1 / 55-64

KAMILLE
Chamomilla - Compositae


VON DER CHAMILLEN UND JHREN GESCHLECHTEN

    DIOSCORIDIS und die andern der alten thun dreyer Geschlecht der Chamillen in jhren Schriften Meldung/ aber wir haben jetzund zu unserer Zeit sechs Geschlecht/ die wahre Chamillen sind.
    1.Und ist aber unsere gemeine Chamillenblum die vor sich selbst in den Kornfeldern im Frühling/ unnd im Herbst in den Rübenfeldern uberflüssig bey uns wächset/ die rechte Chamille die allwegen vor allen andern/ wo man Chamillen ohn weitern Zusatz in Recepten findet/ sol verstanden unnd gebraucht werden. Dann wann wir die Beschreibung DIOSCORIDIS mit Fleiss ubersehen/ unnd das Capitel von dem wolriechenden Kreutlein ANTHEMIDIS oder LEUCENTHAMI vorhanden nemmen/ die liebliche Gestalt und Abconterfeyung dieser wolriechenden Chamillenblumen dargegenhalten/ darneben auch jhre Krafft und Wirckung beyderseits erwegen/ so beyde diesem Kreutlein oder Blumen von GALENO zugeschrieben/ unnd auch durch langwierige tägliche Erfahrung gewiss erfunden werden/ können wir mit der Wahrheit nicht anders urtheilen/ dann dass unser wolriechendt gemeine Feldt Chamillen/ das rechte ANTHEMIS und LEUCANTHEMUM der Alten seye. Welche auch dann nicht unbillich von erfahrnen Aertzten unnd Apotheckern/ sondern auch den Wundaertzten zu mancherley Gebrauch in der Artzeney/ als in Pflaster Salben/ Behung/ Säcklein/ Bäder und dergleichen nützlich gebraucht wird/ unnd vielerley Artzeneyen darauss bereiten.
    Diese ware und rechte Chamill hat ein kleine Wurtzel/ mit vielen Zaseln/ darauss wachsen gegen den Frühling viel kleiner starcker Stengel einer Ehlen lang/ die viel neben Estlein haben/ mit sattgrünen/ kleinen/ tieffzerspaltenen zarten Blätlein gezieret/ die vergleichen sich den Blättern dess Corianders oder Dillkrauts: Oben auff den Stengeln bringt es viel wolriechender geeler Knöpfflein mit schönen weissen Blätlein besetzt/ die werden im Brachmonat und Hewmonat zeitig/ welcher Zeit man sich auch zum Gebrauch der Artzeney pflegt einzusammlen. Diese Chamill wechst von jr selbsteigenen Pflantzung/ von jhrem aussgefallenem Samen/ welcher sich dem Samen dess Reynfahrns vergleicht. Es wechst in Teutschland uberflüssig/ in den Fruchtfeldern/ und blühet zweymal bey uns. Erstlich wie gemeldet im Brachmonat/ welches seine natürliche Zeit ist zu blühen/ oder aber an wärmeren Orten im Meyen: Darnach blühet es widerumb im Herbstmonat/ da man es widerumb häuffig findet in den gebauwenen Rübenfeldern. Wo es aber sonst in rauhem mageren Erdreich/ da es dann vor sich selbst gern wechst/ als neben den Strassen und Wegen herfür kömpt/ blühet es nur einmal.
    Das ander Geschlecht der Chamillen LEUCANTHEMI, ist den Alten unbekant gewesen und nicht von ihnen beschrieben worden: Das ist erstlich auss Hispanien/ Engelland und andern frembden Orten zu uns gebracht worden/ und ist heutiges Tages in Teutschlandt sehr gemein/ dann es fast in allen Lustgärten gezielet wird. Es hat diese Chamillen ein klein weiss zaselecht Wurtzel/ darauss wachsen kleine und dünne Stengel/ ohngefehrlich einer Spannen lang/ die seynd krumm und zu der Erden gebogen/ daher flecht es sich selbst ein auff der Erden/ henget sich an/ und kreucht hin unnd her/ wie der Poley oder Quendel/ und mehret sich also selber. Im Brachmonat bringet es auff den Gipffeln der Stengel/ schöne gestirnte Blumen der gemeinen Chamillen gleich/ alleyn seynd sie nicht also hindersich zurück gebogen. Die Blätter umb die Stengel von unden an biss oben auss/ vergleichen sich auch der vorigen Chamillen/ seynd doch grösser und bleych grüner. Dieses Gewächs mit Stengel/ Kraut und Blumen/ reucht uber die Mass wol und lieblich/ gleich einer wolriechenden Würtz/ sie seye gleich grün oder dürr. Der Geschmack ist bitter gleich wie Wermuth oder Meterkraut. Es kann dieses Kreutlein den Winter wol leiden/ unnd erjüngt sich auch jährlich widerumb von seiner Wurtzeln/ die unversehrt uber Winter stehen bleibt. In Hispanien wechst es von sich selber ohngepflantzet auff den Feldern/ dessgleichen auch in Engelland bey Londen und andern vielen Orten/ wie der hochgelehrte GULIELMUS TURNERUS, mir solches offtermal angezeiget hat. Bey uns in Teutschland muss mans in Gärten zielen. Es lesset sich auch gern von den jungen abgebrochenen Pfläntzlein wider pflantzen/ dann es wächst sehr gern und weitet sich bald. Derwegen so man es pflantzen oder säen will/ muss man jhm Raum und Platz genug geben/ dann sonst wächst es zu dick und faulet ubereinander.
    lll. Das dritte Geschlecht ist der jetztgemelten mit Wurtzeln/ Stengel und Kraut durchauss gleich/ allein die Blum die ist so mannigfaltig und gedoppelt/ und geringsherumb so rund gefüllt: dass man vor den schönen weissen Blätlein/ dz Geelköpfflein in der Mitten nicht sehen kann. Ist sonst auch so viel den lieblichen Würtzgeruch/ und den Geschmack belanget der vorigen gleich.
    lV. Deren ist noch ein Geschlecht von der jetztgemelten gar nicht underscheiden/ was die Gestalt/ den edlen Geruch unnd Geschmack belanget/ dann allein dass die Blum schön gefüllt/ doch nicht also gerundet/ wie die nechstgemelt/ dann wann in der Mitte das Geel Bützlin noch ein wenig sihet.
    V. Das fünffte Geschlecht ist die geel Römisch Chamillenblum/ welche mit Stengel/ Blettern/ der zweyten hie oben beschrieben gar gleich ist/ aber die Blumen seynd allein geele/ runde/ erhabene Knöpfflein/ haben keine Blätlein herumb wachsen wie die andern. Der Geruch ist lieblich und anmütig/ wie der obgemelten/ doch geringer.
    Vl. Das sechste Geschlecht/ das ist die rote Chamillen/ hat ein kleines/ dünnes unnd krummes Würtzlein/ mit wenig Zaseln/ darauss wachsen zween oder drey kleiner stengel/ eines Schuchs lang/ mit wenig Nebenästlein/ die seynd mit kleinen zerschnittenen Blettern bekleydet/ der Chamillen nit ungleich/ doch ein wenig grösser: Gegen den Brachmonat bringt es an den Gipffeln der Stengel und Nebenästlein uber die Mass schöne/ rote/ Menigfarbe oder fewrrote Blümlein/ inwendig mit einem schwartzen Bützlein/ hat ein jede Blum sieben Blätlein/ die seynd am End ein wenig hundersich gebogen. Nach der Blüth folgen kleine flachechte Kölblein/ darinn der Samen verschlossen ist. Es wächst dieses Kreutlein auch in den Fruchtfeldern hin unnd wider in dem Wormbser/ dessgleichen auch in dem Altzheimer Gauw.

