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HABICHTSKRAUT
Hieracium - Compositae
VON DEN HABICHKREUTERN.
DIOSCORIDES beschreibet der Habichtkräuter LIB. 3. CAP. 62. & 63. zwey Geschlecht/ und PLIN. LIB. 26.
CAP. 7. nur ein Geschlecht/ wir aber haben heutiges Tages achtzehen Geschlechter/ die uns bekandt sind/ welche den
Habichtkräutern DIOSCORIDIS verwandt und denselben billich zugesellet sollen werden/ dann solches nicht fremd ist/ daß man
vielerley unterschiedlich Geschlecht eines Krauts findet/ deren DIOSCORIDES und andere alte Lehrer nicht gedacht haben/ sintemal
die tägliche Erfahrung bezeuget/ daß zu jetziger unserer Zeit vieler Gewächs und Kräuter vielmehr Geschlechter gefunden
werden/ die den Alten unbekandt/ und auch deren sie in ihren Schrifften nicht gedacht oder dieselbigen beschrieben haben.
I. Das erste gemein und groß Habichkraut/ hat eine zaselechtige Wurtzel/ die ist Spannenlang/ und kleinen Fingers dick/ und
voller Milch. Die Blätter sind mit weiten Unterscheiden zerschnitten oder zerspalten/ wie der wilde Lattich oder Gänßdistel/
der Stengel ist rund/ gerad/ mit Stämen oder Holkeelen/ rauh/ voller kleiner Dörnlein/ außwendig rothlechtig/ inwendig hole/
und fast auf die anderthalb Ellen lang/ mit vielen Zweiglein und Nebenästlein besetzt/ darauf wachsen bleichgeele Blumen/ den
Blumen der Creutzwurtz oder Hasenköhl ähnlich/ die werden bald zu zarten wollechtigen Köpflein/ und fliehen darvon wie an dem
Pfaffenröhrleinkraut. Das gantze Kraut ist voll weisses Milchsafft/ gleich dem Lattich oder Hasenköhls. Es wächst hin und
wieder in den trucknen und dürren Wiesen/ in den Weinbergen und Rechen der Aecker und Felder.
II. Das ander Geschlecht des Habichkrauts/ hat ein zaselechtige Wurtzel/ gleich wie das Wegerichkraut/ die
scheinet als wann sie in der Mitte abgebissen oder abgefaulet seye/ wie die Abbißwurtzel. Die Blätter sind zarter und kleiner
dann die Blätter des grossen Habichkrauts/ und auch einger zerkerfft/ die Blumen sind geel/ werden hernachmals zu einer zarten
weissen Wollen/ und fliehen darvon wie die vorgemeldten. Es wächset in bergechtigen Graßplätzen und Wiesen.
III. Das dritte Geschlecht der Habichkräuter/ das hat ein zaselechtige Wurtzel wie der Wegerich/ die Blätter
sind lang/ vornen ausgespitzt/ von Farben schwartzgrün/ in viel lange Zincken zerschnitten und zertheilet/ schier anzusehen wie
der Krähenfuß/ ausgenommen/ daß sie schmäler und länger sind/ die Stengel sind rund/ deren es vier oder fünff hat/ die
theilen sich eben gemeiniglich in drey Zincklein aus/ darauf wachsen schöne/ gefüllte/ circkelrunde Blumen/ die sind geel von
Farben. Dieses Gewächs wachst gern in dunckeln Graßgärten und andern graßechtigen Orten unter den Bäumen.
IV. Das vierdte Geschlecht/ ist ein kleines Stäudlein/ wird nicht über eins Schuhs lang/ wann es schon in
feistem Grund wächset/ die Würtzlein sind klein und dünn/ deren sind viel/ die Blätter sind mit Kerffen ausgeschnitten/ wie
das kleine Habichkraut/ doch kleiner/ die ligen auf der Erden wie Rädlein außgespreitet/ die Stenglein sind dünn und glatt/ die
theilen sich oben aus in etliche Zincken/ darauff wachsen geele/ runde Blumen. Es wächst gern in dem Getraid/ deßgleichen auf
den Brachfeldern/ und auf den dürren Rechen. [Zwischen diesem und dem ersten ist ein kleiner Unterscheid.]
