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GUNDERMANN
Glechoma hederacea - Labiatae
VON GUNDELRÄBEN.
Zu
dem Ephew wirdt auch die HEDERA TERRESTRIS gesetzet/ dieweil sie auff gleiche
weiß auff der Erden hin und wider kreucht/ wie der Ephew.
l. Diese Gundelräbe hat gar dünne Würtzlein/ auß welchen jhre
viereckete Räben herfür wachsen/ so auff der Erden hin und wider kriechen: Jre
Bletter seyn etwas rundt/ nicht fast groß/ rings umbher zerkerfft/ eines bittern
Geschmacks unnd starcken Geruchs/ auch rauch anzugreiffen: Zwischen den stengeln
und Blettern bringt es purpurbraune Blümlein.
ll. D. CAMERARIUS gedenckt noch einer andern und grösseren Art mit
rauchen stengeln und rotlechten Blumen/ [so nicht weit umb sich kreucht/ und in
gebürgeten Wälden wächst.]
Die Gundelräbe wächst gemeiniglich allenthalben [in den Gärten/ ]
hinder den Zäunen unnd Mauwren: Blüet den Sommer uber.
Von den
Namen.
Gundelräb/ Grundträb/ oder Erdtephew/ heist Lateinisch/ HEDERA
TERRESTRIS, CORONA TERRAE.
Von der
Natur/ Krafft und Eygenschafft der Gundelräb.
Die Gundelräbe/ wie vermeldet/ ist gar eines bittern Geschmacks/
unnd ein wenig scharpff: Derowegen warmer unnd truckner Natur. Hat eine Krafft
zu reinigen unnd zu eröffnen.
Jnnerlicher
Gebrauch.
Gundelräbe in Wein gesotten/ unnd solches Trancks viertzig Tage
getruncken/ nimpt den unleidtlichen Schmertzen deß Hauptwehes.
PAULUS AEGINETA schreibet LIB.7. DE RE MEDICA, wie auch GALENUS, daß
die Blumen von der Gundelräb in Wein gesotten/ die verstopffte Leber eröfne:
Werde auch nützlich gebraucht wider das Hüfftwehe.
DIOSCORIDES aber setzet/ wann mann die Bletter eines halben
Quintleins schwer mit sieben Loth Wasser/ ungefehrlich viertzig oder funfftzig
Tage nach einander trincke/ seyen sie gut wider das Wehethumb der Hüfft.
Er meldet auch/ wann man das Pulver auff solche weiß gebrauche 6.
oder 7. Tag lang/ vertreibe es die Geelsucht.
Es ist auch diß Kraut gut wider die Würm/ wann man dz Pulver den
Kindern einbringen kan/ dann es tödtet dieselbige.
[Diß Kraut sampt Stengel unnd den Blumen gepülvert/ oder ein Tranck
darauß gemacht/ ist gut den Schwindsüchtigen und die Eyter auff der Brust
haben.]
Gundelräben mit Chamillenblumen/ Beyfuß/ Poleyen unnd Dosten in Wein
gesotten/ und darvon getruncken/ eröffnet die verstopffte Mutter/ und treibt
fort die verstandene Zeiten.
Wer voll Schleims umb die Brust ist/ darvon er stetigs hustet/ und
ein schweren Athem hat/ der siede Gundelräben/ Hysop/ Alandtwurtz unnd Fenchel
in einem Honigwasser/ und trincke warm darvon/ so löst es umb die Brust wol
auff/ und macht außwerffen.
LEONARDUS FUCHSIUS vermeldet/ daß diß Kraut von etlichen wider die
Pestilentz gelobet werde: Und werde auch nützlich von den Reutern gebraucht
wider den Feifel der Pferdt.
Wann man das Kraut in Wein seudet/ [und trinckte] sol es den Harn
[Sandt/ Stein/ und der Weiber Zeit] treiben: Unnd meldet MATTHIOLUS, daß es auff
gleiche weiß gebrauchet/ das Gifft durch Schweiß außtreibe.
[Jn Wasser gesotten und getruncken/ stopffet die rothe Ruhr.]
Eusserlicher Gebrauch.
DODONAEUS schreibet/ wann man das Kraut in Wein siede/ unnd also
warm wider die Ohren halte oder den Dampff darvon durch ein Trichter in die
Ohren gehen lasse/ sey es gut wider die Taubsucht/ und vertreibe das Klingen in
Ohren.
