiner. Dieses Gewächs bringt alle Jahr ein
neuen Stengel neben dem alten/ der den Winter uber verdorret ist/ von farben
braunrot und fast anderhalben Elen lang/ haarechtig/ rundt/ der spaltet sich
oben her in etliche Nebenästlein/ die tragen geele Blümlein von fünff Blätlein
den Blümlein deß
Tormentills oder Gänserichkrauts ähnlich. Wann die Blättlein der gemeldten
Blümlein abfallen/ folgen hernach rauhe Böllelein oder Köpfflein in der größ
der gemeinen Haselnüß/
von farben gemengt/ grün und braunfarb/ wie Klettlein anzusehen/ allein daß
sie nit scharpff/ sondern die Spitzlein daran linde und weych seynd. Ein jedes
Spitzlein hat unden ein dicks Kölblein/ dz ist der Samen/ so derselbig zeitig
wird/ so zerfellet als dann das Kölblein/ davon wachsen dann wider junge
Stöcklein herfür. Dieses Gewächs ist allenthalben gemein in Teutschland. Es
wächst gemeiniglich in einem harten und feuchten Erdreich/ und sonderlich da es
Schatten haben mag/ als in Gärten an Mauren/ hinder den Zeunen/ in Hecken und
Dornbüschen. Sie wird aber gleichwol auch von wegen jhrer träfflichen
nutzbarkeit von vielen in den Gärten gepflantzet.
ll. Das zweyte Geschlecht der Benedictenwurtz/ hat eine Wurtzel die
ist Fingers unnd auch bißweilen
Daumensdick/ mit etwas weniger Zaseln oder Nebenwürtzlein behencket als die
vorige/ die hat auch ein lieblichen Geruch wie Näglein/ aber doch viel minder
unnd schwächer dann die Wurtzel deß
ersten Geschlechts/ ist am Geschmack herb/ trucken unnd zusammenziehend. Die
Bletter seynd den Blettern deß
ersten Geschlechts nit ungleich/ allein daß
sie liechtgrüner und drey oder viermal grösser seynd/ und ist ein jedes Blat
gemeiniglich in iii. Spalten zertheilt und geründer/ mit kleinen schnitlein
gerings umkerfft. Der Stengel ist rundt/ fast anderhalben Schuch oder Elen lang/
mit rauher Wollen uberzogen wie auch dz gantze Gewächs/ darauff wachsen schöne
geele Rößlein
von sechs Blettern/ den Cisten Rößlein
ähnlich/ Der Apffel jnnwendig ist von vielen geelen Fäselein formirt darauß
schwartzlechter Samen mit Wollen uberzogen gleich wie die Küchenschell oder die
Lyenenreben. Dieses Gewächs wird nirgends von sich selbst wachsend gefunden/
dann in den hohen Bergen in graßlechtigen
orten/ als im Behsch Gebirg/ und etlichen Gebirgen im Waßgaw
gegen auffgang der Sonnen gelegen. Man zielets auch in den Gärten wie andere
frembde Gewächs.
lll. Benedictenkraut.
CARYOPHYLLARA III.
lll. Das dritte Geschlecht hat ein braune/ rote Wurtzel von vielen Zaseln/ wie die Wurtzeln der Dreyfaltigkeitglöcklein oder Alpsanickels. Die Bletter vergleichen sich mit den Blettern deß Tormentills oder Fünffingerkrauts/ und seynd auch also geringsherum gekerfft/ unnd die understen so von der Wurtzel herauß wachsen/ deren seynd etliche in sechs und auch etliche in sieben zertheilt/ die aber am Stengel wachsen die seynd in fünff Bletter abgetheilet. Die Stengel deren etwann zween/ etwann drey von einer Wurtzel wachsen/ die werden auff die anderhalben Spannen lang/ darauff wachsen bleychgeele Blumen von fünff Blettern/ die seynd etwas kleiner dann der gemeinen Garafelblumen. Das gantze Gewächs ist haarechtig und wollechtig. Die Wurtzeln haben ein lieblichen Geruch/ gleich der gemeinen Garafeln. Dieses Gewächs wird allein bey uns in den Gärten gezielet/ aber in den Alpen wächßt es von sich selbst/ von dannen es zu uns gebracht wird.
lV. Benedictenkraut.
