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FERKELKRAUT ll
siehe auch Ferkelkraut
VON DEM KLEINEN FERCKLEINKRAUT.
Des kleinen Ferckleinkrauts haben wir zwey Geschlecht.
I. Das erste hat ein kleines/ dünnes/ langes Würtzlein/ mit vielen Zaseln behenckt/ die Blätter/ deren es
acht oder neun hat/ sind viel kleiner dann die Blätter des grossen Ferckleinkrauts/ mit dreyen oder vier Kerfflein/ doch nicht so
tieff wie des vorigen zerschnitten. Zwischen denen wachsen zwey/ drey/ oder auch bißweilen vier runder und holer/ dünner
Stengelein heraus/ die sind untenher bey der Wurtzel Purpurbraun/ haben keine Blätter/ die theilen sich oben in Nebenzweiglein/
und sind obenher an ihren Enden dicker als untenher und in der Mitten/ auf welcher jedem eine kleine/ geele/ faselechtige Blum aus
einem runden Köpfflein oder Kölblein herauß wächset/ welche bald zu einer zarten weissen Wolle werden/ und davon fliegen.
Dieses Kräutlein gibt einen weissen Milschsafft/ wie das Röhrleinkraut/ und ist am Geschmack bitterechtig/ wie das vorige und
grösser Ferckleinkraut. Es wächst in graßechtigem/ sandechtigen Erdreich und hinder den Zäunen/ sonderlich aber zwischen der
Churfürstlichen Statt Heidelberg und dem Dorff Hockenheim/ in dem liechten Wald wie man von Heidelberg auf Speyer zu zeucht/
deßgleichen auch in dem Lossart und Bruhrheim an sonnreichen Orten/ neben den Strassen und hinder den Zäunen.
II. Das zweyte Geschlecht/ hat ein kleines/ dickes Würtzlein/ das ist untenher ein wenig kumpf/ als wann es
abgebissen oder abgebrochen wäre/ mit vielen Nebenwürtzlein behenckt/ die Blätter sind länger und schmäler als des
jetztgemeldten/ rauch und auf der Erden ligend. Darzwischen wachsen zwey oder drey blosser Stenglein herfür/ die sind nicht viel
wie das vorige über einer zwerch Hand hoch oder lang/ theilen sich obenher gemeiniglich in zwey Theil oder Zweiglein/ auf welcher
jedem ein schönes Dottergeel gesundes Blümlein wächset/ die sind zweymal schier so groß als die Blümlein des vorigen. Dieses
gantze Gewächslein ist bitterechtig wie das vorige. Es wächset auch viel hin und wieder in liechten Wälden/ da die Sonn wol
hinkommen kan/ in sandechtigem graßechtigen Erdreich/ und neben den Strassen.
Von den Namen der kleinen Fercklein-Kräuter.
Die jetztgemeldten kleine Kräutlein/ dieweil sie noch von niemand beschrieben und unbekandt sind/ wir auch bey
den Hirten/ alten Weibern und andern/ keinen Teutschen Namen haben können erfahren/ so haben wir sie klein Ferckleinkraut zum
Unterscheid des andern Ferckleinkrauts/ das wir in dem nächstgemeldten Capitel beschrieben haben/ genennet/ damit sie auch einen
Namen haben möchten/ und mit hierunten verzeichneten Namen unterscheiden. Die gemelten Kräutlein aber haben wir vor das HYOSIRIS
PLINIJ, LIB. 27: CAP. 10. sonderlich aber das zweyte mit den rauchen Blättern/ wiewol doch gleichwol das ander auch mit nichten
kan oder soll/ als ein warhafftiges Geschlecht desselbigen/ darvon abgesönderet werden. Laeinisch/ HYOSERIS, HIOSIRIS, oder wie in etlichen Exemplaren gelesen wird/ HIOSCIRIS. Das erste
Geschlecht mit den breiten Blättern/ haben wir Teutsch klein Ferckleinkraut das Männlein genannt und das andere mit den schmalen Blättern/ klein Ferckleinkraut Weiblein/ das ist/ HYOSERIS ANGUSTIFOLIA, und HYOSERIS
FOEMELLA.
Gebrauch der kleinen Ferckleinkräuter.
Es sind diese Kräutlein als unbekandte Kräuter gar nicht im Gebrauch der Artzney/ doch mögen sie wol
wie die Wegwarten und Endivienkräuter ohne einigen Schaden und Gefahr/ beyde in der Artzney und in der Speiß/ sonderlich aber in
den Saläten gebrauchet werden.
Klein Ferckleinkraut frisch gestossen und über die Wunden geleget/ heilet dieselbigen treffenlich wol/ wie PLINIUS an dem
obgemeldten Ort bezeuget.