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NELKE
Dianthus-Caryophyllaceae
VON DEN
NÄGLEINBLUMEN/ ODER GRASSBLUMEN.
Dass viel unnd mancherley Art der Nägleinblumen erfunden werden/ wie
solches die Hochgelehrten unnd Weitberümbten Herren PETRUS ANDREAS MATTHIOLUS,
DODONAEUS, LOBELIUS, CAROLUS CLUSIUS unnd andere mehr/ in jhren Kreuterbüchern
und OBSERVATIONIBUS vermelden/ hat man sich bey diesem unserm AUTHORE wol zu
ersehen/
welcher
derselbigen fast viel mit grossem fleiß zusammengebracht hat. Es werden
dieselbigen/ wie LOBELIUS bezeuget/ in zwey Theyl abgetheylet/ also daß etliche
zam sein/ etliche wildt.
So viel aber die Form und Gestalt der Nägleinblumen anlanget/ wie auch
etliche auß den wilden/ an Blättern/ Stenglen/ Knöpflein und Wurtzeln einander
fast gleich: Jhre Blätter sind langlecht/ spitzig und achsenfarb/ gleich dem
Lauch oder dem jungen Knoblauch/ wie LOBELIUS meldet/ etliche auch etwas
breyter: (aber kürzer/ doch ist das Graß der weissen allwegen vollkomlicher und
dicker dann der roten/ ) die Stengel schliessen rundt in die Höhe/ sind glat/
wachsen Elen lang/ bißweilen auch länger/ mit vielen Gleichen abgetheylet/ mit
zweyen Blättern umbsetzet/ ohn allein die blaw Nägleinblumen auff der Spitzen
deß Stengels kommen herfür runde langlechte Knöpfflein/ an jhrer Spitze etwas
zerkerffet/ darauß die schöne/ liebliche/ wolriechende Nägleinblumen mit vier/
fünff oder sechs Blättlein herfür schlieffen/ mit vielen unnd mancherley Farben
gezieret/ als weiß/ rot/ blaw/
(etlich werden gantz schwartz Blutrot/ etlich weiß mit rotem besprenget-(da die
weissen Blätter die roten ubertreffen/ oder die roten die weissen: man findet
weisse die mit kleinen roten Tröpfflein/ als wann es Blut were/ besprengt sind/
etliche rot/ mit weissen Strömlein oder Milchtröpfflein underzogen/ man findet
auch zu zeiten an einem Stock zweyer farben Blumen/ ein theil weiß mit roten
tüpfflein zertheilet/ die andere gantz rot: zu zeiten zwo Blumen zweierley
farben an einem Stiel: in summa under allen Blumen findet man kaum ein
Geschlecht mit so mancherley farben als die Graßblumen/ ) und andern dergleichen
Farben/ seltzam durcheinander vermenget deren etliche gefüllt sein/ etliche
ungefüllt/ an jhren Blätlein zerspalten/ etliche aber gefiedert wie ein Pflaume/
dergleichen bey einem jeden besonders verzeichnet ist. Mitten auß der blume
wachsen zwey kleine zarte feßlein herfür/ welche etwz gekrümmt voneinander
liegen. Auß den Blumen aber sind ein theil eines guten lieblichen geruchs wie
die rechte Näglein/ daher sie den Namen bekommen/ etliche aber haben keinen
Geruch an sich/ deren mehrertheils die wilde Graßblumen sein. (So man diese
Blumen nit abbricht/ bringen sie gegen den Herbst breiten schwartzen Samen/ als
zwibelsamen/ in den langen knöpfflein verschlossen/ von welchen mag man junge
stöcklein zielen/ die tragen im andern oder dritten Jahr jhre erste Blumen.) Die
Wurtzel ist eines guten Geruchs/ etwas rotweiß/ wiewol jhrer auch mit schwartzen
dicken Wurtzeln als die weisse Pflaume Näglein/ gefunden werden/ etliche klein/
schmal und subtil/ etlich aber lang/ grob/ dick und holtzecht/ mit vielen
angehenckten Zaseln. Fürnemlich aber kommen die fünff erste Geschlecht mit
dieser Beschreibung fast uberein/ haben allein jren grösten underscheidt an den
Blumen jhrer Farben halben.
