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? BRAUT IN HAAREN, JUNGFER IM GRÜNEN ?
Nigella damascena - Ranunculaceae
VON DEM KRAUT ISOPYRO.
DIOSCORIDE: LIB.4CAP.104. beschreibet das Kraut ISOPYRUM sehr kurz mit folgenden Worten also: Das Kraut ISOPYRO wird von etlichen PHASIOLUS genennet/ von deßwegen daß seine Bletter/ welche den Anißblettern ähnlich seynd/ am obern theil gedrehete Zincken oder Gäbelein haben/ wie die Türckischen Bonen/ welche man PHASIOLOS nennet. Auff dem obersten theil deß Stengels gewinnt es kleine Böllelein oder Knöfflein/ welche voller Samens sind/ der am Geschmack dem schwartzen Coriander oder Nardensamen ähnlich ist.
Von den
Namen ISOPYRI.
Auß der
kurtzen Beschreibung DIOSCORIDIS ist schwerlich zu verstehen was ISOPYRIUM
eygentlich vor ein Kraut seye. Es haben etliche den Damascenischen Narden/
MELANTHIUM DAMASCENUM darvor gehalten. Der hochberühmbte MEDICUS unnd
PHILOSOPHUS REMBERTUS DODONAEUS, vermeinet es seye unser Biberklee/ wie er den
Text DIOSCORIDIS an demselbigen Ort emendirt/ unnd vergleichet die Bletter deß
ISOPYRI dem PHASIOLO, welches er auch unsere gemeine Bonen interpretirt und
außlegt/ mit welcher Außlegung die Gelehrten nicht zufrieden seynd. Zu dem
schreibt DIOSCORIDES nicht daß die Bletter dieses Krauts dem PHASIOLO (man
verteutsche sie gleich gemeine oder Türckische Bonen) gleich seyen/ sondern den
Blettern deß Aniß/ unnd daß das ISOPYRUM Gäbelein oder Zincklein hab am
Oberntheil der Blätter wie die Türckische Bonen/ darneben so bekomme der Stengel
am Gipffel kleine Bollen oder Häuptlein die voller Samen seynd/ welcher dem
Nardensamen MELANTHIO gleich seye/ derowegen unser Biberklee gar in keinem weg
das ISOPYRUM DIOSCORIDIS nit seyn/ oder einzige gleichheyt oder gemeinschafft
mit jhm haben kan/ welches wir dem hochberühmbten PHILOSOPHO REMBERTO DODONAEO,
als einem wolverdienten Mann/ der von wegen seiner geschicklichheyt unnd hohen
Gaben/ alles lobs und ehren werth ist/ nit zu nachteil sondern zu erkündigung
der Wahrheit und besserm nachdencken/ freundlich wöllen anzeigen unnd erinnern.
Der hochgelehrte und weitberühmbte PETRUS ANDREAS MATTHIOLUS, und nach jhme/ der
auch hochgelehre und fürtreffliche MEDICUS CASTOR D?RANTES GUALDENSIS, haben das
hiebey conterfeyte oder abgerissene Kraut vor das wahre ISOPYRUM DIOSCORIDIS
gehalten/ welches so viel die understen Bletter belangt die den Anißblettern
gleich und ähnlich seynd/ darnach auch die Häuptlein unnd der verschlossen Samen
darinn/ der dem Nardensamen sich vergleichet/ gar wol und durchauß mit der
Beschreibung ISOPYRI ubereyn kommet/ unnd mangelt allein daran daß die zusammen
gedrehte Gäbelein oder Zincklein an dem oberntheil der Bletter nicht gesehen
werden. So gedenckt aber auch DIOSCORIDES der obern Bletter die reyn und
zinnlechtig seynd/ wie die Bletter deß Nardenkrauts gar nit/ also daß sie sich
wol dareyn zu richten ist/ ob es eygentlich das ISOPYRUM seye oder nicht.
Dieweil aber die Bletter/ Häuptlein und der Samen sich wol darmit vergleichen
wöllen wir es mit den obgemelden hocherleuchten Männern vor das ISOPYRUM halten/
biß Gott der Herr uns ein APOLLINEM oder ASCLEPIUM erwecket/ der uns ein ander
ISOPYRUM offenbare.
Das gemeldte
Kraut wird Lateinisch
ISOPYRUM, oder ISOPIRUM unnd PHASIOLUS genanndt. Bey uns Teutschen hat es noch keinen
Nahmen in unser Sprach.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Krauts ISOPYRI.
GALENUS
schreibet: dieweil der Samen deß Krauts ISOPII ein bittern und rauhen Geschmack
habe/ sol er ablösen den dicken und zähen Schleim/ also daß er den Leib stopff
mit einer zusammenziehung.
Jnnerlicher
gebrauch deß ISOPYRI.
Der Samen deß Krauts ISOPYRI ist gut getruncken mit Meth oder
Honigwasser/ wider die Gebrechen der Brust und wider den Husten. Auch ist er den
Lebersüchtigen gut unnd denen die Blut speihen. Gleiche Wirckung gibt auch dem
Samen ISOPYRI PLINIUS LI.27.CAP.11. weitere Kräfft und Tugend wissen wir von dem
gemelten Kraut oder Samen auff dißmal nicht anzuzeigen.
CASTOR DURANTES gibt dem ISOPYRO noch weiter zu/ daß er die ubrige Monatblumen der Weiber und alle Blutflüß stillen soll/ welches Tugend und Wirckung er schön in folgenden Versen beschrieben hat/ und spricht:
