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EMMERMEHL
VON DEM AMELMEEL ODER STEIFFMEEL.
Dieweil das
Amelmeel heutiges Tages an vielen Orten auß dem Amelkorn gemacht wirdt/ daher es
auch den Namen von den Teutschen bekommen hat/ haben wir nicht underlassen
wöllen/ dasselbige hie in diesem Capitel nach dem Amelkorn und was ferner darauß
bereytet wird auch zu beschreiben/ unnd wird aber solches auff nachfolgende weiß
bereytet. Nimb Amelkorn das sauber gewäschen und gereiniget seye/ nach dem du
viel oder wenig deß Amelmeels machen wilt/ thue das in ein frisch kalt
Brunnenwasser/ laß darinnen ligen/ unnd rühre es den Tag offt durcheinander/
unnd geuß täglich das Wasser abe/ unnd widerumb frisch Wasser darüber. Wann der
fünffte Tag herumb/ sol man das Wasser gar rein abseihen also daß man das
Amelkorn nicht under einander rühre/ unnd die Kleyen mitgehe/ aber das
allerletzte Wasser so herab gehet/ soltu in ein sauber Geschirr thun/ das
Amelkorn soltu stossen/ unnd durch ein Tuch streichen wie ein Pfeffer/ und
jegliches Wasser ein wenig darmit vermischen daß das Marck desto baß durchgehen
möge/ solches soltu in der heissen Sonnen in einem bequemen Geschirr drucken
lassen werden/ unnd stetig das Wasser davon abschütten/ so bekommestu schön
Krafftmeel.
Das allerbeste Amelmeel wie DIOSCORIDES bezeuget/ wird in Candien
unnd Egypten auß dem Sommerweytzen gemacht/ unnd geschicht solches wie folget:
Man nimbt wolgereinigten gesäuberten Sommerweytzen/ befeuchtigt denselben mit
Wasser/ und geust allen tag v. mal frisch Wasser darüber/ und wann es seyn kann
auch deß Nachts: Wann der Weytzen nun also weych worden ist/ so geust man das
Wasser sitiglich ohn besondere Bewegung abe/ damit nichts nützliches damit
abfliesse. Darnach wann der Weytzen aller weych worden ist/ so schöpffet man das
Wasser ab/ und tritt jhn mit Füssen/ wann das geschehen/ so geust man widerumb
Wasser darüber/ tritt den widerumb wie zuvor/ und rühret es wol durcheinander.
Zu letzten so nimpt man die Kleyen die oben her schwimmen mit einem Sieb herauß/
und das ubrig so durch das Sieb getrieben unnd und gesiegen ist/ leget man von
stundan auff neuwgebackene Ziegelstein in den heissen Sonnenschein zu trucknen/
dann so es eine kleine zeit feucht bleibet/ so wird es sauwer.
Es wirdt auch Krafftmeel auß der Speltzen gemacht/ wie folget: Man
lässet die Speltz zween oder drey Tag lang weychen/ wäschet unnd arbeitet sie
mit den Händen/ wie man thut im Brodtmachen/ darnach setzet man sie wie oben
gemeldet in den heissen Sonnenschein/ unnd lässet sie trucken werden/ Aber
solches Krafftmeel ist untüchtig inn der Artzeney zu gebrauchen/ aber zu andern
Dingen ist es tauglich. Es machen auch etliche das Amelmeel auß Gersten/ aber
ads so auß dem Amelkorn unnd Weytzen gemacht wird ist das beste. AEOLUS
gebraucht das Amelmeel von der Gersten in die Augen Artzne/ ATHANASIAM,
L.7C.104. GALENUS gebraucht an statt deß Amelmeels die Blum von dem schönen
Weytzenmeel/ l.7.10C.
Von den Namen deß
Amelmeels.
Das Amelmeel heisset Lateinisch/ AMYLUM unnd AMYLUS, derhalben daß
es ohne die Mülen gemacht wird. Die Apotecker und gemeine Artzet die nennen es
mit verwechsslung eines Buchstabens/ AMYDUM oder AMIDUM. Von den Simplicisten
wird es genennet/ FARINA AMYLA unnd AMYLEA FARINA. Hochteutsch/ Amelmeel/
Krafftmeel/ Steiffmeel/ AMIDUM und NUMERDUM.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Amelmeels.
