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HERREN-, MOHREN-,KÖNIGSKÜMMEL
Trachyspermum amm
VON DEM AMMEY.
Dess Ammeykrauts haben wir heutiges Tages drey Geschlecht/ under welchen das erste
wahre AMMIUM oder AMMI DIOSCORIDIS ist. Die andern zwey aber können von demselbigen
in keinen weg/ von wegen der Gleichheyt/ Krafft und Wirckung geschieden werden.
l. Das erste
Geschlecht hat ein kleine/ dünne/ weisse Wurtzel/ und zarte Bletter wie der Mohrenkümmel/
die seynd aber kleiner und schmäler/ wie auch der stengel und die Krönlein/ oder
Schatthütlein mit jhren weissen Blümlein. Der Samen wird sehr klein und milchwechtig/
von Farben schwartzgrauw/ eines scharpffen Geschmacks wie der Pfeffer/ mit einer
Bitterkeit vermischt/ und eines fast lieblichen Geruchs/ wie der Candisch Wolgemuth.
Der Samen ist erstlich auß ALEXANDRIA AEGYPTI zu uns gebracht worden/ von welchen
er hernachmals bey uns/ in den Gärten ist gesäet und gepflantzet worden/ unnd muß
alle Jahr erneuwert werden von frischem Samen/ sintemal es ein recht Sommer Gewächs
ist/ das gar keinen Frost leiden kan. Er begehrt einen guten wol erbauweten/ feysten
unnd wolgedüngeten Grund/ der der Sonnen wol gelegen ist. Man soll diesen Samen
im Mertzen oder ende deß Aprillens säen/ und so der anfahet auffzugehen/ offtermals
mit lawem Wasser begiessen.
ll.
Ammey.
AMMIUM II. ITALICUM.
ll. Das ander geschlecht hat ein dickere
Wurtzel dann das jetztgemeldet/ die ist weiß/ und hat viel kleine Zaseln: Die Bletter
seynd lang unnd tieff zerkerfft/ wie die Bletter der Pastenachen. Der Stengel ist
rund/ grün/ und kleiner dann der Pastenachen/ mit vielen kleinen Zweygen und Nebenästlein.
Am obern Theil derselben bringet es kleine Krönlein/ mit vielen/ weissen unnd kleinen
gestirntebn Blümlein/ nach dem dieselben abfallen/ folget ein kleiner Samen/ der
hat ein scharpffen und bitteren Geschmack fast wie der Pfeffer/ der Geruch ist lieblich/
gleich dem Pfefferkümmel und Candischen Dosten/ als wann diese beyde durcheinander
vermischt werend. Es wächst nicht von sich selbst in Teutschland/ sondern muss in
den Gärten gezielet werden/ und so man es säet oder pflantzet/ wächst es gern/ und
ist besser auffzubringen/ als das ander/ und erjünget sich alle Jahr selbst von
dem außgefallenen Samen.
lll. Das dritte
Geschlecht/ hat ein dicke/ weisse Wurtzel eines kleinen Fingers dick7mit wenig Zaseln/
die Bletter sind den Blettern deß Wießkümmels ähnlich/ die Stengel seynd rund/ mit
vielen Zweyglein und Nebenästlein/ mit Schatthütlein und kleinen Blümlein wie das
vorige/ der Samen vergleichet sich dem Peterlensamen/ ist doch kleiner/ eines bitterlechtigen
Geschmacks unnd lieblichen Würtzgeruchs/ wie der Candisch Dosten. Dieses wächst
von sich selbst in Candia/ muß bey uns in den Lustgärten gezielet werden/ und wächst
gern in gutem Erdreich.
Von
den Namen deß Ammeyß.
Es hat bißher ein jeder Medicus und Apotecker ein besonder Ammey gehabt/ und ist
keines das etwas Gleichheit mit dem Ammey der Alten gehabt hette/ welcher Jrrthumb
nun zur zeit bey vielen offenbahret und außgereutet worden ist/ unnd das wahre AMMONIUM
der Alten wider an sein statt kommen.
l. Der Ammey
wird Lateinisch/ AMMI, AMI, AMIUM und AMMIUM genannt. Von den Kreutlern/ AMMIUM
ALEXANDRINUM, AMMIUM SYRACIUM, CAMINELLA, CUMINELLA, CYMINELLA, und MURIOLA, von
den gemeinen Aertzten und Apoteckern/ AMEOS, AMIOS, AMMEOS und AMMIOS IN GENITIVO
CASU INDECLINABILITER. Hochteutsch Ammey/ Ammy unnd Ammeykraut. Es wird auch das
rechte und wahre Ammey zum underscheid der andern zweyen Alexandrinischer Ammey
genannt.
ll. Das zweyte
Geschlecht wird von den Kreutlern AMMIUM ITALICUM, AMMIUM APULUM und ROMANUM genannt/
weil es in gemelden Orten wachsen soll. Teutsch Jtalianischer und Römischer Ammey.
lll. Das dritte
Geschlecht wird von den Kreutlern AMMIUM CANDIACUM und CRETICUM genannt. Teutsch
Cretischer oder Candischer Ammey.
Von
der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Ammey.
Der Samen aller gemelden Ammeykreuter/ ist hitziger und truckener Art und Natur/
wärmet derwegen unnd trucknet im dritten Grad/ unnd hat eine Krafft und Eygenschafft
abzulösen/ zu kochen/ zu zertheilen/ zu reynigen und zu säubern. Das Kraut hat gleiche
Krafft ehe es zum Samen kompt/ doch viel geringer und minder als der Samen.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Ammeysamens.
