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GÄNSERICH / GÄNSE-FINGERKRAUT
Potentilla anserina - Rosaceae
VON DEM GRENSICH ODER GENSERICH.
Der Genserich oder Genßkraut ist fast jederman bekannt/ es hat ein lange zasechtige Wurtzel/ die Bletter ligen auff der Erden/ seyndt vielfaltig zerspalten/ unnd gerings herumb zerkerfft/ den Blettern der Adermenig oder deß Reynfahrns ähnlich/ doch von Farben gantz weiß/ oder äschenfarb graw/ und glantzend wie ein Silber auff der obern Seiten/ lind unnd zart am griff von der Wollen damit sie uberzogen seindt. Die Wurtzel stöst neben den Blettern viel langer/ dünner/ runder Fäden/ welche hin und her auff der Erden umb sich kriechen/ welche auch außsprossen/ kleine zäserlein an statt der Wurtzel und Bletter bringen/ gleich wie das Fünffingerkraut/ oder Erdtbeerkraut/ darauß dann junge unnd neuwe Stöcklein werden/ mit solchem fladern hin und wieder kriechen/ spreitet sich das gemeldt Kraut hefftig unnd weit auß/ also daß von einem Stöcklin mehr als zwentzig werden/ an den hin unnd her kriechenden Fäden oder Stielen/ wachsen schöne bleychgeele Blümlein von fünff Blettlein gerings umb besetzt/ den Blümlein deß Tormentills oder grossen Fünffingerkrauts ähnlich. Dieses Gewächs hat kein sonderlichen Geruch oder Geschmack. Es wächst allenhalben an grassechtigen Awen/ unnd den feuchten Gärten die kurtz Graß haben/ unnd uneben unnd Bühelechtig seindt/ deßgleichen an den graßechtigen Wassergestäden/ fürnemlich da die Gänß weyden/ derowegen etliche darvor halten unnd vermeynen/ dieses Kraut hab den Namen Genserich daher bekommen/ daß es von dem Gänßkoth wachsen soll/ welches ein (Altnetelische) unnd Paracelsischtische Fabel/ sintemal es auch heuffig an denen orten wachsend gefunden wirdt/ da nimmermehr keine Gänß hin kommen. Es blühet gegen dem Sommer/ mit andern gemeinen Graßkreutern/ welche zeit es dann eyngesamlet werden soll/ unnd zu nachvolgendem Gebrauch bequemlich im Schatten auffgetrucknet.
Von den Namen
deß Genserichs.
Wie der Genserich
oder Gänßkraut bey den Alten geheissen oder ob dieses Gewächs jhnen auch bekannt
gewesen/ das hat noch niemandts gewiß angezeigt/ dann die ein MILLEFOLIUM darauß
machen wöllen fehlen weit: die andern auch nicht weniger die es vor ein Geschlecht
der Adermenig halten. Wir wöllen mit seinen gemeinen unnd bekannten Namen zufrieden
seyn/ und Gott dem Herrn darumb dancken daß er uns die Tugendt unnd Kräfft dieses
Krauts hat offenbaret. Von den Kreutlern Lateinisch/ CHENOBOSCUM, PABULUM ANSERINUM,
PASTUS ANSERINUS, HERCULARIS unnd ANSERINA, sintemal dieses Kraut den Gänsen ein
angeneme unnd anmütige Speiß ist. Item ARGENTARIA unnd ARGENTINA von wegen der Bletter/
dieweil sie glantzend wie ein silber. Von den MEDICIS PRACTICIS unnd Apoteckern
wirdt es genannt/ PORTENTILLA, POTENTILLA, PROTENTILLA, AGRIMONIA SYLVESTRIS, unnd
TANACETUM SYLVESTRE, sintemal die Bletter dem Agrimonienkraut oder Reynfahrn etlicher
massen gleich seind. Hochteutsch/ Grensing/ Genserich/ Gänßkraut/ Grinsig/ Grunsig/
Gränsich/ Grenserich/ Gränserich/ Grunsing und Silberkraut. Welche Namen es wie
auch oben gemeldet von den Gänsen/ dieweil sie es gern essen/ und daß es glantzet
wie ein Silber/ bekommen hat.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Genserichs.
