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PREUSSISCHES LASERKRAUT
VON DEM GALBENKRAUT UND SEINEM GUMMI
Das Galbenkraut ist ein Geschlecht deß Ferulkrauts/ welches allein wie DIOSCORIDES LIB.3.CAP.85. schreibet
in der Landtschafft Syrien wächset/ unnd ist dem Ferulkraut von gestalt fast gleich/ so viel sonderlich den gleychechtigen
stengel belanget.
Von dem Namen deß Galbenkrauts.
Das Galbenkraut heisset Lateinisch METOPIUM und FERULAE SYRIACA. Die Kreutler nennens FERULAM GALBANIFERAM.
Teutsch heisset es Galbenkraut/ und Syrisch Ferulkraut. Der Safft aber oder das Gummi heisset Lateinisch/ GALBANUM oder GALBANUS, STAGONNIS,
CHALBANUM, unnd von etlichen auch GALBINA. Die Kreutler nennens auch LACHRYMAM METOPIIM und FERULAE SYRIACAE LACHRYMAM.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Galbensaffts.
Der Galbensafft hat ein Krafft zu wärmen/ zu resoluiren/ zu digeriren/ zu erweychen unnd an sich zu
ziehen. Er ist warm im anfang deß dritten/ oder im end deß zweyten Grads/ und trucken im anfang deß zweyten. Wirdt innerlich
und eusserlich zu vielen Leibsgebrechen heylsamlich gebraucht.
Jnnerlicher Gebrauch deß Galbensaffts.
Galbensafft ist gut eyngenommen wider den alten Husten/ kurtzen und schweren Athem/ wider das Keichen
wider die Brüch und den Krampff. Mit Myrrhen und Wein getruncken/ widerstehet er dem Gifft TOXICO, darmit man die Pfeil vergifft.
Gleicher massen getruncken/ treibet er auß Mutterleib die todte Geburt. Er ist auch gut wider die Harnwinde unnd das schwerlich
harnen. Den Galbensafft eynzunemmen und zu den Geträncken zu brauchen/ wird er zerlassen wie DIOSCORIDES sagt/ mit bitter
Mandelkernen oder Rauthen/ oder Wasser/ oder Honigwasser/ oder warmem Brodt.
Bereyten Galbensafft zu kleinen Pillulen formirt/ und dieselben also gantz verschluckt/ ist ein heylsame Artzeney/ wider den
Husten und das Keichen.
Vor den Husten der von dünnen subtilen Flüssen verursacht wird: Nimb Galbensafft der gereyniget sey/ deß wolriechenden GUMMI
STYRACIS, sonst STORAX genannt/ deß auffgetruckneten Magsatsaffts OPII, außerlesenen Myrrhen/ jedes gleich viel ein Loth/ oder
ein halb loth/ nach dem du viel oder wenig machen wilt/ stoß und zerlaß diese Stückwol in einem warmen Mörser/ und gieß
jererweilen ein wenig Bastartwein/ oder von einem andernsüssen oder gesottenen Wein zu/ unnd das thue so lang/ biß daß du
gemelte Stück in harten Teyg gebracht hast/ darauß mache darnach PILULAS in größ der Erven oder Wicken. Darvon gib dem
Krancken wann er zu Beth gehen wil/ drey zu verschlucken/ und lasse jnen ein Löffel voll drey oder vier gutes gesottenes Weins
darauff trincken/ das wird beyde die Flüß und den Husten gewaltig stillen/ dann es ist ein Experiment in diesem fall.
Eusserlicher Gebrauch deß Galbensaffts.
Der Dampff deß angezünden Galbensaffts in die Scham der Weiber empfangen/ bringet die verhaltene
Monatblumen der Weiber/ und treibet fort die Frucht. Dergleichen wirckung hat er auch/ wann man ein Mutterzäpfflein darauß
machet/ und in die Mutter thut.
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die Schlier und Brodtgeschwer(PANOS oder PANICULAS) zu erweychen unnd zu heylen: Nimb Galbensafft/ Pinhartz/
Wachs/ Bilsenkrautbletter/ Schweinenschmaltz das frisch und nicht gesaltzen seye/ jedes vier Untz. Das Pinhartz/ wachs und
Schweinenschmaltz/ zerlaß durcheinander/ thue darnach den Galbensafft mit Wein zerlassen darzu/ sampt dem gestossenen
Bilsenkraut/ vermisch es durcheinander wie ein Pflaster/ darvon streich auff ein Tuch und legs uber.
Galbensafftöle.
Auß dem Galbensafft wirdt ein köstlich Oele diatillirt/ welches fast hitziger Natur ist/ und in vielen
kalten Gebrechen heylsamlich zu gebrauchen. Galbenöle uber den Nabel gestrichen/ treibet gewaltig den verstandenen Harn/ unnd die
verstandene Monatblumen der Weiber. Ein Tröpflein oder zwey mit Wein getruncken/ treibet auß das eyngenommen Gifft/ vertreibet
das Keichen und den kalten Husten unnd die Engbrüstigkeit. Galbensafft uber Geschwer gestrichen/ zeitiget sie baldt. Jn die
Naßlöcher gestrichen/ ist gut wider den Schwindel und die fallende Sucht/ erwecket die Schlaffsüchtigen/ unnd die Weiber so von
ersticken unnd auffstossen der Mutter niderfallen. Mit Liebstöckelwasser vermischt unnd angestrichen/ macht ein schön weiß
Angesicht./ so man das von sich selbst lesset trucken werden. Jn die holen Zähn gethan/ legt den Schmertzen derselbigen. Dieses
Oele mit andern Salben unnd Oelen vermischet/ heylet den Hauptgrindt/ das Haupt offtermals damit gesalbet. Wie man aber solches
Oele künstlich bereyten sol/ findestu Bericht in unserm Distillierbuch.