V. Das fünffte Geschlecht hat eine kurtze Wurtzel/ die ist mit vielen und langen Zaseln behenckt/ die Blätter
sind denen Blättern des Pfaffenröhrleinkrauts ähnlich/ außgenommen/ daß sie enger/ tieffer und in schmälere und spitzigere
Zacken zerschnitten oder zerspalten sind/ zu dem sind auch dieses Krauts Blätter nicht so krumpff vornenher/ sondern lang/ schmal
und gar außgespitzet/ die ligen auf der Erden außgespreitet. Von der Wurtzel wachsen drey oder vier runde/ glatte/ dünne
Stengel/ die werden Schuhs oder anderthalben Spannen lang/ die theilen sich oben in drey oder vier Zincken/ unter deren jedem
wächset unten an dem Gewerblein ein eintziges/ kleines/ spitziges Blättlein herauß/ und auf jedem Zincklein eine schöne/ geele
circkelrunde gefüllte Blum/ aus einem langen Köpfflein/ wann die vergehen/ folget ein langer/ leichter/ graulechtiger Saamen/
dem Saamen des Lattichs oder Endivien ähnlich/ außgenommen/ daß er länger ist. Dieses Kraut wächst auf den graßechtigen
Rechen/ und in den Wiesen so in Wälden und im Gebirg ligen/ als auf dem Haynrück bey Langenschwallbacht/ Bleidenstart und
Adolphseck/ deßgleichen im Westwald/ Ostwald/ und auf dem Spessert.
VI. Das sechst Geschlecht hat fünff oder sechs Wurtzeln/ die sich von einem Haubt außtheilen und wachsen/ die
Blätter sind der Türckischen Wegwart ähnlich/ außgenommen/ daß sie breiter und kürtzer/ und vornenher krumpfer sind/ mit
zarten kleinen Härlein überzogen/ die Stengel/ deren es vier oder fünff hat/ sind rund/ eins Schuhs hoch/ ein wenig dicker als
die Stengel des jetztgemeldten/ die gleicherweiß auch sich in zwey oder drey Zincklein im Oberntheil außtheilen/ die Blumen sind
Dottergeel/ den vorigen der Gestalt halben gleich/ ausßgenommen/ daß sie ein wenig grösser sind/ der Saamen ist dem vorigen
vast gleich/ es wächst an obgemeldten Orten.
VII. Das siebende Geschlecht/ hat eine Wurtzel eines Fingers dick und Schuhs lang/ auch bißweilen länger/ mit
vier oder fünff kleiner Nebenwürtzlein/ außwendig grau/ und inwendig weiß/ eines bittern und zusammenziehenden Geschmacks/
gleich allen obgemeldten Geschlechtern. Die Blätter ligen Zirckelweiß auf der Erden außgespreitet/ sind kürtzer/ kleiner und
schmäler/ denn die Blätter des vorgemeldten/ nur mit 2. oder 3. runden Kerffen außgeschnitten/ wie des Raucken Blätter. Die
Stengel sind dünn/ glatt und ohne Blätter/ die theilen sich oben in drey oder vier Zincken aus/ aus welcher Gewwerblein unten an
einem jeden Zincken ein sehr kleines spitziges Blättlein herauß wächset/ und auf jedem Zincken eine geele Blum/ wie die Blum
des Röhrleinkrauts/ außgenommen/ daß sie kleiner ist.
