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FLOCKENBLUME
VON DEN FLOCKBLUMEN
Der Flockblumen die man IACEAS nennet/ haben wir sechs underschiedliche Geschlecht.
1. Das erste Geschlecht der Flockblumen/ hat eine krumme/ holtzechtige und schwartze Wurtzel/ kleinen Fingers
dick/ mit etlichen Nebenwürtzlein behenckt. Die Bletter seynd lang/ breyt/ ein wenig rauhe unnd steiff/ auff beyden Seiten
eckechtig und ein wenig zerkerfft den Blettern der wilden Wegwarten etlicher massen ähnlich. Der Stengel wirdt Schuchs hoch/ ist
hart/ rundt und rauh/ hat von unden an biss oben hinauss viel Nebenästlein/ auff welchen gegen den Brachmonat sich viel rauher/
bauchechtiger/ schüpechtiger Häuptlein oder köpfflein herfür thun/ den Häuptlein oder Knöpfflein der Kornblumen ähnlich/
auss welchen im Heuwmonat schöne purpurrothe Blumen sich erzeigen/ die seynd von vielen Fäselein oder Flocken an statt der
Blätlein in einander gesetzet und gedrungen. Diese Blumen wie auch das gantze Gewächs haben ein ein zusammenziehenden Geschmack
mit einer geringen Süsse unnd ziemlicher Trückne. Es wächst in bergechtigen Wiesen oder Matten/ und andern grassechtigen Orthen
in grosser Menge.
ll. Das zweyte Geschlecht hat eine zähe/ harte/ aderechtige Wurtzel/ der Stengel ist rund/ holtzechtig unnd
Elen hoch/ hat viel Nebenzweyglein/ auff welchen weissglantzende/ schüpechtige Häuptlein erscheinen/ mit hüpschen Purpurrothen
Blumen/ den vorigen nit ungleich. Die Bletter seynd schmal/ zinnlechtig unnd sehr tieff zerschnitten/ äschenfarbweiss und
glantzend wie auch der Stengel/ als wann sie mit einer zerten/ weissen Wollen uberzogen werend/ an der Gestalt den kleinsten
Beyfussblettern/ die am obern Theil dess Stengels wachsen/ fst ähnlich. Es blühet im Heuwmonat und Augstmonat/ wächst auff
ungebauweten Aegerten/ dessgleichen auff den Strassen an den Rechen der Ecker und Weinbergen.
lll. Das dritte Geschlecht hat eine lange/ holtzechtige Wurtzel mit wenig Nebenwürtzlein/ die Bletter seyndt
breyt unnd lang/ mit vielen tieffen Schnitten zertheilet unnd auff beyden seiten zerkerfft/ glatt und glantzend. Der stengel wirdt
Elen hoch/ die Häuptlein oder Köpfflein seynd schüppechtig/ den andern gleich allein etwas rauher unnd schärpffer/ die Blumen
seynd schön Purpurroth/ denselben folget nach der Samen/ welcher dem Samen der Kornblumen ähnlich ist/ gleich wie auch die Samen
der obgemelten Flockenblumen. Es wächst auff ungebauwenen Egerten.
lV. Das virdte Geschlecht hat zehen oder zwölff dicker bauchechtiger glatter Wurtzeln/ dess geelen
Affodillenwurtzeln/ oder der Bergfilipendelwurtz ähnlich/ die stengel sind Elen lang/ und bissweilen lenger/ mit etlichen
Nebenzweigen/ die Bletter sind grösser und breyter/ dann die bletter dess nechstgemeldten/ mit gröbern und tieffen Schnitten
zertheilet/ und äschenfarb/ haben an den Ecken und Enden spitzige Dörnlein oder Stacheln: Auff den stengeln und Nebenzweiglein
gewinnet dieses Gewächs schüpechtige Knöpfflein oder Häuptlein wie die obgemeldten/ aussgenommen dass sie bäuchechtiger und
stachelechtiger seyndt/ darauss wachsen im Hewmonat Purpurrote flockechtige Blumen/ wann die vergehen/ folget ein weisser glatter
Samen/ wie der Samen dess wildten Saffrans/ ist aber sehr viel kleiner. Es wächst auff ungebauwenen Feldern/ auff den
Landtstrassen/ und an den dürren Rechen der Ecker/ ist nicht allenthalben gemein aber in dem Altzeyergaw/ zwischen Bechtheym/
unnd Odernheym wechst es viel auff den Landtstrassen.