Von den Namen der Chamillen und jhrer Geschlecht
    Die Chamillenblum/ die bey uns in Teutschland vor sich selbst in Fruchtfeldern häuffig wächst/ ist die recht Chamillen oder CHAMAEMELUM der Alten/ die den Namen daher empfangen hat/ dieweil sie reucht/ wie ein lieblicher wolriechender Apffel/ welcher Geruch dann an unser Chamillen / wie das menniglich bezeugen muss/ warhafftig befunden wird/ ich will geschweigen der Krafft unnd Tugend/ die unsere Chamillen durchauss mit der alten Chamillen gemein hat.
    Lateinisch heisst es bey den Authoren ANTHEMIS, LEUCANTHEMUM, MELAUTHEMUM, CALLIA, CHAMAEMELUM, DIACOLEA bey dem APULEIO oder DIOCALLIA, ROTULA SOLIS, DISCUS SOLIS, und HERBA SUPERBA. Bey dem HYPPOCRATE EUANTHEMUM, bey THEOPHRASTO ANTHEMUM und ANTHEMIUM, bey dem TRALLIANO lib.8.cap.2. ANTHEMISIUM: PLINIO lib.1.cap.38. PROSPERNA HERBA: ;Von andern QUALIDIA, AMALOCIA, AULITICA HERBA, und MALIû. Die gemeinen Medici/ Kreutler und Apotecker/ nennen es CHAMOMILLAM, CAMOMILLAM, und CHAMAEMILLAM.
    Auff Hochteutsch/ Chamillen/ Gamillen/ Camomillen/ Hermlein/ Magdblum/ Maydblum/ Laugenblum/ und im Elsass Carmelien.
    Die zweyte Chamillen/ ist auch ein wares Geschlecht der Chamillen/ sonderlich aber der jetzt gemelten die LEUCANTHEMUM genannt wird/ unnd hindert das gar nicht/ dass die Alten dieses Kraut nicht beschrieben haben. Und wird aber dasselbig von den Medicis und Kreutlern LEUCANTHEMUM und CHAMAEMELUM ROMANUM, und CHAMAEMELUM NOBILE genant. Sonst heissens die Apotecker CHAMOMILLAM ROMANAM. Hochteutsch/ Römische Chamillen und edle Chamillen/ das ist die CHAMAEMELUM NOBILE.
    lll. lV. Das dritt unnd vierde Geschlecht/ nennet man CHAMAEMELUM ROMANUM MULTIFLORUM, und zu Teutsch/ gefüllet Römisch Chamillen. Die aber gar rund unnd mit den schneeweissen Blümlein den innern geelen Grotzen bedecken/ dass man den gar nicht sehen kann/ nennet man CHAMAEMELUM MULTIFLORUM ANGLICUM. Zu Teutsch/ Englisch gefüllet Chamillenblumen/ dieweil solche auss Engelland erstlich zu uns in Teutschland gebracht worden seynd.
    V. Die geel Chamillen heisset Lateinisch/ CHAMAEMELUM CHRYSANTHEMUM, CHAMAEMELUM LUTEUM, ODER CHAMAEMELUM AUREUM, und CHAMOMILLA LUTEA. Hochteutsch/ geel Chamillen und geele Römische Chamillen.
    Vl. Die roth Chamillenblum heisset Lateinisch/ HERANTHEMUM, HIERANTHENIUM, ERANTHEMUM, FLOS SACER, CHAMAEMELUM PURPUREUM, und OCULUS DAEMONIS. Teutsch/ roth Chamillen/ unnd in Thüringen/ Teuffels Aug/ von wegen der rothen feuwerfarben Blumen. Valerius Cordus hat dieses Gewächs vor ANEMONEM MINOREM gehalten/ Er hat sich aber geirrt/ dann alle Geschlechter ANEMONUM HABEN BEY SICH EIN HITZIGE Scherpff auff der Zungen dass diese unsere rote Chamillen gar nicht hat/ darvon weiter an seinem Ort.

Von der Krafft/ Eygenschafft und Wirckung der Chamillenblumen
    Die Chamillen Kreuter oder Blumen seind warmer und truckner Natur im ersten Grad/ und seynd der menschlichen Naturen vor andern Kreutern gar anmütig unnd bequem. Dann sie öffnen/ lösen auff/ machen dünn/ zertheilen ohne Herzuziehung der Feuchte. Sie lindern/ erweichen/ zeitigen unnd stärcken das beschädigte Gliedt/ unnd stillen allerhandt Schmertzen/ darumb sie in mancherley Gebresten fast heylsamlich innerhalb unnd ausserhalb dess Leibes gebraucht werden mögen/ unnd sol solches von unser gemeinen Chamillen/ wie auch von der geelen und roten verstanden werden. Dann die weiss Römisch Chamillen beyde die gefüllten unnd ungefüllten seyndt warm unnd trucken biss in zweyten Grad/ die mögen in gleichen Fällen wie die ersten gebraucht werden/ sonderlich in kalten Schwachheiten da man mehr dann einer temperierten Wärm bedarf/ welches die Römische Chamillen wol leisten können/ und sonderlich in kalten windigen Kranckheiten richten sie mehr auss als die gemein Chamill/ sintemal sie hitziger/ und die kalten Bläst besser zertheilen.

Jnnerlicher Gebrauch der Chamillen
    Die Chamillen stercken unnd erwärmen das Haupt/ die Brust/ Lung/ Leber/ Miltz/ die Nieren/ Blass/ die Mutter und Geburtsglieder/ und stillen allen jnnerlichen Schmertzen der gemelten Glieder.
    Chamillenblumen in Wein gesotten/ und Morgens unnd Abends jedesmal auff die vier Untz/ oder ein gemein Tischbecherlein getruncken/ eröffnet die Verstopffung der Lebern/ dess Miltz/ der Nieren und Blasen/ treibet auss die Geelsucht/ zertheilt und heylet das Lungen Geschwer/ legt das Keichen/ stillet die Wehthumb der Därm und aller anderer jnnerlichen Glieder/ sonderlich aber der Mutter/ unnd fürdert die Monatblumen der Weiber/ reiniget auch die Brust unnd Lungen.
    Chamillenblumen zu Pulver zerstossen/ durch ein Sieblein geschlagen/ und zu einem Theil dess Pulvers/ drey Theil guts verschaumpts Honigs gethan/ und zu einer Latwergen vermischt/ unnd darvon etliche Tag nach einander dess Morgens und Abends/ jedesmal einer halben Welschen Nuss gross eingenommen/ laxirt und erweicht den Bauch/ und führet viel zähen Schleim und faulen Unrath durch den Stulgang auss/ und reiniget die Därm und Eyngeweid.
        Chamillen Pulver mit fürnem Wein getruncken/ vertreibt das schmertzlich Krimmen im Leib/ und treibt auss die Spülwürm/ Unnd soll man dessen nicht weniger als eines Goldgülten schwer auff einmal eynnemmen/ oder aber auff die anderthalb Quintlein.
    Chamillenblumen mit Honig in Essig gesotten/ ist denen so mit der fallenden Sucht beladen seynd/ dienlich/ darvon getruncken/ die stehen bald auff/ unnd seynd nachmals dieser Kranckheit ein zeitlang sicher.
    Ein guten und bewehrten Tranck die Würm ausszutreiben mach also: Nimb Chamillenblumen ll.Handvoll/ zwantzig schwartzer gewäschener Brustbeerlein/ Lass in einer Mass Wassers halben eynsieden/ darnach seihe es durch/ von der durchgesiegenen Brühen nimb drey Untz/ thu darzu dess sauren Trancks von Essig unnd Wasser gemacht/ OXYCRATION oder POSCA genant/ iii.Untz/ und trinck drey oder vier Morgen nach einander jedesmal so viel.
    Chamillen zu Pulver gestossen/ unnd dess Pulvers eines Gülden schwer mit Tag und Nachtwasser getruncken/ das fürdert den Harn gewaltig/ und treibt auss den Stein. In Mangel dess Tag und Nachtwassers/ mag man das Pulver mit Wein trincken.
    Wider das schmertzlich Magenwehe/ so von Kälte und windigen Blästen seinen Ursprung hat/ mach diese Artzeney: Nimm Chamillenblumen/ Osterlucey/ Tausendtgüldenkraut/ unnd Indianisch Spicanarden/ jedes ein Loth. Gutes verscheumptes Honig zwölff Loth. Die obgemelten Stück stoss zu einem Pulver/ und schlags darnach durch ein reines Sieblein/ vermisch folgendts das Honig darmit/ dass es ein Latwerg werde/ und brauch davon ein Loth mit einem Trüncklein firnen Weins zertrieben auff einmal.
    Chamillen in Wein gesotten/ unnd von der durchgesigenen Brühen Morgens und Abendts ein Becher voll warm getruncken/ vertreibt die Geschwulst dess Magens/ hilfft der Däwung/ und nimpt hinweg das tröpfflingen Harnen.
    Chamillen Wurtzeln gesäubert/ auffgetrucknet und zu Pulver gestossen/ und dess Pulvers eines Gülden schwer mit warmem firnenem Wein getruncken/ treibet auss den Nierenstein gewaltiglich/ unnd bringet auch wider den verstandenen Harn.
    Chamillen Pulver auff die anderthalb quintlein mit Wein getruncken/ dessgleichen auch das Kraut und Blumen in Wasser gesotten/ unnd den Dampff darvon in die Mutter empfangen/ führet auss die tote Geburt. Derowegen sollen die Weiber unnd sonderlich aber die Hebammen sich allwegen mit einem Vorrath dieses Krauts versehen/ dass sie solches in der Noth zu gebrauchen haben.
    Chamillen Pulver obgemelter Massen mit Wein getruncken/ vertreibt das viertägig Fieber/ darzu hilfft desto mehr und besser so man das Safft von Chamillen ausstruckt/ mit gleich so viel Baumölen als dess Saffts ist/ vermischet/ und darmit den Rückgrad unnd Pulssadern wol bestrichen unnd gesalbet. Solches aber sol zum wenigsten eine Stund zuvor ehe einen das Fieber anstösset/ geschehen/ und sol man sich darauff niderlegen und schwitzen.
    Es wirdt das Pulver von der Chamillen Wurtzeln vor alle Fieber die jhre gewisse Tag halten/ höchlich gelobt so man desselben eines Gülden schwer mit ii.Loth dess sauren Essigs Syrups/ unnd vier Loth Chamillen Wassers vermischt/ zu trincken gibt/ ehe einen das Feber anstösset/ und sol aber das einmal drey oder vier geschehen.
    Es schreibet AETIUS der Griechisch Artzet/ dass NECHEPSON der Egyptier die Chamillenblumen/ so sie in jhrer besten Zeitigung und Kräfften ist/ habe befohlen zu samlen/ unnd in einem Mörser gantz klein zerstossen/ unnd kleine Küchlein darauss zu machen/ dieselbigen darnach in Schaten lassen trucken werden unnd auffheben. Wann nun die Zeit kompt dass einen ein Fieber anstiesse/ dann er sie allen febrischen Menschen heylsam seyn lobet/ sol er der Küchlein eins zu Pulver stossen/ und mit gutem frischem Baumölen wie ein Sälblein vermischen/ unnd damit den gantzen Leib vom Haupt an biss zu den Füssen salben/ darnach den Krancken niderlegen unnd jhn wol zu decken. Darauff wirdt bey denen so darvon kommen sollen/ ein guter Schweiss sich erzeigen/ und sollen also von dem Fieber erlediget werden. Unnd sol in vielen Menschen probiert worden seyn/ und ist solches denen so uber Feld reysen ein bequeme Artzeney/ sintemal sie leichtlich mitgeführet werden kann. Er befilcht aber auch darneben/ dass man den Febricanten einer Bonen gross von gemelten Küchlein mit warmem Wasser zertrieben sol zu trincken geben.
    DIOSCORIDES lobt gleicher weiss die Chamillen vor die Fieber als er spricht: Man macht die Chamillen zu reinem Pulver/ die underlassende Fieber (das ist die Fieber die jhre gewisse Tage haben) darmit zu vertreiben. Man nimpt die Blumen unnd Bletter/ stösset jedes besonder unnd machet Küchlein darauss/ die hebt man auff und bewahret sie besonder/ darnach wann es die Noht erfordert/ so giebt man dess Krauts zwey Theil/ der Blumen oder Wurtzeln ein Theil. Hergegen giebt man auff ein ander Zeit der Blumen oder Wurtzel zwey Theil/ unnd dess Krauts ein Theil/ also muss mans uber den andern Tag verwechseln/ dess einen noch so viel als dess andern/ unnd mit leichtem Meth oder Honigwasser trincken.
    Chamillen zu Pulver gestossen unnd darvon eines Gülden schwer mit Essig getruncken/ vertreibet das Lendenwehe/ Gleicher Gestalt mit Wein getruncken/ eröffnet die Verstopffung der Leber/ und treibt fort die verstandene Blumen der Weiber.
    Chamillenblumen zu Pulver gestossen/ und mit verscheumptem Honig ein dünnes Latwerglein darauss gemacht/ unnd darvon allen Morgen nüchtern ein Löfflein voll eyngenommen/ unnd zum wenigsten ein par Stunden darauff gefastet/ vertreibet unnd verzehret die Kröpff/ die nicht gar veraltet seyndt. Wann man aber gemelt Latwerglein brauchet/ muss man es nicht gehlingen hinein schlucken/ sondern sittiglich hinab lassen schleichen.
    Chamillen mit aller seiner Substantz gedörret/ unnd zu Eschen gebrannt/ dieselbige Esch in ein Tüchlein gebunden/ in Wein gehenckt/ unnd davon getruncken/ verzehret die Wassersucht.
    Wein darinn Chamillenblumen uber Nacht gebeytzet worden seynd/ stetig getruncken/ kommet zu Hilff den Gliedsüchtigen/ stercket die Nerven/ nimpt hinweg die Lämbde die vom Parlyss herkommet/ unnd kommen denen sonderlich zu Hülff die contract worden seyn von dem Krimmen. Man sol aber darneben auch eusserlich das Chamillenöle gebrauchen/ unnd die schadhafften Glieder dess Tages zweymal darmit salben/ und folgends mit warmen Tüchern umbwinden/ und sie warm halten.

