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MEERFENCHEL / SEEFENCHEL
Crithmum maritimum - Umbelliferae
VON DEM BACILLENKRAUT.
Der
Bacillen oder deß
Meerfenchels beschreibt DIOSCORIDES LIB.2.CAP.115. nur ein Geschlecht/ welches
gleichwol von COLUMELLA unnd andern in zwey Geschlecht abgetheilet wirdt/ wie
wir hernach anzeigen wöllen. Wir haben heutiges Tages dieser Bacillenkreuter
vier underschiedliche Geschlecht/ nemblich drey die vor sich selbst an der See
oder am Meer wachsen/ unnd eines das bey uns in den Fruchtfeldern wächset.
l. Das erst Geschlecht deß
Bacillenkrauts dessen DIOSCORIDES an dem gemeldten angezogenen Ort/ unnd PLINIUS
LIB.26.CAP.8. gedencken/ hat drey oder vier weisse Wurtzeln/ Fingers dick/ eines
lieblichen Geruchs unnd Geschmacks. Das Gewächs ist staudelechtig/ allenthalben
voller Bletter/ wird fast einer Elen lang/ die Bletter seynd feyst unnd dick/
wie die Bletter deß
Burtzelkrauts/ seyndt doch viel länger/ eines gesaltzenen Geschmacks. Es bringet
oben am Stengel unnd seinen Nebenzweyglein weisse Blümlein auff Krönlin wie das
Roßmarinkraut
LIBANOTIS, der ist wolriechend. Es wächst bey der See oder bey dem Meer in
steinechtigem Grundt/ bey uns zielet mans auch in den Gärten/ unnd wächst schön
und gern in einem jeden gebauwenen Grundt: Jst in der Speß
zu nießen
dienlicher/ unnd am Geschmack lieblicher unnd anmütiger/ dann das wild.
Derowegen es auch PLINIUS und COLUMELLA von dem wilden sonderlich underscheiden/
unnd es BATIM HORTENSEM oder BATICULAM HORTULANAM nennen/ zum underscheid deß
andern.
ll. Das zweyt Geschlecht hat auch ein weisse und zasechtig Wurtzel/
in der dick eines Fingers/ darauß
wachsen viel gerader Stengel/ die werden auff die anderhalb Elen lang/ die seind
mit vielen schmalen/ langechtigen feysten und dicken Blettern besetzt/ ie ein
gesetz oder reyhe nach der andern/ und under einem jeden gesetz gehet ein
langes/ schmales Blettlein herfür/ das ist zweymal so lang als die andern
Bletter/ die seindt alle am Geschmack gesaltzen wie die Bletter deß
vorigen. Oben am Gipffel der stengel wachsen herfür schöne geel gestirnte
Blumen/ dem Rindtsaugenkraut oder Sternkraut ähnlich. Es wächset wie das vorige
bey dem Meer an den Staden unnd sandechtigen Orten.
lll. Das dritte Geschlecht hat eine lange Wurtzel der Pastenachen
die man Hirtzpastenachen nennet ähnlich/ eines guten unnd lieblichen Geschmacks/
derowegen sie auch wie dieselbig in der Speiß
gebraucht wirdt/ die Bletter seindt dem ersten Geschlecht fast ähnlich/ seindt
aber schmäler unnd mit tiefferen Schnitten zertheilt/ fornen scharpff und
spitzig/ eines versaltzenen unnd hitzigen Geschmacks. Der Stengel ist auch
lenger/ safftiger und steiffer dann der Stengel deß
ersten Geschlechtes und mit Gewerben oder Gleychen underscheiden/ die bringen am
Gipffel drey oder vier Nebenzweyglein/ auff deren jeden wächßt
ein Dolden mit weissen Blümlein/ wann die abfallen so folget hernach ein Samen
der sich fast der Gestalt halben mit dem Fenchelsamen vergleichet/ der hat einen
guten unnd lieblichen Geschmack wie die Wurtzel. Es wächst auch dieses Kraut an
den obgemeldten orten bey dem Meer/ und lasset sich auch gern pflantzen/ wie das
erst geschlecht.
lV. Das vierdt Geschlecht hat ein fast lange Wurtzel/ am obern theil
Fingers dick/ die vergleicht sich der Wurtzel der Brackendistel oder Mannstrew.
