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FÄRBER-RESEDE
Reseda luteola - Resedaceae
VON DEM STREICHKRAUT.
Das Streichkraut gewinnt eine lange/ weisse/ dicke und schlechte Wurtzel/ Die Bletter seynd lang/ schmal/ von Farben satt oder schwartzgrün und eyngerümpfft/ die liegen das erste Jahr allein ohn einen Stengel auff der Erden außgespreytet/ dann es im andern oder zweyten Jahr allererst seine Stengel bekompt/ deren wachsen fünff oder sechs von einer Wurtzel mit vielen Aesten oder Nebenzweygen/ die werden fast zwoer elen lang/ die seind rund/ haben kein Gleych/ inwendig hole. Die seindt unden herauff mit schmalen Blettern den Steinveiln ähnlich/ sind doch lenger/ schwartzgrün/ gerümpfft und ein wenig gefalten oder gekröselt/ deren etliche Zincken haben wie das Hietzhornkraut. Fast von der Mitte der Stengel wachsen im Meyen unzalbare klein bleychgeele Blümlein den Stengel hinauff/ zu allen seiten gerings herumb/ gleich wie die Blumen an den Wullkreutern. Wann die vergehen unnd abfallen/ folgen kleine auffgerissene Häuptlein oder Böllelein/ die sindt Creutzweiß zerschnitten/ fast anzusehen wie die Böllelein deß Orantkrauts/ darinnen ist ein kleiner schwartzer Samen verschlossen/ kleiner dann der Samen der Römischen Nessel/ davon zielet sich dieses Gewächs selbst wiederumb heuffig/ dann wo es einmal hin gepflantzet wird/ da nimbt es so uberhandt so man den Samen außfallen lasset/ daß es schwerlich wiederumb mag außgereutet werden. Es wächset von sich selbst in grosser menge in Teutschlandt/ Franckreich unnd Brabandt/ auff ungebawenen Feldern/ an den Rechen unnd Wegstrassen/ unangesehen aber dessen/ so wird es auch an vielen orten den Ferbern zu jhrem gebrauch gesähet unnd gezielet/ unnd nimpt ein jedes Erdtreich an.
ll. Geschlecht dieses Krauts.
CATANACE ll.
ll. DIOSCORIDES LIB.4.CAP.116. beschreibet noch ein ander Geschlecht dieses Krauts mit folgenden Worten: Das ander Geschlecht dieses Krauts hat die grösse eines klein Apffelbäumleins/ unnd hat eine kleine Wurtzel in der Grösse einer Oliven/ seine Bletter haben ein Farb und Gestalt/ wie die Bletter deß Olivenbaums/ sie sind weych/ nach der Erdten geneyget/ und gebogen/ mit Schnittlein zerkerfft. Sein Samen wächst an den stengeln/ ist klein/ mit viel Löchern durchboret/ von Farben purpurbraun/ und hat ein Gestalt wie die Zisererbsen.
Von dem
Namen deß
Streichkrauts.
Das Streichkraut ist ein gemein Gewächs in Teutschlandt/ und ist
menniglichen bekannt/ wiewol es den MEDICIS noch zur zeit unbekannt ist. Etliche
haben es vor das ANTHIRRINUM DIOSCORIDIS gehalten/ dieweil die Böllelein oder
Häuptlein darinnen der Samen verborgen ligt/ etlicher massen den Knöpfflein oder
Böllelein deß
Orantskrauts/ welches das ANTHIRRINUM ist/ gleich sind/ aber sie haben weit
gefehlet/ wie an seinem ort von dem ANTHIRRINO und Orant angezeiget werden sol.
