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GIFTHEIL
Aconitum anthora - Ranunculaceae
VON DEM HEYLGIFFT.
Deß
Heylgiffts oder Gifftheyls haben wir zwey Geschlecht/ darzu der AUTHOR
PANDECTARUM auch das dritte angezeiget und beschrieben hatte.
Das erst Geschlecht hat ein zwifache Wurtzel/ auch jederweilen ein
dreyfache/ die vergleicht sich der runden Ciperwurtz/ oder Knabenkrauts/ die ist
außwendig
schwartzbraun/ gerümpfft/ unnd inwendig weiß/
eins sehr bittern unlieblichen Geschmacks. Der Stengel wirdt anderhalb
Spannenlang/ und bißweilen
lenger/ der ist rund und steiff. Die Bletter daran/ deren es viel hat/ seynd
breyt und viel schmale Zincken tieff unnd subtiel zerspalten/ den Blettern deß
Napellenkrauts ähnlich/ außgenommen
daß
sie viel zarter und kleiner zerschnitten seindt/ je ein gesetz uber dem andern/
oben am Stengel deßgleichen
uber der mitte desselben zwischen den Blettern herauß
bringt es bleichgeele Blumen/ die seindt den Blumen deß
Eysenhütlein ähnlich/ wann die vergehen/ folget ein schwartzgrawer Samen/ fast
bdem Nardensamen gleich/ in kleinen Heußlein
verschlossen. Dieses Gewächs wächst in dem Gebirg bey Genff/ unnd im
Sophoyerlandt/ deßgleichen
in den Alpen im Schweitzerlandt/ von dannen es zu uns gebracht wirdt. Sonst
wirdt es auch bey uns in den Gärten gezielet/ unnd wächst gern so es miut der
Wurtzel also grün unnd frisch gesetzt wirdt. Von dem Samen aber kompt es
langsam/ denn es selten vor dem dritten Jahr auffgehet.
[Diß
Geschlecht hat nicht allzeit gleiche Wurtzel: etliche seindt einzig und rond:
andere haben zwo Wurtzeln bey einander/ welche zu zeiten lang seind/ zu zeiten
etwas rundt: etliche haben drey Wurtzeln bey einander: etlich vergleichen sich
einem Scorpion. Wie dann auß
hiebey gesetzter Figur abzunemmen.
II. Das ander Geschlecht ist mit Wurtzeln/ Blettern/ Blumen unnd
Samen dem jetztgemeldten durchauß
gleich/ außgenommen
daß
die Blumen blauw seindt/ sonst ist kein weiterer underscheidt darunder. Es
wächst an den obgemelten orten/ ist aber nicht so gemein/ wie das erst mit den
bleychen Blumen.
III. HEYLGIFFT.
ANTHORA III.
lll. Das dritte Geschlechtndeß Heylfiffts welches MATTHAEUS SILVATICUS der AUTHOR PANDECTARUM beschreibt/ das hat auch ein runde bittere Wurtzel/ die ist langlechtig in der größ und gestalt der Olivien. Die Bletter seindt rund fast den Blettern der Haselwurtzel ähnlich/ die seindt gerings herumb ein wenig zerkerfft/ seindt aderechtig wie der Haselwurtzbletter/ dieses Gewächs ist mir nur einmal von einem Jtalianischen Wurtzelträger zukommen unnd mitgetheilt worden/ das hat aber noch keine Blumen/ welche der gestalt halben den Blumen der Erdtscheyben gleich sollen seyn/ von Farben Veielbraun/ wie auch der SILVATICUS meldet/ aber es hat mir solches mit den Blumen nie mögen zu sehen werden/ damit ichs abreissen mögen. Die Wurtzel hat ein bittern Geschmack wie die obgemeldte. Dieses Gewächs hat mir der obgemeld Wurtzelträger auß Jtalien gebracht von dem Berg GARGANO, und sagte darbey daß es in Saphoyen und Piemont uberflüssig wüchse in dem hohen Gebirg.
Von den
Namen deß
Heylgiffts.