Das Genserichkraut
hat ein trucknende Eygenschafft/ mit einer zusammenziehung/ dann es stopffet sehr/
so seyndt alle Gewächs die stopffen truckner Art unnd Natur/ wie das GALENUS LIB.4.SIMP.C.6.
klärlich beweiset.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Genserichs.
Genserich frisch
gestossen unnd den Safft darvon außgeprest/ vertreibet das Blutspeihen/ allen Morgen
unnd Abend jedesmal auff die vier Loth getruncken. Darzu dienet auch dz Kraut in
Wein gelegt/ und stätig darvon getruncken.
Gemeldter Safft
gleichfals getruncken/ stopffet die Bauchflüß und die Roth Rhur/ und stillet das
Reissen und Krimmen im Leib unnd Därmen/ von der Rhur unnd den Bauchflüssen verursacht/
deßgleichen heylet es auch die versehrten Därm. Das Kraut zu Pulver gestossen/ unnd
mit einem bequemen Wasser/ oder rotem Wein zertrieben/ hat gleiche Wirckung.
Das Pulver dreissig
Tag nach einander allen Morgen eines gülden schwer obgemelter massen getruncken/
heylet die Fistel.
Wider die Unfruchtbarkeit
der Weiber: Nimb Genserichkraut ii.Handvoll/ Maieran ein Handvoll/ Nägelein anderthalb
loth/ Feinzucker vi.loth. zerschneide gemeldte stück klein/ thu sie in ein Kannt
oder ander bequem Geschirr/ schütte darüber ein maß guten weissen Wein/ verlutier
den Ranfft der Kannten wol/ stelle sie in ein siedenden Kessel mit Wasser/ und lasse
sie vier stund wol darinn sieden/ wann es kalt worden ist/ so seihe den Tranck durch
ein Tuch/ und gib dem Weib allen Morgen und Abend wann der Magen nüchtern ist/ drey
oder vier untzen davon zu trincken nach einer Purgation.
Genserich in
Wein gesotten/ unnd die durgesiegene Brühe Morgens unnd Abends getruncken/ stillet
allerley Bauchflüß und die rot Rhur/ auch den unmässigen Fluß der Weiber/ und sonderlich
aber den weissen Mutterfluß/ das weiß Gesicht von unsern Weibern genennet.
Wider den weissen
Fluß der Weiber/ ist folgende Artzeney ein besonder Experiment: Nimb Gänserichkraut
im Schatten getrucknet zwey loth/ geschaben Helffenbein ein loth/ weisse geriebene
Corallen ein halb loth. Mach auß den gemelten stücken ein reyn Pulver/ schlags durch
ein härin Sieblein/ unnd gib darvon ein quintlein deß Morgens nüchtern zu trincken
auff einmal mit vier loth Genserichkrautwasser zertrieben/ und beharr solches biß
daß du gute besserung vermerckest. Man sol auch in solchem Gebrechen das Genserichkraut
in Wein legen/ und stätig darüber trincken.
Etliche sieden
Genserichkraut in Wasser mit Saltz/ unnd gebens den jenigen zu trincken/ die von
der Höch gefallen seyndt/ das soll daß gerunnen Geblüth zertheilen unnd außführen.
Genserich mit
Wermuth zu Pulver gestossen/ unnd mit Wein getruncken/ tödtet die Würm und vertreibet
das Krimmen und Leibwehe.
Das Genserichkraut
wirdt höchlich gepriesen vor anderen Kreutern/ daß es ein besondere Eygenschafft
haben soll/ den Nierenstein zu zermalen unnd außzuführen/ in Wein gesotten unnd
getruncken/ oder das Pulver darvon mit Wein eingenommen.
Genserichkraut
gepülvert und eines quintleins schwer auff einmal mit Wein warm getruncken/ stillet
die rot Rhur unnd zertheilet das gerunnen Blut/ führet es auß.