CARYOPHYLLATA IV.
lV. Das vierdte Geschlecht ist mit der Wurtzelo dem ersten Geschlecht gleich/ hat aber weniger Zaseln/ und idt die Hauptwurtzel ein wenig dicker/ eines viel geringern Geruchs. Die Bletter seynd klein und rund mit kleinen Schnittlein zerkerfft/ die seynd den Blettern der Gundelreben ähnlich/ außgenommen daß sie haarechtig oder wollechtig seynd/ die stehen auff kleinen dünnen/ rauhen Stielen. Der Stengel wird fast Elenlang/ der ist auch wie die Stiel der Bletter rundt/ dünn und wollechtig. Ein jeder Stengel bringt selten uber drey Blumen die sind schön geel/ die wachsen auff kleinen bleichen Köpfflein/ denen folgt nach ein weisse/ flockechtige Wollen/ gleich wie die Flocken der Hasenköl und Habichkreuter. Es wächst dieses Geschlecht viel in S.Peters Wald/ zwischen Sanct Rennig und Lauterburg. Deßgleichen hab ichs viel gefunden in Braband bey „Recheln“ nit weit von dem Wasserhauß Burgenstein/ in dem Eychinen Walde. Die Wurtzel dieses Krauts hat ein trucknende und zusammenziehenden Geschmack.
Von den
Namen der Benedicten oder Garafelwurtz.
Etliche wöllen ein LAGOPUM auß
dem Benedictenkraut machen/ die andern wöllen es sey ein Geschlecht der
Odermenig/ aber sie fehlen beyde. PLINIUS gedenckt dieses Gewächs LIB.27.C.7.
und nennet es GEUM. Von unsern Kreutlern wird es LAGOPHTALMUS, OCULUS LEPORIS,
AUARTIA, CARYOPHYLLATA und SANAMUNDA genannt/ Von SCALIGERO GETIA. Von den
gemeinen PRACTICIS unnd Apoteckern AUARTIA, HERBA BENEDICTI und GARYOPHYLLATA.
Hochteutsch/ Benedictenkraut/ Benedictenwurtz/ Sanamundkraut/ Nardenwurtz/
Gerafelkraut/ Garafelwurtz/ Hasenaug/ Heyl aller Welt/ und Gariofilat.
ll. Das zweyte Geschlecht wird von den Kreutlern CARYOPHYLLATA
MONTANA, GARYOPHYLLATA MONTANA, AUANTIA MONTANA, und CARYOPHYLLATA MAIOR
genannt. Hochteutsch/ Bergbenedictenwurtz/ Berggarafelwurtz/ und
Bergnägleinkraut.
lll. Das dritte Geschlecht wird von den Kreutlern CARYOPHYLLATA
ALPINA, und Teutsch/ Alpgarafelwurtz genannt.
lV. Das vierdte Geschlecht wird CARYOPHYLLATA SYLVATICA, und HERBA
BENEDICTA SYLVESTRIS genannt. Hochteutsch/ wild Benedictenwurtz/ und
Waldgarafel.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Benedictenwurtz.
Der gemein Benedictenwurtz ist warmer und truckner Natur mit etwas
zusammenziehender Krafft unnd Eygenschafft/ darneben aber reynigt sie auch und
säubert/ zertheilet die Feuchtigkeiten/ und stärcket alle jnnerliche Glieder/
sie ist aber warm und trucken im andern Grad. Die Alpin Garafelwurtzel ist der
gemeinen an jhrer Krafft und Wirckung gleich. Die Berggarafel und die
Waldbenedictenwurtz/ seynd kräfftiger in der Astriction und zusammenziehung dann
die andern beyde Geschlecht.
Jnnerlicher
Gebrauch der Benedictenwurtz.
