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KLEIE
VON DER KLEYEN.
Dieweil wir hiebevor in dieser Section von allem Getreyd unnd desselben Meel so darvon gemalen wird gehandelt haben/ haben wir auch hie in diesem Capitel von den Kleyen etwas zu schreiben nicht underlassen wöllen/ damit diesem unserm Werck nichts mangele/ unnd wiewol wir auch bißweilen von jedem Getreyd der Kleyen auch etwas also obenhin gedacht/ soll das ubrig das biß daher gespart worden unnd zuvor underlassen ist worden/ jetzund erstattet werden/ sintemal die Kleyen in viel weg/ beide jnnerlich unnd eusserlich nutzlich in der Speiß unnd Artzeney mag gebrauchet werden/ ohn angesehen daß man deren wenig achtet/ unnd sie nur allein zu der Masteung deß Viehes vermeinet dienstlich zu seyn/ sonderlich aber die Schwein darmit feyst zu machen.
Von den
Namen der Kleyen.
Die Kleyen von einem jeden Getreyd oder Meel/ ist die grobe
Unreinigkeit desselbigen/ welche durch das beuteln von dem Meel abgesöndert
wirdt/ das heisset Lateinisch/ FURFUR. Hochteutsch/ Kleyen und Grüß.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Kleyen.
Es hat die Kleyen ein Natur unnd Eygenschafft abzuwüschen/ zu
säubern/ zu reinigen unnd zu erweychen/ unnd wird nützlich zu der Speiß
gebrauchet.
Jnnerlicher
Gebrauch der Kleyen.
Es wird die Kleyen nit allein zur Mastung deß
Viehes und der Schwein/ sondern auch zu der Speiß
nützlich gebrauchet/ und behaltet under derselben die Weytzenkleyen sonderlich
zum jnnerlichen Gebrauch das Primat/ wiewol die so von anderm Getreyd Meel
abgesöndert wird/ auch nit zu verwerffen ist/ dann gleich wie ein Frucht die
ander in der güte ubertrifft/ also ubertrifft auch die Kleyen so von derselbigen
Meel kombt/ je eine die ander.
Man bereytet auß
der Kleyen treffenliche gute Süpplein vor die Krancken: Man seudet dieselbig in
frischem Wasser biß
die Krafft wol heraus kompt und
ein dickechtigs brühlein gibt/ das zwinget man dann durch ein Tuch/ thut Butter
und Saltz/ jedes so viel genug ist dazu/ lassets miteinander auffsieden/ und
trägts den Krancken zu essen für mit oder one Brod/ nach dem die Gelegenheit deß
Krancken sich zuträgt. Etliche lassen ein klein wenig geriebelt Brossam von
Weißbrod mit dem gemelten Brühlein auffsieden zu einem dünnen Breylein. Solche
Speißlein nehren ziemlich/ setzen sich bald unnd halten den Leib offen/ werden
sonderlich höchlich in nachfolgenden Kranckheiten gelobt/ als in den Catharren
und Hauptflüßen in der heisserigkeit/ dem Halßgeschwer/ Husten/ schwerlichen
Athems unnd dem Keichen/ in allen innerlichen Apostemen/ in dem Seitenstechen
und Geschwer deß Rippfellins PLEURITIDE, ist sehr dienlich in den Kranckheiten
der Brust und Lungen/ deßgleichen in den Nieren und Blasengeschweren/ seynd
sonderlich gut denen so Eyter außwerffen/ bekommen wol in den hitzigen und
trucknen Febern/ in der Darmruhr unnd andern Bauchflüssen/ dann sie säubern unnd
reinigen die Därm von der scharpffen/ bösen Feuchten/ und heylet die Verwundung
derselbigen/ unnd miltern deren Schmertzen/ unnd bekommen sonderlich wol den
jenigen so mit der Leibwehe/ Krimmen und Därmgegicht beladen seynd.
So man aber haben will daß die gemelten Süpplein oder Breylein mehr
nehren unnd kräfftigen sollen/ mag man sie mit guter Hüner/ Capaunen oder
Fleischbrühen bereyten.
