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GERSTENGRÜTZE
VON DER DICK GESOTTENEN GERSTENBRÜHE.
PTISANA und CREMOR PTISANAE
genannt.
Dieweil wir hiebevor viel von der Gersten unnd jhrem Gebrauch geschrieben/ unnd
sonderlich von dem Gemüß unnd andern dergleichen Speisen die darauß gemacht werden/
haben wir es auch für ein Nothturfft geachtet/ hie an diesem Ort auch etwas von
den dicken Gerstenbrühhelein oder den lautern Müßlein die man PTISANAS nennet oder
PTISANAE CREMORES meldung zu thun/ sintemal der berühmeste Griechisch Artzet HIPPOCRATES
ein eigen Buch darvon und seiner Nutzbarkeit geschrieben hat/ welches nicht allein
LIB.DE VICTUS RATIONE IN MORBIS ACUTIS, sondern auch LIBER DE PTISANA genennet wirdt.
Es wirdt aber sonst fürnemlich Lateinisch/ PTISANA, die gescheelte Gersten/ HORDEUM
DECORTICATUM, oder MUNDATUM verstanden/ genennet/ wiewol sie aber auch von vielen
PTISANA HORDEACEA genannt ist worden/ sintemal sie auch auß andern Früchten/ als
auß der Speltz/ Weitzen/ Reiß und den Linsen ist bereytet worden/ hat man denselbigen
nit schlecht PTISANAS genannt/ sondern die Nahmen der Früchte darvon sie gemacht
worden seyn/ hinzu gesetzet/ als die von der Speltz haben die Griechen genannt
,
ZEACEAM PTISANAM/ die von dem Weytzen/
,
PTISANAM TRITICEAM, die von dem Reiß/
,
das ist/ ORYCEAM PTISANAM, unnd die von den Linsen/
,
das ist/ PTISANAM EX LENTIBUS. Hernachmals aber ist auch das dick Brühlein von der
gekochten Gersten/ beide von den Griechen unnd Lateinischen PTISANA genennet worden/
wie solches dann auch noch heutigs Tags von den gelehrten Aertzten genannt wird/
welches Wort die gemeinen unnd unerfahrnen Practicanten/ unnd sonderlich die Calenderschmid
vor das gemein Gerstenwasser verstanden haben/ unnd es noch mit den Apoteckern/
die es von jhnen gelehrnet/ fälschlich PTISANAM nennen.
Es lobet der
alt HIPPOCRATES diese Gerstensüpplein oder Brühlein/ PTISANAS sehr höchlich an dem
obgemelten Ort/ und gibt jhnen den Vorzug vor allen andern Speißlein die auß den
Kornfrüchten gemacht werden/ sonderlich aber in den hitzigen Febern unnd derengleichen
geschwinden Kranckheiten. Diese Brülein aber zu bereyten hat man vielerley weisen/
aber die gemeine weiß bei den Griechen beschreibt GALENUS LI.?.ALIM. Man nimbt gescheelter
Gersten/ wäschet die sauber/ und klaubet alle Spreuwerlein von den Hülsen darvon/
deren nimbt man ein theil/ seudet die in zehen theil/ oder wie PAULUS AEGINEA wil
in fünffzehen Theil frisch Brunnenwassers so lang biß die Gerst weych und groß auffgequollen
ist/ als dann geusset man ein wenig Essig zu/ und ein wenig Oele (Butter) daß man
gleichwol auch anfenglich darzu thun mag und mit sieden lassen. Wann es nun genug
gesotten ist/ thut man ein wenig gerieben Saltz darein/ unnd ein klein wenig Dillkraut
oder Leuchel klein geschnitten/ und dieses ist die beste weiß die Gerstenmüßlein
zu bereyten/ die Febricanten in hitzigen schnellen Kranckheiten damit deß Tages
zweymal zu speisen.
Unsere erfahrn
unnd gelehrte MEDICI PRACTICI, die pflegen die PTISANAM oder Gerstenmüßlein gleicher
gestalt zu beryten/ lassen aber den Leuchel unnd Dillkraut haussen/ unnd wann es
wol gesotten ist mit dem Butter/ lassen sie es darnach durch ein Seihpfann
lauffen/ dz gebrauchen sie darnach den Krancken/ und so es die Notthurfft erfordert/
thun sie ein wenig Essig darzu/ deßgleichen Dill und andere gute Kreuter klein geschnitten/
je nach Gelegenheit der Kranckheit. Wann sie auch wöllen daß sie mehr nehren und
stärcken sollen/ sieden sie die geschelt Gersten mit xv. mal so viel Hüner/ Capaunen
oder kräfftiger Ochsen oder Hammelfleischbrühen/ und speisen die Krancken Febricitanten
darmit.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der dicken Gerstenbrühen die allein mit Wasser
bereytet werden.