Es wird dieses Kraut allein von DIOSCORIDE unnd PLINIO beschrieben/ die andern
Griechischen Aertzt haben es ubergangen unnd seiner nicht gedacht/ vielleicht
darumb/ daß
es keinen Gebrauch in der Artzeney gehabt hat. Es wird aber Lateinisch
CATANANCE, DAMNAMENE oder DAMNAMETE, DEMUS, CEMUS, CROTIUM, ARCOPUS, ARCOPODIUM,
ARCHARAS, LOUIS RADIUS, DATISCA und crepula genanndt. Von VIRGILIO wird es IN
BUCOLICIS ECLOG.4.LUTUM genannt/ da er spricht:

Bey dem VITRUVIO 7. ARCHITECT.14. wirdt es LUTEUM genannt/ und bey dem PLINIO LIB.33.CA.5.LUTEA. Und ligt nichts daran/ daß gemeldter PLINIUS LIB.27.CAP.8. deß Krauts CATANANCES besonder gedencket/ dann es ist bey dem PLINIO nicht seltzam/ daß er eines Krauts an mehr orten mit anderen Namen gedenckt/ als wann es zweyerley Kreuter/ unnd doch nur eins ist. Bey den Kreutlern wirdt das gemeldt Gewächs/ LUTEOLA, UNGUIS MILVINUS, und UNGUIMILVIA genannt.
Hochteutsch/
Streichkraut unnd Sterckkraut/ dieweil es die Weiber bey uns zu dem streichen
und stercken der Beth pflegen zu gebrauchen/ dieselbige darmit geel zu machen.
ll. Das ander Geschlecht dieses Krauts/ ist schwerlich auß
der Description deß
Texts DIOSCORIDIS zu erkennen/ dann derselbig in ein zweivel gestellt wirdt/
dieweil dieses Gewächs einem kleinen Apffelbäumlein verglichen wirdt/ ob er
nicht etwan corrumpirt worden seye. Derwegen man auch noch kein Gewächs funden
hat/ das mit dieser deß
DIOSCORIDIS Description zu vergleichen were. Es wird aber dieses Geschlecht
CATANANCE ALTERA, oder UNGUIMILVIA ALTERA genannt.
Von der
Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß
Streichkrauts.
Es schreibet DIOSCORIDES unnd PLINIUS in angezogenen orten/ daß
die beyde Kreuter CATANACES von den Thessalischen Weibern/ zu jhrer zeit allein
zu der Bulschafft und Zauberey der Liebe gebraucht worden seindt/ also daß
auch PLINIUS vor uberflüßig
geacht hat weiter darvon zu schreiben. Derwegen auch ohn allen zweivel GALENUS
unnd die anderen Griechischen Artzet/ solche Gewächs zu beschreiben underlassen/
unnd sie nicht würdig gehalten/ etwas davon zu gedencken/ als die im Gebrauch
der Artzeney nicht bekannt/ so wöllen auch wir/ dieweil uns deren Kräfft und
Wirckung in der Artzney unbekant/ uns darmit nicht viel bekümmern. Es gebrauchen
gleichwol heutiges tages noch etliche alte Kupplerin diese Kreuter zu der
Bulschafft/ unnd sonderlich das Streichkraut/ das sammlen sie zu jhren
Würtzwischen/ unnd treiben allerhandt Segen/ Fantaseyen unnd Zaubrisch
Gauckelwerck darmit/ welche doch den Christen verbotten/ unnd under jhnen
dergleichen Zauberey mit der Lieb unnd Bulschafft nicht gefunden werden solte/
in ansehen daß
auch die weisen Heyden ab solcher unehrbaren Lieb unnd zauberischen Bulschafft
ein abscheuhen gehabt/ unnd dieselbige verdampt unnd verworffen haben/ under
welchen der Poet OVIDIUS nicht der geringst gewesen/ ¨wie auß
diesem einzigen Verß
IN AMORIBUS SUIS zu sehen/ da er also spricht:
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Eusserlicher Gebrauch deß
Streichkrauts.
Das obgemeldte Streichkraut wann es nach seiner zeitigung gesammlet
unnd auffgetrucknet wirdt/ so bekombt es durchauß
ein bleichgeele Farb. Welches hernachmals nicht allein die Weiber zu den
Bethstreichen gebrauchen/ sondern es pflegen auch die Ferber das Wüllentuch unnd
andere Wüllenwerck/ deßgleichen
auch das leinin Garn mit diesem Kraut geel unnd grün zu ferben/ das weiß
Tuch und garn das zuvor noch keine Farb versucht/ das wirdt darvon schön geel/
das man aber grün ferben will/ muß
zuvor blauw geferbet seyn/ so gibt es ein schöne grüne farb. Weiter wissen wir
auff dißmal
von diesem Kraut nichts zu schreiben.