Amelmeel oder Krafftmeel ist küler und truckner dann der Weytzen
oder Amelkorn/ davon es bereytet wird/ kület doch mit einem temperament/ wird
nutzlich beide innerlich und eusserlich mit vielen Gebrechen in der Artzeney
gebraucht/ deßgleichen auch in der Küchen.
Jnnerlicher Gebrauch
deß Amelmeels.
Das Amelmeel kann man in der Küchen nicht wol entrathen/ dann
treffenliche gute Süpplein/ Müßlein unnd Breylein vor die Krancken darvon
bereytet werden/ unnd seyndt dieselbige sonderlich dienstlich inn den Catharren/
die Flüß zu stillen/ den rauhen Halß/ Keelen unnd Brust zu miltern/ zu dem
Husten/ allen hitzigen Gebrechen der Brust unnd Lungen/ seynd ein heylsame Speiß
und Artzeney in der Lungensucht/ Entzündung der Lungen/ Brustgeschwer/
Seitengeschwer unnd stechen/ unnd so einem ein Ader in der Lungen zersprungen
oder zerbrochen were/ seynd dienlich in allen innerlichen Apostemen/ deßgleichen
zu den Geschweren deß Magens/ der Nieren und Blasen/ unnd wider den Samenfluß
GONORRHAEAM. Solches Breylein aber soll man also bereyten: Nimb schönes und
saubers Amelmeel nach deinem gefallen zu einem subtielen Pulver gestossen unnd
durchgesiebet/ lasse es mit frischem Wasser ein wall oder etlich auffsieden/
geuß darnach sibenmal so viel Mandelmilch darzu unnd ein wenig Buttern/ laß
sittiglich sieden zu einem dünnen Müßlein oder Breylein/ thue Zucker darzu nach
deinem gefallen/ oder besträuwe es wann du es angerichtet hast mit gestossenem
Zucker. Arme Leuth mögen es auch mit gemeiner Kühemilch zu obgemelten Gebrechen
bereyten/ fürnemblich wann kein Feber vorhanden ist.
Die Amelungbreylein seyndt auch fast dienlich inn allen Bauchflüssen
unnd Durchläuffen/ deßgleichen wider die rote Ruhr/ unnd seynd ein gute Speiß
unnd Artzeney mit Milch oder Hünerbrühe bereytet: Oder nimb zwey Loth reyn
gepülvert Krafftmeel/ ein hart gebratenen Eyerdotter/ zertreibe den mit der
Brühen von einem gesottenen Feldhun oder in mangel deren mit einer Hünerbrühen/
oder aber mit gestählter Milch/ streiche den dann durch ein Pfeffertuch/ thue
darnach das Amelmeel darzu/ schütte mehr Brühe daruber soviel du bedarffest/ laß
es sittiglich zu einem dünnen Breylein sieden/ saltz daß genug ist/ doch nicht
zuviel/ unnd gibs dem Krancken zum wenigsten zweymal deß Tages in essen/ es
wirdt dem Krancken wol thun/ dann Amelmeel zu allen Speisen oder auff welcherley
weiß das gebraucht wird/ ist nit allein in der roten Ruhr/ sondern auch sonst in
allen andern Bauchflüssen fast dienlich.
Amelmeel mit Kühe oder Mandelmilch unnd Penidzucker in einem
frischen Eyerdötterlein zu einem Breylein gesotten/ ist ein heylsame Artzeney
unnd Speiß denen so Blut außwerffen.
Ein Breylein oder Müßlein mit Mandelmilch/ Geyßmilch oder
Hennenbrühen bereytet/ wol gesotten und ein wenig mit Penidzucker süß gemacht/
ist ein edele Speiß und Artzeney vor die Lungensüchtigen.
Den Schwindsüchtigen die mit dem Schwinsüchtigen Feber beladen
seind/ soll man ein Breylein von Amelmeel und wolgesottener Gerstenbrühen ohne
Buttern bereyten/ das ist jhnen nicht allein ein gute Speiß/ sondern auch ein
heylsame Artzeney.
Wol gepülvert Amelmeel mit guter frischer Geyßmilch oder Kühemilch/
mit süssem frischem Mandelöle und ein wenig Zucker zu einem dünnen Breylein
gesotten/ dient den Schwind und Lungensüchtigen sehr wol. Oder mach ein Breylein
von Krafftmeel mit Mandelmilch/ ein par frischer Eyerdotter/ vermischs durch
einander/ laß es wol sieden/ und machs süß mit Penidzucker.