(So du wilt die Blumen von mancherley Farben haben/ so nimb den Samen von
den roten und weissen/ stoß die zweyerley Farben in ein Federkiel/ und
verscharre diese Feder in die Erden. Wiltu zweyerley Farben an einem Stock
haben/ so nimb von zweyer Art bStöckenwurtzeln/ schneids entzwey/ binde diese
stück zusammen/ und setz in grundt.)
Vl. Das sechste Geschlecht aber ist den vorigen ungleich/ bekompt viel
runde/ zarte/ bintzechte glate Stiel/ ohne Bletter/ an welchen erstlich geährte
langlechte Knöpfflein erscheinen/ auß welchen die schöne blauwe Blümlein/ je mit
vier Blätlein besetzet/ herfür schlieffen. (Dieses findt man umb Mompelier under
den Stechaichlen.
Vll. Das siebende Geschlecht ist an den Blättern der Entzian/ an Wurtzeln
aber dem Calmus etwas ähnlich/ oben an seinen Stengeln uberkompt es viel kleiner
spitziger Knöpfflein/ welcher sehr viel auff einer Dolden gleich als zusammen
getrungen beysamen stehen/ auß welchen kleinezarte/ rote Blümlein herfür kommen
mit zerkerfften Blättlein. Man hat es auch mit weissen/ mit gesprengten Blumen.)
Vlll. Das achte Geschlecht vergleicht sich fast mit den ersten/ (allein
daß es schmäler Blätter hat.)
lX. Das neundte Geschlecht aber hat ein dicke holtzechte Wurtzel/ seyne
Blätter sindt breyter dann an den ersten/ welche sich bey nahe dem spitzen
Wegrich vergleichen.
X.Xl. Das zehend/ eilffte/ so man Hochmut und Mutwillen nennet/ hat ein
zasecht Wurtzel/ ist mit dem Graß/ Stengel/ Knöpfflein und Blumen kleiner dann
alle obgenannte zame Näglein/ deren Blumen sindt leibfarb weiß/ ungefüllt/ ein
jedes Blätlein an seiner Blumen gefidert und zerspalten/ Riechen auch wol/ sind
gut in den Gärten auff zu bringen/ wachsen auch an etlichen Rechen der
ungebauwten Aecker/ als bey uns zu Michelfelden nicht weit von dem Rhein: auff
dem Rheinstrom sonderlich an dem Gebürg/ zu der Hart/ gegen der Neuwstatt unnd
Deidesheim/ auch in der Ganßauw genent bey Straßburg in Hecken weiß und rot.)
Xll.Xlll. Das zwölffte und dreyzehende Geschlecht/ so man Donder Näglein
und Blutströpfflen nennetäist ein magers dürres Kreutlein/ die runde nackete
Stengelein sindt kleiner und dünner dann Bintzen/ am Gypffel derselbigen wachsen
etwann sechs oder acht liechte/ oder sattrote Blümlein so einfach sind/ mit
fünff oder sechs Blättlein/ so fast keinen Geruch haben. Deren Stengel werden
etwan Ellen hoch/ aber je länger die Stängelein werden/ so kleiner Blümlein sie
rtagen. Solche jetzt gesetzte Blumen findet man in den Wälden/ und auff dürren
sandechten Wiesen/ graßechten ungebawten stätten allenthalben. Haben alle lange
runde braune Köpfflein voll Samens. Aber das Xlll. Hat schmäler Blätter/ und
weisse Blumen.
XlV. Das vierzehende Geschlecht/ welches von dem Herrn C. CLUSIO vor daß
achte gehalten wirdt/ ist an Gewechs etwas nidrig/ seine Blätter sind dick/ und
safftreich/ stehn dick zusammen/ sindt eines bittern Geschmacks: Die Stengel
seynd fast klein und gering/ auff welchen weyche Knöpffe herfür kommen/ groß/
rauch und wollecht/ an Farb grünblauw/ auß welchen die rote oder vermengte
Blumen/ mit fünff Blätlein (zu endt deß Heuwmonats und in dem Augustmonat)
herauss kommen/ ohn einigen Geruch. (Dieses findet man in Kärnthen auff dem
Gebürg.)
XV. Das fünffzehende Geschlecht ist den vorigen wildten Steinnägelein
fast gleich/ allein daß seine Blumen gefüllet seyn.
XVl. Das sechzehende Geschlecht die Muthwille/ kompt mit dem ersten (dem
zehenden und eylfften) auch uberein.