Genserichkraut
ist auch ein edel Wundkraut/ alle jnnerliche und eusserliche Schäden und Wunden
damit zu heylen in Träncken und sonst auff alle weiß gebraucht. Darvon macht man
ein bewerthen Wundtranck auff folgende weiß: Nimb Genserichkraut mit den Blumen
ii. Handvoll/ spitzen Wegerich anderthalb Handtvoll/ Waldlilgenbletter/ Künigundtkraut/
Wintergrün/ jedes i. Handtvoll/ Liebstöckelbletter/ Naterzüngleinkraut/ weissen
Andorn/ jedes ein halb Handvoll/ Garafelwurtz ii.loth. alle gemelte stück sol man
klein zerschneiden/ dieselbige in ein Kannt oder ander bequem Geschirr thun/ und
darüber schütten fünff ächtmaß gutes weissen fürnen Weins oder Biers/ die Kannt
darnach wohl verlutiert in ein Kessel mit Wasser setzen/ und zum wenigsten vier
Stunden darinnen sieden lassen/ darnach soll man es durch ein Wüllin Tuch seihen/
und dem Verwunden allen Morgen und Abend vier loth darvon warm zu trincken geben.
So man aber lieber
will ein Wundtranck bereyten den man uber Jahr behalten/ und mit sich führen kann:
So nimb Genserichkraut mit den Blumen viii. Handvoll/ Walwurtzkraut und Wurtzel/
Sonnenguntzel/ jedes vier Handvoll/ Güldenruth/ Ehrenpreiß/ Gamänderlein mit den
blauwen Blumen/ jedes drey Handvoll/ Sanct Johannsblumen/ Angelickwurtzbletter/
Baldriankraut/ jedes zwo Handvoll/ Tormentillwurtzel mit dem Kraut/ Betonienkraut
und Blumen/ Reinfarnkraut/ Seyffenkraut/ die Rinden von den Eglenthierrosenstöcken/
jedes anderthalb Handvoll. Ale gemelte Stück soll man klein hacken oder schneiden/
darnach in ein VESICAM thun/ darüber schütten ein Maß oder zehen frisch Brunnenwasser/
darnach mit sanfftem Fewer fünff Maß darvon distilliren/ so hat man ein köstlichen
gedistilirten Wundtranck/ der alle Wunden kräfftiglich vom Grund herauß heylet.
Wann es aber im Winter were/ daß man die Kreuter nicht grün haben könde/ so soll
man das halb theil dürrer Kreuter nemmen/ die groblechtig stossen/ und infundiren/
wie wir oben in dem Capitel von der Adermennig gelehrt haben/ und v. Masen darvon
distilliren/ der ist nicht weniger kräfftig/ als der von den grünen Kreutern gedistillirt
worden ist.
Eusserlicher
Gebrauch deß Genserichs.
Genserichkraut
das frisch und grün ist/ geschnitten/ und klein gestossen auff ii. guter Handvoll/
darnach mit einer Aechtmassen Rosenwassers zertrieben und durchgeschlagen/ ist ein
köstliche Artzeney in dem hitzigen Hauptwehe/ so man zwyfache leinine Tücher darinn
netzet/ darnach wider ein wenig außdrucket daß sie nicht trieffen/ dann warm uber
die Stirn und beyde Schläff bindet/ das leschet die Hitz/ und stillet den Schmertzen
gewaltig/ man muß aber so offt die Tücher trucken werden/ wieder netzen und frisch
aufflegen.
Genserichkraut
mit Saltz und Rosenessig gestossen/ unnd darnach wie ein Pflaster also küle uber
die Solen der Füß und Händ gebunden/ zeucht die Hitz gewaltig auß dem Haupt und
dem gantzen Leib/ und ist ein fein Experiment in dem hitzigen Hauptwehe.
Genserichkraut
in Wasser und Wein gesotten/ darnach die Brühe durch ein Tuch gesiegen/ und den
Mund und Halß offtermals darmit gewäschen und gegurgelt/ heylet die Mundfeul und
andere Schädigung und Löcher deß Munds und deß Halß.
Genserichkraut
in rauhem Wein gesotten/ unnd im Mund warm gehalten/ miltert das Zahnwehe/ stärcket
die wacklende Zähn/ und macht sie fest/ und kompt dem abgefallenen Zäpflein zu hülff/
darmit warm gegurgelt.