V. Das fünfft Geschlecht hat wie das zweyte ein holtzechtige zähe Wurtzel/ ein runden Stengel eines Fuss
hoch/ die bletter sind lang/ breyt/ weych/ wollechtig/ mit sehr tieffen Schnitten weit von einander zertheilet/ von Farben weiss
oder äschenfarb. Die Häuptlein und Blumen seynd von gestalt unnd Farben dem zweyten Geschlecht ähnlich/ das gantze Gewächs hat
einen ziemlichen lieblichen Geruch/ und von Geschmack bitterechtig mit einer Astriction oder Zusammenziehung. Es wächst auff
sandechtigen Bergen und Hübeln/ sonderlich aber bey dem Erdtbachischen Berghauss Schönenburg auff den bergechtigen Feldern umb
das Schloss herumb in grosser meng/ dessgleichen zwischen dem Churfürstlichen Jaghaus zum newen Schloss genant/ unnd dem Dorff
Fürnheym/ auff sandechtigen Hübeln/ wird nicht allenthalben gefunden/ und liebet sonderlich die Höhe und Sonnreiche Oerter.
Vl. Das sechst Geschlecht ist dem dritten Geschlecht mit der Wurtzel und den Blettern fast gleich/ der stengel
wirdt schuchs hoch/ die Häuptlein sind auch von vielen Schüpen besetzt/ den Häuptlein der Drwedistel ähnlich/ die Blum ist von
Farben geel/ doch flockechtig wie die andern Flockenblumen/ die wirdt auch nit allenthalben gefunden/ aber in Hochburgund zwischen
Grande Vill und Bisou wächst sie ziemlich viel in den Fruchtfeldern/ da ich sie dann zum allerersten gesehen und colligirt hab.
Von den Namen der Flockenblumen
Die Flockenblum wird von den Kreutlern heutiges Tags mit einem Griechischen Namen ..... genannt/ dieweil es
Blumen hat ohne Bletter/ die allein von Fäselein oder langen Flocken bestehen/ daher sie auch Lateinisch
APHYLANTES genannt wirdt/ aber gemeiniglich IACEA/ von wegen der schönen Purpurrothen Veyelfarben die die
Blumen haben. Sintemal aber deren viel und mancherley Geschlecht seyndt/ so werden sie mit nachfolgenden Namen underscheiden/
dieweil unsers wissens die alten Lehrer dieses Gewächs nicht beschrieben haben/ wiewol sie doch ein grosse Gleichheit mit dem
STOEBE der Alten haben/ unnd so auch einer den STOEBIS diese Flockengeschlechter zugesellen würde/ mit dem wollten wir nit viel
zancken/ sonderlich aber haben wir das zweyt/ dritte und vierdte Geschlecht ein grosse Gleichheit mit den STOEBIS/ dass sie nicht
wol darvon können abgesondert werden.
l. Das erste Geschlecht der Flockenblumen/ wirdt von den Kreutlern von wegen der satt oder schwartzgrünen
Blettern/ zum Underscheidt der andern IACEA NIGRA/ genannt. Teutsch/ schwartz Flockenblum/ unnd von den CHIRURGIS/ Bruch Sanickel/
das ist/ SANICULA AD RUPITURAS/ oder SANICULA RUPTURATUM.
ll. Das zweyte Geschlecht wirdt von wegen der eschenfarben Bletter/ von den Kreutlern IACAE ALBA genannt.
