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FINGERHUT
VON FINGERHUT
Das Fingerhutkraut ist zweyerley. Das erste Geschlecht hat ein kurtze krumme Wurtzel/ mit vielen Faseln
behencket/ auss welcher der Stengel wachset einer Elen hoch/ mit breyten/ langen spitzigen Blettern besetzt/ sehr wenig zerkerfft/
[sind glatt fast wie an der Braunwurtz/ so an den Wassern wächst]. Oben am Stengel hencken seine gelben Blumen gantz ordentlich
nach einer Reyhe/ formieret wie ein Fingerhut/ wann dieselbige verfallen/ so findet man einen breyten uund langen Samen in
Hülsslein verschlossen.
Das ander Geschlecht ist dem ersten fast gleich/ allein dass seine Blumen braun seind/ auch die Bletter mehr
zerkerfft/ [häricht und rauch.]
Es beschreibt DODONAEUS noch andere Geschlecht mehr/ mit goldtgelben und bleichgelben Blumen/ davon zu lesen in
HISTORIA FLORUM CORONATIORUM CAP.11. Sie wachsen an bergechten und schattechten Orthen: Blüen im Julio.
Von den Namen
Fingerhut oder Waldtglöcklein heisset Lateinisch DIGITALIS.
Von der Natur/ Krafft und Eygenschafft dess Fingerhuts
Das Fingerhutkraut ist am Geschmack bitter/ derowegen auch warmer unnd truckner Natur: Hat eine Krafft zu
säubern/ zu treiben/ zu eröffnen unnd zu zertheilen.
Jnnerlicher Gebrauch
Wozu diese Kreuter zu gebrauchen seyn/ finde ich nicht bey den Authorn/ allein dass LEONARDUS FUCHSIUS
schreibet/ dass es von wegen seiner Bitterkeit/ eine Art habe zu reynigen/ fortzutreiben/ zu eröffnen unnd zu zertheilen:
Derowegen könne es gebraucht werden/ zu den verstandenen Monatzeiten der Weiber/ dessgleichenauch zu den Gebrechen der Brust/ den
groben Schleim darinnen zu zertheilen/ dünn zu machen und auszutreiben. Endlich vermeldet er/ dz diss Kraut gleiche Krafft unnd
Wirckung habe/ wie die Wurtzel ENCIAN. [Es ist auch ein herrlich Wundtkraut.]