Es gewinnt lange/ schmale/ rauhe Bletter/ von Farben schwartzgrün/ die seindt
zerspalten wie die Bletter der wilden Christwurtz/ unnd geringsherumb auff
beyden Seiten zerkerfft wie ein Sichel. Die Bletter die oben nahe bey dem
Gipffel stehen seindt kleiner und kürtzer/ und ist ein jedes Hauptblat in zwey
oder drey Nebenbletter zertheilet. Der Stengel wird fast zweyer Elen hoch/ der
ist knodechtig oder mit Gewerben underscheiden/ dünn und rund: am Gipffel
erscheinen im Hewmonat schöne weisse Dolden/ wann dieselben vergehen/ folget
hernach ein langlechtiger Samen/ dem Peterleinsamen nicht fast ungleich/ allein
daß
er lenger ist/ der ist am Geruch wolriechend unnd scharpff. Es wächst dieses
Krauts gar viel in Teutschlandt/ sonderlich am Rheinstrom/ in den Fruchtäckern/
under dem Getreyde/ deßgleichen
an den Rechen oder Reynen der Aecker und neben den Strassen.
Von den Namen der Bacillen und seiner Geschlecht.
Der
hochgelehrt und weitberümbt GUILIELMUS RONDELETIUS haltet den Meer oder See
Bacillen vor das EMPETRUM DIOSCORIDIS, und wiewol es fast gleiche Krafft und
Wirckung mit dem EMPETRO hat/ daher es dann auch den Namen EMPETRUM MARINUM von
den Kreutlern bekommen hat/ zu underscheidt deß
EMPETRI DIOSCORIDIS, so ist es doch nicht das wahre EMPETRUM, das DIOSCORIDES
LIB.4.CAP.159. beschreibet/ wie wir an seinem Ort anzeigen wöllen.
Es ist aber das Meerbacillenkraut/ das wir in der ersten Stell beschrieben
haben/ das wahre CRITHMUM das DIOSCORIDES LIB.2.CAP.115. BESCHREIBET. Lateinisch
heisset es CRITHMUS oder CRITHMUM, CRITHAMUM und CRETHMUM. Von den Kreutlern
wirdt die Bacillen heutiges Tages genannt/ FOENICULUM MARINUM, PETROSELINUM
MARINUM, HERBA DIVI PETRI, CRETHANUS MARINI, SAMPETRA, BATIS MARINA, und VOGUIS
AQUILAE, Von PLINIO wirdt es BARIS genannt/ von den Apoteckern CRETHA MARINA und
SALSA MARINA. PETRUS CRESCENTIENSIS nennet dieses Gewächß
RINCUM MARINUM. Hochteutsch/ Meerfenchel/ Meerbacillen/ und Meerpeterlein.
2. Das zweyte Geschlecht deieses Krauts/ hat keinen anderen
Underscheid von diesem ersten/ dann das dieses in den Gärten gezielet wird/
welches dann durch die Pflantzung viel milter/ und zur Speiß
anmütiger wird. So dargegen der ander wild/ beyde am Geruch unnd Geschmack
nimmer so lieblich und angenem ist. Dieses wird von PLINIO BATIS HORTENSIANA
genannt/ und ASPARAGUS GALLICUS: von COLUMELLA, OLUS CHORDUM: von den Kreutlern/
CRETHINUS SATIVA,CRETHANUS HORTULANA,BATICULA und BACILLA. Teutsch/ Bacillen/
Bacillenkraut/ und Garten Bacillen.
ll. Das ander Geschlecht der Bacillen/ wird von den Kreurtlern/
CRITHMUM CHRYSANTHEMUM, CHRYSANTHEMUM LITTOREUM, und ASTER ARTICUS MARINUS
genannt/ allein seiner Blumen halben/ die dem CHRYSANTHEMO und ASTERI ARTICO
gleich ist/ und seynd solche Namen den Kreutlern zu zulassen/ sintemal sie jhnen
nicht die schlechten Namen ASTERIS unnd CHRYSANTHEMI geben/ sondern setzen zum
Underscheid deß
wahren CHRYSANTHEMI und ASTERIS die Zunamen darzu/ dardurch sie von den andern
underscheiden können werden.
Hochteutsch/
Meersternkraut und geel Bacillen.
lll. Das dritt Geschlecht der Bacillen/ wird von wegen der
stachelechtigen Bletter von den Kreutlern CRITHMUM SPINOSUM , und PASTINACA
MARINA genannt/ dieweil die Wurtzeln dieses Krauts ein guten lieblichen unnd
süssen Geschmack haben/ und wie die Pastenachen in der Speiß
gebraucht werden. Hochteutsch/ Meerpastenach/ und stechend Bacillen/ das ist/
BATICULA SPINOSA.
lV. Das vierde Geschlecht der Bacillen/ wird von den Kreutlern
genannt CRETHANUS ARVENSIS, CRITHMUS ARVENSIS, CRITHAMUS TERRESTRIS, und
FALACARIA HERBA. Teutsch/ Sichelkraut/ Sichelmöhren/ Ackerbacillen und
Feldbacillen. Wie solches bey den Alten genannt worden/ ist niemands bewust.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Bacillenkreuter.