Teutsch/ weiss Flockenblum/ von wegen der weissen und Eschenfarben Bletter/ ist ein Geschlecht dess Stebenkrauts/ dann es ein
geringen Underscheidt hat zwischen dem kleinen Stebenkraut/ das etliche in den Gärten zielen/ welches von Spanischem Samen
gewachsen/ dem es auch mit dem Geschmack gleich.
lll. Das dritte Geschlecht hat keinen besondern Namen bey den Kreutlern/ wir haben es IACEAM TERTIAM genennet/
das ist das dritte Geschlecht der Flockenblumen.
lV. Das vierdte Geschlecht wirdt von wegen der stachelichten Spitzen der Bletter/ von den Kreutlern IACEA
ACCULEATA/ und CONSOLIDA ACULEATA genannt: Wir habens IACEAM RUBEROSAM/ von wegen der bäuchechtigen Wurtzeln getaufft. Teutsch
heisset es Stachelkraut/ und Stechguntzel/ ist ein wahres Geschlecht dess Stebenkrauts.
V. Das fünfft Geschlecht wirdt von den Kreutlern von wegen seines lieblichen Geruchs/ IACEA MUSCHATA/ IACEA
MONTANA/ und auch von etlichen HERBA MUSCHATA MAJOR genannt/ zu Teutsch/ Bergflockenblumen und gross Biesemkraut.
Vl. Das sechst Geschlecht wirdt von den Kreutlern IACEA LUTEA genannt. Teutsch/ geel Flockenblumen.
Von der Natur/ Krafft und Eygenschafft der Flockenblumen
Die Flockenblumen seynd warmer und truckner Natur mit einer Zusammenziehung/ vergleichen sich sehr mit den
Scabiosen und Stebenkreutern/ denen sie meines Erachtens mit jhrer Tugendt unnd Eygenschafft gleich seynd/ werden heutigs tags als
unbekannte Kreuter wenig in der Artzeney gebraucht.
Jnnerlicher Gebrauch der Flockenblumen
Das erste Geschlecht der Flockenblumen/ mit einem andern Namen Bruchsanickel genannt/ wirdt von erfahrnen unnd
gelehrten CHIRURGIS/ oder Wundtärtzten/ höchlich gelobt und gepriesen zu allen Brüchen unnd jnnerlichen Verwundungen/ derwegen
sie solches Kraut zu jren Brüch und Wundträncken heylsamlich vermischen/ und auch das Kraut zu Pulver gestossen den gebrochenen
in Speiss unnd Tranck zu essen unnd zu trincken geben.
Das vierdte Geschlecht Stachelkraut genannt/ wirdt nicht weniger Brüch unnd Wunden zu heylen gelobet/ dann der
Bruchsanickel wirdt derwegen von erfahrnen Wundtärtzten gleichfalls wie ander Wundkreuter zu den Brüch und
wundträncken gebraucht. Dessgleichen auch das Biesemkraut IACEA MUSCHATA. Die andern Geschlecht haben noch zur
Zeit keinen Gebrauch in der Artzeney/ jnnerlich einzunemmen.
Eusserlicher Gebrauch der Flockenblumen
Das erst/ unnd das fünfft Geschlecht werden eusserlich zu den Wunden und Schäden gebrauchet/ dieselben darmit
zu heylen/ frisch gestossen unnd wie ein Pflaster ubergelegt/ sie werden auch heylsamlich zu den Wundtölen unnd Wundtpflastern
gebraucht.
Der Bruchsanickel in Wein oder Wasser gesotten unnd mit der durchgesiegenen Brühen den Halss gegurgelt/ heylet
die Geschwulst derselben/ dessgleichen die Geschwulst der Keelen/ der Mandeln unnd dess Zäpffleins/ wie auch alle Versehrungen
desselben.
Das zweyte Geschlecht und das dritt/ dessgleichen das Biesemkraut/ werden von den alten Weibern in jhre
Würtzwüsche gesamblet/ darmit sie viel seltzamer Fantaseyen treiben. Etliche aber thun besser unnd brauchen die gemeldten
Kreuter zu den Schweissbädern/ den Schweiss darmit zu fürdern/
die Krätz/ Räude unnd den Grindt darmit zu heylen.