Das dick Gerstenbrühlein
PTISANA SIMPLEX, das allein mit frischem Brunnenwasser/ ein wenig Butter unnd Saltz
ohne allen andern Zusatz bereytet wird/ kület und befeuchtiget/ nehret zimlich/
und gebieret ein gut Geblüt/ wüscht ab/ und öffnet die Adern. Das aber mit Hüner/
Capaunen oder Fleischbrühen bereytet wird/ nehret mehr/ stärcket besser unnd gibt
sehr gute Krafft.
Gebrauch der
gemeinen dicken Gerstenbrühen PTISANAE.
Die gemein dick
Gerstenbrühe PTISANA so allein mit dem frischen Brunnenwasser bereytet wird/ ist
heylsam in allen hitzigen Febern/ in dem hitzigen Hauptwehethumb/ und allen geschwinden/
hitzigen Schwachheiten/ unnd bekombt sonderlich denen wol die Hauptwehethumb haben
vom trincken hitziger unnd geschweffelter Wein/ stillet die subtielen Catharren
unnd Hauptflüß/ dienet wider den hitzigen trucknen Husten/ ist gut wider das Seitenstechen/
die jnnerliche Geschweren der Lebern/ Lungen unnd Brustgeschwer/ wider die hitzige
Geelsucht unnd den Lendenschmertzen/ ist fast heylsam den Lungensüchtigen unnd denen
so mit dem schwindsüchtigen Feber beladen seyn/ dienet inn den hitzigen Schwachheiten
deß Magens/ der Leber und aller jnnerlichen Glieder deß Eingeweyds/ leschet den
Durst/ bekompt sehr wol allen hitzigen Gebrechen der Augen/ der Ohren unnd in der
wütenden Kranckheit deß Hirns PHRENESIS genannt/ ist gut denen so stätig Gallen
brechen/ ändert unnd verbessert die hitzige entrichtung der Leber/ dienet wider
die heisserkeit und lindert die Rauhe Brust von scharpffen Flüssen verursachet/
und ist eine heylsame Artzeney denjenigen so ein Ader in der Brust unnd Lungen zerbrochen
haben/ dienet den Miltzsüchtigen unnd verbessert die gifftige Schädlichkeit der
eingenommenen Goldkäfferlein/ sonst auch Hispanische Mucken genannt/ deßgleichen
in der Wolffswurtzel/ Zeitlosenwurtz/ Arsenicks/ unnd aller anderer scharpffen Gifft.
Es bekompt auch sehr wol im Halßgeschwer/ und denen so mit dem Tertian Feber/ unnd
den jenigen/ so mit den Febern von Gallen unnd uberentzigem Geblüt beladen seynd/
deßgleichen den Weibern die von ubriger hitz und truckne jhrer gebürlichen Monatblumen
verstopfft seynd/ unnd sonst allen andern Kranckheiten so von unnatürlicher Hitz
mit herrschung deß bluts verursachet werden. Die jenigen/ so Gibs oder Kalck eingenommen
haben/ die sollen stätig der gemelten Gerstenbrülein geniessen/ die verbessern auch
die Schädlichkeit deß eingenommenen Rösselsamens.
Dicke Gerstenbrühlein
mit Essig bereytet seind dienlich in der Därmruhr/ in Krimmen von der hitzigen Gallen
verursachet/ deßgleichen denen so mit hitziger entrichtung deß Miltzes beladen seind.
Ein Gerstenbrühlein
mit ein wenig Kleyen unnd Mandelölen gesotten/ darnach durchgesiegen unnd genutzet/
ist eine gute Speiß unnd köstliche Artzeney den jenigen/ so das Seitenstechen/ Brustgeschwer
unnd jnnerliche Apostemen haben.
Ein Breylein
mit der durchgesiegenen brühen von der Gersten unnd reyn gepülvertem Amelmeel gemacht/
ist denen nutzlich und gut so da Blut speihen.