VIII. Das achte Gechlecht/ hat eine lange/ dicke Wurtzel/ kleinen Fingers dick/ außwenig schwartzlechtig und
inwendig voller Milch/ von der Wurtzel wachsen heraus sechs oder sieben/ auch mehr und bißweilen weniger Blätter/ die sind
breit/ lang/ weich und wollechtig/ gleich wie die Blätter des Wullkrauts/ außgenommen/ daß sie etwas kleiner und vornenher
krumpfer und nicht so spitzig/ sondern runder sind/ gegen dem Mäyen wächset/ zwischen den Blättern herfür ein runder/ holer
und rauher/ haarechtiger/ dicker Stengel/ der sich obenher in zwey oder vier Zincken austheilet/ unter welchem aus jedem
Gleichlein unten ein kleines/ rauhes Blättlein herauß wächst/ und auf jedem Zincklein ein schöne/ bleichgeele/ gefüllte/
circkelrunde Blume/ aus einem dicken/ rauhen Köpfflein oder Häußlein/ eines ziemlichen guten Geruchs/ deren folget nach ein
schwartzlechtiger langer Saamen/ in den wollechtigen Köpfflein/ welcher vom Wind dahin fleugt/ und hin und wieder zerstreuet
wird. Dieses Kraut wächst im Mäyenthal oder Mäynstrom/ zwischen den Churfürstlichen und Bischofflichen Stätten/ Miltenburg
und Würtzburg/ auf den dürren Wiesen und graßechtigen Bergen. Wir haben dieses Gewächs/ wie wir dieses geschrieben/ nicht
grün haben können/ damit es hätte mögen abgerissen werden/ derowegen wir die beygesetzte Figur/ welche nur vier Blätter hat/
von Herrn CAROLO CLUSIO entlehnet/ soll aber hernachmals/ ob Gott wil/ leblicher hieher gesetzt werden.
IX. Das neundte Geschlecht/ hat eine weisse Wurtzel/ von einem Haubt in viel Wurtzeln abgetheilet/ mit wenig
Zaseln/ am Geschmack bitter wie die andern Habichkräuter/ die Blätter sind lang/ schmal und eckechtig zerkerfft/ der schmalen
geelen Wegwarten gleich/ außgenommen/ daß sie länger und rauher sind/ der Stengel ist rund/ rauh und haarechtig/ mit vielen
Nebenzweiglein/ die Blumen sind geel/ circkelrund/ und gedoppelt/ die wachsen aus rauhen Häubtlein oder Köpfflein. Es wird
gemeiniglich gefunden auf ungebaueten Feldern und Aeckern.
X. Das zehende Geschlecht der gemeldten Kräuter/ hat eine weißlechtige Wurtzel/ die sich von einem Haubt in
etliche krumme Zacken außtheilet/ mit sehr wenig Zaseln/ die sind dem ersten Geschlecht des Berghabichkrauts vast ähnlich/ mit
zwey oder drey Kerfflein ein wenig zerschnitten auf beyden Seiten/ vast eines Fingers breit und lang/ die Stengel sind rund/ eines
Schuhs lang und auch etwan länger/ die theilen sich in zwey oder drey Nebenäste aus/ oben wiederum in zwey oder drey Zincken/
darauf kleine geele Blumen wachsen/ aus runden/ spitzigen/ gekähnelten Häußlein/ wann die vergehen und abfallen/ folgen hernach
krumme spitzige Schöttlein/ wie kleine Hörnlein/ darinn ist ein kleiner Saamen verschlossen/ die Schöttlein haben eine Gestalt
wie die Vogelsklauen oder Krebsfüß. Es wächset um Mompelier und in Languedock unter dem Geträyd/ und in den Rechen der Felder/
in Teutschland muß man es in den Lustgärten ziehen.
XI. Das eilffte hat eine Wurtzel fast kleinen Fingers dick und ein wenig länger/ mit vilen Zaseln behenckt/
die Blätter sind den Blättern der Condrillen ähnlich/ die Blumen sind geel/ den Blumen des Habichkrauts sich vergleichend. Es
wächst in den Kecken neben den Landstrassen/ und blühet fast den gantzen Sommer.