Wider die Entzündung/ Verletzung der Lungen unnd Lungensucht/ dienet
fast wol von der durchgeschlagenen Kleyenbrühen ein Breylein mit rein
gepülvertem Amelmeel unnd ein wenig Traganth bereytet/ dann es ist inn gemeldten
Gebrechen nicht allein ein Speiß/ sonder auch ein gute und bequeme Artzeney.
Ein Breylein von durchgeschlagener Kleyenbrühen/ Mandelmilch und ein
wenig Gerstenmeels bereitet/ unnd wol biß zu bequemer dicke gesotten/ ist ein
fast nutzliche und heilsame speiß vor das täglich Feber.
Ein Süpplein von durchgeschlagener Kleyenbrühen/ mit frischem
Mandelölen bereitet/ dienet fast wol wider den schweren und trucknen Husten.
Gerstenkleyen in Wasser oder Fleischbrühen wol gesotten darnach
durchgeschlagen/ unnd ein Brossam von einem Weißbrod darein geriebelt/ folgends
frischen Buttern unnd Zucker oder Honig/ jedes so viel genug ist/ sampt ein
wenig rein gepülverten Saffran darzu gethan unnd zu einem Breylein gesotten/ ist
fast nutzlich unnd heylsam den Keichenden unnd denen so ein schwewren Athem
haben/ jederweilen genutzet.
Ein ander gutes und kräfftiges Breylein bereit also: Nimb
Weitzenkleyen ein Handvoll oder ii. thue die in ein verglasurte Geschirr/
schütte ein warm wasser daruber/ laß verdeckt biß auff die acht stunden stehen/
zwings darnach durch ein Tuch/ thue so viel guter kräfftiger Mandelmilch darzu
so viel der Kleyenbrühen ist/ und ii. Löffel voll rein gepülvertes Amelmeels/
laß wol sittiglich mit einander rühren unnd wirff ein wenig Saltz darzu/ unnd
wann es genug gesotten/ so temperiers mit gepülverten Speißzucker nach deinem
Gefallen/ und gibs denen zu niessen denen die Brust verstopfft/ und die
Lungenröhrlein mit dickem unnd zähem Schleim gefüllt seynd/ dann es reiniget die
Brust und Lungen und macht wol außwerffen/ vertreibt auch also den alten bösen
Husten.
Wider den Husten: Nimb durchgeschlagene Kleyenbrühen zwo und
dreyssig Untzen/ guten Zucker und Jungfrawenhonig/ jedes zwo untzen/ laß
miteinander zergehen und ein wall oder vier auffsieden/ darvon gib dem Krancken
allen Morgen und Abend ein gemein Tischbecherlein voll zu trincken so warm als
er es trincken kan/ es hilfft sehr wol. Es mögen auch die jungen Kinder diese
Artzeney gebrauchen/ dann sie ist Lieblich unnd anmütig/ also daß man auch den
säugenden Kindlein/ jedes mal ein Löffelein voll darvon mit grossem Nutz geben
mag/ und dienet solches nicht allein wider den Husten/ sondern auch den Bauch
damit zu erweychen unnd den Stulgang zu fürdern.
Durchgeschlagene Kleyenbrühe mit Honig unnd süß Mandelölen das
frisch außgedruckt ist worden vermischet/ unnd Morgens unnd Abends/ jedesmal ein
Untz oder drey getruncken/ erweychet den Husten unnd machet außwerffen.
Durchgeschlagene Kleyenbrühe ein Becher voll genommen unnd warm in
einem Schüsselein zween frischer Eyerdotter zertrieben/ darzu gethan einer
Castanien groß frischen Buttern/ das (?????) darnach auff einen Hafen mit
siedendem Wasser (???) unnd lasen warm werden/ biß der Butter zergangen unnd
nicht sieden lassen/ dann so warm du es leiden kanst/ deß Morgens oder Abends
ein Stundt vor dem Morgen oder Nachtimbiß getruncken/ erweychet den verstopfften
Bauch unnd machet Stulgäng. Jst eine gute Artzeney denjenigen so schwerlich zu
Stul gehen/ unnd vor die so uber Feld reisen/ die man an allen Orten wo man hin
kommet bereyten kann.