Wider die heißerkeit/ rauhe Keelen unnd Brust von scharpffen Flüssen
verursacht: Mach ein Breylein oder Müßlein von Amelmeel mit frisch gemolckener
Milch und einem Löffel voll Honigs/ lasse es wol sieden unnd gibs warm zu essen/
es hilfft.
Amel oder Krafftmeel eine Nacht in frischem wasser geweychet/
darnach mit frischem süssem Mandelölen zu einem Breylein gesotten/ und mit
Penidzucker süß gemacht/ dient wider die Apostemen der Brust.
Ein Müßlein oder Breylein gemacht von Amelmeel mit Milch und ein
wenig Zucker und wol gesotten/ dient wider die Flüß und Catharren der Brust so
kein Feber vorhanden ist/ so aber ein Feber darbey ist/ soll man die Brühe von
wol gesottener Kochgersten nemmen/ unnd wie gemeldet ein Breylein darvon
bereyten.
Wider die Geschwer der Lungen unnd das Eyter außwerffen/ mach
folgendes Breylein: Nimb gepülvert Amelmeel/ vier loth/ deß schleyms von wol
gesottener Kochgersten viii. loth/ und junge Hüner unnd junge Hanenbrühe so viel
genug ist/ seude es wol mit einander zu einem Breylein oder Müßlein/ und gib es
dem Krancken täglich zu essen/ dann es nehret wol unnd ist darbey auch ein
herrlich Artzeney.
Wider den heissen Catharren wann hitze und ein Feber darbey ist:
Nimb reyn gepülvert Amelmeel/ und seude das wol mit gedistilliertem Violenwasser
zu einem Breylein/ thu Zucker darzu nach deinem gefallen/ und nutze es.
Wider die Bauchflüß da ein Feber darbey ist/ mach folgend
Amelungbreylein: Nimb Krafftmeel zu reynem Pulver gestossen vier Loth/ mehr oder
weniger nach deinem gefallen/ seude dz mit einer Milch von den vier kalten Samen
unnd weissem Magsamen bereyt zu einem dünnen Müßlein/ unnd laß die Krancken
gebrauchen.
Amelmeelmüßlein oder Breylein mit frisch gemolckener Milch bereytet/
dienen den jenigen denen die Nieren unnd Blasen schweren.
Wol gepülvert Amelmeel mit der gesottenen Brühen und frisch
gemolckener Milch zu einem Breylein oder Müßlein gesotten unnd genutzet/ ist gut
wider die Harnwind/ unnd denen so den Harn schwerlich von sich lassen.
Amelmüßlein oder Breylein mit guter Caupaunenbrühen bereytet/ wol
gesotten und mit gepülvertem Saffran ein wenig gegilbet/ gibt den schwachen
Menschen gute Krafft/ stärcket wol und nehret/ gibt auch dem Leib ein gute/
lebliche und gesunde Farb.
Rein gepülvert Amelmeel mit einem weychgesottenen Eye/ eyngesupt/
dient wider das Blut außspeihen/ dasselbe getruncken/ thut deßgleichen/ leget
das brechen/ sänfftiget die Räuhe deß Halß und Schlunds.
Wider den Husten von Hitz unnd alle andere hitzige Gebrechen der
Brust und Lungen: Nimb vier Loth reyn gepülvert Amelmeel/ vermische das mit
frisch gemolckener Milch/ darzu thue gescheelte Citrullenkernen klein gestossen
anderhalb loth/ und ein wenig frisch Mandelölen. Seude diese Stück fast wol zu
einem Breylein/ und machs süß mit Penidzucker/ gibs darnach dem Krancken zu
essen.
Oder mach folgenden Küchlein zu dem heissen Husten von Krafftmeel:
Nimb rein gepülvert Krafftmeel oder Amelung i.loth/ Gerstenmeel ii.quintl.
weissen Traganth/ Penidzucker/ jedes anderhalb quintlein vier loth weissen
gepülverten Canarienzucker/ den Traganth laß ein Nacht weychen in Rosenwasser/
Morgens stoß alle diese ding durcheinander daß ein Teyglein daraus werde/ darauß
mach runde Küchlein/ besträwe sie mit ein wenig Amelmeel/ unnd lasse die trucken
werden/ darvon gebrauch jedertweilen ein par/ lasse sie sittiglich im Mudn
zerschleiffen/ darnach laß allgemächlich hineynschleychen.