XII. Das zwölfft Geschlecht hat eine kurtze schwartzgraue/ kumpffe Wurtzel/ eines Fingers lang und kleinen
Fingers dick/ mit etlichen angehenckten weissen Nebenwürtzlein/ die unten an den Enden wiederum kleine Zincklein haben/ die ist
safftig und voller Milch/ eines vast bittern Geschmacks/ die Blätter die sind lang und breit/ krauselechtig/ grauweiß/ mit einer
rauhen Wollen überzogen/ schier anzusehen wie die Blätter der geelen Ochsenzungen/ außgenommen/ daß diese zweymal breiter
sind/ sonderlich die untersten/ und kleine kurtze Stiel haben/ und nicht also an die Stengel angewachsen/ und dieselbigen umfangen
wie die Blätter der geelen Ochsenzungen/ die wachsen um den Stengel herum und sind am Ende etwas spitzig. Zwischen den Glättern
wächset im End des Brachmonats/ ein runder/ rauher und haarechtiger Stengel herfür/ anderthalben Spannen lang/ der theilet sich
etwan in zwey oder in drey Nebenzweiglein/ darauf dicke Köpflein oder Häubtlein wachsen/ von vielen rauhen Blättlein zusammen
gesetzt/ darauß schöne/ geele/ gefüllte Blumen in dem Heumonat herfür kommen/ die hernachmals wie andere deren gleichen
flockechtige Blumen/ samt ihren schwartzlechtigen Saamen verschwinden/ und vom Wind hinweg getrieben werden. Dieses gantze
Gewächs stecket voller Milch/ wie das erste. Es wächset in dem Vehschgebirg/ und in dem Schwartzwald auf den Gipffeln der hohen
Bergen/ zwischen der Grießbach/ dem Angetast und dem Ribelsauer Saurbrunnen.
XIII. Das dreyzehende Geschlecht/ hat eine weißgraue Wurtzel/ von vielen Zaseln oder kleinen Würtzlein von
einem Haubt herkommend. Die untersten Blätter/ die von der Wurtzel herfürwachsen/ die sind untenher schmal/ schier biß in die
Helffte mit runden Schnitten ausgeschnitten/ wie die Wegwart oder Pfaffenblat/ in der Mitte aber sind sie drey zwerch Finger
breit/ bäuchechtig/ und nur ein wenig ausgeschnitten/ und vornenher ausgespitzet/ von Farben schwartzgrün/ sehr dünn/ lind/
zart und weich/ die haben ihre kurtze Stiel/ die an der Wurtzel stehen/ darzwischen wächset heraus ein dicker/ feister und
safftiger Stengel/ der ist voller Milch wie die Blätter/ darum wachsen die Blätter an denselben angehefftet/ die mit ihren
zackechtigen Gäbelein den Stengel ergreiffen/ die sind an demselben gar breit/ in etliche Zacken wie spitzige Zähn
ausgeschnitten/ und hernachmals je länger je weniger/ bleiben sie doch in einer gleichen Breite/ biß daß sie über die Helffte
kommen/ alsdann fahen sie an schmäler zu werden und allgemach sich auszuspitzen. Es gewinnet auch der gemeldte Stengel etliche
Aest- und Nebenzweiglein/ unter welchem jeden aus seinen Geweerblein ein dergleichen grosses Blatt herfür wächst/ nach
denselbigen werden die Blätter je länger und kleiner/ biß auch am Obertheil bey den Blumen nur kleine/ lange Spitzlein daraus
werden. Die Blumen sind bleichgeel/ circkelrund und gefüllt/ die vergehen und fliehen darvon wie die Blumen des ersten
Habichkrauts oder Hasenköhl. Dieses Geschlecht wächst an feuchten graßechtigen Orten/ auf Allerheiligen Berge bey Heidelberg/
wie man von dem Flecken Hendschuchsheim auf den Berg gehet/ deßgleichen bey dem Dorff Michelbach/ und in andern dergleichen mehr
Orten des Ostwalds.