Oder nim der durchgeschlagenen Kleyenbrühen ein Becher voll/
zertreib darinn ein halbs Tischbecherlein voll Baumölen/ unnd unnd zwoer oder
dreyer Baumnüß groß rohes Honigs/ vermischs durch einander und laß warm werden/
thue es darnach durch ein Clistierzeug zu dir und behalts eine stund oder
lenger/ so bringt es Stulgäng/ unnd ist eine Artzeney die ohne einigen schaden
zu jederzeit wann es die Notthurfft erfordert/ mag gebraucht werden.
Durchgeschlagene Kleyenbrüh durch ein Clistier warm zu einem gethan/
miltert dz Leibwehe und Krimmen. So aber der Schmertzen gar groß ist/ und das
Krimmen von kalter Feuchten herkompt/ die verstopffung auch groß ist/ so
zertreibe drey quintlein oder ein Loth deß GUMMI EUPHORBII zu einem subtielen
Pulver gestossen in der gemelten Brühen/ so vollbringet es seine Wirckung
kräfftiger.
Durchgeschlagen Kleyenbrühe allein vor sich selbst ein Pfund
ongefehrlich zu einem Menschen warm gethan/ das die Ruhr oder Därmruhr hat/
miltert den Schmertzen/ wäschet die scharpffe Feuchte ab/ unnd heilet die
Verwundung deß Maßdarms.
So einem mit Gifft vergeben wer/ oder sonst etwas gifftiges gessen
oder getruncken hette/ der nemme ein Becher voll warmer durchgeschlagener
Kleyenbrühen mit Baumölen ein/ und breche es bald wider von sich/ unnd trincke
die gemelten Brühe etlichmal also mit dem Oelen vermischet auff einander unnd
breche sie allwegen wider/ so wird jhme geholffen daß jhme das Gifft nicht
schaden mag.
So ein Rossz das Keichen hette unnd schlechtbäuchig were: Nimb ein
gute Handvoll rein gestossenen Kleyen unnd iii. Handvoll gepülvert Saltz/
zertreibe diese Stück mit weissem Wein/ machs warm unnd geusse es dem Rossz neun
Tag nach einander allen Tag einmal eyn/ durch ein Rohr/ so wird dem Rosz
geholffen.
Oder gib dem Rossz iii. Tag nach einander nichts anders zu essen/
dann truckne Rockenkleyen.
Wann ein Rossz ein Halsgeschwer hette/ so lasse jhm under der
Zungen/ unnd zertreib Kleyen in Wasser daß es ziemlich dick werde/ unnd gib es
dem Rossz zu trincken unnd sonst nichts anders biß es gesundt wirdt/ wann er es
aber anfenglich nicht trincken wil/ so lasse jhnen wol dürstig werden/ so wird
ers trincken.
So ein Rossz mager ist und nit zunemmen will ob es gleich Futer
genug hat/ so gib jhm Kleyen mit Weytzen vermischt zu essen/ und lasse es mit
sittiger Arbeit sich uben.
Wiltu daß die Hüner grosse Eyer legen/ so nimb ein Reutermäßlein
Kleyen/ unnd vermische ein Becher voll gepülverte Schneckenhäußlein darunder/
mach es mit Wein unnd gibs den Hünern zu essen. Etliche nemmen so viel
Gerstenkleyen und vermischen gepülverte Zigelstein an statt der
Schneckenhäußlein darunder/ rührens an mit Wein und gebens den Hünern zu essen.
Wilt du Capaunen feyst machen/ so steche jhnen die Augen auß und
bereit ein Aaß von Kleyen und halbgesottener Frucht/ mach ein Teyg darauß und
gibs jhnen zu essen und sonst nichts anders/ so werden sie in vierzig Tagen gut
und feyßt.