Wider das Keichen/ bestremmung der Brust unnd kurtzen Athem/ von
dünnen hitzigen Flüssen/ die vom Haupt zu der Brust fallen und die
Lungenröhrlein füllen unnd verstopffen: Nimb reyn gepülvert Amelmeel anderhalb
loth/ Penidzucker zwey Loth/ der Küchlein DIARRAGACANTHAE FRIGIDE, deß schleims
von geweychten Küttenkernen/ jedes ein Loth. Vermische solche Stück mit
Brustbeerleinsyrup so viel genug ist ein dünnes Latwerglein darauß zu machen/
darvon nimb ohne underlaß ein wenig mit einem Benselein von Süßholtz/ unnd sauge
es also gemächlich herauß/ unnd lasse es folgends sittiglich hineyn schleychen.
Ein dünnes Breylein gemacht von reyn gepülvertem Amelmeel mit Zucker
unnd genutzet/ dienet denen wol so da mit der Harnruhr beladen seynd.
Gepülvert Amelmeel mit rein gestossenem Tragant vermischet und
Süpplein oder auff andere weiß eyngenommen/ vertreibet das hefftige brennen deß
Harns.
Amelmeel in Wasser gesoten/ darnach ersitzen lassen unnd
durchgesiegen/ ist eine gute Artzeney wider die Schädlichkeit deß eyngenommenen
Arsenicks/ stätig wie ein anderen Speißtranck getruncken. Solcher Tranck
verbessert auch die schädlichkeit deß eyngenommenen Kalcks. Zu dem seynd auch
fast nutzlich die Süpplein unnd Breylein vom Amelmeel bereytet.
So ein Rossz von arbeit unnd Müdigkeit das Feber gewinnt unnd Mager
wird: Nimb vier Loth gepülvert Amelmeel/ Geyßmilch zwantzig Untzen/ Baumölen
fünffthalb Untzen/ unnd das weiß von vier Eyern. Solche Stück vermisch alle mit
Burtzelkrautsafft/ und schüte es dem Pferd drey oder vier Tag nach einander eyn/
oder so lang biß es Gesunf wird.
So ein Rossz Blut stallet: Nimb x.loth reyn gepülvert Amelmeel/
frisch gemolcken Geyßmilch xx. Untz/ x. Eyer/ unnd vii. Untz Baumölen/ vermische
dieses alles durcheinander/ unnd schütte es dem Gaul durch ein bequemes
Jnstrument in den Halß.
Wann ein Rossz den Bauchfluß uberkompt oder durchfellig wird: So
nimb Amelmeel zu Pulver gestossen vi.loth/ reyn gepülvert Gallöpffel ii.loth/
vermische diese Stück mit xvii. Untz roten/ harchen Wein/ unnd schütte es dem
Gaul eyn/ es hilfft.
Eusserlicher Gebrauch
deß Amelmeels.
Amelmeel reyn gepülvert/ ist gut wider die Flüß der Augen und die
tiefe Geschwer derselben/ dareyn gesträuwet/ derwegen es auch nutzlich zu den
Augenartzeneyen vermischet wird.
Wider die tieffe Geschwer der Augen ein guts Wässerlein: Nimb
gepülvert Amelmeel durch ein reynes Sieblein geschlagen/ vier scrupel/ deß GUMMI
SARCOCOLLAE, Canditzucker/ alle reyn gepülvert/ jedes i.quintlein gedistilliert
Wegrichwasser vier loth: Solche stück vermische alle wol durcheinander/ unnd
behalts in einem Gläßlein/ darmit wäsche die Augengeschwer/ und netze leinine
Tüchlein darinn/ unnd lege die in und uber die Geschwer.
Oder nimb reyn gepülvert Amelmeeldrey quintlein/ gebrannt Hirtzhorn/
bereytet Spießgraß/ jedes ein halb loth/ Weyrauchrinden/ Myrrhen/ geriebene
Safyrsteinlein/ jedesi.quintlein. alle gemelte Stück sollen auff das aller
subtieleste gepülvert seyn/ darnach vermische sie mit Frauwenmilch die ein
Knäblein säuget/ mach ein Teyglein darauß/ davon formir kleine Küglein einer
Erbsen groß/ die laß truckenen und behalt sie zu dem Gebrauch: Wann es nun die
Notturfft erfordert solche zu gebrauchen/ so zertreib eines oder zwey in
genugsamer Frauwenmilch/ netze kleine leinine Fäselein darinn unnd legs in den
Schaden.