Das siebenzehende Geschlecht ist den Steinnäglein fast gleich/ oben an
den Stielen wachsen runde/ hohle Hülßlein welche etwas tieff zerkerffet seyn/
darauß kleine rothlechte gestirnte Blümlein an einem kleinen zarten Stiel in die
Höhe herfür spriesen/ je mit fünff Blättlein besetzet.
XVlll. Das letzte Geschlecht ist mit seinem leibfarben gefiederten Blumen
der Muthwillen fast gleich/ allein daß seine Blätter viel grösser unnd breyter
seyn. (Dieses ist in der ersten mit seinem schmalen spitzen Blätlein wie ein
Mäußöhrlein anzusehen/ doch sind die Blätter schmäler und spitziger/ hat
schlechte runde Stengel so gegen dem Meyen mit wenig Blätter bekleidet/ darauff
wachsen Presilgenbraune Blumen/ geformt und zerschnitten wie die Muthwillen.
Dieses findet man hin und wider auff den Wiessen/ gemeiniglich mit rothlechtigen
Blumen/ zu Zeiten mit weissen. Jn Jtalia zielet mans in Gärten mit gefüllten
Blumen.)
Es werden beneben diesen Nägleinblumen noch zey Geschlecht von LOBELIO
beschrieben/ (von welchen im ersten Buch SECT.6.CAP.13, ist geredt worden/ und
GRAMEN MARINUM MAIUS und GRAMEN MARINUM MINUS genent.) So wirdt auch von dem
weitberühmten Herrn C. CLUSIO noch ein ander Geschlecht beschrieben/ welches er
CARYOPHYLLEUM SECUNDUM nennet/ dessen Blumen (so einzig auff einem jeden Stiel)
sind breit/ fünffblättig/ von rother unnd weisser Farb vermischt/ zu Zeiten
gantz weiß/ jnnerlich aber haarechtig/ jedoch gar lieblich anzusehen/ doch ohne
Geruch: und wird auff den Stewrmärckischen unnd Oesterreichischen Gebürg
gefunden/ ) darvon wie von andern Nägleinblumen mehr/ weitläufftiger in seinen
OBSERVATIONIBUS PANNONICIS LIB.2.CAP.41. geschrieben hat.
Beyde Geschlecht/ zam/ unnd wild/ werden Sommerzeiten gefunden: die
Blumen kommen im Brachmonat herfür/ wehren biß gegen den Herbst/ auch biß in
Winter hinein. Die zame Graßblumen werden von Weibspersonen in den Gärten
gepflantzet/ auch in besonderen Scherben unnd Gefäß Winterszeiten in den Kellern
für dem Frost bewahret/ (doch so schön Wetter vorhanden/ stellet man sie herauß
an die Sonnen/ lesset sie auch bißweilen beregnen/ treget sie als dann widerumb
in Keller/ so man den Sommer uber die Stengel welche Knöpff stossen abschneidet/
bringen sie erst den folgenden Winter jhre Blumen.) Die wilden aber werden zum
Theil in Wiesen/ zum Theil auff hohen Bergen gefunden/ davon DODONAEUS,
LOBELIUS, und C. CLUSIUS LIB.2.OBSERV.PANNO.C.41.
Von den
Nahmen der Nägleinblumen.
Ob diese Blumen den Alten bekannt seyen gewesen oder nicht/ ist man nit
einig. Dann etliche melden/ es habe dessen Meldung gethan PLINIUS under dem
Namen CANTABRICA: andere es seye VERONICA oder BETONICA ALTERA, dessen
DIOSCORIDES gedencket/ welche Meynung nit gar zu verwerffen ist. Andere machen
IPHIUM THEOPHRASTI darauß/ daran sie ubel thun. Andere wöllen wie auch
MATTHIOLUS es seye den Alten unbekant gewesen/ davon soll in unserm Lateinischen
Kreuterbuch gehandelt werden.)
Nägleinblum oder Graßblume heist Lateinisch CARYOPHYLLUS, FLOS
CARYOPHYLLORUM, BETONICA oder VETONICA CORONARIA und DOMESTICA: etliche nennen
sie auch HERBAM TUNICA, wie wol andere Kreuter mehr seyn/ so solchen Nahmen
führen.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eigenschafft der Nägleinblumen.