Hie haben wir den rechten wahren ZEDOARIAM ANICENNAE unnd
SERAPIONIS, welches statt so lang unnd viel Jahr der Zitwan fälschlich
vertretten hat/ unnd die Schuld niemands anders kann zugelegt werden/ dann den
faulen schläfferigen Aertzten die die Schrifften der gemelten Lehrer nit
fleissig gelesen und examinirt. Und hat gleichwol der INTERPRES SERAPIONIS nit
wenig Ursach darzu geben/ welcher bey dem SER. LIB. SIMP. C.172 den Zitwan
welcher der Araber ZURUMBETH ist/ fälschlich ZEDOARIAM, das ist Zitwan/ außgelegt
hat. Dann das ZEDOARIA, oder wie es AUICENNA GIEDUAR nennet und ZURUMBETH zwey
underschiedliche Ding seyn/ das bezeuget AUICENNA selbst LIB.2TR.2CA.745. da er
von GIEDUAR oder Heylgifft handelt/ spricht er im end deß
gemeldten Capitels/ daß
wo GIEDUAR oder ZEDOARIA nit bey der Hand seye/ soll man in mangel desselben
dreymal so viel ZURUMBETH, das ist/ ZITWAN an seiner statt nemmen/ darauß
offenbarlich erscheinet daß
ZEDOARIA und ZURUMBETH zwey underschiedliche SIMPLICIA seynd/ und dz ZEDOARIA
oder Heylgifft in seiner Krafft und Wirckung dreymal stärcker und kräfftiger
sey/ dann ZURUMBETH oder ZITWAN. Zu mehrer bekräfftigung aber dessen beschreibet
AUICENNA im dritten Capitel gleich nach der ZEDOARIA das ZURUMBETH besonders/ da
er auch deß
Heylgiffts oder ZEDOARIA besonder gedencket/ als eines underschiedlichen Dings
von dem Zitwan oder ZURUMBETH. Auß
welchem der Jrrthumb deß
Außlegers
SERAPIONIS und aller seiner Nachfolger zu erkennen und zu sehen ist/ wie die
helle Sonn umb den Mittag am Firmament des Himmels. Ich hab diesen Jrrthumb vor
fünff unnd zwantzig Jahren in meinem Tractätlein DE PESTE angezeigt/ es seynd
aber wenig die sich darauß
gebessert haben. Was aber das Heylgifft bey den alten Griechen gewesen sey/ das
hat noch niemands angezeigt/ ich wolt es gern DOLPHINIUM DIOSCORIDIS täuffen/
sintemal dieses Gewächs allem Gifft und gifftigen Thieren vor allen andern
Gewächsen so hefftigen und gewaltigen widerstand thut/ welches die Rittersporn
die etliche DELPHINIUM deuten/ bey weytem nicht thun oder mögen/ und so je von
solcher Art Kreuter eines ein DELPHINIUM seyn solte/ wollte ich eher dem
Heylgfft diesen Namen geben/ dann den Rittersporn/ doch will ich darin nichts
freventlichs schliessen/ dieweil die Beschreibung DIOSCORIDIS eben so wenig
durchauß
mit dem Heylgifft zutrifft/ als mit den Rittersporn/ will den Gelehrten derwegen
darin das Urtheil zu fellen befohlen haben. Lateinisch/ ZADURA, ZADOR, ZADUARIA,
ZUDAR, ZADERA und ZADUAR. Bey dem AUICENNAE NAPELLUS MOYSIS.
Bey MARCELLO EMPIRICO ANTURA.
Bey den Kreutlern/ ANTORA,
ANTHORA, ANTHULLIA, ANTITORA, ZEDOARIA, ACONITUM SALUTIFERUM. Teutsch Heylgifft
unnd Gifftheyl.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung/ und Eygenschafft deß
Heylgiffts.
Der unlieblich und fast bitter Geschmack der Wurtzel deß
Heylgiffts gibt genugsame anzeigung/ daß
sie ein Krafft und Eygenschafft hat zu erwärmen/ zu trucknen/ dünn zu machen/
abzulösen und zu säubern/ wie solches der weitberümpt PHILOSOPHUS GUILLELMUS
TURNERUS mit folgenden Versen kürtzlich zu verstehen geben:
Jnnerlicher
Gebrauch deß
Heylgiffts.
Die Wurtzel deß
Heylgiffts wird höchlich gelobt wider alles Gifft und der Gifftigen Thier Biß/
deßgleichen
auch wider die Pestilentz/ unnd wider das erschröcklich unnd tödtlich Gifft deß
THORAE unnd deß
Napellenkrauts/ das alle andere Gifft weit ubertrifft/ also dass auch der beste
Theriack diesem Gifft kein widerstand thun mag/ dem soll allein mit der Wurtzel
deß
Heylgiffts widerstand gethan werden/ die die Krafft hat/ jhme seine Krafft zu
nemmen/ dessen gibt man die Wurtzel zu Pulver gestossen ein quintlein/ die sol
das Gifft unden durch den Stulgang/ Harn/ und oben durch das erbrechen außführen.
Die Wurtzel hat neben dem das sie das Hertz stärcket/ auch ein
purgierende Krafft/ dann sie treibet das faul Gewässer und den zähen
phlegmatischen Schleim durch den Stulgang auß/
mit einer Brühen obgemelter massen eyngenommen/ unnd etlich stunden darauff
gefastet.
