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HOPFEN
VON HOPFFEN
Unter die Gewächs/ so da müssen mit Stangen unnd Pfeilern unterstützet werden/ wirdt auch von
rechtswegen/ der Hopffe gerechnet/ welcher jederman in den kalten Ländern/ da sonst kein Wein wachset/ wol bekandt ist: Es seyn
aber dess Hopffens zwey Geschlecht/ Zam und Wildt. Der zahme Hopffe stost im Mertzen seine junge Spargen herfür/ welche rundt und
braunroht seyn: Wann dieselbige etwas hoch auffkommen/ so werden sie rauh/ mit kleinen Distlein besetzet. Seine Bletter seyn rauh/
hart und dreyecket/ von Farben schwartzgrün. Wann die Räben beginnen etwan Mans lang zu werden/ so stecket man hohe lange
Stangen umb die Stöck herumb/ daran man die Räben weiset und anbindet/ damit sie also können uber sich wachsen. Jm Hewmonat
gewinnen die stengel drauschlechte getrungene weissgelbe Blümlein/ beinahe wie die Weinräben aber viel vollkomlicher/ an welchen
lucke unnd leichte gefüllte Säcklein wachsen so man den Hopffen nennet/ in welchen der braun und rundt Same verborgen ligt/
denselbigen Hopffen pfleget man im Anfang dess Septembers abzunemen. Jedoch welcher blühet/ der trägt keinen samen/ und welcher
samen hat/ der bekompt kein Blühet.)
Der wilde Hopffe ist dem zamen in allen stücken gleich/ aussgenommen dass er von sich selbst hinder den
Zäunen/ in den Gräben/ und an den Hecken wächset: der zame aber wirdt in den Gärten gepflantzet/ und blühet im Hewmonat.
Von den Namen
Hopffen heisst Lateinisch LUPULUS, und LUPULUS SALICTARIUS.
Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft dess Hopffens
DODONAEUS und MATTHIOLUS schreiben/ der Hopffe sey warm und trucken im andern Grad. Wiewol etliche seyn so da
fürgeben/ dass er kalter Natur sey/ aber das Gegenspiel gibt der bittere geschmack gnugsam zu verstehen.
Jnnerlicher Gebrauch dess Hopffens
Der fürnembste Gebrauch dess Hopffens ist dieser/ dass man jhn zum Bier gebrauchet/ und gleich als das Saltz
dess Biers seyn kan. Aber wann man dess Hopffens zu viel nimmet/ machet er das Bier bitter und beschweret das Haupt.
FERNELIUS schreibet/ dass der Hopff eine Krafft habe zu reinigen/ und zu eröffnen fürnemblich aber eröffne
er die verstopffte Leber/ und reinige dieselbige.Daher auch PLINIUS schreibet/ dass etliche im Frühling die junge Spargen in der
Kost nützen/ welches ein anmühtige Speiss sey/ doch werde sie mehr Lusts/ dann Hungers halben gessen. Dessgleichen auch reiniget
der Hopffe den Miltz und nimpt hinweg die verstopffung desselbigen.
Es hat auch der Hopff ein Krafft und Natur die verbrandte melancholische Feuchte gemachsam ausszuführen:
Läutert auch und rereiniget das Geblüt: Wirdt nützlich gebraucht wider allerley Fieber so von Unreinigkeit dess Geblüts/ unnd
verstopffung der Leber unnd dess Miltzes jren Ursprung haben/ fürnemlich aber soll er gebraucht werden zu den melancholischen
Fiebern.
(Hopffen und Hirschzungen in Wein gesotten und getruncken/ vertreibt die viertägige Fieber/ öffnet die
Verstopffung der Brust/ und nimpt auch das Keichen.)
Dieweil auch der Hopffe die Leber und das Miltz reiniget/ unnd derselbigen verstopffung hinweg nimpt/ wirdt er
nützlich gebraucht wider die Gelbsucht (unnd treibet die wässerige kalte Feuchte auss in der Wassersucht durch den Stulgang.)
Wider die obermelte Gebresten kan man das Laub/ den Hopffen oder die Wurtzeln in Wein/ Wasser oder Geyssmolcken
sieden/ nach Gelegenheit der Schwachheit/ unnd jederzeit einen guten Trunck darvon thun.