Amelmeel allein reyn gepülvert und mit Frawenmilch temperiert zu
einem Wässerlein/ und wie oben gemeldet gebraucht/ heylet auch die tieffen
Augengeschwer.
Amelmeel zu reynem Pulver gestossen i. Loth/ mit einem halben Loth
deß auffgetruckneten Saffts LYCII, unnd mit Rosenwasser temperiert wie ein
dünnes Sälblein/ heylet die Schrunden der Lefftzen damit angestrichen.
Wider die Schrunden deß Munds und der Zungen in den hitzigen
brennenden Febern: Nimb reyn gepülvert Amelmeel/ Penidzucker/ Canarien oder
Maderyzucker/ Rosenzucker/ jedes ein loth/ temperier diese mit Rosenwasser zu
einem Latwerglein gleich einem dünen Sälblein/ unnd bestreich die Schrunden deß
Munds und der Zungen offtermals darmit/ so heylen sie darvon.
Wider die weissen Bläterlein der jungen Kinder in dem Mund das Essen
genannt/ soll die Seugmutter deß Kinds Amelmeels im Mund wol und klein käwen/
folgends mit ein wenig Rosenwasser vermischen/ daß es wird wie ein dünnes
Sälblein/ darmit soll sie dem Kind den Mund und Zungen offt anstreichen. Oder
zertreib Amelmeel allein mit Rosenwasser wie ein Sälblein und gebrauchs gleicher
gestalt.
Reyn gepülvert Amelmeel mit gesottenem Most oder dünnem Traubenmuß
unnd warmem Wasser vermischet zu einem Mundwasser/ unnd solches warm im Mund
gehalten/ stillet das Zahnwehethumb von truckenheit verursachet.
Amelmeel mit Rosenwasser wie ein dünnes Sälblein temperiert/ heylet
die Schrunden unnd Verwundungen an den Wartzen der Weiberbrüst/ so sie
offtermals darmit bestrichen werden.
Wider den unmässigen Schweiß/ davon bißweilen verzehrung deß Leibs
unnd das schwindsüchtig Feber erfolgt: Nimb rein gepülvert Amelmeel ii.untzen/
die Bröcklin von Weyrauch auch zu einem reinen Pulver gestossen/ temperier die
stück mit einander mit Eyerweiß zu einem dünnen Sälblein und bestreiche den
gantzen Leib darmit.
Wider die Gerschwer der Nieren und Blasen: Nimb gepülvert Amelmeel
ein loth/ Leinsamen/ Traganth/ weissen Magsamen/ gescheelten Cucumernsamen/
jedes ein halb loth. Alle gemelte stück stoß klein/ mach mit Wasser ein hartes
Teyglein darauß/ und vormier Kügelein darvon wie Feigbonen/ lasse die trucken
unnd dürr werden/ darvon gib Morgens und Abends i.quintlein gepülvert mit einem
Trüncklein Bastard oder sonst einem süssen Wein.
Wider das schwerlich Harnen unnd den grossen brennenden Schmertzen
der Harnwinde: Nimb reyn gepülvert Amelmeel/ zertreibe das mit frisch
gemolckener Milch/ unnd thue es mit einer Schritzen warm inn die Manßruthen
hineyn.
So einem Weib ein Wässerechtige böse Feuchtigkeit auß der Mutter
fleusset: Nimb reyn gepülvert Amelmeel iii.loth/ gepülverten Weyrauch ii.loth/
Gerstenmeel anderhalb loth/ schifferechtigen Alaun ein loth/ alles reyn
gepülvert unnd durchgesiebet. Diese Stück alle vermische wol durch einander/
unnd zertreibe die mit Eselsmilch/ geuß darnach lauwe warm durch ein bequemes
Jnstrument in die Mutter.
Amelmeel zu einem subtielen Pulver gestossen und mit Eyerweiß
temperiert zu einem Sälblein/ stillet das hefftig fliessen der gülden Adern/
daruber gelegt.
Wider das unmässig bluten der Nasen: Nimb Amelmeel vier loth/
gestossenen Gibs zwey loth/ Drachenblut gepülvert i.loth/ vermischs mit Eyerweiß
zu einem Pflaster/ und lege es auff ein Tuch gestrichen uber die Stirn/ es
hilfft baldt.
Oder nimb Amelmeel i.loth/ und Alaun ein halb loth/ machs zu Pulver/
und strewe es in die Naßlöcher.