XIV. Das vierzehende Geschlecht/ ist mit der Wurtzel dem jetztgemeldten gleich/ ausgenommen/ daß sie kleiner
ist/ die Blätter sind auch viel schmäler/ und ein wenig kürtzer als die andern/ und haben die untersten so von der Wurtzel
herauß wachsen/ längere Stiel/ die andern aber so um den Stengeln herum wachsen/ sind an den Stengel ohne Stiel gewachsen/ als
wann sie angehefftet wären/ sind aber gegen dem Stiel schmäler als die vorigen/ ihrer Art und Grösse nach/ die sind sonst zart
und weich wie die obgemeldten/ oben theilet ein jeder Stengel sich in fünff/ sechs oder sieben Zincklein/ darauf wachsen geele
Blumen auf jedem Zincklein eine/ die sind den vorigen gleich/ allein daß sie ein wenig kleiner sind. Beyde obgemeldete
Geschlechter sind fast bitter/ wie andere Habichkräuter. Dieses wächst auch an den obgemeldten Orten.
XV. Das fünffzehende Geschlecht/ hat eine weisse zasechtige Wurtzel/ von einem Haubt in viel kleiner
Würtzlein getheilet/ gleich wie die Wurtzel des grossen Berghabichkrauts mit den breiten Blättern/ die Stengel sind rund/ ein
wenig braunlechtig/ vornemlich untenher/ Ellen lang und auch bißweilen länger/ die sind von unten an biß obenaus mit grünen/
langen/ schmalen Blättern besetzet/ die stehen um den Stengel herum je eins über dem andern/ und ist ein jedes breiter als ein
Finger/ mit dreyen und auch bißweilen mit zweyen kleinen Schnittlein zerkerffet/ wie das Habichkraut von Mompelier. Obenher
theilet sich der Stengel aus/ in etliche Nebenzweiglein/ darauf wachsen geele Blumen/ welche zu wollechtigen Köpfflein werden/
und vergehen also. Dieses Gewächs findet man hin und wieder am Gebirg am Rheinstrom/ deßgleichen auf dem Gebirg um die
Churfürstl. Stadt Heidelberg/ an dem Gebirg an der Bergstrassen/ und hin und wieder an dem Ostwald/ an sandechtigen und
steinechtigen Orten/ sonderlich aber bey den Berghäusern Starckenburg und Schönenburg.
XVI. Das sechszehende Geschlecht/ hat ein schwartzlechtige Wurtzel/ kleinen Fingers dick/ mit etlichen
zasechtigen kleinen Nebenwürtzlein behenckt/ die theilen sich oben in zwey oder drey Häubter aus/ von welcher jedem sechs oder
sieben/ mehr oder auch weniger/ lange/ weisse oder graue wollechtige Blätter herfür wachsen. Zwischen den Blättern herauß
wächset oder stosset herfür von einem jeden Haubt oder Wurtzel ein eintziger/ blosser/ runder Stengel/ einer Spannen lang/ ohne
Blätter/ auf welchem jeden im Ende des Mäyens ein eintzige und schöne geele gefüllte Blum wächset/ welche so die vergehet/
folgt ein langer Saamen in den langen Häubtlein/ von vielen zusammen gedrungenen und schüpechtigen Blättlein in ihrer Wollen
verschlossen/ welcher so sie sich von einander thun/ werden sie mit ihrer Wollen von dem Wind hin und wieder getrieben und
zerstreuet. Dieses Gewächs wächst in dem Elsassischen Gebirg/ und nicht weit von dem Bergschloß Königstein/ wie man auf den
Feldberg zeucht. Die Wurtzel und gantze Gewächs hat ein bitterechtigen adstringierenden Geschmack/ mit einer Trückne.
