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GOLDLACK
Cheiranthus - Cruciferae
Der geelen lieblichen wohlriechenden Veieln seynd zweyerley Art/ gefüllt und ungefüllt.
l. Das erste Geschlecht wächst wie ein (kleines) Bäumlein/ uberkompt viel Aestlein/ mit vielen langlechten
(und schmalen) grawschwartzen Blettern besetzet/ oben an den Aestlein uberkompt es seine Knöpfflein/ welcher viel beysammen
stehen/ auss welchen die schöne liebliche Blümlein herfür kommen je mit vier gelben Bletlein besetzet/ welche wann sie
abfallen/ kommen hernach langlechte dünne Schötlein fast eines Fingers lang/ in welchen der runde/ breite/ geele/ Same
verschlossen liegt. Die Wurtzel ist gar holtzechtig/ unnd zertheilet/ stehet nicht tieff in der Erden.
ll. Das ander Geschlecht ist diesem gantz gleich/ allein dass seine Blumen mit mehr Blettlein seyn
aussgefüllt: (Bringet keinen Samen/ sondern muss von den jungen Zweiglein gepflantzet werden.
Die einfache gelbe Veieln/ wachsen gern/ wo man sie hinpflantzet/ am liebsten aber auff den Mawren und
Gebäwen/ als zu Cöln am Rhein findet mans allenthalben auff den Mawren wachsen auss den Fügen der Stein: also auch zu Basel
auff vielen Tächern.)
Es werden diese Veieln wegen jhrer schönen Gestalt unnd lieblichen Geruchs in den Würtzgärten von von
Weibspersonen gepflantzet: Fangen an zu blühen im angehenden Meyen/ fast biss auff den Winter. (Die riechen sehr lieblich/ so
lange sie frisch und grün seynd/ und sonst nicht.)
Von den Nahmen der Geelen Veieln
Die gelben Veieln (sonst gelb NägelVeieln) werden Lateinisch genenet VIOLAE LUTEAE (LEUCOIUM LUTEUM, und
AUREUM.
Von der Natur/ Krafft und Eygenschafft der gelben Veieln
GALENUS LIB.7.DE.SIMP.MED.FACULT. schreibet/ dass die gelbe Veieln ein sonderliche Art haben zu säubern. Sie
erwärmen und trucknen (unnd dass wie etliche wöllen im ander unnd dritten Gradt9 und haben ein durchdringende Natur/
fürnemblich aber wenn sie etwas dürr werden.
Jnnerlicher Gebrauch der gelben Veieln
Es schreibet DIOSCORIDES, das die gelbe Veieln für andern LEUCOUS in der Artzney gebraucht werden/ und meldet/
dass wenn die Weiber dess Samens dieser Veieln zwey Quintlein schwer in Wein trincken/ oder aber mit Honig vermischen/ zu einem
Mutter Zäpfflein machen/ unnd dasselbige bey sich bringen/ so treiben sie fort die Monatzeiten/ die Frucht und dz Bürdlein/
SECUNDINA genennet. Dessgleichen thun die Blumen auch als wenn man nimpt Alantwurtzel/ Calmus/ Enzian jedes fast ii.Loth/
Beyfusskraut/ Rossmarein/ weissen Andorn/ Chamillenblumen jedes ein halbeHandvoll/ dieser gelben Blumen so viel man mit dreyen
Fingerspitzen fassen kann/ Lorbeeren zwey Quintlein/ Zimmetrinde unnd gantzen Saffran/ jedes ein wenig/ solche Stück in ein
Säcklein gethan/ in ein Mass guten firnen Wein gelegt/ und stetigs darvon getruncken. (Die Blumen gedörret/ gesotten in Wein
oder Wasser/ und getruncken/ hat gleiche Wirckung.) Es sollen sich aber schwangere Weiber für solchen Blumen hüten/ denn sie so
starck treiben/ dz sie auch die Frucht auss Mutterleib werffen. Derwegen sie mit gutem Bedacht sollen gebraucht werden. (Und nicht
von diesen Blumen trincken/ es sey denn in Kindtsnöten/ da ziehen sie die Geburt auss/ und reinigen die Mutter.