Wider die flüssige
Geschwer und Feul deß Zahnfleisches: Nimb Genserichkraut mit den Wurtzeln/ Erdtbeerkraut
mit den Wurtzeln/ jedes ein gute Handvoll/ seude die in Wasser und Wein jedes ein
halb Maß zum halben theil eyn/ seihe es dann durch ein Tuch/ unnd wäsche das Zahnfleisch
offt darmit/ es heylet. Diese Artzeney heylet auch die Geschwer unnd Löcher an den
heimlichen orthen/ der Weiber unnd der Mannen offtermals damit gewäschen und leinine
Tüchlein darin genetzt und darüber gelegt.
Genserichkraut
gestossen unnd den Safft darauß gepreßt/ und auff einmal zwölff Untzen warm durch
ein Schritz in die Mutter gethan/ heylet die Geschwer derselben/ unnd soll
man solches etliche Tag nacheinander antreiben. Wann es aber im Winter were/ daß
man das Kraut nicht grün haben könnte/ soll man das dürre Kraut mit halb Wein unnd
Wasser wol sieden/ unnd wann es durchgesiegen ist/ obgemelter massen gebrauchen.
Wider die Masen
unnd Flecken deß Angesichts: Nimm Genserichkraut/ fülle ein Glaß darmit/ schütte
darnach ein frisch Brunnenwasser darüber/ stell es acht Tag lang an die Sonn/ darnach
bestreich das Angesicht allen Tag einmahl oder vier darmit/ unnd lasse es dann von
jhm selbst trucken werden.
Oder nimb ein
messin Becken das tieff ist/ fülle es mit frischem Brunnenwasser auff das halbe
theil/ thue darnach frisch Genserichkraut dareyn/ stürtze ein ander messin Becken
darüber/ unnd stelle es in die Sonn/ so zeucht sich ein Dunst ubersich/ der resolviert
sich in obern Becken in ein Wasser/ das sammle unnd behalts/ schmier die Flecken
darmit an/ unnd laß von sich selbst trucken werden/ es vertreibet sie unnd heylet
Flechten und Zittermähler.
Genserichkraut
in die Schuch gelegt und darauff gangen/ ist gut wider die Geelsucht.
Genserichkraut
in die Schuch also safftig und frisch wie es deß Morgens mit Dauwe gesamlet wird/
unnd darauff gangen/ das vertreibet und verzehret die Geschwulst der Schenckel und
der Füß.
Wann aber die
Geschwulst von der Geelsucht oder Wassersucht verursacht were/ so nimb Genserichkraut
vier Handvoll/ Saltz einer Castanien gross/ feuchts ein wenig an mit Rettichwasser/
legs in die Solen der Schuch/ und gehe stätig darauff/ die Geschwulst verzehret
sich/ aber man muß dz Kraut allen Tag obgemelter massen erfrischen.
Genserichkraut
ii.theil mit einem theil Farnkraut vermischet/ und obgemelter massen in die Schuch
gelegt/ und darauff gangen/ verzehret gleichfals die Geschwulst der Schenckel und
Füß.
Wider alle Geschwulst
mach nachfolgende köstliche Salb: Nimb Genserichkraut vier Untz/ Wullenkrautblumen/
Wegerichkraut/ Wegdritt/ Nachtschattenkraut/ Odermenig/ jedes ii. Untzen/ frischen
ungesaltzenen Buttern x. untzen/ Hämmelen Unschlit iiii. Untzen/ Leinölen ii. Untzen.
Die gemelten Kreuter und Blumen sollen alle frisch und grün seyn/ die soll man hacken/
darnach mit dem Buttern/ Unschlit unnd Leinölen durcheinander zerlassen und wol
durcheinander stossen/ folgends acht Tag in die Sonn setzen/ und dann sittiglich
uber einem linden Kolfewerlein sieden lassen/ biß alle Safftigkeit in den Kreutern
sich verzehret/ und mit dem Buttern/ Oelen und Unschlit sich vereiniget hat/ als
dann soll mans durch ein Tuch hart außpressen/ so hat man ein edle Salben zu allen
Schwellingen/ Entzündungen unnd Geschwulsten. Wann man die brauchen will/ nimbt
man darvon so viel man bedarff in ein Zinnlein oder Pfänlein/ lasset es warm werden/
netzet darinn ein ungewäschen Lambwollen/ unnd leg es also warm uber die Geschwulst
und Entzündung/ das miltert den schmertzen und legt alle Geschwulst in kurtzer zeit.