XVII. Das siebendzehende Geschlecht/ hat eine dicke knollechtige und krumme Wurtzel/ mit vielen kleinen
Würtzlein behencket/ die ligt überzwerch in der Erden/ und theilet sich oben in etliche Häubter aus/ daraus lange und schmale/
ausgeschnittene Wegwartenblätter wachsen/ die sind viel schmäler dann die Blätter der Türckischen Wegwarten/ und gehet mitten
durch ein jedes Blatt ein dicke Ader oder Nerven/ die sind weißgrau/ von zarter Wolle überzogen/ zwischen den Blättern wachsen
von jedem Haubt zween oder drey dünner/ runder und blosser Stengel herfür/ die sind außwendig glatt und inwendig hol/ einer
Spannen lang/ und wächset auf jedem Stengel in dem Brachmonat/ eine schöne/ sattgeele/ gefüllte Blum/ die vergehet endlich mit
ihrem langen und leichten Saamen/ wie die nächstgemeldte. Diese wächset in dem Lothringischen hohen Gebirg/ zwischen Spinal und
Fontenau. Das gantze Gewächs stecket voller Milch/ die Wurtzel und Kraut haben einen bittern zusammenziehenden Geschmack/ wie die
nächstgemeldte.
XVIII. Das achtzehende Geschlecht/ hat eine lange zasechtige Wurtzel/ kleinen Fingers dick/ die Blätter
vergleichen sich mit dem zwölfften Geschlecht/ außgenommen/ daß diese um das halbe Theil schmäler sind/ sonst sind diese
Blätter gar rauh und stachelechtig/ wie die Blätter der Weberkarten. Die Stengel sind rund/ rauh und stachelechtig/ die Blumen
sind geel/ wie die Blumen des kleinen Habichkrauts oder des Hasenlattichs/ wann die vergehn folgt ein langlechtiger Saamen mit
rauhen Köpflein. Die Wurtzel hat ein Geschmack wie die Ochsenzung/ ist auch gleifferechtig. Dieses Gewächs wird allein bey uns
Teutschen/ wie auch in Niderland und Franckreich/ in den Lustgärten gezielet.
Von den Namen der Habichkräuter.
Wir haben biß daher alle Geschlechter der Habichskräuter/ ordentlich und nach Müglichkeit beschrieben/ nun
wil auch die Nothdurfft erfordern/ ihre unterschiedliche Namen anzuzeigen.
Lateinisch/ HIERACIUM, von PLINIO, HIERACIA, von DIOS. SONCHITES und LAMPUCA, von APULEJO,
LACTUCA SYLVATICA, ASPIDEIUM oder ASPIDELUM, und von den Kräutlern/ ACCIPITRINA, und LACTUCA ACCIPITRINA. Hochteutsch/ Habichskraut und Habichslattich.
I. Das erste Geschlecht/ ist das groß HIERACIUM DIOSCORIDIS.
Lateinisch/
HIERACIUM MAJUS SONCHITES MAJOR, und von den Kräutlern/ ACCIPITRINA MAJOR. Hochteutsch/ groß Habichkraut.
II. Das zweyte Geschlecht/ ist das kleine HIERACIUM DIOSCORIDIS.
Lateinisch/
HIERACIUM ALTERUM, HIERACIUM MINUS. Von den Kräutlern/ ACCIPITRINA MINOR. Hochteutsch/ klein Habichkraut.
III. Das dritt Geschlecht/ hat weder bey den Kräutlern oder bey uns Teutschen einigen Namen/ als ein
unbekandtes Kraut/ ohnangesehen/ daß es sonst ein gemein Gewächs ist/ so haben wir es von wegen seiner schwartzgrünen Blätter
HIERACIUM NIGRUM, zu Teutsch/ schwartz Habichkraut genennet.
IV. Das vierdte Geschlecht/ gehöret unter das kleine Habichkraut DIOSCORIDIS, und ob es schon von ihm nicht
beschrieben worden ist/ so ist es doch ein wahres Geschlecht desselbigen/ und soll billich davon nicht abgesöndert werden/
sintemal es auch dieselbigen Kräfft und Tugenden hat/ die DIOSCORIDES seinem HIERACIO zuschreibet. Die Kräutler nennen es/
LACTUCAM LEPORINAM, und der gemeine Mann bey uns/ Hasenstrauch und Hasenlattich/ dieweil es die Hasen gerne essen.