(Etliche zertreiben allein das Kraut mit Händen/ und stossens in die
Ohren/ oder thun den Safft darein/ zu stillung deß sausen/ unnd zu schärpffung
deß Gehörs.)
PLINIUS vermeldet/ daß diß Kraut zerstossen/ unnd mit Wein wie ein
Pflaster uber die lincke Seiten gelegt/ dem geschwollenen Miltz wol bekomme.
(Gundelräb mit Essig gesotten/ auffs Miltz gelegt/ wehret dem
Stechen.
Das Kraut mit Eyerklar zerstossen/ und auff die Schläff gelegt/
macht schlaffen.
Mit Speck und Christwurtzel gestossen/ das Haar darmit bestrichen/
vertreibt Mülben.
Gundelräben/ Agley/ Weitzenmeel unnd Weinstein Oel zu einer Salb
vermischet/ heylet den bösen Grindt am Leib/ darmit gesalbet.
Frisch auff die Ballen der Händt unnd Solen der Füß gebunden/ zeuch
die jnnerliche Hitz deß Leibs an sich.
Etliche wöllen/ daß diß Kraut nüchtern in Händen erwärmet/ daran
gerochen/ den stulgang bewege: Dieser Geruch sol auch alle vergifftung deß
Luffts wehren in der gefährlichen Zeit.
Auß dem Kraut ein Lendenbad gemacht/ eröffnet die Nieren/ und heylet
den Weibern jhre Reinigung: Daher dann etliche Weiber in gemein/ daß sie es in
die Schuh legen/ auch in den Händen lassen erwärmen/ und daran riechen.)
Es wird auch diß Kraut eusserlich in Fußbaden gebraucht/ die
verstopffte und verschlossene Mutter widerumb zu eröffnen/ und die verstandene
MENSES widerumb zu bringen/ doch soll man auch Chamillen/ Pappeln/ Beyfuß/
Ackermüntz/ Dürrwurtz/ und Osterlucey darzu thun/ sich darmit warm bähen/ und
das Kraut auch selbst uber die Mutter und Geburtglieder halten.
Man helt auch dieses Kraut für ein gut Wundkraut: Dann es reiniget
nicht allein frische und alte Schäden/ sondern heylet dieselbigen auch zu.
MATTHIOLUS schreibt/ daß es gut sey/ wider die Geschwär an
heimlichen Gliedern/ Mänern und Weibern: Deßgleichen auch zu den Fisteln und
fliessenden Schäden.
Wer einen wunden versehrten Halß hat/ der siede diß Kraut in
Honigwasser/ und gurgele sich darmit/ so heylet es widerumb.
Von Gundelräbenwasser.
Auß
dem Kraut soll man auch im Mayen ein Wasser brennen/ welches zu oberzehlten
jnnerlichen Gebrechen deß Leibs nützlich und gut ist: Fürnemlich aber soll es
gut seyn den Schwindsüchtigen/ und den jenigen/ so Eyter auff der Brust haben/
dann es raumet die Brust/ und macht einen leichten Athem/ (den erkalten Magen/
Leber und Glieder deß Eyngeweids stärcket und eröffnet/ verzehret alle böse
Feuchtigkeit darinnen: Wird auch nützlich in der schwartze und gelbe Geelsucht
gebraucht.)
Es hat auch diß Wasser ein Krafft/ den Harn unnd die verstandene
Weiberzeiten fort zu treiben.
(So man es trincket und darauff schwitzt/ soll es zur Zeit der
Pestillentz nützlich seyn.)
Von Gundelräbensafft.
Auß
dem Kraut wird auch ein Safft geprest/ welcher von MATTHIOLO hoch gerühmet wird
zu den Fisteln: Nemlich/ daß man nehme deß Saffts vier Loth/ gestossen Grünspan
ein Quint. Solches mit einander vermische/ ein Wiechen darinn netze/ unnd in das
Loch stecke. (Macht auch die lampende Brüst widerumb hart.)
Es ist auch dieser Safft gut/ die Schaden damit zu reynigen und zu
heylen/ (zu den Fisteln ist nichts bessers/ dann dieser Safft darein gelassenJ
Wie auch das Pulver vom dürren Kraut selbst/ darinn gestrewet.