Amelmeel mit einem Schweinshirn und Rosenölen gestossen/ unnd
durcheinander temperiert wie ein Pflaster/ darnach auff ein Tuch gestrichen unnd
ubergelegt/ leget den grossen unleidlichen schmertzen in der Gliedsucht unnd
Zipperlein/ also daß die Krancken desto eher wieder gehen/ unnd jhre Hände
gebrauchen können.
Amelmeel zu einem subtielen Pulver gestossen/ heylet die Schrunden
unnd verwundung der heimlichen Ort darein gestrewet. Oder nimb Amelmeel/
Griechisch Hartz unnd Weyrauch/ jedes gleich viel/ stosse die zu einem subtielen
Pulver/ und zeddels in die Schrunden.
Amelmeel zu Pulver gestossen/ heylet die verletzung und versehrung
der jungen Kinder zwischen den Beinen und am Hindern/ von der schärpffe deß
Harns verursacht/ deßgleichen auch die versehrung am Halß unnd andern Ortten/
sie werden gleich verursacht woher sie wöllen.
Wider die innerliche Verwundung der Mannsruthen: Nimb Amelmeel ein
halb loth/ Fleischleym/ SARCOCOLLA genannt/ Bleyweiß/ jedes anderhalb quintlein/
Kühemilch darinnen glüende Kiselstein abgelöschet worden seyndt vier Untzen.
Vermische diese Ding alle wol durch einander/ und schrütze darvon alle Tage drey
oder viermal in die Ruthen/ sie heylet sehr baldt.
Amelmeel im Mundt gekewet/ dienet wider den Biß eines rasenden
Hundts/ darüber gelegt.
Wider den Brandt vom Feuwer machet man eine gute Salb auß dem
Amelmeel:Nimb Amelmeel/ gewäschen Silbergleth/ Bleyweiß/ jedes zwey loth/
Rosenöle/ Sanct Johanns Oele/ jedes sechs loth/ neuw Wachs zwey loth/ zerlasse
das Oele und Wachs uber einer Glut/ laß erkalten und wäsche sie drey oder
viermal mit Nachtschaden unnd Hartriegelwasser/ wann das geschehen/ so thue die
andern Stück rein gepülvert dareyn/ rühre die wol durch einander/ so hastu ein
köstliche Brandtsalb.
Wider das Rotlauffen oder das heilig Feuwer: Nimb rein gepülvert
Amelmeel/ temperiers mit Baumölen unnd Eyerweiß zu einer Salben/ schmiere den
Schaden darmit/ unnd lege Mangoltbletter darüber.
Amelmeel zu Pulver gestossen/ und in die alte Schäden und Geschwer
gestrewet/ hefftet die zusammen/ macht Fleisch darinnen wachsen und heylet sie.
Auß dem Amelmeel machet man auch schöne Bilder unnd allerhandt
Gethier mit Zucker wie folget: Nimb rein gepülvert Amelmeel acht untzen/ schönen
gepülverten Madery oder Feinzucker xxiiii.untzen/ Traganth der hüpsch weiß ist/
Arabisch Gummi das klar unnd lauter ist/ jedes drey loth/ der Traganth unnd
GUMMI ARABICUM thut man in ein Geschirrlein/ und schüttet vier untzen frisch
Wasser darüber/ lasset die xxiiii. Stunden darüber beytzen/ darnach thut man
alle Stück mit einander zusammen in ein Mörser/ und stösset die auff ein Stund
wol durcheinander/ so wirdt ein fester Teyg darauß/ darvon machet und trucknet
man allerhandt Bilder und Thier in Formen wie man die haben wil/ lässet die
darnach trucken werden/ die illuminirt man darnach mit mancherley Farben/
versilbert und vergüldet sie nach eines jeden gefallen.
Wie man gedistillierte Wasser so sie trüb unnd unrein worden seyndt/
widerumb lauter unnd klar machen soll. Wirff gepülvert Amelmeel dareyn/ rühre es
durcheinander/ stelle das Glaß hin/ so wirdt sich das Amelmeel zu boden setzen/
unnd die Trübigkeit und grobheit in Wasser mit sich ziehen/ darnach seihe es
oben ab.
Die schwürige Augen der Roß zu heylen: Nimb Amelmeel zu reinem
Pulver gestosen zwey loth/ gestossenen Weyrauch ein loth/ Vermische es unnd
temperiers wol mit Honig/ unnd thue darvon dem Roßz allen Tag drey oder vier mal
ein wenig in die Augen.