Die drey ersten Geschlecht der Bacillenkreuter/ und sonderlich der
Meerfenchel/ haben alle ein versaltzenen geschmack mit einer bitterkeit/
derowegen haben sie eine Krafft zu trucknen und zu säubern. Das zam Geschlecht
der Bacillen ist dienlicher zur Speiß
zu gebrauchen dann zur Artzeney. Wann auch diese Kreuter zum gebrauch der
Artzeney begert werden/ soll man nicht die zamen/ sondern allwegen die wilden
verstehen/ sintemal sie kräfftiger deynd als die zamen. Das letzte Geschlecht/
Sichelkraut genannt/ hat ein mittelmässige Wärmbde/ eröffnet/ machet subtil/ und
trucknet nicht wenig/ sonderlich aber die Wurtzel und der Samen.
Jnnerlicher
Gebrauch der Bacillenkreuter.
Der Meerfenchel ist von den Alten rohe und gekocht in der Speiß
wie andere Kochkreuter oder Gemüß
gessen worden. Deßgleichen
haben sie denselben auch eyngemacht mit Saltz und Essig/ und den uber Jahr zum
Gebrauch behalten. Welcher Gebrauch auch noch auff den heutigen Tag in
Franckreich/ Seeland/ und andern mehr Orten/ wie auch in etlichen Oertern
Teutschlands behalten und auff uns geerbet ist. Jn der Provintz Franckreich und
Languedock/ da dieses Kraut an den sandechtigen trucknen Orten deß
Meers uberflüssig wächst/ wird es obgemelter massen in grosser menge eyngemacht/
und in Fäßlein
zu uns gebracht/ welches nicht allein in der Speiß
genossen dienlich ist/ sondern es ist auch ein treffentliche Artzeney vor die
Harnwind und das tröpflingen harnen. Es vertreibt die Geelsucht/ bricht den
Nierenstein/ und bringt den verlornen Appetit wider/ wann mans vor anderer Speiß
isset/ so offt man den aber gebrauchen wil/ soll man den in lawlechtem Wasser
abwaschen/ darnach Essig und Baumölen darüber schütten/ und ein Salat darvon
machen/ oder aber mit anderer Speiß
essen.
Das zame Bacillenkraut aber ist in der Speiß
anmütiger zu gebrauchen/ das soll man uber Jahr zu behalten auf folgende weiß
eynmachen. Samle deß
Bacillenkrauts/ ehe dann se zur Blüth und zum Samen geschossen ist/ ein gut
theil nach dem du viel oder wenig eynlegen wilt/ neme die dicksten Stengel mit
deinen feysten Blettern/ wäsche die fein sauber/ daß
der Sand und Erdreich hinweg komme/ darnach leg sie auff ein sauber Tuch/ lasse
sie drey Tag darauff ligen/ daß
sie im Schatten ein wenig welck werden/ nimb ein bequemes Fäßlein/
bestrewe sen Boden mit Saltz/ darnach leg ein Lege deß
gemelten Krauts darauff/ strewe wider Saltz darüber/ so viel von nöten ist/ und
das thue so lang/ also/ daß
du ein Leg umb die ander/ wie gemeldtet mit Saltz bestrewest. Wann nun das Fäßlein
voll ist/ so schütt ein guten Weinessig darüber/ oder so du lieber wilt/ so nimb
halb Essig und halb Agrest/ stelle darnach das Fäßlein
an einen trucknen Ort/ darmit das eyngelegte Kraut allezeit in der Brühe bleibe/
unnd nicht verderbe/ so mastu ein saubern Teller oder Schifferstein darauff
legen/ unnd mit einem Stein beschweren. Wann du nun darvon brauchen wilt/ soltu
nicht mit den Händen dareyn greiffen/ sondern allwegen mit einem Löffel oder
anderen bequemen Jnstrument/ jedes mal so viel herauß
nemmen als du bedarffst/ sonst verdürbe das Kraut mit einander. Auff solche weiß
kann man auch alle andere Kreuter/ Blumen unnd Wurtzeln eynlegen/ und zum
gebrauch behalten.
Der Gartenbacillen/ also rohe wie er an jhm selbst ist/ mit Essig
oder Agrest/ Baumöle unnd ein wenig Saltz zu einem Salat gemacht/ unnd vor
anderer Speiß
gessen/ erwecket den Appetit/ unnd bringet Lust zum essen. Den mag man auch mit
andern Salatkreutern vermischen/ unnd obgemeldter massen geniessen.