Gänß feyst zu machen/ soll man sie an einem warmen Orth halten/ unnd
vier theil Kleyen nemmen/ unnd ii.theil geröscht Gerstenmeel/ solches vermischen
und mit warmem wasser einrühren/ den Gänsen fürwerffen un nd sie essen lassen so
viel sie wöllen
/ und sie genug
lassen trincken.
Etliche pflegen die grossen Hund und Rieden mit Kleyen in Molcken
oder schmutzigen suppen eingerührt zu speisen/ darvon werden sie sehr feißt und
starck.
Mit Kleyen macht man auch die Schwein gut und mästet sie darmit auß.
Etliche fleissige Meyers Weiber pflegen den Schweinen Kleyen mit Käßmolcken oder
Spülwasser einzurühren zu einer Träncken und schütten solches in die Säuwtrög/
gewöhnen also die Schwein daß sie nit lang wann man sie von der Weide treibet/
umbschweiffen oder hin und her lauffen/ sondern stracks zu jhrem Trog lauffen/
das erweychet jhnen auch die andere speiß/ welche sie den gantzen Tag auff der
Weide haben gessen/ ruhen darnach die Nacht uber desto besser auß/ und werden
nicht bald krank.
Eusserlicher Gebrauch der Kleyen.
Es wirdt die Kleyen auch Eusserlich zu vielen Leibesgebrechen beide
den Menschen unnd Vieh gebraucht/ darmit man wol so viel außrichten kann als mit
den allerköstligsten Artzeneyen.
Nun soll man mercken so offt wir in ein Pflaster oder folgender
Artzeneyen einen die Kleyen begeren unnd die gebrauchen/ sol allwegen rein
gepülvert und durchgesiebet Kleyen verstanden werden/ welches wir hiemit den
Leser vermahnet haben wöllen/ so kann ein jede Artzeney jhre Wirckung desto
besser vollbringen.
Kleyen ungestossen in ein Säcklein gethan/ warm gemacht und auff
das Haupt gelegt/ legt den schmertzen desselbigen von Kält und Frost verursacht.
Wieder die Schiepen auff dem Haupt: Nimb ein halbes Mäßlein gantzer
Kleyen/ thue die in ein Geschirr/ schütt frisch Brunnenwasser darüber/ daß die
Kleyen nur naß darvon werde/ lasse sie uber Nacht weychen/ deß Morgens reibe sie
wol mit den Händen/ unnd drucke den Safft oder Feuchtigkeit durch ein Tuch/ thue
darzu deß besten Weinessigs ein Becher voll/ laß sitiglich uber einem linden
Feuwerlein sieden mit stetigem rühren biß das dick wirdt wie ein Honig/ damit
bestreich das Haupt offtermals/ unnd wäsche es je uber zwölff Stunden mit warmem
Wasser/ darinnen Feigbonen/ oder Griechischhewsamen/ oder Mangoltkraut und
Wurtzel gesotten worden seye.
Wann einem das Haupt zerknitschet worden ist/ es sey von schlagen/
fallen/ stössen oder würffen/ so nimb reingepülvert Weitzenkleyen/ thu darzu den
drittentheil Schweinenschmaltz/ seude diese mit einander mit Trauffwein zu einem
Pflaster/ streiche darvon auff ein Tuch/ unnd lege es warm uber den Schaden.
Kleyen in Essig gesotten/ unnd das Haupt darmit gewäschen/
vertreibet die Schiepen und tödtet die Läuß/ rein gepülvert Kleyen mit
scharpffem Weinessig angestrichen wie ein Sälblein/ hat gleiche Wirckung. Diese
Artzeney gedencket auch der Poet SERENUS LIB.DE RE MED.C5. in folgendem
<verßlein/ da er also spricht:
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Kleyen zu reinem Pulver gestossen/ und mit Honig zu einem Pflaster temperirt/
heylet die eyternde Bläterlein unnd Geschwerlein deß Haupts wie ein Pflaster
ubergelegt.
Wider das sausen oder thönen der Ohren und Blödigkeit deß Gehörs:
Nimb Kleyen drey theil/ rote Rosen ein theil/ Wermuth ein halb theil/ seud diese
stück mit einander in Wein/ und schlage die warm uber die Ohren wie ein
Pflaster/ und erfrische solches offtermal.