Eusserlicher Gebrauch der Chamillen
    Chamillen zu Pulver gestossen/ und mit Gerstenmeel jedes gleich viel mit Wasser und Chamillenölen zu einem Brey gesotten/ darnach auff ein Tuch gestrichen/ und umb dz Haupt wie ein Pflaster gebunden/ stillet das Hauptwehthumb. Oder nimb Chamillenblumen grün oder dürr zwo Handvoll/ siede die mit Wein und Wasser gleich viel/ so viel genug ist/ thu darzu zwölff Loth frischen Buttern/ lass sittiglich mit einander sieden biss der Wein und Wasser sich verzehren/ darnach truck es hart auss durch ein Tuch/ darmit salbe dem Krancken seine Stirn und Schläff. Oder streichs auff ein langes Tüchlein einer zweich Handt breyt/ und besprengs ein wenig mit Essig/ unnd legs dem Krancken uber die Stirn und Schläff. Du magst auch dem Krancken folgendt Fusswasser machen: Nim Chamillenblumen unnd Kraut drey Handvoll/ Stabwurtz/ Katzenmüntz/ jedes ein Handvoll. Siede solche Stück in genugsam Bachwasser/ und thue darzu ein Mass Wein: Darin bad allen Tag die Schenckel unnd Füss so warm du es leiden magst/ es hilfft wol.
    Die mit Hauptwehthumb beladen seyndt/ die sollen stetig Fusswasser von Chamillen bereitet gebrauchen/ unnd die Füss unnd Schenckel allen Abendt/ wann sie zu Beth gehen wöllen/ darinn baden.
    Zu dem Hauptwehthumb mache folgende Laugen: Nimm ein Laugen Züberlein/ fülle das mit Chamillen Kraut unnd Blumen/ schütte darnach Eschen darüber so viel genug ist/ geuss darnach siedendt heiss Wasser darüber/ unnd mache darvon ein Laugen/ die soll man dreymal lassen durchlauffen/ so wirdt sie kräfftig unnd gut von den Chamillen/ darinnen bade Abendts die Füss/ und Morgens wäsch oder zwag das Haupt darmit.
    Chamillen Blumen sampt dem abgestreifften Kraut/ siede in Wasser/ und trincke die durchgesiegene Brüh darvon/ und schlage das Kraut wie ein Pflaster uber die Stirn und Schläff/ lass den Krancken darnach ruhen unnd schlaffen/ so geneusst er von dem Hauptwehthumb. Oder nimm vier Handvoll Chamillen Blumen/ unnd zwo Handvoll Hewblumen/ siede die in gnugsamen Wasser/ mache darvon ein Fussbad/ setze darein die Schenckel biss uber die Waden verdeck dich wol/ dass der Dampff deinen Leib wol erwärme/ unnd du schwitzen mögest. Darnach siede Chamillen in Wasser/ und schlage sie uber die Stirn und Schläff/ es hilfft sehr wol wider dz Hauptwehthumb.
    Der Geruch von Chamillen bekompt uber die Massen wol dem blöden Haupt/ dann es stärcket daselbig mercklich.
    Vor den grossen Schmertzen dess Haupts/ darvon die Krancken in Unsinnigkeit gerahten: Nimm Chamillenblumen zwo Handvoll/ Dillenkraut/ Maieran/ rote Rosen/ jedes ein Handvoll/ siede diese Stück in Brunnenwasser zum halben Theil eyn/ seihe die Brühe durch ein Tuch/ netze darin doppele leinine Tüchlein/ die lege warm uber die Stirn unnd Schläff/ und thu das offt.
    Chamillenblumen in warmer Laugen geweychet/ damit getzwagen/ unnd damit das Haar zum offtermal genetzt/ machet ein zierlich schön und hübsches Haar. Mit solcher Laugen das Haupt zum offtermal gezwagen/ stillet die Catharr unnd Hauptflüss.
    Chamillenblumen und rote Rosen jedes gleich viel durch einander vermischt/ und in ein Säcklein eingerigen/ und warm uber die Stirn unnd auff das Haupt gelegt stillet die Hauptflüss und Catharr.
    Ein gute Hauptsäcklein die Flüss dess Haupts zu Trucknen und zu stillen/ mach also: Nimb Chamillenblumen ein Handtvoll/ rote Rosen/ Maieran/ Stechaskraut/ Muschatnüss/ schwartzen Pfeffer/ langen Pfeffer/ weissen Weyrauch/ Nardensamen/ Näglein/ Zimmetrinden/ jedes ein quintlein. Mach darauss ein groblecht Pulver/ wol durcheinander vermischt/ thu solches in ein Säcklein/ das reihe wol mit einem Faden/ dass die SPECIES nicht zusammenlauffen/ wärm solches auff einem trücknen Hut/ und wirff Näglein und Weyrauch in den trücken Hut auff die Kolen/ wann du es wärmest/ lege es also warm auff das Haupt/ es stillet und trücknet die Flüss gewaltig/ und verzehret die ubrige kalte Feuchtigkeit dess Hirns.
    Ein gute Artzeney für die Gilb in den Augen/ die von der Geelsucht jhren Ursprung hat: Nimb Chamillenblumen ii.Handvoll/ Maieran/ Ysop/ Wassernüss Kraut jedes i.Handvoll/ siede solche Stück in Wasser/ unnd empfahe den Dampff davon in die Augen/ wäsch auch die Augen und das Angesicht offt mit diesem Wasser/ es vertreibt die Gilb der Augen baldt. Das thun auch die Chamillen allein vor sich selbst in Wasser gesotten/ und obgemelter Massen gebraucht.
    Chamillenblumen im Mundt gekäwet/ und uber die Geschwer und Fisteln der Augen gelegt/ heylen dieselben/ wann dieselbe nicht zu tieff eyngewurtzelt haben.
    Vor den Wehthumb der Augen: Nimb zwey Loth aussgepresstes frischen Chamillen Saffts/ Frawen Milch vi.Loth/ das Weiss von zweyen frischen Eyern/ klopff und vermisch diese Stück wol durcheinander/ legs mit leinen Tüchlein darein getrunckt auff die Augen/ und so offt es trucken wirdt so erfrischs widerumb.
    So das Augenwehthumb vom Windt entstanden ist/ so nimb Chamillenblumen/ Steinklee/ Fenchelsamen/ oder aber die öbersten Gipffel vom Fenchel/ ehe der Fenchel zeitig wirdt/ jedes ein Handvoll/ siede diese Stück in halb Wein und Wasser eyn/ darnach seihe es durch/ in diesem Wasser netze gedoppelte leinine Tüchlein/ unnd legs Milch warm uber/ also dass es offt erfrischt werde.
    Chamillen in Kühmilch gesotten/ unnd uber die Stirn unnd Augen pflastersweiss warm ubergeschlagen/ stillet den Schmertzen oder Wehethumb der Augen gewaltig.
    Chamillen in Wasser gesotten unnd uber die grindigen Augen wie ein Pflaster ubergelegt/ heylet dieselben.
    Chamillen in Wasser gesotten/ unnd das Haupt zum offtermal damit gewäschen/ vertreibt die Schiepen auff dem Haupt/ und heylet die Bläterlein und Versehrung derselben. Gleicherweiss in Wasser gesotten/ und den gantzen Leib offt darin gebadet/ nimpt hinweg die mSchiepen und alle Unreinigkeit der Haut und macht die Haut schön und glatt.
    Chamillen und Steinklee jedes gleich viel durch einander vermischet/ und in ein Säcklein eyngemacht/ folgends gewärmet auff einem heissen Ziegelstein mit Wein besprenget/ und also warm uber die Ohren geleget/ stillet den Schmertzen derselben.
    Zu dem grossen Hauptwehthumb in hitzigen Fiebern: Nimb Chamillenblumen ein Handvoll/ rote Rosen/ Merzen Violen/ rote Gersten/ jedes ein Händlein voll/ seud diese Stück mit einander in frischem Wasser/ und wäsch dz Haupt lohe warm damit/ es hilfft sehr wol.
    Chamillenblumen unnd Kraut in Wasser gesotten/ unnd allen Abend oder zum wenigsten zwey oder drey mal inn der Wochen wann man zu Beth gehen will die Füss darinn gebadet unnd gewäschen/ behelt ein gut Gedächtnuss/ stercket das Gesicht unnd Gehör.
    Den Schlaff in Kranckheiten als in hitzigen Fiebern oder in andern Schwachheiten zu bringen: Nimb Chamillen zwo Handvoll/ Violenbletter/ Steinklee/ jedes ein Handvoll/ Magsamenhäupter/ (Secblumen?)/ jedes ein halb Handvoll/ siede solche Stück in genugsamem Wasser/ und mache ein Fussbad darauss/ und wasche darauss die Füss unnd Hände. In hitzigen Fiebern thue darzu Weidenbletter/ Rebenlaub jedes ein Handvoll/ es hülfft sehr wol.
    Chamillenblumen in Pulver gestossen/ unnd mit Honig zu einem Sälblein vermischt/ vertreibt die Schiepen im Angesicht/ dasselbige dess Tags zweymal darmit geschmieret/ und Morgens unnd Abends mit gesottenem Chamillen Wasser abgewäschen/ und von sich selbst lassen trucken werden.
    Chamillen in Wasser gesotten/ unnd mit der durchgesiegenen Brühen den Mundt geschwencket/ heylet die Geschwer darinn.
    Chamillen unnd Dillenkraut/ jedes gleich viel in Wasser gesotten/ unnd darmit den jungen Kindern zum offtermal das Haupt warm gewäschen/ hilfft dass sie leichtlich Zähne machen.
    Chamillen Blumen in Wein zum halben Theil eingesotten/ unnd den Mundt zum offtermal darmit geschwencket/ hilfft denen so das Maul stetig voller Speichel unnd Wasser laufft.
    Chamillen Safft in die Ohren warm geträuffet/ stillet den Schmertzen der Backenzän. Man muss aber allwegen das Safft in das Ohr träuffen/ auff welcher Seiten der Schmertzen ist.
    Den trucknen Husten zu vertreiben: Nimb Chamillenblumen zwo Handvoll/ rote Rosen/ Quendel/ jedes ein Handvoll/ lass mit einander in Wasser sieden/ und empfahe den Dampff in die Nasen.
    Vor das Keichen und engen Athem von Hauptflüssen verursacht: Nimb Chamillenblumen zwei Händlein voll/ Steinklee/ Marien Magdalenenblumen/ jedes ein Händlein voll/ Weyrauch groblecht zerstossen ein Loth. Zerschneide die Blumen und Steinklee gar klein/ und vermische alles durcheinander/ mache Hauptsäcklein darauss/ und lege es auff die Kron warm/ trags Tag und Nacht/ es stillet den Fluss und leget das Keichen.