Die Benedictenwurtz stärcket kräfftiglich dz schwache Hirn und
Haupt/ deßgleichen
das Hertz unnd lebliche Geister/ vertreibet das Hertzwehe/ und bringet jhr
Lieblicher Geruch die wider zu recht/ denen die in ohnmacht gefallen seynd/ und
der Geist verzuckt wird/ in Speiß/
Tranck/ oder Artzney gebraucht. Jn gleichem fall genutzet/ stärcket sie
gewaltiglich das blöde/ schwach Gesicht/ und dienet wider alle Gebrechen der
Augen.
Benedictenwurtzel in Wein gesotten/ und von demselbigen Morgens und
Abends/ jedesmal ein guten Trunck warm getruncken/ dienet wider die obgemeldten
Gebrechen/ unnde ist ein sonderliche heylsame Artzeney wider das Parlyß
unnd den Schlag/ dann es verzehret den Schleim in den Sennadern/ vertreibet das
Krimmen und Mutterweh/ bessert die Däwung/ bekommet wol dem kalten
verschleimpten Magen/ dient wider die Geschwer der Lungen/ reynigt sie von Eyter
und Schleim/ heylet die versehrung derselben/ unnd aller anderer jnnerlicher
Glieder/ eröffnet die verstopffung der Leber/ unnd stärcket sie kräfftiglich.
Die Garafelwurtz dient wider alle Gebrechen deß
Hertzens so von kalter Ursach jhren ursprung haben/ man gebrauch sie gleich wie
man wöll derwegen auch der weitberümbte GUILIELMUS TURNERUS diese Wurtzel an
statt der roten unnd weissen Behenwurtzeln in den Artzeneyen zu dem Hertzen
bereytet gebraucht hat/ sintemal wir dieselben Wurtzeln nimmer recht unnd
ungefälscht haben mögen/ derowegen ist zu rathen/ daß
man diesem löbblichen Mann darinn nachfolge.
Garafelwurtzel im Mundt gekäuwet/ vertreibt den stinckenden Athem
und ubeln Geruch deß
Mundts.
Es werden die jungen Bletter heutigs Tages auch mit andern Kreutern
zum Salat nutzlich gebraucht/ unnd thut man wol daran/ dann sie stärcken die
däuwung und machen ein lust unnd begierd zum essen. Etliche nemmen die jungen
grünen Bletter/ und stossens mit grünem Korngraß
klein sampt einer Brossam Brodts/ streichens darnach durch ein Tuch mit
genugsamem Essig/ und machen ein Salsen darauß/
die essen sie mit dem Fleisch/ Vögeln/ Fischen und anderer Speiß/
den Lust zum essen zu erwecken.
Andere stossen das gemelte Kraut mit gleich so viel
sauwerampfferkraut unnd einer Brosam Brodts/ streichen darnach zu einer Salsen
mit Essig durch/ die ist sehr dienlich in hitzigen Febern und in
Sterbensläuffen/ dann sie nicht allein den Lust zum essen erwecket/ sondern
verhütet auch den Menschen vor der Seucht der Pestilentz.
Die Weiber/ unnd sonderlich die Seugmütter/ die grossen schmertzen
unnd entzündung in den Brüsten fühlen/ die sollen Garafelwurtzel in Wein oder
Bier legen/ und darvon trincken so befinden sie besserung.
Gleicher gestalt getruncken/ erfrewet das Hertz/ und dienet wider
alle obgemelte Gebrechen.
Benedictenkrautwurtzel in Wein gesotten unnd Morgens und Abends von
der durchgesiegenen Brühen/ jedesmal vier Untz warm getruncken/ vertreibet das
Bauchwehe/ reissen in den Därmen/ und andern jnnerlichen Gliedern.
Wider die auffblähung der Lungen von kalter feuchtigkeit/ als wann
einem die Lungen in Halß
steigen unnd den Menschen ersticken wollte: Nimb Garafelkraut unnd Wurtzel zwo
Handtvoll/ Römisch Salbeyen oder Frauwenmüntzwurtzel/ weissen Jngber/
Pfefferkörner/ Veielwurtzel/ jedes zwey Loth/ Rhapontick/ ein loth/ die man
sonst groß
Centaurwurtzel nennt: Diese Stück schneid klein/ thu sie in ein sauber Kannten
oder geschraubte Fläschen/ thue darnach vi.untzen guten verscheumpten Honig/
unnd ein Maß
weissen fürnen Wein/ verkleibe den Ranfft/ setze in ein Kessel mit siedendem
Wasser/ und lasse vier Stunden in einem stätigen Sud sieden/ darnach wann es
kalt worden ist/ so seihe es durch ein sauber Tuch/ und trinck darvon allen
Morgen v. oder vi.loth warm/ das wird grosse hülff thun.