Die frische Blümlein in Wasser gesotten und getruncken/ kület die erhitzigte Mutter.)
Es werden auch diese Blumen gelobet zu den jnnerlichen Gliedern/ sonderlich der (verwunden) Leber und der
Nieren/ dieselbige zu heylen/ (bringt auch die Müden wider auff die Bein/) in Wein oder Wasser gesotten und darvon getruncken.
(Zum Tag zweymal/ jedes mal auff vier oder fünff Löffel voll.
Man distilliert auch auss den Blumen ein Wasser/ welches etlich Tag genützt/ soll alle jnnerliche Glieder
stärcken/ das Geblüt unnd Gemüht erfrewen/ schmertzen stillen/ unnd gute ruhe bringen.
Darvon getruncken befürdert die schwere Geburt/ soll aber mit gutem bedacht gebraucht werden.)
Eusserlicher Gebrauch der geelen Veieln
Die dürre Veielnblumen gesotten unnd darinn gesessen/ sindt gut wieder die hitzige Geschwulst der Mutter unnd
treiben fort die verstandenen Frawen Zeiten. (Wie dann auch den Harn.)
Die Blumen zu Pulver gebracht/ (mit Honig gemischt/ ist gut zu den Geschwären dess Mundts/) mit Oel unnd wachs
zu einem Sälblein gemacht/ heylet die Schründen am Hindern. DIOSCOR.
Es meldet PLINIUS wie auch DIOSC. Wann man die Wurtzel in Essig bereyte/ und uber das Miltz lege/ so mache es
dasselbige kleiner/ sey auch gut wieder das PODAGRA/ erweichen die harte Geschwulst.)
Es schreibet GALENUS, dass die Blumen in Wasser gesotten und uber die enzünde Glieder gelegt/ denselbigen gar
wol thun. Doch sol man sich hierinn wol fürsehen.
(Die Bletter mit Honig zerstossen/ heylet den Grindt unnd Aussbruch dess Haupts.
Der Safft in die Augen gethan/ nimpt die bösen Flecken.)
Conserven Zucker von geel Veieln
Geel Veielöl
Gelb Veielwasser
Von diesen Veielblumen wirdt ein nützlich Wasser bereytet/ die Blümlein mit einem wenig guten
kräfftigen Wein besprengt/ unnd dann abgezogen/ oder das Wasser darvon gedistilliert.
Diss Wasser stärckt dz Haupt/ Sinn unnd Vernunfft/ bringet die verlohrne Gedächtnuss wieder/ getruncken/ auch
ausserhalb mit Tüchlein uber die Schläff und Nacken gelegt.
Es ist uber die Mass nützlich denen/ so vom kleinen schlag getroffen sindt/ under dz Tranck gemischt/ und auch
die erlahmten Glieder warm darmit gerieben/ stärckt die Geleich/ und wehret dem Zittern/ es bringt auch widerumb zu recht die
erlahmte Zungen/ zu viel mahlen getruncken und darmit gerieben.
Ist auch ein kräfftig Augenwasser/ den kalten flüssigen Augen/ dunckelen und finsteren Gesicht/ und nimpt die
Flecken derselbigen.
Das Angesicht nach starcker Schwitzung in einem truckenen Schweissbad/ darmit gewäschen/ und von jhm selbst
getrucknet nimpt alle scheussliche Masen und Flecken desselbigen/ läuterts schön/ macht die Haut weiss und lebhafft.
Stärcket ale jnnerliche Glieder/ und wärmet sie/ sonderlich die Leber/ Nieren und Blasen/ reiniget der Weiber
Geburtglieder/ erwärmt sie und machet sie fruchtbar/ treibet jhre Monatzeit/ die Afftergeburt unnd todte Frucht: fördert den
verstandenen Harn.
Auff drey oder vier loth dess Morgens nüchterns getruncken unnd darauff wieder geschlaffen/ stärcket das
Hertz in allen kalten Gebrechen.)