Genserichkraut
mit ein wenig Rosenessig gestossen/ ist eine herrliche hülff und Artzeney in den
hitzigen Febern/ so mans uber die Solen der Füß und Hände bind/ dann es zeucht gewaltig
die Hitz auß.
Genserich gesotten
in rotem Wein oder altem Bier/ reyniget und heylet die alten Schäden/ unnd zeucht
alle Hitz herauß/ darüber gelegt wie ein Pflaster.
Genserichkraut
mit Wermuth jedes gleich viel in Wein gesoten/ zuvor in ein Säcklein eingemacht
und mit einem Faden eyngeriegen/ daß die Kreuter nit zusammen lauffen/ darnach mit
zweyen Bretlein oder Tellern außgetruckt daß es nicht mehr träufft und also warm
uber den Bauch gelegt/ vertreibet das Krimmen unnd Reissen in Därmen/ von einem
kalten Durchlauff verursacht.
Genserichkraut
in halb Wein unnd Wasser gesoten/ stillet den jungen Kindern das Krimmen und reissen
im Leib/ von dem Grünen verursacht/ warm uber das Bäuchlein gelegt/ ist ein fein
Experiment. Das Grün der Kinder ist/ wann sie Binst gesogen haben/ so gewinnen sie
grosse Krimmen und reissen im Leib/ und gehet grüne Materi im Stulgang hinweg/ thut
den Kindern grossen Schaden/ dann sie etwann die Kränck oder Gegicht darvon bekommen
daß sie sterben müssen.
Genserichkraut
in die Schuch geleget/ darauff gangen/ unnd denm Hindern darmit gewischt/ stillet
einen jeden Bauchfluß.
Gemelt Kraut
in Wein gesoten/ und warm uber den Nabel gelegt/ auch den Hindern oder Afftern darmit
gebähet/ vertreibt die gelüst und zwang TENESMU, in der Rhur und Bauchflüssen.
Genserichkraut
in Wasser gesotten und ein Lendenbad darvon gemacht/ deß Tages zweymal darinn gebadet/
stopffet den uberflüssigen Blutgang der Weiber/ und vertreibt den weissen Fluß.
Genserichkraut
gestossen unnd wie ein Pflaster ubergelegt/ lindert den schmertzen der Glieder unnd
der Hüfft/ ist ein gute Artzeney die erlameten unnd contracten Glieder damit zu
stärcken. Den Safft darvon außgedruckt/ und den Rückgrad darangestrichen und gesalbet/
miltert unnd vertreibt den Schmertzen desselbigen.
Den Safft in
die Wunden getraufft/ Tüchlein darinn genetzt unnd dareyn gelegt/ darnach das Kraut
wie ein Pflaster darauff gebunden/ heylet allerhandt Wunden/ unnd verhütet die Wundsucht.
Genserichkrautsafft
heylet die umbsichfressenden hitzigen Geschwer/ dieselbige darmit angestrichen/
unnd das Kraut gestossen und wie ein Pflaster darüber gelegt.
Genserichkrautwasser.
ANSERINAE AQUA STILLATITIA.
So man das Genserichkraut distilliren wil/ sol man das sammlen wann es in seiner besten Blühet ist/ dasselbige mit Wurtzeln unnd Blumen klein hacken/ dann sänfftiglich in BALNEO MARIAE abziehen/ folgends zu einer jeden Maß deß abgezogenen Wassers vier Untz deß gedörrten Krauts/ Wurtzel und Blumen zu einem groblechten Pulver gestossen vermischen/ darnach in BALNEO MARIAE 24. Stunden digeriren lassen/ als dann zum andernmal distillieren/ folgends wol vermacht in die Sonn setzen seine zeit zu rectificiren/ wie wir offtermals berichtet haben.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Genserichwassers.