V. Das fünffte Geschlecht/ dieweil es weder bey den Kräutlern und andern auch noch gar keinen Namen hat/ ist
es von uns HIERACIUM APHACOIDES genennet worden/ dieweil seine Blätter und Blumen dem Röhrleinkraut ähnlich seyn/ welches
Gewächs dann von dem Griechischen Artzt THEOPHR. APHACA genannt wird.
VI. Das sechste Geschlecht/ dieweil es auch wie das vorige
keinen Namen hat/ haben wir es HIERACIUM INTYBACEUM, das ist/ Wegwarten
Habichkraut getauffet/ sintemal seine Blätter der Wegwarten/ oder INTYBO gleich
und ähnlich sind.
VII. Das siebende Geschlecht/ hat auch noch keinen Namen/ das haben wir von wegen seiner langen Wurtzel/ die
eben so lang wird/ als das Kraut mit seinen Stengeln übersich wachset/ HIERACIUM MACRORHIZON genannt/ darmit es auch einen Namen
habe.
VIII. Das achte Geschlecht/ hat auch keinen Namen/ und ist doch ein wahres Geschlecht HIERACII, das haben wir
von wegen der wollechtigen Blätter/ die sich dem Wullkraut vergleichen/ HIERACIUM PHLOMOIDES, das ist/ Wullhabichkraut genannt.
IX. Das neunte Geschlecht/ haben wir HIERACIUM INTYBACEUM ASPERUM genannt/ dieweil die Blätter der geelen
Wegwarten ähnlich/ und darzu rauh und haarechtig sind/ das ist/ rauh Wegwarten Habichkraut.
X. Das zehende Geschlecht/ wird von den Kräutlern HIERACIUM MONSPELIACUM, und HIERACIUM NARBONENSE genannt.
Von den Teutschen/ Habichkraut von Mompelier und Languedock.
XI. Das eilffte Geschlecht hat auch noch keinen Namen/ das haben wir von wegen der Gleichheit/ so seine
Blätter mit der Chondrillen haben/ HIERACIUM CHONDRILLOIDES genannt. Teutsch/ Chondrillen Habichkraut.
XII. Das zwölffte Geschlecht/ wird HIERACIUM LATIFOLIUM MONTANUM I. zu Teutsch/ I. breit Berghabichkraut.
XIII. Das dreyzehende Geschlecht/ HIERACIUM MONTANUM LATIFOLIUM II. zu Teutsch/ das II. breit Berghabichkraut.
XIV. Das vierzehende Geschlecht/ HIERACIUM LATIFOLIUM MONT. III. das ist/ III. breit Berghabichkraut.
XV. Das fünffzehende Geschlecht/ wird von den Kräutlern HIERACIUM SABAUDUM, und HIERACIUM MONTANUM genannt/
das ist Sopheyisch Habichkraut/ und Berghabichkraut. Es darff aber den Zunamen vicht bey uns von Sopheyen haben/ sintemal es in
grosser Meng auf dem Gebirg und Rheinstrom/ in dem Schwartzwald/ Ostwald/ und andern mehr Orten unsers Teutschlands wächset.
Dieweil auch der Geschlechter des Berghabichkrauts mehr gefunden werden/ haben wir es zum Unterscheid der andern/ HIERACIUM
MONTANUM ANGUSTIFOLIUM I. genannt/ das ist/ I. Berghabichkraut mit schmalen Blättern.
XVI. Das sechszehende Geschlecht/ dieweil es gar keinen Namen hat/ haben wir es HIERACIUM ANGUSTIFOLIUM II.
genannt/ das ist/ II. Habichkraut mit schmalen Blättern.