Wider die erkalte Brust und Gebrechen der Lungen/ die mit kaltem
zähen Koder und Schleim beladen ist/ und die Lungen Röhrlein verstopfft/ mach
folgende Artzeney: Nimb Benedictenwurtz zwey Loth/ dürren Ysop ein Loth/
Stabwurtz/ Poleyenkraut/ Dosten/ Weinrauthen/ Fenchelsamen/ Veielwurtz/ langen
Pfeffer/ Muschatnüß/
Galgenwurtz/ Näglein/ Zimmatrinden/ weissen Jngber/ jedes ein halb Loth. Stoß
alle gemelte Stück zu einem reynen Pulver/ und schlags durch ein härin Sieblein/
vermisch neun Untzen guten gestossenen Feinzucker darmit/ daß
es ein Treseney werde/ und nimb darvon allen Morgen unnd Abend/ jedesmal ein par
Stunden vor den beyden Jmbsen ein Löffel voll mit einem schnittlein gebähetem
Weißbrodt
in fürnenem weissen Wein geweychet.
Benedictenkrautwurtzel gepülvert/ unnd eines Gülden schwer allen
Morgen nüchtern mit rothem Wein zertrieben unnd warm getruncken/ stillet und
verzehret den weissen Mutterfluß
der Weiber/ so man das ein Tag etliche nacheinander beharret.
Garafelwurtzelpulver mit weissem Wein oder aber in Speiß
oder Tranck/ in andere weg gebraucht/ hilfft den unfruchtbaren Weibern zu der
empfengnuß/
dann sie verbessert die schlüpfferigkeit der Mutter/ trucknet auß
die ubrige Feuchtigkeit und stärcket sie/ also daß
sie den Mannlichen Samen besser behalten kan.
Die gemelte Wurtzel reynigt das unreyn und faul Geblüt/ dient wider
alle unreynigkeit der Haut/ als Grind/ Flechten/ Musselsucht und die Franzosen
Kranckheit/ so man die brauchet/ wie man die Wurtzel SCHINA oder SALSA PATILLA
zu brauchen pflegt/ dann sie verbessert die böse und gifftige Contagion dieser
Kranckheit/ derowegen sie billich in allen Artzeneyen wider die Franzosen
Kranckheit gebraucht werden soll.
Benedictenkrautwurtzel zu Pulver gestossen/ und ein quintlein schwer
mit weissem Wein getruncken/ widerstrebet dem Gifft/ und heylet alle jnnerliche
versehrung.
Diese Wurtzel deß
Morgens nüchtern im Mundt gekeuwet/ und darnach eingeschluckt/ stärcket das
Hertz/ unnd verhütet den Menschen vor aller vergifftung unnd Contagion der
Pestilentz. Etliche brauchen ein wenig deß
Pulvers von der gemelten Wurtzeln mit Wein.
Man machet auch auß
dem Kraut unnd seiner Wurtzeln köstlich Wundtränck/ wie folget: Nimb
Benedictenkraut mit der Wurtzel zwo Handtvoll/ Ochsenzungenkraut/ Sanickel/
Baldrian/ Ehrenpreiß/
Heydnisch Wundkraut/ Wegwartenkraut/ jedes ein Handvoll. Diese Stück zerschneid
klein/ thue sie in ein Kannten/ schütt darüber anderthalb Maß
weissen Wein oder Bier/ verlutier die Kannten beheb zu/ stelle sie in ein Kessel
mit siedendem Wasser/ laß
darinn fünff Stundt in stäter Hitz sieden/ thue die Kannte darnach herauss/ wann
es kalt worden ist/ seihe es durch ein Tuch/ behalt den Tranck in einem külen
Orth/ in einem verstopfften Glaß/
gib dem verwunden allen Morgen und Abendt/ jedesmal iii.untzen davon warm zu
trincken.