Weitzenkleyen in Wasser wol gesotten/ unnd mit der durchgeschlagenen
Brühen den Halß offtermals warm gegurgelt/ vertreibt den Nasenpfnüffel.
Kleyen ein handvoll mit einem Eyerklar mit weissem Wein gesotten/
unnd mit durchgesigenen Brühen das Angesicht und Händt offtermals gewäschen/
macht dasselbige schön weiß und zarte glatte Hände.
Kleyen in Wasser gesotten/ biß das Wasser schlüpfferig wirdt/
darnach durchgesigen und mit Honig vermischet/ dient wider die gerschwer der
Zungen/ offtermals warm im nd gehalten/ unnd wann es kalt wirdt/ wider
außgespiegen/ wird darvon das Geschwer entweder zertheilet werden/ oder
auffbrechen.
Kleyen zwey Theil mit einem Theil zerschnittenem oder zerquetschtem
Süßholtz in Wasser gesotten/ unnd mit der durchgesiegenen Brühen den Mundt offt
warm gespület/ unnd eine zeitlang auch darinnen gehalten/ darmit auch den Halß
offtermals warm gegurgelt/ ist gut wider die hitzige Geschwer deß Mundts/ und
der Keelen/ unnd vertreibet alle hitzige Geschwulst.
Kleyen unnd Rosszhaar/ jedes ein Handtvoll auff einem heissen
eisenen Blech zu Pulver gebrannt/ solches darnach mit Honig zu einem sälblein
temperiert/ heylet die Schrunden deß Mundts oder der zerspaltenen Lefftzen/
dieselben offt damit angestrichen.
Kleyen in Wasser gesotten und die durchgeschlagene Brühe warm im
Mundt gehalten/ miltert das Zahnwehthumb von trückne verursacht.
Wider das Zahnwehe von Hitz verursachet: Nimb das Marck oder Fleisch
von süssen gescheelten Oepffeln gantz klein zu Muß gestossen vier loth/
vermische darmit sechs loth Kleyen/ gepülverten Saffran ein drittheil eines
Quintleins unnd Rosenöle zwey loth. Vermische diese stück und mach ein Pflaster
daraus/ das leg außwendig auff uber dz Ort da der schmertzen ist.
Kleyen in Meth oder Honigwasser gesotten/ und die durchgesigene
Brühe warm gegurgelt/ ist gut wider die rauhe Keelen und vertreibet die
Heisserigkeit.
Kleyen in Wasser gesotten biß die Brüh schlüpfferig wird/ darnach
durchgesiegen unnd mit Honig vermischet/ dienet wider das Halßgeschwer ANGINAM,
offtermals darmit warm gegurgelt.
Oder nimb rein gepülvert Kleyen ii. Handtvoll/ stosse die Bletter
wol/ thue darzu eines Eyes groß Schweinenschmaltz/ seudts miteinander mit Meth
oder Honigwasser zu einem Pflaster/ streich darvon auff ein Tuch/ legs warm
außwendig umb die Keelen/ und erfrischs täglich zwey mal/ und brauche das
obgemeldte Gurgelwasser daneben so lang biß das geschwer zeitig wirdt und
auffbricht.
Oder nimb rein gepülvert Weytzenkleyen und gepülverten weissen
Hundtsdreck von einem Hundt der Bein gessen hat/ jedes gleich viel/ mache mit
genugsamem Honig ein Pflaster daraus/ das lege obgemeldter massen umb die Keelen
so wirdt sich das geschwer zertheilen/ unnd solches ein gewiß Experiment.
Gerstenkleyen in warmem Weinessig gebeytzet/ darnach durchgeschlagen
unnd warm gegurgelt/ thut grosse Hülff in den gemeldten Halßgeschwer/ so mans
gleich im Anfang gebrauchet.
Gepülvert Kleyen in Wasser unnd Wein/ jedes gleich viel mit frischem
Buttern zu einem Pflaster gesotten/ ist gut wider die Entzündung der Lungen/
auff ein Tuch gestrichen und warm uber die Brust und Seiten gelegt.
