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FEDERGRAS (PFRIEMENGRAS)
VON DEM PFRIMMENGRASS
Dieweil wir an die Gräser kommen/ haben wir auch nit underlassen wöllen wie die Pfrimmengräser und jre
Geschlecht die von PLINIO SPARTA genennet werden/ zu beschreiben/ unnd haben wir der Pfrimmengräser zwey Geschlecht/ und darnach
fünff Geschlecht SPARTA PLINIANA, welche den Pfrimmengräsern billich sollen zugeeygnet werden/ dass aber solche SPARTA PLINII
uns bekannt worden seynd/ haben wir solches höchlich dem hochgelehrten Herren CAROLO CLUSIO zu dancken/ dann wir zuvor unsere
Pfrimmen welche der Griechen SPARTA sind/ mit den SPARTIS PLINIANIS (den Pfrimmengräsern PLINII) vermischt/ der hat erstlich
diese SPARTA PLINIANA beschrieben/ Gott der Allmächtige wölle jhm Gesundheit und langes Leben verleihen/ dass er diese löbliche
unnd hochnützliche Kreuterkunst/ menniglich zu nutz und gutem mehren und erweiteren möge/ dann was grossen nutz er geschaffet/
und wie er die Kunst der erkantnis der SIMPLICIEN und einfachen Gewächs gemehret und befürdert habe/ werden jhm alle ehrliebende
Menschen/ unnd sonderlich die Posteriter müssen Zeugnus geben/ unnd jhme jmmerwehrenden und unauffhörlichen Danck darumb sagen.
1. Das erste Geschlecht dess Pfrimmengrass/ hat ein zasechtige Wurtzel/ die bletter seynd steiff/ schmal und
eins Schuchs lang mit einer Rippen durchzogen/ die Stengel oder Halmen werden einer Elen hoch und höher/ die seynd rund/ glatt/
unnd haben wenig Bletter/ die Aehren so auff den Stengeln wachsen seynd eines Fingers lang unnd auch bissweilen lenger/ von Farben
schwartzgrauw. Dieses Grass wächst auff der Heyden zwischen Herzogenbusch auff den sandechtigen Hübeln und andern mehr orten in
Braband.
ll. Das zweyte Geschlecht hat harte kriechende Wurtzeln mit etlichen Nebenwürtzlein und zasechtigen Härlein
behenckt/ steiff und dürr/ schier anzusehen wie das Chamelenheuw/ die Hälmer werden anderhalb Elen hoch/ die seynd auch wie die
Bletter steiff und hart/ mit starcken Gewerben oder Gleichen underscheiden/ die Aehren seynd lang unnd von Farben purpurbraun/
wann sie aber zeitig worden seynd/ so werden sie weiss/ schön unnd glantzend wie ein Seiden. Es wächst in Flandern zwischen der
Statt Gent und Knesslar/ in den Hecken und ungebauwenen Orten.
lll. Das dritt welches das wahre und rechte SPARTUM PLINIANUM ist/ hat viel kleiner Bintzenbletter von einer
von einer Wurtzel herauss wachsen/ die seynd eines Ehlenbogens lang unnd von Farben ausswendig grün/ unnd jnnwendig grauwfarb/
wann die noch jung/ seynd sie ziemlich breyt/ mit der Zeit aber wann sie grösser unnd lenger werden/ ziehen sie sich zusammen
unnd werden gleich den Bintzen/ werden hart und lassen sich wie die Bintzen biegen/ dass man darmit binden kan. Die Hälmer deren
gar viel dick uber einander von einer Biessechtigen Wurtzel herauss wachsen werden zweyer Elen hoch/ darauff ahrechtige unnd
Wollechtige Blumen wachsen wie die Blumen dess Rohrs oder Rieds/ darinnen findet man ein langechtigen/ spreuwechtigen/ rauhen
Samen. Es mehret sich dieses Gewächs jährlich mit seiner Wurtzel/ es wächst nicht in unsern Landen ohn gepflantzet/ aber im
Königreich Valencien unnd Granaten bey der Statt CARTHAGENA, wie Herr CAROLUS CLUSIUS darvon schreibet. Es hats auch Herr
JOHANNES BOYSOTUS in seinem herrlichen Lustgarten in Brüssel in Braband da wir es erstlich gesehen/ unnd auch ein Stengel oder
zween mit uns genommen/ dieweil wir aber es dazumal nit haben können abreissen lassen/ auch er der Herr BOYSOTUS durch durch
ehrgemeltes Herren cLUSI hülff/ den gemelten SPARTUM PLINIANUM empfangen/ haben wir dess Herrn CLUSII abriss als dess ersten
erfinders dieses Gewächs auss seinen HISPANICIS OBSERVATIONIBUS hieher setzen wöllen/ sintemal es nicht wol fleissiger
abgerissen hette mögen werden/ wie auch die nachfolgende.
lV. Das vierdte Geschlecht so das zweyt SPARTUM PLINIANUM CLUSII, ist mit der Wurtzeln dem andern gleich/ die
Bletter seyndt dünner unnd schmäler/ dessgleichen auch die Stengel oder Hälmer/ die bringen im Mertzen kurtze Rietäher/ die
kriechen herfür auss Bläterechtigen Blässlein oder Belglein/ wie die an den Narcissenrösslein gesehen werden/ darauss
dieselben Rösslein schliefen. Dieses wächst in dem Königreich Mursien an feuchten Orten/ wie der Herr CLUSIUS DARVON SCHREIBET.