Der liebliche geruch und bittere geschmack der Nägleinblumen geben
gnugsam zu verstehen/ daß sie etwas warmer unnd truckner Complexion seyn/ unnd
wie etliche wöllen/ einer mittelmessigen Temperatur.
Jnnerlicher Gebrauch der Nägleinblumen.
Die Nägleinblumen sind dem Haupt sehr gut und anmütig/ dann sie
erquicken/ erfrewen und stärcken das Hirn/ wie allein auß jrem lieblichen geruch
wol abzunehmen ist. Derwegen sie wider den Schwindel deß Haupts/ wider den
schlag/ PARALYSIS genannt/ fallende Sucht/ Krampff/ Zittern und dergleichen
beschwerungen deß Hirns/ fast nützlich unnd wol können gebraucht werden:
fürnemlich aber so man dergleichen Hauptkreuter/ als Betonien/ Roßmarein/
Majoran/ Stoechasblumen/ Salvien oder Peonienrosen darzu thut/ und ein Tranck
(in Wein) darauß seudet.
Wider die Ohnmacht und Hertzzittern/ stöst man der guten wolriechenden
Nägleinblumen i.quintlein schwer zu Pulver/ gibt solches in einem guten Trunck
firnen Wein/ oder Melissenwasser dem Krancken zu trincken/ so fern kein Feber
fürhanden ist: sonsten in hitzigen Schwachheiten sol es mit Boriagen oder
Ochsenzungen Wasser eingenommen werden. (Deßgleichen auch mit Granaten oder
Citronensafft eingenommen/ sind gut wider die Ohnmacht und Hertzzittern.)
Deßgleichen kann man nehmen ein gut theil Nägleinblumen/ Betonienblumen/
Roßmarein unnd Majoran/ rothe Rosen/ Melissen und Stoechasblumen jedes ein
wenig/ Aniß und Fenchel jedes i.quintl. gantze Näglein und Zimmetrinde: solche
stück in einem roten Zindel zusammen wie ein Knöpfflein gebunden/ oder ein
Säcklein darauß gemacht/ und in ein Maß guten firnen Wein gelegt/ und stätigs
darüber getruncken/ solcher Wein ist nicht allein gut dem schwachen/ kalten/
blöden Haupt unnd Hirn/ davon obgerührte Schwachheiten fürnemlich jren Ursprung
gewinnen/ sondern stärcket unnd kräfftiget den gantzen Leib und alle jnnerliche
Glieder/ bekompt wol dem ohnmächtigen Hertzen/ dem erkalten Magen/ und der
verstopfften Mutter/ eine zeitlang darvon gertuncken und widerumb frischen Wein
darüber geschüttet. Es kann auch ein wenig Calmus/ Galant und Spicanardi darzu
gethan werden.
(Die Blumen in weissem Wein gertuncken/ heylet alle gifftige stich unnd
Biß die von Schlangen oder thobigen Hunden kommen. Sie vertreiben die
Bauchwürme/ unnd fürdern die Geburt.
Eusserlicher Gebrauch der Nägleinblumen.
Nägleinblumen frisch zerstossen/ in Hauptwunden gethan lindert den
schmertzen/ bringet die Wunde widerumb zusammen/ zeucht auch Schieffer und Bein
auß/ biß so lang der Schade heyl ist. DIOSC.
Das Kraut in Wasser gesotten/ Tüchlein darin genetzt/ und auff die
Schlaffadern geleget/ benimpt den Schmertzen deß Haupts (miltert den Wehtagen
der in den Glieder Gewerb ist/ da die Glieder auff einander stossen/ als in dem
Knie und anderswo/ ) wie auch der Rauch auß der Wurtzel gemacht.
(In Wasser gesotten/ und solches warm im Mundt gehalten/ lindert den
schmertzen der Zäne.)
Von dem
außgetruckten Safft der Nägleinblumen.