Ein ander Wundtranck: Nimb Benedictenkraut mit der Wurtzel zwo
Handvoll/ Wintergrün/ Sanickel/ Wegwartenkraut/ Ochsenzungenkraut/ jedes ein
Handvoll. Zerschneide die Kreuter/ thue die in ein Kannten/ schütt darüber ein
Maß
Weins oder Bier/ lasse darnach in einem Kessel mit Wasser auff die drey Stunden
lang sieden. Wann es kalt worden ist/ so seihe es durch ein Tuch/ unnd gebrauch
jhnen wie den obgemelten.
Ein herrlicher und köstlicher Wundtranck zu allen Wunden und Achäden
nutzlich/ welchen man uber Jahr behalten mag/ den mach also: Nimb Garafelkraut
und Wurtzeln vi. Handtvoll/ Heydnisch Wundtkraut iii. Handtvoll/ Thannen oder
Kinbäumen mispel mit den Beeren/ Pfersingkraut mit den Flecken/ Sinnauw/
Scabiosen oder Apostemenkraut/ gülden Leberkraut/ Rosenwurtzbloetter/ jedes ii.
Handvoll/ Lindenblüt/ Holwurtzkraut/ deß
Farnkrauts das die Blumen trägt/ Meisterwurtzbletter/ Küttenbaumbletter/ geel
Weyderichkraut/ jedes anderthalb Handvoll/ Schwalbenwurtzviii.loth/ Weisswurtz
iv.loth. diese Stück sollen alle grün und frisch seyn/ die muß
man klein hacken/ darnach in ein VESICAM thun/ darüber schütten ein Maß
oder zehen frisch Brunnenwasser/ folgends ein Helm darauff setzen/ und vier Maß
Wassers darvon distillirn/ so hastu ein edeln Wundtranck den du uber Jahr
behalten kanst/ wie ein ander gedistillirt Wasser/ darvon gibt man einem
verwundten oder schadhafften Menschen allen Morgen und Abend iiii. Oder v.loth
zu trincken.
Wann es nun im Winter were unnd dir an diesem Wasser abgieng/ soltu der gemelten
Kreuter und Wurtzeln nur halb so viel nemmen/ die sein im schatten getrucknet
worden/ und sie zu einem groblechten Pulver stossen/
darnach in die VESICAM thun/ wie oben gemeldet/ Wasser darüber giessen/ darnach
ein blinden Helm darauff setzen/ ein kleines geringes Feuwerlein darunder machen
daß es nicht siede/ solts also 24.Stunden beytzen und weychen lassen/ darnach
ein Helm mit einem Schnabel darauff setzen/ und vier Maß davon distillieren/ so
hastu eben so ein kräfftigen unnd heylsamen Wundtranck/ als wann er von grünen
Kreutern gemacht worden were.
Wider die Fistel ein ander köstlicher Wundtranck/ mach also: Nimb
Benedictenkraut und Wurtzel/ Rheynfarn/ Bibernellenkraut/ Ruprechtskraut/
Baldrian/ Mäußöhrlein/ jedes ein Handtvoll. Zerschneidt die Kreuter unnd
Wurtzeln klein/ thue sie in ein Kannte/ unnd geuß darzu ein Maß Weins oder Bier/
unndlaß drey Stunden obgemeltermassen sieden/ und trinck allen Morgen und Abendt
drey Untzen warm darvon/ biß du geniesest.
Garafel offtermals mit Wein getruncken/ unnd außwendig ubergelegt
wie ein Pflaster/ heylet die Fistel wunderbarlich.
Zu den jnnerlichen Schäden unnd Wunden/ zu denen man mit den
Meysseln nicht kommen kan/ sol man trincken von der Brühen deß gesottenen
Benedictenkrauts/ deß Morgens und Abendts auff die drey Untzen/ unnd außwendig
auch die Schäden und Wunden darmit warm wäschen/ das hilfft gewaltig zur
Heylung.