Genserichkrautwasser
deß Morgens unnd Abends jedes mahl vier oder v.loth getruncken/ ist eine bewehrte
Artzeney den Nierenstein zu zermahlen/ unnd außzuführen/ das Rückenwehe zu vertreiben/
den weissen Fluss der Weiber zu stillen/ die Bauchflüß unnd das reissen unnd krimmen
im Leib so darvon verursacht werden zu miltern/ und die versehrung der Därm zu heylen.
Eusserlicher
Gebrauch deß Genserichkrautwassers.
Genserichwasser
ist ein sonderlich kräfftig unnd gut Augenwasser/ zu den roten/ feuchten unnd rinnenden
Augen/ dann es trucknet die Flüß derselben/ unnd erleutert das dunckel Gesicht wunderbarlich/
leget das stechen und die schüß der Augen/ deß Tages etlichmal ein tröpfflein oder
drey darinn gethan/ unnd leinine Tüchlein darinn genetzet/ darnach lawlechtig darüber
gelegt.
Genserichwasser
heylet alle Schädigung/ Verwundung unnd Geschwer deß Munds/ der Zungen/ Biller/
Zahnfleisches und deß Halß/ offtermals damit gewäschen unnd gegurgelt. Heylet auch
die versehrungen unnd Geschwer oder Löcher der heimlichen Ort darmit gewäschen/
Tüchlein darinn genetzt und darüber gelegt.
Genserichblumenwasser.
ANSERINAE FLORUM AQUA.
Auß den Blumen deß Genserichs pflegt man auch besonders ein fast nutzlich Wasser zu distillieren/ und ist aber die beste Zeit dieselbige zu distillieren/ wann sie in jhrer vollkommenen zeitigung seynd/ dieselbige abgepflückt/ unnd mit geringem Fewer sänfftiglich in BALNEO MARIAE abgezogen. Wann das geschehen/ nimbt man deß gemelten Wassers ein Maß/ thut vier Untzen der gedörrten Blümlein dareyn/ zeuchts darnach zum andernmahl ab/ wie wir solches hiebevor zu mehrmahlen bericht gethan haben/ und rectificierts in der Sonnen/ darnach behaltet mans zum Gebrauch.
Jnnerlicher
Gebrauch deß Genserichblumenwassers.
Das Genserichblumenwasser
allen Morgen unnd Abend jedesmal drey oder vier loth getruncken/ ist ein kräfftig
und gut Artzeney vor den Schwindel/ stillet die Flüß/ und vertreibt das trieffen
und rinnen der Augen.
Eusserlicher
Gebrauch deß Genserichblumenwassers.
Genserichblumenwasser
heylet die versehrung unnd verwundung der Augen/ deßgleichen die Geschwer in den
Winckeln der Augen/ darauß manchmal ein Fistel wird/ die Augen offtermals darmit
gewäschen/ auch Tüchlein darinnen genetzt/ und eusserlich darüber gelegt.
Genserichblumen Conservenzucker.
ANSERINAE FLORUM CONSERVA.
Auß den Blumen deß Genserichkrauts macht man einen fast guten Conservenzucker: Man nimpt die abgepflückten Blümlein/ lässet sie auff einem saubern Tuch trucknen/ biß die ein wenig welckechtig werden/ dann schneidet man sie gantz klein/ stösset sie hernach in einem Mörser wol/ unnd vermischt zweymal so viel Zucker darmit/ stössets wol durcheinander/ und wann es ein gestalt einer Latwergen bekompt/ so verwahret mans in einer Porcellanbüchsen/ oder in einem Zuckerglaß zum Gebrauch. Dieser Conservenzucker ist fast gut in allen oberzehlten innerlichen Gebrechen vom Kraut und Wasser/ und ist auch lieblicher und anmütiger zu brauchen/ und dienet aber sonderlich vor die Flüss/ den Schwindel und die Bauchflüß. Vor den Schwindel brauchet man morgens und abends einer halben Castanien groß/ unnd vor die Bauchflüß allwegen einer Castanien groß vor dem Essen.