Kleyen zu Pulver gestossen unnd mit Wasser unnd Butter zu einem
Pflaster gesotten/ vertreibet das Seitenstechen PLEURIUM, auff ein Tuch
gestrichen/ unnd warm ubergeleget/ Oder füll ein Säcklein mit Kleyen/ reihe es
kreutzweiß mit einem Faden/ daß die Kleyen nicht zusammen lauffe/ machs warm in
Weinessig/ drucks darnach mit zweyen Tellern hart auß dz es nicht mehr trieffe/
und legs warm uber das schmertzhafftig Ort.
Weytzenkleyen zu Pulver gestossen und mit Wein zu einem Brey
gesotten/ darnach auff ein Tuch gestrichen unnd wie ein Pflaster warm uber
gelegt/ ist gut wider die harte geschwollene Brüst der Weiber.
Gepülvert Kleyen vier Theil mit einem theil Weinrauthenpulver in
Essig gesotten/ zertheilet die gerunnene Milch in den Brüsten/ wie ein Pflaster
auffgelegt.
Oder seude gepülverte Weytzenkleyen mit Rauthenwasser/ und legs uber
wie ein Pflaster.
Wider den schmertzen deß Magens: Nimb Kleyen zwo Handtvoll/ Hirschen
der ein wenig gestampfft ist eine Handtvoll/ Saltz ein halb Handtvoll/ röschte
diese stück in einer eisenen Pfannen/ thue sie darnach in ein Säcklein/
besprenge das ein wenig mit fürnen Wein der den vierdten theil mit Rosenwasser
temperiert und gebrochen seye/ lege das warm uber den Magen/ und so es kalt wird
so wärme es wider auff einem heissen Ziegelstein mit dem obgemeldten Wein
besprengt/ legs wider uber/ und thu das so offt biß der schmertze nachlasset.
Die Durchschlechten oder Purpeln bald zu zeitigen unnd zu heylen:
Nimb Weytzenkleyen ein Handtvoll/ Mertzviolen/ Chamillenblumen/ jedes ein halb
Handtvoll/ Aloepatick ein loth. Seud gemeldte stück in gnugsamem Wasser den
dritten theil eyn/ seyhe es darnach durch ein Tuch/ netze leinine tüchlein
darinn/ und lege die warm uber die Purpeln/ so werden sie bald zeitig.
Wider die kalte Geschwulst der Wassersucht: Nimb grobe Kleyen iiii.
Handtvoll/ Saltz/ Pfefferkümmel/ Anißsamen/ Hirschen/ Steinklee/
Chamillenblumen/ jedes ii. Handtvoll. Alle gemeldte stück thu in einen bequemen
leininen Sack/ den reihe Rauthenweiß mit einem Faden/ wärme den auff einem
Zigelstein/ bespreng jnen dann mit Wein und lege den uber den gantzen Bauch so
warm du jhnen leiden magst/ so offt er auch kalt wirdt so wärme denselben wider.
Kleyen unnd Hirschen der ein wenig gestampfft ist/ jedes gleich viel
durcheinander gemischt/ in ein Säcklein gethan und den Bauch warm damit gebähet/
miltert den Schmertzen deß Krimmens/ so von windigen Blästen herkombt.
Ein Pflaster von Kleyen zu Pulver gestossen/ mit Wasser unnd
Baumölen gesotten/ unnd warm auff ein Tuch ubergeschlagen/ legt den Schmertzen
der Nieren/ welches auch der Poet SERENUS LIBR. DE RE MED. CAP.24. mit folgenden
Versen gedenckt:

Gemelte Artzeney dienet auch wider alle andere schmertzen unnd Wehethumb deß
Leibs sie seyen wo sie wöllen/ gleichfalls gebraucht.