Eusserlicher Gebrauch der Garafel oder Benedictenwurtzel.
Benedictenkraut und Wurtzel mit Tag und Nachtkraut jedes gleich viel
in Regenwasser gesotten/ und warm uber den Bauch gelegt/ vertreibt das Krimmen
im Leib und in den Därmen. Jn Wasser gesotten/ und den Dampff davon durch ein
Rohr in die Mutter empfangen/ bringt den Weibern jhren natürlichen Monatblumen.
Das Kraut und Wurtzel also gesotten/ unnd wie ein Pflaster uber die Scham
geschlagen/ thut deßgleichen.
Jn Wein oder Wasser gesotten/ unnd mit der Brühen die Wunden/
Fisteln/ Krebs und andere flüssige unnd alte/ faule Schäden gewäschen unnd
gereiniget/ fürdert sie zur Heylung. Solches thut auch das Pulver von dem dürren
Kraut unnd Wurtzeln/ darein gesäet.
Garafelwurtzel und Kraut in Wein und Wasser gesotten/ unnd der
durchgesiegenen Brühen genommen xvi. Untzen/ unnd iiii. Untzen Rosenhonigs
darinn zertrieben/ heylet die Mundtfäule unnd alle böse flüssige Schäden unnd
Löcher im Mundt unnd Halß/ den Mundt zum offtermal warm darmit gewäschen und
außgespület/ und auch den Halß damit warm gegurgelt.
Benedictenkraut und Wurtzeln mit ein wenig Weins unnd Baumölen in
einer Pfannen geröschet/ darnach hinden unnd fornen wie ein Pflaster gegen dem
Hertzen ubergelegt so warm man es leiden kan/ vertreibt das Hertzwehe/ und sonst
auch ein jeden Schmertzen der Brust und Seiten.
Benedictenkraut und Wurtzel zu einem reinen Pulver gestossen/ heylet
die Löcher unnd Wunden der Pferdt auff dem Rücken/ die vom Reiten oder Sattel
verursacht worden seynd/ darein gesäet. Gleicher gestalt gebraucht/ heylet es
alle Schäden und Wunden/ beyde am Viech und Menschen.
ein Bier zu bereyten daß es lieblich zu trincken seye. Nimb zu einem
sechsten theil eines Fuders gesäubert Garafelwurtzel viii.untz/ wildt
Salbeyenkraut iiii.untz. Diese zerschneid klein oder stoß sie groblecht/ unnd
hencks in einem Säcklein in das Bier/ es wirdt lieblich zu trincken/ und ist
darzu gesund.
So ein Wein abfellt/ sich verkert/ und den geschmack verloren hat/
so henck Benedictenwurtzel darein/ so kompt der Wein wider zu recht.
Wiltu ein Wein stärcker unnd kräfftiger machen als er von Natur ist/
so nimb Benedictenwurtzel ii. Loth/ Zimmatrinden i. halb loth/ Galgantwurtz/
weissen Jngber/ Näglein/ Muschatennüß und Muschatenblüht/ jedes i.quintlein.
Diese Stück schneide gar klein/ und hencks in ein drittheil oder ein halb theil
eines Fuders guten Mosts/ nach dem du den Wein kräfftig oder starck haben wilt/
so wirdt dasselbige gar starck unnd gut wie ein Malvasier/ der ist alten Leuten
und die kalter Natur seyndt bequem unnd dienlich/ aber jungen unnd hitzigen
Leuten schädlich.
Garafelwurtzel vor die Nasen gehalten/ unnd daran gerochen/ bringet
die so in ohnmacht hinfallen wieder zu recht/ dann sie erquickt und stärcket die
leblichen Geister uber die maß wol/ und stärcket darneben das Hirn und das
Hertz.
Die Wurtzel gesäubert/ unnd im Schatten getrucknet/ folgendts mit
ein wenig Essigs besprengt/ unnd zwischen die Kleider in die Kisten gelegt/
giebt den Kleidern nicht allein lieblichen/ guten Geruch/ sondern verhütet sie
auch vor den Würmen und Schaben.
