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GELBER WAU
Reseda lutea - Resedaceae
VON DEM KRAUT RESEDA
Wir
haben der Kreuter die man RESEDAS nennet bey uns in unserem Teutschlandt zwey
underschiedtliche Geschlechter/ die hin und wieder wachsen/ seindt doch weniger
bekannt.
l. Das erstr Geschlecht hat ein dünne/ lange/ unnd weisse Wurtzel/
die ist der Wurtzel deß
Streichkrauts ähnlich/ am Geschmack schärpfflechtig mit einer subtilen
astriction oder zusammenziehung/ allerdings wie der geschmack deß
Streichkrauts. Die Bletter seindt schmal und lang/ vielfaltig zerspalten/ von
Farben grauw oder weißlechtig/
die Stengel werden Elenlang und auch bißweilen
lenger/ die seynd schmal und dünn die haben jhre Nebenzweyglein/ auff welchen
wie auch auff den Hauptstengelein/ lange und schöne kleine Blümlein wachsen
geringsherumb umb die Stengel die vergleichen sich den blümlein deß
Oelbaums/ seyndt dick ubereinander gedrungen/ also daß
sie anzusehen seyndt wie ein schönes Aehr/ von Farben bleychgeel wie die
Blümlein deß
Streichkrauts: Wann diese abfallen und vergehen/ so wachsen im Augstmonat
hernach viel kleiner Heußlein
oder Böllelein/ die seynd oben auffen anzusehen wie kleine kreußlein/
darinnen ist ein schwartzbrauner kleiner Samen verschlossen/ dem Bilsensamen
ähnlich/ wirdt im Herbstmonat zeitig. Dieses Kraut wächst viel umb die
Churfürstliche Statt Heydelberg/ hin unnd wider an den Staden deß
Neckers/ deßgleichen
im Wormbser und Altzer Gaw an den Rechen der Aecker/ und neben den Wegstrassen.
Ich hab dessen auch viel gesehen in Hochburgund umb Grey unnd die Statt Bisantz.
ll. Das ander Geschlecht hat ein sehr dünne unnd lange weisse
Wurtzel/ die Bletter seynd auch grawfarb und weiß/
seynd aber viel breyter als die Bletter deß
jetztgemelten/ die seynd fast den Blettern deß
jetztgemelten/ die seynd fast den Blettern deß
wilden Rauckens ähnlich/ die Stengel und Blumen/ wie auch der räse und
zusammenziehend Geschmack/ deßgleichen
auch der schwartzbraun/ seynd allerdings dem ersten durchauß
gleich. Dieses wächst in dem Wormbser Gaw in den Fruchtfeldern/ und wird auch bißweilen
an den Rechen der Aecker und neben den Srassen gefunden/ aber doch nicht so
uberflüssig als das erst Geschlecht.
lll Groß
Reseda.
RESEDA MAIOR III.
lll. Das dritte Gechlecht hat ein lange und grosse wurtzel dem ersten gleich/ das wirdt etwann drey oder vier Elen lang/ auch bißweilen lenger/ die Bletter seyndt schmal/ lang/ in viel theil tieff zerschnitten/ gleich wie das erst geschlecht/ seynd aber viel grösser/ wie auch die Blumen. Die lange Häuptlein oder Heußlein die nach den Blumen folgen/ die hangen undersich/ darinnen es auch wie mit der grösse von dem ersten Geschlecht underscheiden wirdt/ sonst was den Geschmack belangen thut/ ist es den andern beyden auch gleich. Dieses Gewächs wird bey uns in den Gärten gezielet: Zu Brüssel in Braband hab ich dieses Kraut auff anderthalb Manns lang in deß Cardinals Granuels Garten gesehen/ und ist in der warheit ein schön lustig Gewächs anzusehen. Der Samen sol erstmals auß Hispanien ijn diese Landt kommen seyn.
Von dem
Namen dieser Kreuter.
Es haben die Gemelten zwey ersten Kreuter/ wie auch das dritt noch
keinen Teutschen Namen bey dem gemeinen Mann/ so ist das Gewächs an jhm selbst
den mehrentheil unsern Aertzten unbekannt. Es scheinen aber diese Gewächs viel
gemeinschafft mit dem Streichkraut zu haben/ wie es bey dem DIOSCORIDI,
THEOPHRASTO oder den andern Griechischen Aertzten sey genennet worden/ weiß
ich nicht/ und hat es auch sonst noch keiner angezeigt. Aber ich halte es mit
etlichen Kreutlern vor das RESEDAM PLINII, LIB. 27. C.12. Sonst wird es weiter
von den Kreutlern und Simplicisten genennet ERUCA CANTABRICA unnd ERUCA
HISPANICA, dardurch sie das grösser unnd zam Geschlecht verstehen. Teutsch/
Spanischer Raucken/ das ist ERUCA HISPANICA.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß
Krauts RESEDAE.
Der räse und subtiel zusammenziehend Geschmack der gemelten dreyer
Kreuter/ geben genugsame anzeigungen/ daß
sie ein wärmende und stärckende Krafft und Wirckung haben/ mit einer geringen
astriction. PLINIUS der schreibt daß
man zu seiner bzeit die Geschwer und entzündungen mit diesem Kraut zertheilt
habe/ doch meldet er dabey daß
man diese Wort darzu hab müssen zum drittenmal sprechen/ RESEDA MORBOS RESEDA,
SCISNE, SCISNE, QUIS HIC PULLOS EGERIT,NEC PEDES, NEC CAPUT HABEANT? Dieweil
aber auß
dem Geschmack dieses Krauts wie oben gemeldtet/ leichtlich abzunemmen ist/ daß
dieses ohne die gemeldte Zauberische Wort/ darab billich die Christen ein
abschewen haben sollen/ die Geschwer und Entzündung wol zertheilen unnd
vertreiben kan/ so ist unvonnöten Christliche Gewissen mit den obgemeldten
Zauberworten zu beflecken. Weitere Kräfft und Tugenden dieses Krauts seyndt uns
unwissendt.