    Vor das schmertzliche Seitenstechen: Siede Chamillen und Pappellen jedes gleich viel in Wein oder Wasser/ fülle darmit ein rindene Blasen halber voll/ giess darzu sechs Loth Baumöle/ und binde oben das Loch an der Blasen wol zu/ und lege sie darnach so warm du sie erleiden kanst auff das schmertzhafft Ort. Oder nim Chamillenblumen fünff oder sechs Handvoll/ Leinsamen der groblecht zerstossen ist drey Handvoll/ fülle darmit zwey leinine Säcklein/ reihe die mit einem Faden dass die Stück nicht zusammen lauffen mögen/ wärme die Säcklein in einem siedenden Wasser/ darnach truck es hart auss mit zweyen Tellern/ unnd leg es also eins umbs ander uber das schmertzhafftig Ort/ solang biss der Schmertzen sich leget. Gemelte beyde Artzeneyen dienen auch für die Schmertzen im Leib/ den Lenden/ Nieren/ Blasen unnd Steins/ gleichfalls warm ubergelegt.
    Chamillenblumen ii. oder iii. Handvoll in frischer Kühmilch gesotten/ zuvor in ein Säcklein gethan/ darnach mit zweyen Tellern aussgetruckt/ und warm uber die schmertzhafftigen Seiten gelegt/ leget die Stich baldt.
    Ein ander Artzeney vor das hitzig Seitenstechen: Nimm Chamillenblumen zwo Handvoll/ Steinklee/ Mertz Violen/ Kleyen/ roten Sandel gestossen/ Pappelsamen/ jedes ein Handvoll. Stoss alles zu Pulver/ thue darzu Leinsamen Meel/ FOENUM GRAECUM, jedes ein Loth. Siede es mit genugsamer Milch unnd einem viertheil Chamillenöle/ biss es wirdt wie eyn Brey/ unnd streichs auff ein Tuch/ legs warm uber die bresthafftig Seiten wie ein Pflaster/ unnd erfrisch es allen Tag zweymal/ das thue solang/ biss der Schmertz sich miltert/ und du anfahest ausszuwerffen.
    Ein anders: Nimb Chamillen zwo Handvoll/ Dillkraut/ Mertz Violen jedes ein Handvoll/ thue diese Stück in ein Säcklein/ siede es darnach in Milch/ und legs wie obgemelt warm uber. Oder nimm Chamillenblumen unnd Steinklee/ jedes gleich viel/ thue die in ein Säcklein/ siede es in Wasser und ein wenig Essig/ darnach trucks auss unnd legs warm auff den Schmertzen.
    Ein ander Artzeney vor das Stecken der Seiten von windigen Blästen: Nimb Chamillenblumen zwo Handvoll/ die öbersten Gipffel von Dillenkraut ein Handvoll/ Rauten Dosten/ Ysop/ Rossmarein/ jedes ein halb Handvoll/ Römischenkümmel ii.Loth. Geschelter Lorbeern ein wenig zerstossen ein Loth. Alle diese Stücklein klein zerschnitten reihe in ein leinen Säcklein ein/ unnd machs nassz in siedendem heissen Wein/ truck es darnach mit zweyen Tellern auss/ unnd lege es warm uber die schmertzhafftig Seiten: so baldt es kül oder trocken wirdt/ so wärme es widerumb in dem vorigen Wein/ und thu das so offt und lang/ biss der Schmertzen sich gar gelegt.
    Vor das hitzig Seitenstechen ist folgend Pflaster oder Uberschlag sehr dienstlich im Anfang gebraucht: Nim gestossen Chamillenblumen unnd Gerstenmeel/ jedes gleich viel/ siede es mit Wasser unnd Rosenöle/ biss es wird wie ein Brey/ streichs auff ein Tuch und legs warm uber den Schmertzen.
    Vor das Lenden unnd Nierenwehe: Nimb Chamillenblumen zwo Handvoll/ Steinklee/ Stechaskraut/ Dillenkraut/ jedes eine Handvoll/ Veielwurtz/ FOENUM GRAECUM, Leinsamen jedes ein Handvoll. Die Wurtzeln und Samen sol man groblecht zerstossen mit den Kreutern vermischen/ unnd mit genugsamem Bachwasser sieden/ zuvor in ein langes Säcklein gethan/ davon ein Lendenbad machen/ und darein dess Tags zweymal baden/ unnd im Baden den Sack umb die Lenden legen/ nach dem Bad sol man das schmertzhafftig Ort mit Chamillen unnd Dillenäle vermischt warm schmieren/ folgends mit zwyfachen warmen leininen Tüchern bedecken.
    Wider das Lendenwehe ein ander Artzeney: Fülle einen leininen Sack mit Chamillenkraut unnd Blumen/ der anderhalb Ehlen lang unnd einer halben Elen breyt seye/ den reihe mit einem Faden dass das Kraut unnd Blumen nicht zusammenlauffen/ den wärme darnach in halb Wein und Wasser/ lass ein gut Weil darinnen sieden/ biss der Sack durchauss heiss wirdt: Darnach truck den mit zweyen Brettern hart auss/ und winde den warm umb die Lenden so lang biss er kalt will werden/ dann thu ihn hinweg/ darnach schmier den Rücken und Lenden mit Chamillenöle/ und bedeck den mit warmen Tüchern/ das thue dreymal dess Tags.
    Die gerunnen Milch in den Brüsten zu vertheilen: Nimb Chamillen zwey Theil/ Steinklee/ die öbersten Gipffel von Fenchelkraut/ Dillsamen/ Stabwurtz/ FOENUM GRAECUM, Leinsamen/ Basilgenkraut/ jedes ein Theil/ siede es in halb Wein und Wasser/ und schlags offt warm uber.
    Wider die Geschwulst der Brüste von Kälten/ siede Chamillen in Wein/ und schlags warm uber die Brüst wie ein Pflaster/ es hilfft.
    Wider dz Auffstossen dess Magens: Nimb Chamillenkraut unnd Blumen ii. Handvoll/ Majeran/ Rauthen und Wermuth/ jedes ein Handvoll. Zerschneide solche Stück und mache ein gerigenes Magensäcklein darauss/ das trage stetig auff dem Magen biss du genisest/ und salb Morgens unnd Abends den Magen mit Chamillen und Rautenölen.
    Wider den Schmertzen dess Magens: Nim Chamillenblumen anderthalb Handvoll/ rote Rosen/ Pontischen Wermuth/ Bergwermuth/ Balsammüntz/ jedes ein Händlein voll. Mach ein gerigenes Magensäcklein darauss/ wärme solches auff einem heissen Ziegelstein mit weissem Wein besprengt/ und lege es warm uber den Magen/ und thue dz offt/ so wird der Schmertz baldt nachlassen.
    Wider die innerlichen Apostemen dess Magens/ der Därm/ unnd Eyngeweidts: Nimm gepülvert Chamillen iiii.Loth/ Leinsamenmeel/ gepülvert/ Griechisch Hew/ jedes zwey Loth/ Schweinen Schmaltz v.Loth. Siede es mit einander biss es dick wirdt wie ein Brey/ streichs auff ein Tuch und legs warm uber wie ein Pflaster/ es erweychet und zeitiget alle innerliche Apostemen.
    Den Schmertzen der Därm in der Ruhr von Verletzung der scharpffen Feucht zu miltern: Nimm Chamillen ii.Theil/ Steinklee i.Theil. Füll ein Säcklein darmit/ und lass in halb Wein und halb gestähltem Wasser sieden/ press darnach mit zweyen Tellern hart/ und legs warm uber/ du magst der Säcklein zwey machen/ und je eins umbs ander aufflegen.
    Wider das Krimmen der Därm: Nimm Chamillen ein Theil/ Steinklee ii.Theil/ Stechaskraut ein Theil/ vermisch es durch einander/ mach ein gerigens Säcklein darauss/ wärme es auff einem heissen Ziegelstein mit Wein besprengt/ unnd legs warm uber den Bauch.
    Wider das Krimmen so von Winden kommen: Nimm Chamillenblumen vier Händvoll/ Kümmelkraut/ Quendel/ Wolgemuth/ Wermuth/ Salbeyen/ jedes ein Handvoll. Mach darauss ein gerigens Säcklein/ eines Bogens Papyrs gross/ wärme wie gemelt auff einem heissen Zigelstein/ unnd legs warm uber den Bauch. Oder nimm Chamillen Blumen/ vier Handvoll/ Maieran/ Rauthen und Wermuth/ jedes zwo Handvoll/ Aniss und Kümmel/ jedes ein Handvoll/ mach ein Säcklein darauss/ und brauchs wie jetzt gemeldet. Oder Chamillenblumen zwey Theil/ unnd der öbersten Gipffel von Dillenkraut ein Theil genommen/ unnd ein Lendenbad darvon gemacht/ und darinn gebadet/ stillet das Krimmen. Man mag auch den gantzen Bauch warm damit bähen/ und den Dampff darvon durch ein heimlich Gemachstuel wol lassen zu sich gehen.
    Ein anders: Nimb Chamillenblumen iiii.Loth/ Wermut/ Fenchelsamen/ Römischenkümmel/ Rauthen/ Wiesskümmel/ Wecholterbeern/ Balsammüntz/ jedes ii.Loth. Stoss diese Stück zu einem Pulver/ lass mit einander sieden mit Wasser/ und thu darzu ein vierling Wermuthöle/ mach ein Pflaster darauss/ streichs auff ein Tuch/ legs uber den gantzen Bauch warm.
    Ein anders: Nimb Chamillenblumen zwo Handvoll/ Pappeln/ Weinrauthen/ Wermuth/ Beyfuss/ Leinsamen/ ein wenig gestossen/ Wiesskümmel/ jedes ein Handvoll. Mach diese Stück in ein Säcklein eyn/ lass in gutem Wein warm werden/ press dann mit zweyen Tellern auss/ unnd legs warm uber den Bauch.
    Oder mach nachvolgend bewerth Pflaster: Nimb gepülvert Chamillenblumen/ Bonenmeel/ jedes iii.Loth/ Griechisch Hew gepülvert ii.Loth/ Leinsamenmeel ii.Loth/ Römischen Kümmel zu Pulver gestossen i.Loth/ frische Butter vier Loth/ Rauthenöle ii.Loth. Seuds mit gnugsamem Wasser/ zu einem Brey oder Pflaster/ streichs auff ein Tuch/ und legs warm uber den Bauch.
    Chamillen in Wasser gesotten/ biss das Wasser schier eingesotten ist/ und die Blumen gar mürb und weych werden. Darnach durch ein härin Sieblein gestrichen/ unnd darzu gethan AMONIACAM, SAGAPENUM, und BDELLIUM, jedes i.Loth/ weniger oder mehr/ nach dem der durchgesiegenen Chamillen viel oder wenig seynd/ unnd mit einander lassen sieden/ biss es wird wie ein Pflaster/ demnach dasselbig auff ein Tuch gestrichen/ unnd eusserlich uber das Miltz gelegt/ vertreibt das Auffblehen/ und die Geschwulst desselben.