Garafel oder Benedictenkrautwasser.
CARIOPHYLLATAE AQUA STILLATITIA.
Man pflegt ein köstlich Wasser von dem Benedictenkraut unnd Wurtzeln auff folgende weiß zu distillieren. Man samblet das Kraut unnd die Wurtzel im Mertzen/ säubert sie von der Erden/ hackts darnach klein/ unnd zeuchts ab mit sanfftem Fewer/ in BALNEO MARIAE, darnach nimbt man zu jeder Maß desselben Wassers/ vier Untz der frischen auffgetruckneten Wurtzeln zu einem groblechtigen Pulver gestossen/ vermischt diese in einem Kolbenglaß durch einander/ setzet darauff ein blinden Helm/ lassets vier und zwantzig Stunden in einem warmen BALNEO mit einander beytzen/ darnach setzet man ein Helm darauff mit einem Schnabel/ unnd distillierst zum andernmal sänfftiglich/ stellts darnach wol verstopfft in die Sonn zu rectificieren/ so hat man ein edel/ kräfftiges und wolriechendes Wasser zu nachfolgenden Gebrechen dienlich.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Garafeelwassers.
Benedictenkraut und Wurtzel Wasser deß Abendts unnd deß Morgens/
jedesmal vier oder fünff loth getruncken/ dienet wieder alle innerliche Brüch
unnd verwundungen/ reyniget die Brust unnd Lungen/ den Magen unnd alle
innerliche Glieder deß Eyngeweids/ von allem zähen Koder/ Schleim und faulem
Gewässer.
So einer schädliche Speiß gessen hete/ und dieselbige nicht
verdäuwen köndte/ der trinckt das Wasser obgemeldter masen/ dann es verzehret
alles was schädtliches im Magen ligt. Es vertreibet das Leibwehe unnd die
Mutterkrimmen/ stärcket das Hertz und lebliche Geister kräfftiglich/ derwegen
wird es nicht ohne nutz zu den Hertzstärckungen gebraucht.
Wann ein Mensch in grosser Hertzschwachheit kranck lege/ soll man
nemmen deß gemeldten Wassers iii.untzen/ unnd ein Untzen guten Malvasier oder
Spanischen Wein/ oder aber den besten weissen firnen Wein an derselbigen statt/
guter MANUS CHRISTI Küchlein zu reinem Pulver gestossen/ und ein halbes
Quintlein weissen geriebenen Agstein. Solches alles soll man durcheinander
vermischen/ das wirdt ein edel Hertzwasser/ das blöd und schwach Hertz und die
leblichen Geister zu erquicken/ davon sol man dem Krancken alle Stund ein
Löffelein voll zu trincken geben/ das ist in kalten Hertzschwachheiten nie wol
zu bessern.
Garafelwasser obgemeldter massen getruncken/ ist ein guter unnd
heylsamer Wundtranck/ allerhandt Wunden unnd Schäden zu heylen/ darmit soll man
auch der Verwundten Wein vermischen/ dann es fürdert die Heylung gewaltiglich.
Eusserlicher Gebrauch deß Garafelwassers.
Das Wasser vertreibet die heßlichen Flecken unnd Muttermal deß
Angesichts/ dieselbigen offtermals darmit gewäschen oder angestrichen/ unnd von
sich selbst lassen trucken werden.
Das blöd unnd schwach Hertz/ das von Kälte kranck unnd schwach ist/
zu stärcken/ mach folgenden uberschlag: Nimb deß Wassers iiii. Untz/
Ochsenzungenwasser/ Borragenwasser jedes ii. Untz/ Melissenkrautwasser/ guten
Malvasier/ Nägleinblumenessig/ jedes anderthalb Untz/ gepülvert Citronenrinden
ein quintlein/ gepülverten Saffran eines Pfennigs schwer. Diese Stück alle
vermische durcheinander/ nimb darvon ein wenig in ein Zinnlein/ lasse es auff
Kolen warm werden/ netze darinn ein zwyfachen roten Zendel/ trucke den ein wenig
auß daß er nit trieffe/ unnd leg jhn also warm außwendig uber das Hertz/ und so
offt der Zendel trucken wird/ so netze den wider darinn/ unnd legs wie zuvor
uber/ das stärcket das Hertz kräfftiglich/ darinn mag man auch Pulßsäcklein
netzen/ unnd uber beyde Pulß binden.