(Dess gepülverten Samens ein halb quintlein eingenommen/ tödtet die Würm im Leib/ befürdert den Harn/ unnd
der Frauwen Zeit.
Die Wurtzel wirdt in langwirigen Fiebern nützlich gebraucht.)
Eusserlicher Gebrauch dess Hopffens
Dieweil die Bletter ein Krafft haben zu säubern kan man sie eusserlich gebrauchen zu aller Unreinigkeit der
Haut.
Man kan auch den Hopffen unnd die Bletter wol brauchen zu den Bädern die Gelbsüchtigen darmit zu waschen.
(Ein Dampff mit Hopffenblumen gemacht/ bekompt wol der harten verschlossenen Mutter/ auch denen so schwerlich
harnen/ und denen so den Blasenstein fühlen/ wann sie das Wasser sollen ablassen.)
Von dem Safft dess Hopffens
Wie man den Safft auss dem Hopffen bringen kan/ davon kan man lesen bey dem Wermuthsafft.
DODONAEUS schreibet/ wann man diesen Safft einneme/ treibe er kräfftig durch den Stulgang den Schleim und die
Gall: Und vermeldet FUCHSIUS wie auch MATTHIOLUS, wann er rohe eingenommen werde/ treib er stärcker zu Stul/ aber er eröffne
weniger: Dargegen aber wann er gesotten wirdt/ treibe er nicht so starck zu Stuel/ aber er seye kräfftiger zu eröffnen alle
jnnerliche verstopffte Glieder.
Dieser Safft treibt auch auss die melancholische Feuchte/ reinigt das Geblüt/ die Leber und den Miltz/ treibet
den Harn/ ist gut wider die Gelbsucht unnd Wassersucht/ (wirdt kräfftiger so er mit Geyssmolcken gebraucht wirdt/ und stärcket
das weiss Geäder.)
Eusserlicher Gebrauch dess Saffts
Dieser Safft in die Ohren getröpffet/ vertreibt den bösen Gestanck derselbigen/ unnd widerstehet der Fäule/
dass dieselbige nicht uberhandt neme/ wie FUCHSIUS unnd DODONAEUS darvon geschrieben.
Dieser Safft kan wol eusserlich gebrauchet werden/ die Flechten unnd Unreinigkeit der Haut darmit abzubringen
und zu reinigen.
Von Hopffensyrup
Den Hopffensyrup kan man also machen: Nimb dess Saffts von den obersten zarten Geschossen dess Hopffens
i.Pfund/ Erdtrauchsafft ein halb Pfund/ so alle beyde wol geläutert und verfeymet seyn/ alsdann siede sie mit anderthalb Pfundt
Zucker wol ab.(Etliche thun weiters sechs Loth Rosinlein/ so zuvor ein weil in Essig gebeytzet seyndt worden hinzu/ kochen es als
dann zum Syrup: unnd wirdt SYRUPUS DE LUPOLA CUM ACETO EX PASSULIS genannt.)
Dieser Safft hat eine Natur etwas zu kühlen/ die Gelbsucht zu vertreiben/ und den Schleim durch den Harn
ausszuführen: er reiniget auch das Geblüt von den verbrannten/ schwartzen/ melancholischen Dünsten und andern Unreinigkeiten
mehr. (Man kan jhn mit Gerstenmeel an machen und also offt trincken.
Vom gebrandten Hopffenwasser
Wann der Hopffen seine lucken Knöpff oder Blumen bringet/ darinnen der Samen verschlossen ist/ nemlich
gegen dem Augstmonat/ sol man jhn abrupffen/ klein zuhacken/ mit firnem Wein begiessen/ wol erbeitzen und hernach distilliren.
Diss Wasser Morgens nüchtern warm getruncken/ unnd das tägliche Tranck darmit vermischet/ reiniget das
Geblüt/ öffnet alle jnnerliche Verstopffung der Lebern unnd Miltzes/ unnd nimpt deren Geschwulst und Auffblehung: unnd fürdert
die Melancholische Feuchte auss dem Leib/ darvon mancherley Unreinigkeit der Haut herkommen: befürdert den Harn/ wie auch
eusserlich auff den Nabel und Macht gelegt.)