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ENZIAN
Gentiana - Gentianaceae
VON DER GROSSEN ENTZIAN - [VON MODELGEER]
Diese wächst auff hohen Bergen in Teutschland: In Gärten bleibt es schwerlich uber das ander Jahr: Und
wird die Wurtzel im Augstmonat und September gegraben/ unnd im Schatten gedörret. Welches Kraut Gentiu der Jllyrer König
erstlich erfunden hat/ von dem es dann den Namen hat.
Sie wachsen in Thalen unnd auff den Wiesen: Die erste wächst im Schweitzer Gebürg/ Steyermarck/ Oesterreich
und Ungern: die andere in Burgund/ Schlesien und Engellandt/ an feuchten Orten. Blüen im Julio und Augusto.
[Die Modelgeer wächst auff ungebauweten Aeckern/ Rechen/ und neben den Strassen: Blüen im Julio.]
Von den Namen
Entzian heisst Griechisch unnd Lateinisch/ Welsch unnd Spanisch/ GENTIANA. Wirdt auch genennt
Bitterwurtz.
[Modelgeer wirdt auch genennet Creutzwurtz/ Sperenstich/ Lateinisch GENTIANA MINOR/ CRUCIATA. Das ander wird
genennet Himmelstengel/ auch GENTIANA MINOR. Und das dritte GENTIANELLA.]
Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft
Es wirdt allein diese für die beste gehalten/ so ausswendig gelb wie Buchsbaum/ jnnwendig wie
Saffran/ am Geschmack gar bitter/ hart/ ein wenig runtzlecht/ und schwerlich zu verbrechen: Bleiben also fünff Jahr gut.
[Die Wurtzel der Modelgeer ist fast bitterer dann die Entzian/ und derwegen warmerer und truckner Natur.]
Jnnerlicher Gebrauch
Der gemein Mann weist kein bessern Tyriack oder Magen Artzney/ als eben diese Wurtzel: Dann was
sie jnnerlichs Prestens im Leib unnd Magen fühlen/ vertreiben sie mit Entzian/ Calmus oder mit Jngwer.
Es sind auch etlichs Tyriackskräuter/ die nichts anders dann Entzian unnd Lorbeeren/ sampt andern etlichen
Wurtzeln mit Honig vermenget/ für Tyriacks verkauffen.
Wenn jemandt von einem rasenden Hundt gebissen ist/ der soll nemen ein Quintlein Entzianpulver/ ein Quintlein
Myrrhen/ und zwey Quintlein gebrandter Bachkrebsaschen/ solche Stück vier Tag nacheinander in Wein trincken/ darvon soll jhme
geholffen werden.
Dieweil diese Wurtzel sehr bitter ist/ tödtet sie die Würm im Leib.
RUELLIUS schreibet/ die Wurtzel sey gut denjenigen/ so hoch gefallen/ und im Leib etwas zerbrochen haben.
Sie hat auch ein Krafft den Harn und Frawenzeit fort zu treiben: Aber es sollen sich schwangere Frauwen darfür
hüten.
[Die Säuwhirten so baldt ein Säuw sterben einfället/ zerhacken sie das Kraut und Wurtzel/ und gebens den
Schweinen in dem Ass.]
Eusserlicher Gebrauch
Das Pulver mit Baumöll vermischt/ und Pflastersweiss ubergeschlagen/ heilet die zerknitschte
Glieder.
Die Wundartzt machen jhre Quellmeissel darauss/ die enge Wunden darmit zu erweitern.
[Das Kraut sampt der Wurtzel in Wein gesotten/ unnd die Wunden und Schäden darmit gewäschen: und das rein gestossen Pulver in
die Wunden gestreuwet/ heylet so mächtig wol/ dass es auch den Namen bekommen hat/ Heyl alle Schäden.]