Wider den Schmertzen der Nieren vom Stein verursachet: Nimb rein
gepülvert Kleyen vier Untzen/ Marck von Korbfeygen drey Untzen/ Foenigrecsamen/
Eybischwurtzel/ jedes vier Loth/ alles rein gepülvert/ Dillsamen gepülvert/
Beyfußpulver/ jedes zwey Loth/ Baumölen sechs Untzen. Alle gemeldte Stück soll
man mit genugsamen Wasser zu einem Pflaster sieden/ darvon soll man auff ein
Tuch streichen unnd uber die Nieren unnd Lenden warm legen. Man mag zu gemeldten
Gebrechen obgemelte Stück in ein langen Sack thun/ den in Bachwasser sieden/ ein
Lendenbad daraus machen/ unnd deß Tags zweymal/ jedesmal ein stund oder
anderhalb darinn baden/ unnd den Sack im Bad umb die Lenden winden.
Wider den verhaltenen Harn unnd das Schmertzlich harnen: Nimb
Weytzenkleyen vier Handvoll/ Eppichkraut oder Wassereppich ii. Handvoll/ seud
die in Wasser biß das wasser verzehrt ist/ schlage die darnach zwischen zweyen
Tüchern uber die Blasen/ oder aber uber die Schloß so warm du es leiden magst.
Wider den Zwang deß Stulgangs TENESMUM: Füll zwey Säcklein mit
Kleyen/ laß die warm werden in Essig/ presse eins auß mit zweyen Tellern/
darnach setze dich so warm darauff las du es leiden kanst/ wann dieses kalt
wird/ so nimb darnach das ander und wechsel je eins umb das ander ab/ so wirdt
der schmertzen bald nachlassen.
Oder thue Kleyen in ein Säcklein/ mache die warm auff einem
Zigelstein und sitze darauff. Oder nimb Kleyen/ Hirschen/ jedes ii. Theil/ und
saltz ein Theil/ röschte die in einer Pfannen/ thue sie darnach in ein Säcklein/
und sitze darauff.
Ein Pflaster von Kleyen/ Saltz und Honig gemacht/ dient denen so
gestürtzt und hoch gefallen seynd/ auff ein Tuch gestrichen und uber die
geschädigten Ort gelegt.
Weytzenkleyen in Essig gesotten/ miltert das Kniewehe/ wie ein
Pflaster warm ubergelegt.
Kleyen zu reinem Pulver gestossen mit Kühekaat unnd ein wenig
gepülverten Pfefferkümmel und Bonenmeel so viel der Kleyen ist/ wol
durcheinander gestossen unnd mit dem sauwren Honigsyrup (OXYMELITE SIMPLICI) zu
einem pflaster temperirt/ miltert die schmertzen deß Zipperleins und der
Gliedsucht/ uber die schmertzhafften Ort gelegt.
So ein Mensch gern wolt zu Stul gehen unnd kann es doch nicht/ so
nimb Kleyen unnd Papellenkraut mit den Wurtzeln/ jedes gleichviel unnd fülle
einen Sack darmit/ zerschneide das Kraut klein/ vermische es mit der Kleyen/
seuds in Bachwasser/ mache darauß ein Lendenbad/ setze dich darin biß an den
Nabel so warm du es erleiden kanst/ das wird dich erweychen.
Oder thue der Kleyen und deß Pappelkrauts under einander vermischt
in ii. Säcklein/ laß die in Wasser heiß werden/ presse sie dann mit ii. Tellern
hart auß/ lege das ein fornen auff den Bauch mitten uber den Nabel/ das ander
hinden auff die Lenden so warm du es leiden magst/ das wird den Leib erweychen
daß du leichtlich wirst zu Stul gehen.
Weitzenkleyen zu reinem Pulver gestossen und mit frischem Buttern zu
einem Pflaster temperiert/ legt gewaltig allerhand schmertzen ubergelegt.
Kleyen rein gepülvert unnd mit gesottenem Most zu einem Pflaster
temperiert hat gleiche Krafft allerhand schmertzen zu stillen/ und ist ein
wahres ANODYNUM.
Gepülvert Kleyen mit Essig zu einem Pflaster gesotten/ ist gut zu
allen bösen Geschwerden ubergelegt/ sonderlich aber im Anfang.