Es ist der Ammeysamen ein edel Condiment zu Fisch und Fleisch Speisen/ dann er macht
dieselbige wolgeschmackt unnd Lieblich/ und seynd alle Speisen/ die damit bereytet
werden/ dienlich denen Menschen so mit stätigem Magenwehe/ Krimmen unnd Därmgegicht/
deßgleichen den Wassersüchtigen unnd den Weibern so mit stätem Mutterschmertzen
behafftet seynd.
Gemelden Samen
mit dem Brodteyg gebacken/ ist solches Brod in obgemelden Gebrechen fast dienlich
zu gebrauchen. So man aber dessen zu viel braucht/ machet er ein blöde unnd bleyche
farb.
Ammeysamen erwärmet
unnd stärcket die Brust/ Lungen/ Hertz/ Leber/ Miltz und alles eyngeweyd/ zertheilt
und vertreibt die Bläst deß Magens/ der Därm unnd der Mutter/ unnd leget derselben
Schmertzen auß Kälte verursacht. Er öffnet unnd löset auff die verstopffung der
Leber/ Miltzes unnd der Nieren. Er fürdert die weibliche Monatblumen/ und mindert
die ubrige Unkeuschheit.
Dieser Samen
in Wein gesotten/ darnach durchgesiegen unnd deß Morgens unnd Abends/ jedesmal ein
Becher voll darvon getruncken/ vertreibt das Krimmen/ Därmgegicht/ Mutterwehe/ reynigt
die Nieren/ Harngäng unnd Blasen/ treibet fort den verstandenen Harn/ benimpt die
Harnwind/ vertreibt das tröpfflingen harnen und fürdert die Weibliche Monatblumen.
Gemeldter Samen
zu Pulver gestossen unnd ein quintlein mit warmem Wein getruncken/ hat gleiche Krafft
unnd wirckung/ unnd thut gewaltigen widerstand der vergifftung unnd schädlichheyt
deß eingenommenen Schirlings/ und vertreibet die Wind im Leib.
Ein halb Loth
mit wein getruncken/ vertreibt den schmertzen der Lenden unnd Nieren: dienet wider
die vergifftung der Erdtspinnen.
Ammeysamen unnd
Bibergeyl/ jedes gleich viel zu einem reynen Pulver gestossen/ unnd darvon ein halb
Loth mit Meth vermischet und getruncken/ ist ein gewisse hülff wider die Colick
und das Därmgegicht.
Ammeysamen bereytet
und gesotten wie die Wurtzel CHINA, unnd auch also gebraucht/ hilfft Wider die vergiffte
Contagion der Franzosen Kranckheyt/ und verbessert dieselbige.
Wider die Lungensucht
PHTISIM unnd die verwundung derselben von täglichen Flüssen: Nimb Ammeysamen/ Erven/
Pfefferkörner/ jedes zwey quintlein/ Veielwurtz/ Langenspick/ jedes ein quintlein.
Stoß alle gemelde Stück zu einem reynen Pulver/ und thue darzu ein halb loth Cyprischen
Terpentin/ frischen Buttern und xii.loth verscheumpts Honigs/ vermisch es zu einer
Latwergen/ und brauch darvon allen Morgen einer Castanien groß.
Ammeysamen zu
Pulver gestossen unnd mit viermal so viel verscheumptem Honig ein Latwerg darauß
gemacht/ ist gut wieder den kalten Husten/ erwärmet die Brust unnd Lungen/ Morgens
nüchtern und deß Abends jedesmal einer gemeinen Castanien groß eyngenommen.
Wider die Nachwehen
und stechende Schmertzen nach der Geburt: Nimb Ammeysamen/ Eppichsamen/ Jngber/
Wießkümmel/ langen Pfeffer/ jedes ein halb Loth/ weissen Feinzucker dritthalb Loth.
Mache ein reyn Pulver darauß/ und gib darvon auff einmal i. Löffel voll mit weissem
Wein zu trincken.
Wider die Unkeuschheit
und den Mannlichen Samen zu mindern: Nimb Ammeysamen/ Fenchelsamen/ jedes vi.grän/
und ein wenig Rauthen/ iß die mit dreyen Feigen alle Monat einmal oder so offt du
wilt.
Eusserlicher
gebrauch deß Ammeys.
Ammey zu Pulver gestossen und mit Lacken oder Saltzwasser temperirt ist gut wider
den außgegangenen Nabel wie ein Pflaster darauff gebunden.
Ammeysamen mit
Pinhartz auff glüende Kolen gelegt und den Rauch darvon inn die Mutter empfangen/
vertreibt die Wind und Bläst darinn/ und reynigt die verschleimpte Mutter von allem
Unrath.
Ammeysamen zu
Pulver gestossen/ und mit Roseinlein und Honig temperiert wie ein Pflaster heylet
und vertreibt die blauwen Mähler/ ubergelegt.
Ammeykraut mit
aller seiner Substantz gesotten/ unnd den Laum oder Dampff darvon in die Mutter
empfangen/ fürdert die Weibliche Monatblumen/ unnd erwärmet die erkalte Mutter.
Wider die Geschwulst
der Hoden von wässeriger Feucht oder Winde: Nimb gepülverten Ammeysamen/ und vermisch
den mit wolgeklopfftem Eyerweiß wie ein Pflaster/ unnd legs warm uber die Geschwulst.
Ammeysamen in
Wasser gesotten unnd den Stich eines Scorpions damit warm gebähet unnd gewäschen/
leget den Schmertzen alsbald.
Auß dem Kraut
und den Stengeln deß Ammeys/ kann man gute Bähung machen wieder den Stein/ Lendenwhe
unnd Mutterkranckheyten.