Garafel oder Benedictenwurtzwein.
CARIOPHYLLATAE VINUM.
Der
gemein Mann macht einen fast nützlichen Wein von der Wurtzel: Nimbt der frischen
Wurtzeln im Frühling gegraben/ säubert sie wol von der Erden/ und lässet sie
darnach in schattechtem Lufft wol trucken werden/ fasset sie darnach an ein
Schnürlein/ und hencket sie in ein fürnen Wein/ in ein Elsasser Ohmen ein gute
Handtvoll/ den trincken sie hernach den Leib in gesundheit zu erhalten.
Andere nemmen die Wurtzeln/ schneiden sie klein/ hencken deren ein
gute Handtvoll in ein Elsasser Ohmen guten Mosts/ lassen den also darüber
verjähren. Etliche aber damit der Wein süß bleibe/ sieden sie die Wurtzel in
frischem süssem Most wie der von der Kälter lauffet/ unnd nemmen noch mehr
Gewürtz darzu/ als Zimmetrinden/ Näglein/ Muschatnüß/ Muschatblühet unnd
Galgenwurtz/ ein jeder nach seinem gefallen/ sintemal hierinnen kein
sonderlicher Jrrthumb geschen kann. Dieser Wein ist allen Leuten fast nutz unnd
heylsam/ deßgleichen auch denen so ein kalten feuchten unnd undauwigen Magen
haben/ Er erquicket das Hertz unnd lebliche Geister/ dienet wieder den
schmertzen deß Hertzens/ unnd verhütet den Menschen vor der Contagion der
Pestilentz/ sonderlich in kalter zeit gebraucht/ dann im Sommer ist er zu
hitzig. Er eröffnet auch die verstopffung der Leber von Kälte verursacht/
reyniget die Brust von dem zähen Koder und Schleim.
Man mag auch diesen Wein bereyten wie den Angelickwurtzwein/ dann
also dienet er auch wider die giffte Boßheit der Franzosen Kranckheit/ dann er
reyniget das Geblüt und verbessert die gifftige Contagion der Franzosen. Jst
auch ein heylsamer Tranck/ denen Menschen so viel Fisch/ kalte Speisen/
Cucumern/ Melonen/ Pfersing und andere kalte Früchte essen/ dann er temperiert
und mässiget die uberentzige Kälte/ und hilfft wol abdäwen.
Garafelwurtzel Conservenzucker.
CARYOPHYLLATAE RADICUM
CONSERVA.
Auß den wolriechenden Wurtzeln deß Benedictenkrauts macht man ein herrlichen Hertzstärckenden Conservenzucker$auff folgende weiß. Man nimbt die Wurtzeln die frisch im Mertzen gegraben worden seind/ reyniget sie sauber von den kleinen Zaseln unnd Härlein/ wäschet sie wol auß Wasser/ darnach auch auß einem weissen Wein/ leget sie darnach auff ein sauber Tuch biß sie trucken werden/ darvon nimbt man dann ein theil/ schneidet sie auffs kleinest auff einem saubern Bret mit einem bequemen Schneidtmesser/ darnach stösset man sie gar klein in einem steininen Mörser/ unnd thut darzu drey theil Zucker/ stössets wider unnd vermischts wol durcheinander biß es wirdt wie eine Latwerg/ darnach thuts mans in ein Porcellanbüchß oder Zuckerglaß/ und hebts auff zu dem gebrauch. Von diesem Conservenzucker deeß Morgens nüchtern ein loth/ dienet wider alle oberzehlte Kranckheiten. Aber das Hertz in Ohnmachten zu stärcken/ sol man jederweilen einer Haselnuß groß darvon essen. Deßgleichen sol man auch allen Morgen unnd Abendt einer Castanien groß davon nemmen/ deß Morgens nüchtern/ unnd dann deß Abendts wann man zu Beth gehen will.