Rein gepülvert Kleyen mit dem sawren Honigsyrup zu einem Pflaster
temperiert/ dient wider all erharte Geschwulst der Leber und deß Miltz/ auff ein
tuch gestrichen und ubergelegt. Es dienet auch wider andere harte Geschwulst wo
die am Leib seyn mögen/ gleichfalls gebraucht.
Oder nimb rein gepülvert Kleyen/ unnd mach mit dem sauwren
Honigsyrup darinn ein gut theil deß Gummi Armoniacks zertrieben ist wie ein
pflaster/ und gebrauchs gleicher gestalt zu erharten Geschwulsten.
Rein gepülvert Kleyen mit Essig zu einem Pflaster temperirt/ dient
wider die Bissz und Stich der vergifften Thier uber die geschädigten Ort gelegt/
und sonderlich aber wider die vergifften Stich der Erdspinnen.
Wiltu im Sommer die Eyer gut und frisch behalten/ so vergrabe sie so
bald sie gelegt worden seynd in Kleyen/ so bleiben sie gut unnd frisch. Andere
reiben die Eyer mit rein gepülvertem Saltz/ oder wäschen sie ab mit Lack oder
Saltzwasser/ lassen sie darnach ein Stund oder vier ligen/ biß sie gar trucken
werden/ darnach vergraben sie dieselben in Kleyen.
Wann ein Rossz ein Geschwulst hat/ so nimb Kleyen/ Weitzenmeel/
Essig und Honig/ mache darauß ein Pflaster/ thu dazu das weiß von einem Eye/
unnd legs dem Rossz uber die Geschwulst/ laß es drey Tag darauff ligen/ das
erfrisch darnach je uber den dritten Tag/ und thue das so lang biß die
Geschwulst vergehet.
Wann sich ein Gaul gereychet hat: Nimb Kleyen zu reinem Pulver
gestossen/ seude die mit gutem Weinessig biß die dick wird wie ein Pflaster/ und
binds uber den Schaden mit einem Hasenbalg.
So du ein Rosz zu Rehe geritten hast: Nimb Rockenkleyen/ röschte die
in Essig biß die trucken wird/ schlags dann dem Rossz fein warm uber die Füß/
mit einem Hasenbalg daß das Haar innwendig gewand seye/ unnd thue das zweymal
nach einander/ so baldt der erste eynsatz kalt worden ist. Wann das geschehen so
nimb gebrannten Wein ein Gläßlein voll und rein gepülverten Caminruß/ rühre das
durch einander daß es werde wie ein Sälblein/ solches schlage dem Pferd mit
Hänfenwerck in die Füß unnd verbinds wol/ so wird jhme geholffen.
Von dem Kleyentranck/ Scharrbier
genannt.
Man pflegt ein Tranck auß der Kleyen zu bereyten der wird BULLO genant/ die Niderländer nennen diesen Scharrbier der wird also bereitet: Man seudet Kleyen in Wasser und seihet das Wasser durch/ wann es kalt worden ist thut mans in ein Fäßlein mit ein wenig Höfel oder Sawerteig/ unnd läst es ein Tag etlich ligen/ so wird ein heller unnd bitzlender Tranck daraus/ das Gesind damit zu speisen/ ist lieblich zu trincken/ nehret aber wenig/ ist doch besser dann schlecht wasser/ bekombt denen so es gewohnet seynd nie ubel/ die es aber nit gewonet haben/ denen machts bißweilen Leibweh/ geht doch bald durch die Därm und wäschet dieselben ab.
Kleyenbrod. FURFURACEUS PANIS.
Es wird auß Kleyen auch Brod gebacken/ das gibt man in der grossen Herren Höfen den Hunden/ wiewol es arme Leuth in der grossen Thewrung auch essen wann sie es nur haben können/ es nehret wenig unnd gehet bald durch den Stulgang wider hinweg.
Von den
Nahmen deß Kleyenbrods.
Das Kleyenbrod heisset Lateinisch/ PANIS FURFURACEUS, unnd von
PLINIO, PANIS RECREMENTITIUS. Hochteutsch/ Grießbrodt und Kleyenbrodt.