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GLADIOLE / SIEGWURZ
VON SCHWERTEL
Der Schwerteln seyn zwey Geschlecht:
l. Das erste hat zwo zwiebelechte Wurtzeln/ deren eine auff der andern liegt/ mit Schelffen besetzet/ welche
gleich als mit härigen Fäsen besetzet/ (unden haben sie auch Zaseln wie Zwiebel.) Auss der Wurtzel kompt ein runder/ starcker
gestriemter Stengel/ so /Elen hoch/ oben gebogen) sich auss den Blettern herauss windet/ auff beyden Seyten mit schönen
purpurbraunen Blumen gezieret/ (ordentlich nacheinander gesetzt/ langlecht/ und an dem umbkreiss zertheilt/) mit sechs oder sieben
blettlein besetzet/ gleich den Lilienblumen: Nach denselbigen erscheinen die Schöttlein/ in welchen der rote/ (runde) Samen
verborgen ist/ dem Wassersenffsamen fast gleich: Die Wurtzeln erscheinen ausswendig etwas braunlecht/ seyn eines scharpffen
Geschmacks. Die Bletter stehn steiff in die Höhe/ seyn hart/ mit vielen Striemen durchzogen/ auff beyden Seiten scharpff/
vergleichen sich einem Schwerdt/ daher es auch Schwertel genannt wirdt.
ll. Diesem ist das ander Geschlecht fast verwandt/ allein dass seine Blumen etwas mehr braun seyn/ unnd nur
auff einer Seiten dess Stengels stehn.
Sie wachsen unter dem Getreyd/ auff den feuchten Wiesen/ und an den Wasserbächen: Blüen im Majo.
Von den Namen
Schwertel wirdt Lateinisch genennt GLADIOLUS ENSIS/ unnd GLADIOLUS SEGETALIS: Item GLADIOLUS VICTORIALIS
FOEMINA/ und VICTORIALIS ROTUNDA: Teutsch Runde Siegwurtz.
Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft der Schwertel
MATTHIOLUS schreibet/ dass die Wurtzeln ein Art haben zu wärmen/ zu trucknen/ zu zertheilen und ausszuziehen/
(aber die öberste sey viel kräfftiger/ dann die underste.)
Jnnerlicher Gebrauch
Wenn jemandt grosse Schmertzen an der Blasen hat/ unnd das Wasser nit kan abschlagen/ der neme die Rinde von
der Wurtzel/ stoss sie zu Pulver/ unnd trincke dasselbige mit Wein unnd Wasser eyn. Dessgleichen wider das Miltzwehe soll man das
Pulver in einem geringen Wein geben/ so vertreibet es dasselbige. DIOSCORIDES saget/ die oberste Wurtzel (in Wasser gesotten)/ sey
gut den Kindern so gebrochen seyn.
(Er sagt auch/ so man die oberste Wurtzel mit Wein trincke/ macht sie Begierdt und Lust zur Unkeuschheit: die
undere aber thu das Widerspiel.)
Eusserlicher Gebrauch
Es meldet auch DIOSCORIDES/ wen man die oberste Wurtzel mit Weyrauch unnd Wein zum Pflaster mache/ so ziehe sie
spitzen unnd Dorn auss dem Leib. Unnd wenn man die dürre Wurtzel mit Wein zerstosset/ und uber das Haupt leget/ zeucht sie die
Schieffern auss. Sie ist auch gut wieder die Stich der Schlangen. Vertreibet die harte Geschwulst und die Fisteln.
(Mit Dorttenmeel und Honigwasser gesotten unnd ubergeschlagen/ vertreibt die Geschwulst bey den Gemächten.
Die Wurtzel zum Zäpfle gemacht/ und in der Weiber Heimligkeit gethan/ zeucht jhre gemeine Flüss an sich.)