Der Wegdisteln seyn etliche Geschlecht.
l. Der erste hat ein schwartze bittere Wurtzel/ jnnwendig etwas weiss unnd zweyer Spannen lang/ auss welcher
sehr hohe unnd dicke Stengel wachsen/ an Farben weissgraw/ als weren sie mit zarter weisser Wollen uberzogen: Oben am Stengel
erscheinen Dornechte Köpfflein einem Meerygel gleich/ doch etwas kleiner/ auss welchen härige weisse Blumen herfür schliessen/
nach welchen man schwartzgrauwen Samen in weissem Haar verborgen findet/ etwas kleiner und runder dann dess wilden Saffrans/ eines
bittern und hitzigen Geschmacks. Seine Blätter seyn gross/ lang/ breyt und stachlecht/ wie an der weissen Eberwurtz/ allein dass
sie schmäler und weisser seyn/ gleich als wann sie mit Spinnweben uberzogen weren.
ll. Diesem ist das ander Geschlecht in allen Stücken gleich/ allein dass es purpurfarbe Blumen trägt.
lll. Das dritte Geschlecht hat ein Wurtzel/ welche sich auff beyden Seiten aussbreytet/ uberkompt einen
ziemlich langen Stengel/ daran seine schüppechte runde und langechte Knöpfflein erscheinen/ in der Höhe mit weichen wollechten
braunen Blumen besetzet/ den Kornblumenköpfflein fast gleich: Die Blätter seyn lang und spitzig/ zerkerfft und stachelecht.
lV. V. Die zwey letzte Geschlecht weiss Wegdistel genennet/ seyn dem ersten gantz gleich/ beydes mit jhren
weissen dicken und weychen Blumen/ mit jhren breyten unnd grossen scheusslichen und dornechten Blättern/ und auch mit jhrer
Wurtzel: Sie wachsen gar hoch in die Höhe.
Sie werden von etlichen in den Gärten gepflantzet/ wachsen auch neben den Zäunen unnd an Wegen. Blühen im
Junio unnd Julio.
Von den Namen
Wegdistel heisset Lateinisch SPINA ALBA/ ACANTHIUM. Die zwey letzte Geschlecht werden ONOPORDA
genennet.
Jnnerlicher Gebrauch der Wegdistel
DIOSCORIDES und GALENUS schreiben/ die Wurtzel sey denjenigen gut/ so da Blut aussspeyen/
dessgleichen den Magensüchtigen/ unnd denen/ so Bauchfertig seyn: Man kan die Wurtzel dürr machen unnd das Pulver in
Wegrichwasser oder sauwrem rotem Wein einnemmen.
Die Wurtzel unnd Bletter gesotten/ und darvon getruncken/ dienen wider den Krampff/ in welchen der Halss
zusammen/ und das Haupt hindersich gespannet wirdt.
Es meldet auch DIOSCORIDES/ dass der Same den jungen Kindern gut sey/ so den Krampff haben.
Eusserlicher Gebrauch
Wer gross Zähnwehthumb hat/ der siede die Wurtzel unnd spiele den Mundt mit derselbigen Brühe/
so vergehet der Schmertzen/ wie GALENUS bezeuget.
Die frische Wurtzel zerstossen und ubergelegt/ heylt die phlegmatische Geschwär.