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GOLD - TAUBNESSEL
VON TOOTENNESSELN
Der Tauben oder Todtennesseln seyn dreyerley Geschlecht.
l. Das erste beschreibet LOBELIUS, dass es den Nesseln durchauss gleich sey/ mit Blettern so rings umbher
zerkerfft/ und Stengeln welche da vierecket seyn: Es seyn auch die Bletter etwas geringer dann der grossen Nesseln/ darzu auch
etwas weisser/ unnd brennen nicht. Die Blumen seyn weiss/ anzusehen wie eine Münchskappe/ rings umb den Stengel zwischen den
Blettern besetzt: Nach den Blumen bringt es viel schwartzes Sämleins.
ll.lll. Das ander und dritte Geschlecht ist dem ersten gantz und gar gleich/ wie auch FUCHSIUS bezeuget/ allein
dass das eine gelb/ das ander aber braune Blumen tregt.
Von andern Geschlechten der LAMIORUM, kan man lesen C.CLUSIUS LIB.3. OBSERVATION.PANNON. CAP.46. (Der dann drey
Geschlechter beschreibet: das erste haben wir oben under dem dritten Geschlecht der Melissen beschrieben: das ander ist under die
Braunwurtzen an der dritten Stell beschrieben.)
Sie wachsen umb die Zäune herumb/ unnd an den alten Hofstätten/ blüen fast den Sommer uber.
Von den Namen
Das erste Geschlecht heisst weiss Taub- oder Todnessel/ wird von etlichen Wurmkraut oder Wurmnessel genannt/
dieweil es den Wurm am Finger vertreiben sol/ Lateinisch LAMINUM ALBUM, PARONCIIHIRA, oder PARANICUM, item ARCHANGELICA ALBA. Das
ander Geschlecht wirdt genennet gelb Taubnessel oder Todnessel/ Lateinisch LAMIUM LUTEUM, ANONIUM LUTEUM, und ARCHANGELICA LUTEA.
Das dritte heist braun Todnessel/ Lateinisch LAMIUM PURPUREUM. Jn gemein heissts Taub- oder Todtnessel/ LAMIUM, URTICA MORTUA, und
URTICA INERS.
Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft der Totennesseln
FUCHSIUS schreibt/ die Todtennesseln seyn einer warmer und trucknen Natur/ welches auss dem Geschmack könne
abgenommen werden.
Jnnerlicher Gebrauch der Taubnessel
Es werden diese Kreuter gar selten von den MEDICIS jnnerlich im Leib gebraucht/ ohnallein die mit den braunen
Blumen/ welche ein gross Lob uberkommen hat/ wider die rohte Ruhr/ wann man sie in Wasser seudet/ unnd darvon trincket.
Eusserlicher Gebrauch der Taubnessel
DIOSCORIDES schreibet/ lib.4.cap.90. dass der Taubnesseln Bletter/ Stengel/ Samen unnd Safft eine Eygenschafft
haben/ die Härtigkeit zu vertreiben/ dessgleichen den Krebs/ Geschwer hinter den Ohren/ die Geschwülst am Halss/ STRUMA
genennet/ und die Blutgeschwer/ darzu muss man die Schäden dess Tags zweymal bähen: mit der Brüh da dieses Kraut gesotten hat/
darnach das gestossen Kraut mit Essig warm/ auch zweymal wie Pflaster uberlegen.
Von den weissen stinckenden Taubnesseln sagt man/ dass wann man das Kraut zerstosse/ unnd mit dem Safft auff
den Wurm am Finger lege/ müsse derselbige baldt sterben.
PLINIUS schreibet/ wann man das Kraut mit ein wenig Saltz zerstosse unnd uberlege/ seye es gut wann sich einer
gestossen habe/ dessgleichen auch wider die alte faule Wunden und Geschwer.
(Taubnessel gedörret/ gepülvert/ ist gut den fratten Pferden. Diss Pulver mit Osterlucey gleich viel/
Spongrün den dritten Theil/ under einander vermischet mit Salmiacksafft und Baumöl zu einer Salben/ heylet die alten Schäden
unnd faule Wunden.)
Von dem Safft der Taubnesseln
Dieser Safft kann auch leichtlich auss dem Kraut bracht werden/ wie bey dem Wermuthsafft ist gelehret
worden. TRAGUS schreibet/ wann man diesen Safft in die Nasen thu/ so macht er schweissen.
(Taubnesselwasser im Brachmonat distillirt/ Morgens und Abendts jedesmal zwey oder drey Loth getruncken/ ist
gut für den weissen Fluss der Weiber.)