    Chamillen ein gut Theil in Wasser gesotten/ darvon ein Lendenbad gemacht/ unnd dareyn gesessen biss an den Halss/ und ein Löffel voll gebrand Hasenpulver/ mit warmem Wein eingenommen/ bricht den Nierenstein/ und führet denselben auss. Gemelte Artzeney hilfft auch wann der Stein in das Rohr kompt.
    Vor den Stein der jungen Kinder: Nimb Chamillenblumen ii.Theil/ Steinklee/ Rossmarin/ Salbey/ Meerrettich/ Rettichbletter/ jedes ein Theil/ seuds miteinander in genugsamem Wasser/ und mach ein Bad darauss/ lass das Kind dess Tags zweymal darinn baden/ unnd gib jhm in dem Bad ii. oder iii. Löffel voll Chamillenwasser zu trincken.
    Vor die Geschwer der Nieren: Nimb Chamillen zu Pulver gestossen vier Loth/ Leinsamenmeel zwey Loth/ Kleyen zwey Loth/ Sesamöl vier Loth. Seud alle diese Stück zu einem Pflaster mit frischer Milch/ darnach streichs auff ein Tuch/ und legs eusserlich uber.
    Chamillenblumen mit Buttern unnd ein wenig Weins in einer Pfannen geröscht/ und zwischen zweyen Tüchern uber die Brück geschlagen/ so warm es zu leyden ist/ das vertreibt die Harnwinde und machet wol harnen.
    Vor das schwerlich Harnen: Nimb Chamillenblumen drey Handvoll/ Pappelen zwey Handvoll/ Peterleinwurtzel/ Fenchelwurtzel/ jedes ein Handvoll. Mach ein Lendenbad darauss.
    Chamillen in Wein gesotten und in einem gerigenen Säcklein eusserlich ubergeschlagen/ legt die Krimmen der Mutter. Oder nimb Chamillenblumen drey Handvoll/ Steinklee/ Dillenkraut/ Griechisch Hew/ Leinsamen/ jedes zwey Handvoll/ Beyfuss/ Ackermüntz/ Poleyen/ Stabwurtz/ jedes ein Handvoll/ Anissamen/ Fenchel/ Kümmel/ jedes ein halbs Händlein voll. Griechisch Hew und den Leinsamen zerstoss ein wenig/ vermische mit den Kreutern/ unnd reihe es in ein leinin Säcklein eyn/ dass die nicht zusammenlauffen/ wärme das dann auff einem heissen Zigelstein/ und legs warm uber den understen Bauch.
    Vor die Erkältung der Mutter: Nimb Chamillenblumen drey Handvoll/ Betonienkraut/ Beyfuss/ Salbeyen/ jedes ein Handvoll/ seuds in Wasser/ und bade die Füss Morgens unnd Abends darinn/ so warm du es leiden kanst.
    Den Schweii zu treiben/ so mach ein Schweissbad von Chamillen: Dass aber der Schweiss desto leichter fortgehe/ so schmier den gantzen Leib zuvor mit Chamillenöl/ ehe du in das Bad eingehest/ und trinck dess gedistillierten Wassers von Chamillen auch ein halbes Becherlein voll.
    Ein gut Bad von Chamillen vor die weiss Kranckheit der Weiber: Nimb Chamillenblumen vier Handvoll/ Maieran/ Beyfuss/ Rossmarin/ Mettram/ Melissen/ jedes zwey Handvoll/ Alantwurtzel/ Schweffel/ jedes vier Loth/ Lorbeern zwey Loth/ gemein Saltz ein gute grosse Handvoll. Diese Kreuter zerschneid/ die Alantwurtz/ Lorbeern und Schweffel stoss in einem Mörser/ vermische alles durcheinander/ thue sie darnach in einen leininen Sack/ und lass in gestäheltem Wasser wol sieden/ und mach darauss ein Bad/ und lass im Bad das kranck Weib auff den Sack sitzen.
    Vor die verstandene Monatblum der Weiber: Nimb Chamillenblumen zwey Handvoll/ Quendel/ Maieran/ Poleyenkraut/ Ackermüntz/ Frawenmüntz oder Römisch Salbeyen/ Cyperwurtz/ oder wilder Galgan/ Veielwurtz/ jedes ein Handvoll. Die Kräuter zerschneid unnd zerstoss die wurtzeln groblecht/ darnach vermisch es/ unnd seuds in Wasser/ mach ein Dampffbad darvon/ dass der Dampff wol in die Mutter gehen mag.
    Ein gut Lendenbad vor die verstandene Monatblum: Nimb Chamillenblumen ii.Handvoll/ Dosten oder Wolgemuth/ Maieran/ Beyfuss/ Lorbaumbletter/ Dürrwurtz/ Wecholterbeern/ jedes ein Handvoll: Seud diese Stück in Wasser/ und mach ein Lendenbad darauss.
    Chamillenblumen zwey Theil mit einem Theil Pappellenkraut in Wasser gesotten/ unnd darvon ein schweissbad gemacht/ ist denen sehr dienlich/ da sich ein unnatürlicher schweiss erzeigt/ und doch vor sich selbst nicht will fort gehen/ dann es wol schwitzen macht/ und treibt den bösen Schweiss fort.
    Chamillen in Meth oder Honigwasser gesotten/ unnd die durchgesigene Brühe zu sich in die Mutter gethan/ durch ein bequem Instrument/ seubert und heylet die Geschwer der Mutter.
    Chamillen gestossen und uber die Wunden unnd Schäden gebunden wie ein Pflaster/ heylet dieselben.
    Chamillen in Wein oder Wasser gesotten/ und die Wunden und Schäden damit gewäschen/ reiniget und fürdert sie zu der Heylung.
    So einem seine Glieder/ müde/ matt/ und erschlagen seynd/ der siede Chamillen in Wasser/ und mach ein Bad darvon/ es hilfft.
    Wann einer Weibspersonen in unnd nach der Geburt die Füss und Schenckel geschwellen: Nimm Chamillenblumen zwo Handvoll/ Spicanardenblumen oder Lavander/ Wermuth/ Stabwurtz/ Tausendtgüldenkraut/ Garbenkraut jedes ein Handvoll/ siede gemeldte Stück zu einem Fusswasser/ und lass sie die Füss Morgens und Abends ein Stundt darinnen baden.
    Vor die Geschwulst der Händt von Kält oder grossem Frost: Nim Chamillenblumen zwo Handtvoll/ Steinklee ein Handvoll/ Fenugreck/ ein wenig zerstossen iiii.Loth/ siede diese Stück in Bachwasser/ und behe und bade die Händ Morgens und Abends darinn auff ein Stund/ darnach nimb frischen Buttern/ Rosenöle/ und Pulver von Griechischhew/ temperir zu einer Salben/ und schmier die Händ darmit.
    Vor das Hüfftweheunnd kalt Gesücht: Nimb Chamillenblumen vier Handvoll/ Kleyen/ ungestampfften Hirschen/ jedes zwo Handvoll/ gemein Kochsaltz ein Handvoll/ vermische diese Stück unnd reihe sie in einen leinin Sack ein/ mache denselben warm auff einem heissen Ziegelstein mit Wein besprengt/ und leg den uber das schmertzhafft Glied.
    Wann die Kindbetterin Leibwehe und Krimmen bekommen nach der Geburt: So nimb Chamillenblumen gepülvert iii.Loth/ Bonenmeel/ Leinsamenmeel/ gepülverten Römischen Kümmel/ Meel von Fenigreck/ jedes zwey Loth/ Holderblumenöle vi.Loth/ siede es mit genugsamen Wasser zu einem Pflaster/ streichs auff ein Tuch/ unnd lege es warm uber den understen Bauch.
    Vor den Schmertzen der gülden Adern: Nimb Chamillenblumen zwo Handvoll/ Hewblumen die von dem Hew uberblieben davon die Pferdt gessen haben/ Salbeyenkraut/ Rossmarin/ jedes ein Handvoll/ siede solche Stück in Wasser/ mache darvon ein Dampffbad/ unnd empfahe den Dampff darvon durch ein heimlichen Gemachstuel.
    Vor den aussgangenen Massdarm: Nimb Chamillenblumen/ rote Rosen/ Wullkraut/ jedes ein Handvoll/ vermisch es durcheinander/ mache zwey Säcklein darauss/ unnd siede darnach in rotem Wein/ trucks folgends mit zweyen Tellern auss/ und leg eins nach dem andern warm auff den Afftern/ und behe dich darmit.
    Vor die Geschwulst unnd Schmertzen der Gemächt: Nimb Chamillenblumen zwo Handvoll/ Steinklee/ Griechisch Hewsamen ein wenig zerstossen/ Leinsamen groblecht zerstossen/ jedes ein Handvoll: Vermische diese Stück durcheinander/ siede es in weissen Wein den dritten Theil eyn/ neze zweyfache leinine Tücher in der Brühe/ unnd schlag sie warm uber die Gemächte.
    Wider die harte Geschwer unnd Geschwulst dess männlichen Gliedts: Nimb Chamillenblumen/ Leinsamenmeel/ gestossen Griechischhew/ Eybischwurtzel gepülvert/ Feigen/ jedes ii.Loth/ Chamillenöle vi.Loth/ siede diese Stück mit Wasser biss es wirdt wie ein dicker Brey oder Pflaster/ und legs mit einem Tüchlein darauff.
    Chamillen gestossen unnd mit frischem Butter ein Pflaster darauss gemacht/ legt allen Schmertzen ubergelegt
    Ein gut Pflaster das alle Geschwer zeitiget: Nimb Chamillen gepülvert ii.Loth/ Eybischbletter/ Pappenbletter jedes ein Loth/ Gerstenmeel ein Loth/ Lilienöle/ Chamillenöle/ jedes zwey Loth/ siede solche Stück mit Wasser zu einem Pflaster/ und lege es uber.
    Chamillen zu Pulver gestossen/ und mit Gerstenmeel unnd dem sauren Essigsyrup/ ACERO MULSO, ein Pflaster darauss gemacht und ubergeschlagen/ heylet die Bissz der Viperschlangen: Man muss aber zuvor das geschädigt Ort mit dem gemelten Syrup wol wäschen.
    Chamillenblumen ii.Theil/ Sanct Johannskraut/ Liebstöckel/ Seuenbaum/ Salbeyenkraut/ jedes ein Theil/ das thu zusammen in einen Hafen/ lass mit Wein und Wasser wol sieden/ biss es halber eyngeseudt/ und stelle den Hafen under einen Gaul dem der Schlauch geschwollen ist/ dass der Laum darvon zu ihm gehen mag/ unnd verdecke den Gaul wol: Lass ihm auch den Dampff in Halss gehen/ dass er wohl schwitzen mag/ thu solches alle Tage zweymal biss der Gaul genieset.

