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FICHTE
VON FIECHTENBAUM
Der Fiechtenbäum seyn vielerley Geschlecht/ und sagt MATTHIOLUS, dz derselbigen so viel in Polen/
Teutschlandt und Böhmen erfunden werden/ dass es unnötig sey dieselbige jhrer Gestalt nach zu beschreiben. THEOPHRASTUS theilet
sie in zwey Geschlecht ab/ also dass eines die einheimische Fiechten genennet werden/ und das ander aber wilde Fiechten.
Sie seyen einander allesampt beynahe und gar gleich: Das erste Geschlecht belangendt/ ist dasselbige ein
hocher/ grosser/ dicker Baum/ unten herumb bloss und nackend/ aber obenher mit sehr viel Aesten besetzt: Seine Bletter vergleichen
sich dem Taubenrock/ seyn dünn/ langlecht/ hart und oben spitzig/ hangen wie Haar an den öbersten Gipffeln der Aesten/ deren je
zwey auss einem Knöpfflein herfür kommen/ seine Zapffen oder Zirbeln seyn gross auss vielen dicken/ harten und holtzechten
Schuppen zusammen gepackt/ unter welchen die harte holtzechte Nüss stecken/ in welchen jnnwendsig ein süsser/ weisser/
langlechter Kern ligt/ mit einem dünnen Häutlein uberzogen.
Das ander Geschlecht PINUS MARITIMA l. genent/ ist dem vorigen beynahe gleich/ aussgenommen dass es nidriger
wächst/ hat eine glatte Rinde/ mit den Blettern ist es dem vorigen gleich/ die Zapffen seyn auch kleiner und kürtzer/
gümmechtig/ und geben einen Geruch von sich/ welche sobaldt abfallen wann sie dürr worden seyn.
So viel die andere nachvolgende Geschlecht belanget/ kommen sie mit diesem fast uberein/ werden auch gar
leichtlich von jederman erkent/ also dass unnötig/ sie weitläuffiger zu beschreiben.
Von andern Geschlechten mehr kan man lesen MATTHIOLUM, DODONAEUM, C. CLUSIUM.
Sie werden allenthalben funden in Teutschlandt/ Polen/ Böhmen/ Franckreich/ Welschlandt/ und andern Orten
mehr.
Von den Namen
Fiechtenbaum wird auch genennet Hertzbaum/ [zamer Zirbelbaum/ Welscher Than.] Kinholtz/ Kyfferholtz/
Forrenholtz unnd Feuren. Lateinisch PINUS.
Das wilde Geschlecht wird genennt Meerfichten/ Bergzirbelbaum. Lateinisch PINUS MARITIMA, PINUS MONTANA, PINUS
SYLVESTRIS, PINUS MUGO.
Die Zirbeln oder Zäpfflein werden genennt CONI: Die Zirbelnüss aber Lateinisch STROBILI, und NUCES PINEAE.
Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft der Zirbelnüss
FERNELIUS schreibet/ die Zirbelnüss seyen etwas TEMPERIRT in der Wärm/ aber gar feuchter Natur.
Jnnerlicher Gebrauch
Die Rinde der Fichtenbäum zu Pulver gestossen unnd eingestreuwet heylet den gegangenen Wolff am hindern:
Dessgleichen auch die Geschwär auff der Haut/ unnd was gebrannt ist/ fürnemlich aber so es mit Silberglet unnd Weyrauch
vermenget wird/ wie DIOSCORIDES darvon schreibet.
GALENUS sagt/ wann man die Blätter in Essig koche/ unnd den Mundt darmit warm ausspüle/ lindere es die
Schmertzen der Zän: Er meldet auch/ wann man die Blätter zerstosse unnd aufflege/ lindern sie die hitzigen Geschwülst.
DIOSCORIDES schreibet von dem Kinholtz/ wann man dasselbige klein schneide und in Essig koche/ darnach die
Brühe warm im Mund halte/ soll es die Zahnwehe vertreiben.