XVII. Das siebenzehende Geschlecht/ hat auch keinen Namen/ das haben wir von wegen der schmalen
Wegwartenblätter die es hat/ HIERACIUM MONT. ANGUSTIFOL. INTYBACEUM genannt/ und zu Teutsch/ Bergwegwarten Habichkraut mit
schmalen Blättern.
XVIII. Das achtzehende Geschlecht/ ist ein Zwickdorn unter den Habichkräutern und der Ochsenzung/ das ist/ ein
halb Habichkraut und ein halb Ochsenzung/ das wird von wegen der rauhen Blätter die ein Gleichheit haben mit der wilden
Ochsenzung. Von den Kräutlern HIERACIUM ECHOIDES genannt/ und BUGLOSSUM LUTEUM. Zu Teutsch/ geel Ochsenzung.
Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Habichkräuter.
Alle Habichkräuter haben eine Krafft und Eigenschafft zu kühlen/ zu trücknen mit einer
Zusammenziehung und zu eröffnen/ deßgleichen zu abstergieren und zu säubern. Das achtzehende Gechlecht aber/ das sonst mit
einem andern Namen geel Ochsenzung genannt wird/ hat eine mittelmässige Krafft unter den Habichkräutern und der Ochsenzung.
Innerlicher Gebrauch des Habichkrauts.
Habichkraut frisch zerschnitten und wol in einem Mörser gestossen/ darnach den Safft ausgedruckt/ und dessen
2. oder 3. Untzen auf einmal getruncken/ mildert das Nagen im Magen.
Habichkrautsafft obgemeldter massen genützet/ mildert die Schärffe des Harns/ bringt auch Stulgänge.
Habichkraut und den Safft darvon auf alle Manier gebrauchet/ eröffnet die Verstopffung der Leber/ alteriert
oder verändert die hitzige Entrichtung derselbigen/ und dienet wider alle Gebrechen der Leber/ die von hitziger Ursach ihren
Ursprung bekommen.
Habichkraut gedörret und zu Pulver gestossen/ darvon 1. Quintlein oder anderthalbs mit Wasser zertrieben und
getruncken/ ist gut wider die gifftigen Biß oder Stich der Erdspinnen.
Eusserlicher Gebrauch des Habichkrauts.
Habichkrautsafft vertreibet die Flecken in den Augen/ und ist gut wider die anfahende Stahren/ vertreibet alle
Finsterkeit des Gesichts/ und läutert dasselbige wunderbarlich/ des Tages einmal oder viel/ jedesmal 2. oder 3. Tröpfflein
darein gethan.
Oder/ nimm Habichkrautsafft der geläutert ist/ schön lauter Honig/ guten fürnen weissen Wein/ jedes gleich
viel/ vermische die durch einander und behalts in einem Gläßlein zum Gebrauch. Wann einer nun ein blödes und dunckel Gesicht
hat/ der thue alle Morgen und Abend/ jedesmal 1. Tröpfflein oder 3. in die Augen/ es läutert das Gesicht über die Maß sehr/
schärffet es/ und ist ein Experiment.
Geläutert Habichkrautsafft mit Weibermilch temperiert/ jedes gleich viel/ ist eine heilsame Artzeney wider die
Entzündung der Augen/ jederweilen ein paar Tröpfflein darein gethan/ auch zarte leinine Tüchlein darinn genetzet und darüber
gelegt/ dienet auch wider die hitzige Flüß der Augen.
Wider die anfahende Stahren der Augen: Nimm geläuterten Habichkrautsafft/ Jungfrauenhonig/ jedes 2. Loth/ Katzengallen/ 1. Loth.
Vermische es durch einander/ und thue des Tages drey oder viermal/ allwegen ein paar Tröpfflein in die Augen.
Habichkraut frisch gestossen/ und wie ein Pflaster über den Magen gelegt/ vertreibt die Brunst und Entzündung
desselbigen.
Habichkraut samt der Wurtzel gestossen und übergelegt/ heilet die Stich der Scorpionen und Erdspinnen.