ANTONIUS GUANERIUS TRACTATU DE PESTE, DIFFERENT.2.C.3. lobet diese
Wurtzel höchlich wider die Pestilentz und deren Contagion/ und sagt/ daß
sie in jhrer Krafft und Tugend dem Candischen Diptam gleich sey. Es werden fast
nutzliche PILULAE von dieser Wurtzel gemacht/ wider die vergiffte Seucht der
Pestilentz/ den Menschen darvor zu behüten/ so man derselben alle sieben Tag ein
halbs quintl. Oder zween drittheil eins quintleins deß
Morgens oder deß
Abends zwo Stunden vor dem Morgen oder Nachtjmbiß
eynnimpt/ die werden wie folget bereytet. Nimb der gemeinen Pestilentz pillulen
zwey loth/ d’ Giftheylwurtzeln/ deß
bereyten Dannen oder Lerchenschwams jedes ein loth. Stosse diese Stück zu
Pulver/ und mach mit Geyßrauthensafft
ein MASSAM darauß/
darauß
formier Pillulen nach deinem gefallen. Diese Pillulen verzehren alle schädliche
faule feuchten im Leib/ unnd verwahren das Hertz vor aller vergifftung/ und
stärcken dasselbig gewaltig.
So einem mit dem bösen Jtalianischen Gifft deß
THORAE oder Napellenkrauts vergeben worden were/ ist folgende Latwerg uber die
massen kräfftig das außzutreiben/
daß
es dem menschen nicht schadet/ welche Latwerg ich vor dreissig Jahren in einem
alten Mönchischen Artzeneybuch zu Hornbach in dem Closter gefunden unnd
abgeschrieben hab/ darnach auch zu der obgemelten vergifftung bereytet/ und das
vorgemelte Schädlich und tödlich außzutreiben
warhafftig befunden/ die wird also bereytet: Nimb der wurtzeln Gifftheyls zwey
loth/ deß
Pulvers DIAMULCHI auß
der Apotecken anderthalb loth/ guten Alexandrinischen Bissem ein quintl. deß
besten Andromachischen Metridats vier loth/ deß
Syrups von den Rinden der Citrinatöpffel der in der dicke eines Honigs gesotten
sey xi.loth. diese stück sol man ordenlich miteinander zu einer Latwergen
vermischen/ und in einem silberen Geschirrlein zu dem gebrauch behalten. Wann
nun einer den Argwon hette/ daß
jme mit dem genannten Gifft oder einem andern vergeben worden were/ welches bald
von den erschröcklichen zusellen/ die sich von diesem Gifft erzeigen abzunemmen
ist/ wie hernach von dem Kraut THORA unnd dem Napellenkraut weiter angezeigt
werden soll/ so soll er also bald anderthalb quintl. oder halb loth dieser
Latwergen mit einem Trüncklein Melissen Citrinatrindenwasser zertrieben
eynnemmen/ und soll sehen daß
er zum wenigsten ein stund bey jhm behalte/ so wird es das Gifft den mehrentheil
durch das erbrechen außführen.
Den andern Tag soll er es wieder thun/ und auch den dritten/ unnd das so lang
antreiben biß
daß
er sich nit mehr erbricht/ welches dann ein Zeichen ist/ daß
dem Gifft den Menschen zu tödten genommen ist. Darnach soll er alle Morgen einer
Türckischen Bonen groß
nüchtern der gemelten Latwergen mit den obgemelten Wassern auff zween Löffel
voll zertrieben zwentzig Tag nacheynander eynnemmen/ und allwegen drey Stunden
darauff fasten/ so wird es alles ubriges Gifft so noch dahinden blieben ist/
verzehret/ also daß
der mensch sich keiner fernern Gefährlichkeit besorgen darff.
Die gemeldte Latwerg ist auch ein uberauß
köstlich Präservatiff wider die Pestilentz/ so man zur wochen dreymal/ jedesmal
einer Türckischen Bohnen groß
mit einem par Löffel voll weins/ oder Citronenrindenwasser im Winter/ und im
Sommer mit Sawerampfferwasser oder aber Citronenwasser von der gantzen Substantz
gedistillirt/ zertrieben/ eynnimpt.
Die Gifftheylwurtzel dienet auch wider alle Biß
der gifftigen thier/ fürnemlich aber der Schlangen und Viperschlangen/ vertreibt
dz Bauchkrimmen/ benimpt dz hertzzittern und ohnmacht.
Diese wurtzel ist auch ein fürtreffliche Artzeney wider die biß
der wütenden Hundt/ ein quintlein deß
Pulvers mit einem trüncklein Gauchheil eyngenommen. Ferner ist sie auch heylsam
und gut wider die Bauchwürm/ so man diese wurtzel zu Pulver gestossen/ den
kindern in Milch oder Wein zu trincken gibt.