Gartenbacillen in der Speiß
mit anderm Gemüß/
auch mit dem Fleisch unnd Hünern gekocht/ ist fast dienlich den Geelsüchtigen/
und denen so mit dem Grieß
unnd Stein beladen seynd/ die Lenden unnd Nieren schmertzen haben/ Jn summa es
dienet wider alle Gebrechen der Nieren unnd Blasen. Die Speisen mit der gemelden
Bacillen bereyt/ seynd den unfruchtbaren Weibern ein köstliche Artzeney deßgleichen
denen so die Mutter mit faulem Schleim und anderm Unrath beladen. Sie seynd auch
denen dienlich/ die von wütenden Hunden gebissen seynd/ deßgleichen
die den grünen Siechtagen haben/ und den Weibern denen die natürliche
Monatblumen verstopfft/ oder sonst dieselbigen nicht recht und genugsam haben.
Wer das gemeld Kraut viel gebraucht dem macht es ein schöne natürliche und
Lebliche Farb.
Die Wurtzel der Bacillen/ deßgleichen
auch die Bletter unnd den Samen in Wein gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe
deß
Morgens unnd Abends getruncken/ treibet den Harn/ eröffnet die verstopffung der
Lebern/ führet auß
die Geelsucht/ löset auff die verstopffung der Nieren und Blasen/ reyniget die
Harngäng/ treibet auß
Grieß
und Stein/ vertreibt das Lendenwehe/ die Harnwinde/ und das Tröpfflingen Harnen/
und fürdert die Weibliche Monatblumen. So der Mensch Hitzig oder ein Feber
vorhanden/ oder aber sonst keinen Wein von Natur trincke/ mag er die gemelde
Wurtzel/ Kraut oder Samen/ in Bier oder Wasser sieden/ unnd gleicher gestalt
brauchen.
Ein Handvoll Bacillenkraut das grün unnd frisch ist/ inn einer Hüner
oder Fleischbrühen gesotten/ unnd die Brühe deß
Morgens oder Abendts ein Stund vor dem Jmbiß
warm getruncken/ erweichet den Bauch/ unnd machet sanffte Stulgäng. Das thun
auch die Bletter so man sie mit einer Fleischbrühen kochet wie ein Müßlein/
unnd dasselbig anfangs Essens isset/ solche Speißlein
macht auch ein klar unnd hell Gesicht/ derowegen die so dunckel Augen unnd ein
blödes Gesicht haben/ sollen jhnen die Bacillen lassen befohlen seyn/ Süplein
oder Müßlein
darvon machen/ oder in andere weg in der Speiß
nützen.
Bacillensamen zu Pulver gestossen/ unnd dieses Pulvers ein Loth mit
Wein zertriebne unnd warm getruncken/ treibet auß
den Lendenstein/ und legt den Schmertzen der Lenden unnd der Nieren.
Wann einem Pferd die Augen und Nasen rinnen/ sol man jhme das
Bacillenkraut ein gut theil klein zerschnitten mit dem Futter zu essen geben/
Oder man sol die Wurtzel/ Kraut oder Samen/ wie man es haben kan/ klein stossen/
und ein viertheil eines Pfunds mit warmem Wasser zertrieben/ dem Rossz
einschütten. Diese Artzeney dienet auch dem Rindviech wider gemeldten Gebrechen/
gleichfalls gebrauchet/ oder mag man das gestossen Pulver demselbigen mit Saltz
vermischt zu lecken geben.
Eusserlicher gebrauch deß
Bacillenkrauts.
Wider den schmertzen deß
Steins: Nimb Bacillenkraut/ Brunnenkreß
und Bingelkraut/ jedes gleich viel und ein gut theil/ zerschneid sie und thu sie
in ein Säcklein/ und legs so warm uber als man es leiden kan/ es bringt gute
ruhe.
Bacillenkraut mit ein wenig Wein unnd Buttern oder Baumölen in einer
Pfannen geröschet/ darnach zwischen zweyen Tüchern so warm man es leiden kan/
uber die Scham geschlagen/ treibet fort den verstandenen Harn/ unnd vertreibt
die Harnwinde und das Tröpfflingen harnen/ unnd ist ein besonder Experiment.
Bacillenkraut gesotten/ unnd wie ein Pflaster uber die Scham unnd
Schloss gelegt/ ist ein gute Artzeney wider die Harnruhr/ DIABETEM.
Das Kraut in Dampffbädern oder Lendenbädern gebrauchet/ fürdert den
Weiblichen Monatblumen/ reiniget die Mutter/ führet auß
den Stein/ und vertreibt den schmertzen der Lenden und der Nieren.