Es kann der Safft dieser Kreuter also zu wegen bracht werden. Man nehme
deß gantzen Gewächs Kraut und Blumen ein gut theil/ zerkacke oder zerstosse
dieselbe klein mit einander/ solches nehme man under eine Presse/ trucke
dasselbige wol hart zusammen/ damit der Safft herauß gezwungen werde:
denselbigen stelle man darnach in ein Glaß an die Sonne/ biß er sich gesetzt und
lauter wird/ darnach sol er durch gesiegen werden/ damit das trübe darvon komme:
Es sol aber der Safft uber keinem Feuwer gesotten oder gekocht werden/ dieweil
seine Krafft leichtlich von der Hitze deß Feuwers verschwindet. Dieser Safft ist
gut wider die Pestilentz/ so baldt ein Trunck darvon eingenommen/ und ins Bett
warm nidergelegen/ kann auch etwas von einem Syrupo Melissophylli darzu genommen
werden/ so wird das Gifft desto mehr vom Hertzen getrieben.
(Der Blumen Safft in die Augen getropfft/ schärpfft das Gesicht.)
Von dem
gedistillierten Nägleinblumenwasser.
Wiewol die Nägleinblumen jre Krafft gantz leichtlich verlieren/ wann man
sie distillieret/ jedoch halten etliche darfür/ dz man sie in BALNEO MARIAE
gantz gelindt/ und gemachsam mit einem gelinden Kolfewer distillieren könne/
sonderlich wann man Kraut und Blumen zusammen nimbt/ und nit hart außbrennet: es
soll aber der Kolb und dz gantze Gefäß wol verwahrt seyn/ dieweil die Kräfften
der Blumen gantz subtiel/ und durch den Dampff leichtlich verschwinden können.
Diß Wasser ist gut zu den jnnerlichen Gliedern/ stärckt und kräfftiget dz Haupt
und dz Hirn/ thut wol dem blöden Gesicht: (Ist ein sehr kräfftig Augenwasser/
nit allein die flüssigen Augen zu trucknen/ sondern auch das Gesicht zu
schärpffen und läutern.
An die Schläff gestriechen/ stillet dz Hauptwehe/ nimpt den Schwindel
dess Haupts) mit einem Sawerampffer Safft oder mit dem Syrupo CE?O?.CITRI
eingenommen/ bekompt wol dem ohnmächtigen Hertzen/ und mit Ochsenzungen oder
Borragen-zucker eingenommen benimmt es dz Klopffen und Zittern deß Hertzens/
deßgleichen die Trawrigkeit so von so von verbranntem melancholischen Geblüt
verursacht wird: so thut solch Wasser auch dem Magen und der Mutter wol/ wie
davon in den SYRUPEN und CONSERVEN vermeldtet wirdt. (Bringet die
schmertzhafftigen Wunden der Nerven und Geleych wider zu recht/ die Binden
darinn genetzet/ und jeder Weilen solche Wunden darmit gewäschen.)
Nägleinblumen Wein.
VINUM
FLORUM CARYOPHYLLORUM.
Es wirdt auch ein guter Nägleinblumen Wein im Herbst zu bereytet: im
Sommer wenn die Graßblumen regieren/ soll man den rothen wolriechenden Blumen
samblen/ und außtrucknen/ so viel man derselbigen zueinem Wein haben wil/ als
dann soll man im Herbst ein kleines bereytes Fäßlein nehmen/ in dasselbige
äschern Spähn unnd die Blumen nacheinander legen/ guten Most darüber schütten/
unnd als dann verjähren lassen/ wie darvon im Wermuthwein vollkömlicher Bericht
gegeben ist: solchen Wein soll man hernach zum Gebrauch behalten. Dieser Wein
ist zu allen oberzehlten Gebrechen nützlich und gut/ sterckt das Hirn und das
Haupt/ und ist gut wider alle kalte Gebresten desselbigen: Jst gut den
ohnächtigen Menschen so durch langwirige Schwachheiten mat unnd krafftloß worden
seyn/ bekompt wol dem kalten Magen/ und der blöden Mutter/ je zun Zeiten ein
guten Trunck gethan.
Conserven
Zucker von Nägleinblumen.
CONSERVA
FLORUM CARYOPHYLLORUM.
Es werden auch die Nägleinblumen mit Zucker eingemacht/ so man CONSERVAM
nennet/ also: Man nimpt ein Theyl der besten wolriechenden Blumen/ schneydet
dieselbige von jhren Nägeln ab/ (laß ein Nacht zwischen gedoppeltem leinen Tuch
verdeckt/ ein wenig verwelcken/ ) Darzu thut man drey Theyl Zucker/ etliche aber
nehmen ein Theil Blumen und zwey Theyl Zucker/ stoß dieselbige wol in einem
steinern Mörser/ thut sie darnach in ein Glaß/ verwahret dasselbige wol/ und
läst es eine Zeit lang an der Sonnen stehen/ (unnd rührt es alle Tag wol umb/
dann behalt es zum Gebrauch.) Wenn die Blumen zu trucken seyn/ sollen sie mit
dem gebrennten Wasser/ oder Betonienwasser im Stossen etwas befeuchtet werden.