Chamillen Wein
CHAMAEMELITES, SEU CHAMOMILEUM VINUM

    Wiewol der Wein von Chamillenblumen bey den Alten nicht im Brauch gewesen/ und zu unser Zeit auch wenig bereit wirdt/ kann man doch im Herbst wie von andern Kreuterwein ein nützlichen und heylsamen Wein machen/ der zu allen obgemelten innerlichen Kranckheiten fast bequem unnd dienlich ist/ unnd sollen jhnen insonderheit die Weibspersonen denselben lassen befohlen seyn.

Chamillen Wasser
AQUA CHAMAEMELI STILLATITIA

    Die beste Zeit die Chamillen zu distilliren ist/ wann sie in jhrer besten Blühet seyn/ sol man Kraut und Blumen miteinander hacken/ und sänfftiglich in BALNEO MARIAE baziehen/ folgends ein zeitlang wol vermacht zu rectificiren in die Sonne setzen/ und zum Gebrauch verwahren.

Jnnerlicher Gebrauch dess Chamillen Wassers
    Chamillen Wasser eröffnet die Leber/ das Miltz/ treibt auss Geelsucht/ fürdert die weibliche Monatblum/ stillet die Schmertzen der Mutter/ der Därm/ und der Blasen: Zertheilet unnd heylet das Lungengeschwer/ leget das Keichen/ unnd führet auss den Lendenstein/ erwärmet die Mutter und den kalten Magen/ und dienet fürnemlich den Kindbetterin/ dann es reyniget sie wol. Davon sol man auch auff einmal vier oder fünff Loth trincken.