Dicke Gerstenbrühlein
mit roten und schwartzen Brustbeerlein und weissem Magsamen gesotten/ unnd darnach
durchgesiegen/ ist dienlich wider die hitzigen Hauptflüß unnd den trucknen Husten.
Die gemelten
Breylein mit Honig gesotten und temperiert/ vertreiben die alten trucknen Husten
Ein dickes Gerstenbreylein
mit kleinen Roseinlein/ schwartzen Brustbeerlein unnd ein wenig Mandelmilch gesotten
unnd durchgesiegen/ dienet wider die entzündung der Lungen.
Durchgeschlagene
Gerstenbrühlein mmit frischen Eyerdotter ein wenig erwallet/ ist ein köstlich unnd
kräfftige Speiß den jenigen so lang kranck gewesen unnd sich am Leibe verzehret
haben.
Ein dickes/ durchgesiegenes
Gerstenbrühlein/ mit rein gepülverten Amelmeel und Zuckerpenid zu einem dünnen Breylein
gesotten/ ist ein köstliche Artzeney die heisserigkeit zu vertreiben/ neben dem
daß es auch den Leib speiset und gute Nahrung gibt.
Ein dickes Gerstenbrühlein
mit Mandelmilch/ Zucker unnd frischen Buttern gesotten unnd bereytet/ ist denen
dienstlich so da keichen und ein schweren Athem haben/ von Hitz verursachet.
Wider die Schwindsucht:
Nimb deß durchgeschlagenen Gerstenschleims vier Untzen/ rein gepülvert Amelmeel
ii. Untzen/ Vermisch es mit guter Hüner und Capaunen Brühen so viel genug ist/ laß
sittiglich mit einander sieden zu einem dünnen Breylein/ und gibs dem Krancken Morgens
und Abends zu essen.
Ein dünnes Gerstenbrühlein
mit Honig temperiert/ unnd warm getruncken/ ist gut wider das Seitenstechen unnd
erweychet denselben Krancken den Bauch/ unnd bringet Stulgäng.
Dicke Gerstenbrülein
mit Honig gesotten unnd temperiert sampt ein klein wenig gestossenem Pfeffer/ ist
ein heylsame speiß und Artzeney vor die Miltzsüchtigen.
Ein dickes Gerstenbrühlein
mit Kalbsfüssen gesotten/ darnach durchgeschlagen/ und ein wenig Essig sawr gemacht/
ist ein sehr gute Speiß wider die rote Ruhr.
Ein dünnes Gerstenbrühlein
mit Honig unnd Baumölen vermischet/ und durch ein Clistirzeug gebraucht und zu sich
genommen/ erweichet den verstopfften Bauch/ und machet sanffte Stulgäng.
Ein Gerstenbrühlein
mit ein wenig roter Rosen gesotten/ durchgeschlagen/ und darnach durch ein Clistierzeug
warm zu sich genommen/ vertreibt den Zwang/ unnd die grosse schmertzliche Gelüst
zum Stulgang TENESMUM.
Eusserlicher
Gebrauch der Gerstenbrühlein.
Ein durchgeschlagenes
Gerstenbrühlein in dem Mund gehalten/ leschet die grosse Hitze der verbrennten Zungen
in den hitzigen Febern/ vertreibt die Bräun und heylet die schrunden.
Oder nimb der
dicken gesottenen Gerstenbrüh vier loth/ die durch ein Seihe geschlagen ist/ Quittensamenschleim
ii.loth/ Pappelensamenschleim/ Süholtzsafft/ jedes ein loth/ Penidzucker ii. Loth/
vermisch diese stück durcheinander zu einem dünnen Latwerglein/ nimb jederweilen
ein wenig darvon in den Mundt/ halt es ein weil darinnen/ es vertreibet die verbrannte
schärpff/ und heylet die Zungen/ schlucke auch jedertweilen ein wenig hinab die
Hitz im Hal zu legen/ und die schrunden und verwundung von der hitz zu heylen. So
offt du aber diese Artzeney gebrauchen wilt/ soltu den Mundt unnd Hal zuvor wol
wäschen und gurgeln/ und die Zunge sauber fegen.
Durchgeschlagene
Gerstenbrühe offtermals ein gute weil im Mundt gehalten/ miltert das Zahnwehe das
von hitze unnd trückne verursacht wird.
Durchgeschlagene
Gerstenbrühen in dem Mundt gehalten/ heylen die hitzigen Geschwerlein de Zahnfleisches/
und legen die Hitz und den Schmertzen.