Man kann auch die Blumen im Mörser erstlich wol zerstossen/ darnach den Zucker
darzu thun/ und also durcheinander stossen.
Von solchem eingemachten Zucker gessen/ sonderlich in hitzigen Febern/
gibt dem Hertzen grosse Krafft. Es hat auch solcher Zucker ein sonderliche
wunderbarliche Art das Gesicht zu stärcken: wie er dann auch dem (kalten
flüssigen) Haupt und dem Hirn fürnemblich gut und anmühtig ist. (Dann es wird
davon gestärckt/ und die Sinn/ Vernunfft und Gedächtniß dadurch bekräfftiget.
Jst ein köstliche Artzeney für allerley Vergifft/ sonderlich in Zeiten der
Pestilentz/ unnd vergifften Lufft genossen. Etlich aber haltens für ein
sonderliche Artzeney denen/ so mit der fallenden Sucht behafftet seynd.) Uber
das so kompt solche CONSERVA dem Magen gar wol/ fürdert die Däuwung dasselbigen/
thut jhn gemachsem erwärmen/ stillet dz Würgen (Brechen/ ) und ist gut für den
Durchlauff DIARRHOEA genennet. Jn den starcken hitzigen Febern neme man deß
eingemachten Violenzuckers/ Borragen und Nägleinblumenzucker/ jedes gleich viel/
thue dazu ACETOSITATIS CITRI, oder SUCCI GRANATORUM ACIDORUM, daß es wie ein
Latwerglein werden/ darvon soll der Krancke stätigs essen/ dieses löschet die
Hitz unnd stärcket das Hertz. So ist auch solcher eingemachter Zucker den
Schwangern Frawen nicht schädlich/ dann er fürdert die Geburt ohne Schaden. Jst
auch gut die schwache blöde Mutter zu stärcken/ fürdert die verstandene Zeiten
der Weiber: sonderlich so man in mit Peonien Rosen Zucker vermenget und ein
Trüncklein Beyfußwasser oder Poleyenwasser darauff eintrincket.
Nägleinblumen Syrup.
SYRUPUS
FLORUM CARYOPHYLLORUM.
Es kann von Nägleinblumen ein guter und nützlicher Haußsyrup gemacht
werden/ auff solche Weiß: Nimb der besten wolriechneden Nägleinblumen/ wenn sie
in der besten Blüet seynd/ thue sie in ein zinnene Kandel oder verglasurten
Hafen/ geuß so viel heiß Wasser daruber/ daß es ein wenig uber die Blumen
streiche: darnach verwahre die Kandel wol/ also daß kein Dampff herauß kommen
kan/ laß also wol verwahret ein Stund oder acht stehen/ dann seyge das Wasser
ab/ trucke die Blumen wol hart auß/ und werffe dieselben hinweg. Darnach thue
andere frische Nägleinblumen/ in das vorige Gefäß/ mache das vorige Wasser
widerumb heyß/ unnd schütte dasselbige uber die frische Blumen/ wie zum ersten
geschehen ist/ das thue drey/ oder fünffmahl nacheinander mit andern frischen
Blumen/ nach dem man jhn gut unnd starck begehret: als dann nehme das gesiegen
Wasser/ thue darzu deß besten Hutzuckers/ wenig oder viel/ nach dem deß Wassers
ist/ laß also Zucker und Wasser uber einem gelinden Kolfewer gemachsam
auffsieden/ biß es dick wird wie ein schöner geleuterter Honig/ wenn er
erkaltet/ soll man in in ein Glaß oder verglasurtes Gefäß thun/ und solches wohl
verwahren: an Statt deß Zuckers kann man schönen geleuterten Honig nehmen.