Eusserlicher Gebrauch dess Chamillen Wassers
    Den Mundt mit Chamillen Wasser geschwencket/ heylet die Mundtfäule/ unnd alle Versehrung oder Verwundung desselben: Miltert auch den Schmertzen der Zähn warm gebraucht.
    Gestossene Mandeln mit Chamillenwasser durchgestrichen/ zweyfache leinine Tüchlein darinn genetzt/ unnd law warm uber die Stirn unnd Schläff gelegt/ stillen den Schmertzen dess Haupts/ und ist solches für schwache und blöde Menschen/ und sonderlich für die Kinder eine gute Artzeney/ die sie zu jeder Zeit ohne schaden mögen gebrauchen.

Extract von Chamillen
CHAMAEMELI EXTRACTUM

    Der Extract von Chamillen wirdt in aller Mass gemacht wie der Extract vom Wermuth: Er dient zu allen Kranckheiten darzu die Chamillen innerlich gebraucht werden/ unnd gibt man dessen auff einmal ein drittheil eines Quintleins mit einer ander bequemen Artzeney/ gedistillirtem Wasser oder Wein eyn/ je nach Gelegenheit der Kranckheit/ welches wir den erfahrenen MEDICIS befehlen wöllen.

Conservenzucker von Chamillenblumen
CHAMAEMELI CONSERVA

    Auss den Chamillenblumen macht man ein nützlich Conservenzucker/ wie man den Wermuthzucker zu machen pflegt: Der dient sonderlich den Weibspersonen die stetig muttersiech seyn und Krimmen haben/ dann er erwärmet die Mutter unnd Geburtglieder/ reiniget wol die Kindbetterinnen/ unnd vertreibet die Nachwehen/ einer Castanien gross auff einmal davon eyngenommen.

Aussgezogener Chamillen Syrup
SYRUPUS EXTRACTIONIS CHAMAEMELI

    Wiewol kein Chamillen Syrup heutiges tags bey uns im Brauch/ und auch keiner weder von den Alten oder newen Aertzten beschrieben worden ist/ hab ich doch bissher den aussgezogenen Chamillen Syrup in Brauch gebracht und den in vielen Schwachheiten darzu die Chamillen vor sich selbst dienen heylsamlich gebraucht. Und wirdt derselbige bereitet wie der aussgezogen Wermuth oder Beyfusssyrup. Von diesem Syrup gibt man auff einmal ein Loth oder Löffel voll mit seinem oder einem anderen gedistillirten Wasser eyn/ je nach Gelegenheit der Kranckheit.

Chamillensaltz
CHAMEMELI SAL

    Es wird von der Chamillen/ wie von dem Wermuth oder Beyfuss/ ein nützlich Saltz aussgezogen/ das zu vielen Leibs Gebresten dienlich ist/ welches mit Pilulen/ Mixturen/ unnd andern apoteckischen Artzeneyen vermischt gebraucht wird/ dienet sonderlich aber vor das Keichen unnd schwerlich Athmen/ dessgleichen vor die Geelsucht und Lendenwehe.

Chamillenöle
CHAMAEMELINUM OLEUM

    Das Chamillenöle hat nach dem Rosenöle den Vorzug/ dann es kühlet unnd temperirt sänfftiglich/ dessgleichen wärmet es auch mässig/ und mag derowegen nützlich in kalten und warmen Gebresten/ die nicht zu gar hitzig seynd/ nützlich gebraucht werden. Solch Oele wird von seiner vielfaltigen Krafft unnd Tugend wegen von dem JOHANNE VIGONIO OLEUM BENEDICTUM genant/ und wird also bereitet: Man nimpt frischer Chamillenblumen ein gut Theil/ lasset die vier und zwanzig Stunden in dem Schatten trücknen/ füllet darmit ein Zuckerglass/ schüttet darüber gutes süss Oelen/ so viel genug ist/ darnach spannt man ein weit gewebens leinin Tuch darüber/ dass nichts dareyn fallen/ und doch transpiriren mag/ und stellets vierzig Tag an die Sonn/ darnach truckt mans auss/ seihets durch/ unnd behelts in einem volvermachten Glass zum Gebrauch. Wann man dieses Oele in seiner Bereytung gar verstopfft/ und stellets in die Sonn/ also/ dass es nit aussriechen mag/ so wird es ubelriechend und stinckend/ derowegen man es nicht wie die andern Oele von Blumen unnd Kräutern verstopfft insoliren soll.

Gebrauch dess Chamillenöls
    Das Chamillenöle erweichet Beulen und Knollen/ stillet Schmertzen/ und legt nider alle Geschwulst/ vertreibt den Schwindel dess Haupts/ und das Umblauffen vor den Augen: Es bringt auch wider zu Kräfften die erlahmten Glieder von kalten Flüssen/ Schlag/ unnd vom Därmgegicht oder Krimmen/ so man mit diesem Oele salbet/ es fürdert auch gewaltig den Schweiss/ dann die heimlichen Gäng der Schweisslöcher/ werden dardurch eröffnet. Es nutzet sehr wol dem weissen Geäder und allen Gliedern die dardurch gehen. Es erzeigt wunderbarliche Hülff in den Wunden der Nerven/ dessgleichen in sorglichen Wunden der Musculen/ dareyn gethan. Es stillet den Schmertzen dess Magens unnd der Därm/ warm darmit gesalbet. Es wird heutiges Tages gemeiniglich in den Clistiren gebraucht/ allen Schmertzen dess Krimmens und Darmgegichts zu vertreiben: Dessgleichen in hefftigen Schmertzen der Nieren und Lenden.
    Chamillenöle mit gebrantem Wein vermischt/ vertreibt das kalt und lauffend Gesücht in den Gliedern/ dieselben warm darmit gerieben/ unnd darnach warme Tücher darumb gewunden.
    Chamillenöle heylet den Grindt auff dem Haupt/ darmit gesalbet/ ist ein gute unschädliche Artzeney vor die jungen Kinder.
    Chamillenöl mit ungewäschener Schaff- oder Lambwollen warm umb den Halss gelegt und gebunden/ vertreibt den Schmertzen unnd Geschwulst dess Halss.
    Chamillenöle zwey Theil mit einem Theil Dillenöl vermischt/ vertreibt das schmertzlich Seiten stechen/ das schmertzhafft Ort darmit gesalbet/ und ein zwyfach leinin Tuch darauff gelegt. Oder nimb Chamillenöle ii.Loth/ Dillen- und weiss Gilgenöle/ jedes i.Loth/ vermischs und schmier dich darmit wie gemeldet. Darnach nimb Chamillen und Steinklee/ thue sie in ein Säcklein/ seuds in Wasser unnd ein wenig Essig/ trucks auss/ und legs uber den Schmertzen.
    Chamillenöle in zwey Theil mit einem Theil Poleyenölen vermischt/ unnd den gantzen Bauch darmit geschmieret/ darnach ein warm Tuch darauff gelegt/ miltert das Krimmen unnd Därmgegicht/ von kaltem zähem Schleim verursachet.
    Vor das Krimmen und Reissen im Leib der jungen Kinder/ ist Chamillenöle ein herrliche Artzeney/ so man in dem warmen Oele einen Filtz oder ungewäschen Lambwoll netzet/ unnd dem Kind warm uber das Näblein und Bäuchlein bindet.
    Chamillenöle warm umb die Nieren und Blasen gesalbet/ treibt und fürdert den Harn.
    Chamillenöle mit gepülvertem Bibergeyl vermischt/ und den Bauch darmit gesalbet/ vertreibt und miltert das Mutterweh auss Kält verursacht.
    So ein jung oder alt Mensch die Kindsblatern hette/ unnd die nicht hernuss wollten: So nimb Chamillenöl/ guten weissen Wein/ jedes sechs Loth/ gepülverten Salpeter ein halb Loth/ seuds mit einander uber einem Kohlfewerlein/ biss der Wein sich verzehret/ darmit salb den gantzen Leib im warmen/ darnach leg dich nider/ deck dich warm zu/ sie kommen bald herauss.
    Vor die schwartzen und zerknitste Nägel: Nimb Chamillenöl i.Loth/ Gilgenöle/ Hünerschmaltz/ Gensschmaltz/ Jungfrawenwachs/ jedes i.halb Loth/ zerlass durcheinander/ unnd streichs auff ein Tüchlein wann es kalt worden ist/ und legs uber wie Pflästerlein.
    So ein Mensch die Geelsucht zwischen der Haut hette/ so schmier jhm den gantzen Leib mit Chamillenöle dess Morgens: Nach Mittag mach jhm ein Schweissbad mit Chamillen Kraut und Blumen/ das treibt die Geelsucht gewaltig herauss.
    Chamillenöle vertreibt die Geschwulst unnd Härtigkeit der Nieren/ damit warm gesalbet/ und folgends warme Tücher darüber gelegt/ und das dess Tags rdeymal gethan.
    Chamillenöle miltert sehr das viertägig Feber/ so man zuvor es den Menschen ankompt/ den Rückgrad/ Schultern Händ wol warm damit salbet.
    Chamillenöle mit Malvasir vermischt/ warm gemacht/ unnd ein Filtz darinn genetzet/ und widerumb ein wenig aussgetruckt/ miltert das Därmgegicht und Krimmen von Kälte. Dessgleichen thut auch dasselbig/ so mans mit Malvasir zu dem Krancken thut wie ein Clistir.
    Vor das Rückenwehe der Kinder: Nimb Chamillenöle zwey Loth/ Kappaunenschmaltz ein Loth/ Jungfrawenwachs ein halb Loth/ zerlass uber einer Glut/ lass erkalten/ so gibt’s ein Sälblein/ darmit schmier dem Kind den Rücken bey einer Glut.
    Chamillenöle mit ein wenig Essig vermischt/ und das geschwollen Miltz darmit geschmiert/ legt die Geschwulst unnd den Schmertzen.
    Vor die Verwundung und Verletzung so den gebärenden Frawen in der Geburt zustehn. Nimb Chamillenöle vier Loth/ süss Mandelöle/ Sanct Johannskrautöle/ jedes drey Loth/ Wachs anderthalb Loth/ zerlass uber einem linden Fewerlein/ und wann es erkaltet/ so vermisch ein drittheil eines quintleins gepülferten Saffran darunder/ unnd brauchs zu den geschädigten Orten.
    Vor die Harnwinde/ den Kaltseych/ unnd schwerlich harnen: Nimb Chamillenöle iii.Loth/ gepülvert Bibergeyl ein Quintlein/ dess Gummi Galbani anderthalb Quintlein/ zerlass in dem Oele/ unnd vermisch wol durcheinander/ schmier dich warm darmit und das Schloss und die Gemächt.
    Vor den verhaltenen Harn: Nimb Baumöle nach deinem Gefallen/ und lass Wandleuss darinnen sieden/ henck darnach die Manns Ruthen dareyn so warm du es leiden kanst/ unnd streich darnach den Kopff von der Ruthen mit gestossenem Knoblauch an/ es hilfft gewiss.
    Chamillenöle mit rein gestossenem Saltz vermischt/ unnd die Schenckel und Füss warm darmit geriben unnd gesalbet/ vertreibt die Geschwulst derselben.
    Chamillenöle in ein aussgehölet Erdscheibenwurtzel gethan/ und in der Aschen gebraten/ darnach hart durch ein Tüchlein aussgetruckt/ und warm in die Ohren getraufft/ bringt wunderbarlich wider das verloren Gehör. Solches hat auch gleiche Wirckung mit dem Safft von Rauthen oder Beyfuss/ gleicher Gestalt gebraucht. Dergleichen hilfft auch/ wann man Chamillenöle in einer Meerzwibel bratet/ und träufft es warm in die Ohren. Solches Oel also bereyt/ zeitiget auch die kalten Geschwer der Ohren und machet sie aussgehen.
    Chamillenöle warm durch ein Instrument oder Spritzen in die Mutter gethan/ dienet wider die Erstickung der Mutter.
    Chamillenöle im Bad angestrichen/ unnd den gantzen Leib darmit gesalbet/ erwärmet die alten Leut/ und stärcket die angeborne Wärmbde.