V. Das fünffte Geschlecht so das dritte SPARTIUM PLINIANUM, hat eine Wurtzel gleich dem Hundsgrass/ die
kreucht hin unnd her in dem Grund/ die Bletter seynd einer Elen lang/ steiff unnd fornen spitzig unnd stechend/ die Halmen oder
Stengel werden fast anderthalben Elen lang/ haben etliche dicke Gleich oder gewerb/ mit kleinen Blettern die under den Gewerben
herauss wachsen/ oben gewinnen sie lange/ wollechtige Aeher/ gleich den Rockenaeher/ darinnen findet man einen spreuwechtigen
Samen. Dieses Geschlecht wächst viel in Holland und Seeland auf den Sandhübeln/ Schütten und Bollwercken/ dahin es auch mit
fleiss gepflantzet wird/ sintemal es tieff hin unnd her eynwurtzelt/ haltet also den Sandt dass er nicht leichtlich von den Wellen
der See mag abgewäschen unnd hingeflötzet werden/ und werden die Thämm also von diesem Gewächs lang unversehret behalten.
Vl. Das sechste Geschlecht ist mit den Wurtzeln dem jetztgemelten gleich/ dessgleichen auch mit den
knodechtigen Halmen und Aehren/ die bletter aber seynd breyter/ gleich den Weytzenblettern/ von farben blauwgrün/ es wächset in
Holland auff den sandechtigen Hübeln.
*Vll. Pfrimmengrass
Vll. Das siebende Geschlecht hat auch ein kriechend Wurtzel/ die sich hin unnd her in dem Grund mit jhrem kriechen anhencket/ die Bletter seynd bintzechtig und klein/ nicht wol eines Schuchs hoch/ die Aehren seynd lang/ gleich den Grassähren und dünn/ es wächst in Holland in sandechtigen Orten.
Von den Namen der Pfrimmengräser
l.ll. Die zwey ersten Geschlecht der Pfrimmengräser/ haben wir von wegen der steiffen/ harten BBletter/
GRAMINA SPARTEA genennet.
lll. Was dan das erste Geschlecht dess SPARTI PLINIANI dess Herrn CLUSII, als seines erfinders anlangen thut/
ist es das rechte LINOSPARTIUM der Alten/ welches PLINIUS LIBRO 19.CAP.2. SPARTUM HERBAM nennet/ zum underscheid der Pfrimmen die
SPARTUM FRUTEX von jhme genennet wird. Die Kreutler nennens IUNCISPARTIUM, unnd SPARTIUM NAUTICUM HOMERII, wie es Plinius an
gemeldtem Ort auch darvor haltet.
lV. Das zweyte Geschlecht dess Pfrimmengrass/ welches unser ordnung nach das vierdte ist/ kan und soll von dem
SPARTO PLINII keines weges abgesondert werden/ sintemal es ein wahres Geschlecht desselben ist/ das wird Hispanisch wie Herr
CAROLUS CLUSIUS bezeuget/ ALHARDIN genannt.
V. Das fünffte Geschlecht wird von den Holländern und Seeländern/ Halm oder Helm genannt.
Vl.Vll. Das sechste und siebende Geschlecht werden beyde Pfrimmengräser genennet/ unnd haben sonst keine
besondere Namen.
Von der Natur/ Krafft/ Wirckung/ Eygenschafftund Gebrauch der Pfrimmenkreuter
Alle Pfrimmenkreuter haben bey uns wie auch bey den Alten gar keinen gebrauch in der Artzeney/ so seynd sie
auch zu der Masteung dess Viehs unnütz/ dann das Viehe solche gar nit isset. Zu der zeit PLINII wie er LIB.19.C.2 schreibet/ hat
man Bauwrendecken/ Schuh/ Hirtenkleider und Seyler darauss gemacht/ neben dem dass man auch Buscheln darauss gemacht zum Brennen
dienstlich. Heutiges Tages ist solcher Gebrauch noch in Hispanien/ dann darauss machen die Spanier Tappeten/ Sergen/ Matzen/
Schiffseyl und andere Seyl/ dessgleichen Körb und andere geflochtene Jnstrument. Es schreibet auch CAROLUS CLUSIUS, dass man ein
art von Schuhen auss diesem Pfrimmengrass oder Kraut machet/ welche von den Spanischen ALPERGATES genennet werden/ also dass man
daran nit zu zweiffeln dass dieses Gewächs das rechte SPARTUM PLINIANUM und LINOSPARTIUM der Alten seye/ was nun das SPARTIUM
GRAECORUM der Alten seye/ wird in dem zweyten TOMO dieses Buch von den Pfrimmen angezeigt.