Dieser Syrup ist ein sonderliche Hertzsterckung beyde in scharpffen
hitzigen Febern und in andern Schwachheiten/ darmit dz Hertz geschächt und matt
worden ist: (Stärcket die Leber und den Magen/ unnd erwecket die gebährende
Krafft Mann und Weibspersonen.) Er kann aber mit andern AQUIS CORDIALIBUS
eingenommen werden. Als in in hitzigen Schwachheiten nehme man Sawerampffer/
Seheblumen unnd Ochsenzungenwasser/ jedes vier loth/ deß Syrups von
Nägleinblumen drey loth/ solches under einander vermischet/ und dem Krancken
davon zu trincken geben: Wo aber kein Feber fürhanden/ kann man nemmen
CARDOBENEDICTEN Melissen und Roßmareinwasser jedes drey oder vier loth/
Zimmetwasser ein halb loth/ Nägleinblumensyrup zwey loth/ solche Stück in einem
Becherlein vermischen und darvon trincken/ stärcket das Hertz und dz Haupt
sichtbarlich. So wirdt auch an etlichen Orten in den wolbestelten Apothecken ein
SYRUPUS CARYOPHYLLORUM zugerichtet/ so zu obgemeldten Gebresten sehr gut und
dienlich ist.
Nägleinblumen Oel:
OLEUM
CARYOPHYLLORUM.
Auß den Nägleinblumen wirdt auch ein nützlich Oel bereitet: Man nimbt ein
gut theil Graßblumen/ nach dem man deß Oels viel haben will wirfft die in ein
Glaß/ darüber schüttet man rein lauter Baumöl/ also daß das Oel ein wenig uber
die Blumen streiche/ darnach setzet man das Glaß eine zeitlang in die Sonne:
Will man das Oel besser haben/ so nehme man die vorige Blumen widerumb herauß/
trucke sie wol hart auß/ darnach lege man widerumb frische Blumen in dz vorige
Oel/ und dasselbe zum dritten oder vierdten mal: Diß Oel wirdt fürnemlich
gelobet wider die Biß der rasenden Hunden unnd Schlangen stich/ (heylet auch die
flüssige löcherte Schäden und Fisteln/ darein gethan.) Deßgleichen zum
Magenwehe/ ein Sälblein darauß gemacht/ und den Magen damit geschmieret/ also
auch gebraucht/ ist gut wider den Wehthumb der Mutter/ nemlich wann man neme
gelb Näglein Oel/ OLEUM CHEIRINUM genannt/ Chamillen Oel/ jedes ii. Loth/ alt
Genßfett ein Loth/ Wachs so viel für ein Sälblein gnug ist/ mit solchem Sälblein
sollen sich die Weiber auff dem Creutz deß Rücks/ daß sie dz stechen und
schmertzen befinden/ wol schmieren. Sie sollen aber zuvor ein FOMENTUM oder
Bähung auß Chamillen/ Bappeln/ Eybisch/ Beyfuß/ Calaminthen und Osterlutzey
gemacht/ gebrauchen/ unnd sich alsdann so baldt mit gedachtem Sälblein
schmieren/ darnach ein Sewblasen uber den geschmierten Ort binden/ damit das Oel
von den Kleydern nicht so baldt möge abgewüschet werden. Es lindert auch das
Nägleinblumenoel die Schmertzen/ so sich in den Gewerben der Glieder verhalten/
offt darmit geschmieret.
Nägleinblumen Essig.
ACETUM
FLORUM CARYOPHYLLORUM.
Man machet auch einen herrlichen guten Essig von den Nägleinblumen/ auff
solche Weiß. Man nehme gutes scharpffen Weinessigs ein Maß/ darinn thu man ein
gut Theil Nägleinblumen/ die zuvor am Schatten außgetrucknet seyn/ (oder
zwischen leinen Tüchern ein wenig verwelcket/ ) etliche nehmen zwölff Untz
Blumen (vier Pfundt) zu einer Maß Essig) thue dasselbig in ein Glaß/ stelle es
an die Sonne/ oben wol verwahret darmit kein Dampff herauß komme/ fast vier
Wochen lang. Will man jhn stärcker und kräfftiger haben/ so nehme man die vorige
Blumen/ wenn sie verbliechen seyn/ widerumb herauß/ und thue andere frische
hinein. Dieser Essig hat viel guter Tugendt bey sich. Wenn ein Mensch in
Ohnmacht fellt/ so nehme man dieses Essigs/ bestreiche jhm darmit die Nase unnd
Pulsadern/ so wirdt jhm baldt widerumb geholffen/ oder ein Federlein darinn
genetzt/ und in die Nasen gestossen/ hilfft dem Krancken baldt widerumb auff.)