Gedistillirt Chamillenöle
OLEUM CHAMAEMELIUM STILLATITIUM

    Das gedistillirt Chamillenöle wird allerdings bereytet/ wie das Wermuth oder anderer Kräuter Oele. Das dient innerlich zu allen Kranckheiten/ darzu man die Chamillen gebraucht: Darvon giebt man auff einmal drey oder vier Tröpfflein mit Wein/ oder einem bequemen gedistillirten Wasser/ oder vermischts mit andern Artzeneyen/ je nach Gelegenheit der Kranckheit. Eusserlich mag das gemein Chamillenöle damit gestärckt werden/ zu denen Gebresten/ darzu es vor sich selbst dienlich ist.

Gebrauch der beyder Römischen Chamillen
    Die beyde Römische Chamillen mögen beyde jnnerlich und eusserlich/ zu allen hitzigen Kranckheiten/ heylsamlich gebraucht werden/ dann sie etwas hitziger seynd dann die gemein Chamillen: die gelb ist doch temperirter Wärmbde/ unnd nicht so hitzig wie die weiss Römische Chamillen: ist doch auch wärmerer Natur dann die weiss gemein Chamillen. Zudem ist die geel stärcker und kräfftiger/ den Harn und Stein ausszutreiben/ dann die weiss. Man mag auss beiden ein lieblichen Chamillenwein machen/ zu gemelten Gebresten. Item Conservenzucker/ aussgezogene Syrup unnd Extract/ gedistillirt Wasser und gemein Oel/ allerdings wie oben von der gemeinen Chamillen angezeigt worden ist.

Ein guten purgierenden Chamillenwein
CHAMAEMELITES PURGATORIUM

    Nimb aussgetruckneter Römischer Chamillenblumen vier Loth/ Peterlein Wurtzel drey Loth/ Turbit Wurtzel dritt halb Loth/ Steinklee/ Fenchelwurtz/ RHABARBARAE, Orientalische erlesene Senatbletter/ Angelicwurtzel/ jedes ii.Loth/ roth Rosen/ Tamariskenzweyglein/ Fichtenzweyglein/ Rösselfarn/ Fenchelsamen/ Peterleinsamen/ jedes ein Loth/ Meisterwurtz/ Camelenhew/ Anissamen/ Ammeysamen/ weissen Senff/ Negelein/ Kalmusswurtzel/ dess aussgetruckneten Saffts von Scammionyglocken DACORYDIUM genant/ jedes ein halb Loth/ Saffran ein Quintlein. Alle diese Stück zerstoss groblecht/ und mach sie in ein zwölffmässiges Fässlein mit Häselen Spänen ein/ unnd thu darzu ein Mass Honigs/ fülle dann das Fässlein zu mit gutem Most/ und lass verjehren.
    Dieser Wein dienet denen/ so mit dem Krimmen und dem Stein beladen seynd/ er zertheilet die Winde/ er stillet den Schmertzen der Därm/ treibt den Harn/ öffnet die Verstopffung der Lebern und dess Miltzes/ und führet auss durch den Stulgang die Gallen und Schleim.
    Ein anderer Wein vor den Schmertzen/ Blehung unnd Wind der Mutter: Nimb Römisch Chamillen acht Loth/ Beyfuss vier Loth/ Dillsamen drey Loth/ Aniss zwey Loth/ geel Violen anderthalb Loth/ Bergmüntz zwey Loth/ Meterkraut/ Poley/ Stabwurtz/ jedes i.Loth/ Fenchel ein halb Loth/ Ammeysamen ein Quintlein. Mach diese Stück gestossen in ein zehenmessiges Fässlein ein/ und fülls mit gutem Most zu/ lass verjehren zum Gebrauch.
    Ein anderer: Nimb Römischer Chamillen vi.Loth/ Pontischen Wermuth/ Peterlein Samen/ jedes vier Loth/ Aniss/ Dillsamen/ jedes drey Loth/ weiss Bibernellenwurtzel dritthalb Loth/ Ingber zwey Loth/ Cretisch Morensamen anderthalb Loth/ Camelenhew v.Quintlein/ Thymiankraut i.Loth/ Bertram i.Quintlein/ Mutterzimmat i.Quintlein/ schwartzen weissen und langen Pfeffer/ Haselwurtz/ jedes ein halb Quintlein. Mach solche Stück wie oben gemelt/ mit Hanbüchen Spänen in ein zwölffmässigs Fässlein eyn/ und lass ein Most darüber verjehren. Dieser Wein ist gut wider das Krimmen/ legt die grossen schmertzen der Cholic unnd der Därm/ zertheilet die Wind/ vertreibt die Auffblehung dess Bauchs/ und fürdert die Monatblumen der Weiber.

Gebrauch dess gemeinen Römischen Chamillenöls
    Das Chamillenöl von der Römischen Chamillen wie das ander gemein Chamillenöl bereitet/ ist ein edel Artzeney zu dem Hauptwehethumb von Kält/ das Haupt darmit gesalbet. Es vertreibt den schweren Athem und das Keychen/ und erwärmet die Brust gleichfalls gebraucht. Es dienet auch wider die schmertzliche Gedreng dess Stulgangs von Kält/ den understen Bauch und das Ort zwischen dem Hindern und Gemächt damit gesalbet/ folgends mit drey oder vierfachen Tüchern bedeckt. Es erwärmet den erkalten Magen/ unnd legt die Schmertzen desselben/ dessgleichen auch das Krimmen und Därmgegicht von Kält und windigen Blästen verursacht. Es eröffnet auch die Verstopffung der Leber und Nieren/ von gemelten Ursachen herkommend/ warm darmit gesalbet/ unnd folgends mit warmen Tüchern bedeckt.
    Römisch Chamillenöl dienet auch wider das schwerlich Harnen/ und treibt fort den verstandenen Harn/ die Schloss unnd Gemächt darmit gesalbet/ das aber sonderlich/ wann dieser Gebrästen von Kält seinen Ursprung hat. Gleichergestalt auch gebrauchet/ dienet es wider die kalte Geschwer der Blasen.
    Römisch Chamillenöl mit Gerstenmeel zu einem Pflaster temperirt/ miltert die Schmertzen dess Zipperleins unnd der Gliedsucht von Kält verursacht/ warm uber die schmertzhafftige Orth gelegt.
    Sonst dienet er ferner wider alle Schmertzen von Kält herkommende.