Auch nehme man dieses Essigs ein Theyl/ thue darzu ein wenig gantzen Saffran/
zerstossen Weckholderbeeren und ein wenig Brodts/ mische diese Stück zusamen/
leg sie auff ein klein dreyfachs leinen Tüchlein und schlage solchs der
schwachen ohnmächteigen Personen uber die Pulsadern/ wenn es trucken worden/
soll es mit bemeltem Essig widerumb befeuchtet werden/ solchs Auffschläglein
gibt dem Hertzen grosse Krafft/ wegen der ARTERIEN so sich vom Hertzen dahin
ziehen. So ist auch dieser Essig trefflich gut/ wider die böse gifftige
Pestillenzische Lufft/ so man die Hände und das Angesicht damit besprenget. (Mag
auch in der Speiß auff mancherley Weiß gebraucht werden.)
Deßgleichen kann man in hitzigen Febern ein solch EPITHEMA CORDIALE mit
diesem Essig zurichten: Man nehme Rosenwasser acht Loth/ Sawerampffer und
Borragenwasser jedes ii.loth/ gantzen Saffran ein halben Scrupel/ Campher drey
Gerstenkörner schwer/ Nägleinblumen Essig 2.loth/ solche stück durch einander
vermengt/ drey oder vierfache Tüchlein darinn genetzet/ unnd uber das Hertz
gelegt/ löschet nicht allein die unnatürliche Hitz deß Hertzens/ sondern gibt
demselbigen auch grosse Krafft: Etliche thun darzu die SPECIES DIAMARG.FUGIDI,
DIAGEMMAE, PULU. SANTALORUM, &c. Jedes fast ein Scrupel oder zween/ sollen dem
Hertzen grösser Krafft geben. Es sollen der bemeldte Tüchlein offt widerumb in
den Wassern unnd Essig feucht gemacht werden unnd auffgeschlagen. So thut auch
dieser Essig dem Haupt gar wol/ die Schläff damit bestrichen/ soll aber mit
Rosenwasser vermengt wereen. Oder ein Brodt darmit besprenget und stättigs daran
gerochen.
VON
WILDEN NÄGLEINBLUMEN.
Die wilde Näglein werden
also genennet/ dieweil sie von sich selbst auff Wiesen unnd ungebawten Feldern
herfür kommen/ ohne einen Geruch/ oder dieweil etliche auff Bergen und in Wälden
erfunden werden.
(Von den Dondernäglein halte ich seye zu verstehen GALENUS 5. TUEN. SAO.
da er anzeigt daß SAXIPHRAGO den Stein breche/ welches GALENUS auch von der
BETONICA so in GALLIA wechst bezeigt. Villeicht ist auch THEOPHRASTUS zu
verstehen/ da er IOVIS FLOREM erzehlet under den Blumstauden so kleine Blätter
haben/ deren Blum keinen Geruch haben/ und allein zu den Kräntzen gebraucht
werden.)
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung unnd Eygenschafft der wilden Nägleinblumen.
Es werden die wilden Nägleinblumen auch in der Artzney gebraucht/
fürnemlich so auff den Wiesen unnd Feldern wachsen/ als da seyn die
Dondernäglein unnd Mutwille. Sie werden aber fürnemlich zu den Gebresten der
Nieren unnd der Blasen angewendet/ darzu der außgedruckte Safft gerühmet wirdt/
daß er den Lendenstein mit dem Harn außtreibe unnd auch zermahle/ wenn man
desselbigen zween oder drey Löffel voll eintrincke: Da aber bemeldter Safft mit
Hauwhachelwasser oder Zisererbsenbrühe/ oder Peterselienbrühe eingenommen würde/
würcket er so viel desto kräfftiger. Wie aber bemeldter Safft soll bekommen
werden/ ist zuvor angezeigt. Zu bemeldten Gebrechen der Nieren wird auch das
ausgebräudte wasser der wilden Nägleinblumen gebrauchet/ unnd fürnemblich so man
vier loth deß Wassers/ ein loth Hauwhachelwasser und zwey loth bemeldtes Saffts
undereinander mischet unnd solchen Tranck etlich Tage nacheinander eyntrincket.
Man haltet auch die Gauchblum für ein bewert Mittel allerhandt Gifft auß
zutreiben.)