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DINKELKERN
Von Speltzkern ALICA, und andern Stücken so von Speltz bereytet werden.
Der Kern oder Speltzkern wird auß der meinen zweykörnigen Speltzen heutiges Tags noch bey uns wie bey den Alten bereytet/ außgenommen daß sie nicht mit dem Gibs wie vor zeiten geschehen ist/ gemacht wird. An etlichen Orten da der Weytzen uberflüssig wächst und mangel an der Speltz ist/ wird auch der Kern auß Weytzen gleichfals wie auß der Speltz zu dem täglichen gebrauch der Küchen bereytet. THEOPHRASTUS der schreibet daß man auch auß wilder Gersten guten Kern machet. Aber gemeiniglich wird durch das Wort ALICA allwegen der Kern so auß der Speltz gemachet/ verstanden/ wie auch DIOSCORIDES, LIB.2.CAP.84. bezeuget/ daß zu seiner Zeit der Kern auß der Speltz gemachet worden seye/ wie dann auch derowegen die Speltz noch auff den heutigen Tag von den Meyländern auff jhre gemein Sprach ALGA, das ist ALICA, genennet wird/ dieweil man den Kern ALICAM, darauß bereytet wird.
Von den Namen deß
Kerns.
Es ist der Kern bey den Alten nicht auff einerley weiß gemacht
worden/ derowegen er auch mit besondern underschiedlichen Nahmen genennet/
wiewol sie denselbigen alle gemeinig auß der Speltz bereytet haben/ jrren
derowegen die jenigen nicht wenig/ die solches vor ein sonderlich Geschlecht deß
Korns oder der Fruchtgewächs halten/ sintemal es ein gemachtes Korn ist/ so
fürnemlich auß der Speltz gemacht worden ist. Alle Lateinische Scribenten die
den GALENUM unnd andere Griechische AUTHORES in das Latein verdolmetscht haben/
die haben die Griechischen Wörter
unnd
,
welches zwey underschiedliche Ding seynd/ HALICAM oder ALICAM interpretiert/ daß
aber
unnd
nicht
ein Ding sey/ ist auß PAULO AEGINETA LIBRO 1. CAP.78. leichtlich zu beweisen
unnd darzu thun/ welcher diese Ding außdrucklich underscheidet/ unnd einem jeden
sein besondere Wirckung unnd Eygenschafften zuschreibt/ unnd auch an etlichen
Orten je eines vor das ander substituirt/ als in dem 19.39. unnd 62. Capitel deß
dritten Buchs zu sehen unnd der underscheid abzunemmen ist. Der underscheid aber
dieser stehet allein in der bereytung dieser beyden. Dann der Kern so auß der
Speltz bereytet wird/ ist das recht HALICA, welches wie PLINIUS LIB.22.
schreibet/ daß es ein Röhmisch Werck seye/ welches zu den zeiten POMPEII MAGNI
noch nicht im gebrauch gewesen/ dieser Kern wird von PAULO AEGINETA Griechisch
unnd eigentlich
genennet/
welches nicht mit Gibs unnd Sand/ wie der Kern CHONDRUS genannt/ sondern mit
Kreyden gereynigt/ praepariert unnd weiß gemacht worden ist. Solchen underscheid
aber haben ohne zweiffel/ dieweil er nur an der bereytung gelegen ist/ die
gemelte Lateinische Dollmetscher nicht geachtet und den gering geschätzet/ daher
auch solcher Jrrthumb/ wiewol er unschädlich auff unsere MEDICOS gerathen/ die
noch heutiges Tages darbey bleiben/ sintemal man zu unser Zeit von der
Praeparation der Alten nichts weiß/ und der Kern oder ALICA viel anders von
Speltz und Weytzen bereytet wird/ dann vor zeiten. Das ander Geschlecht deß
Kerns die mit dem Gibs und Sandt bereytet worden/ die ist eygentlich von den
Griechen
,
unnd von AETIO
genennet
worden/ und ist die bereytung von allen Griechischen Authoren nicht beschrieben
worden/ außgenommen von dem Keyser CONSTANTINO, der sie LIBRO 3. CAP.7. lehret
zu bereyten/ unnd sie vielleicht etwann auß einem Lateinischen Author
abgeschrieben hat/ welche Praeparation wir vor schädlich halten/ sintemal sie
mit dem Gibs bereytet wird/ wer aber Lust hat mag dieselbig an gemeltem Ort
suchen und bereyten/ wir wöllen uns mit unserm Kern wie wir heutigs Tags vor die
Küchen zur täglichen Speiß unnd Nahrung bereytet wird/ genügen lassen/ sintemal
man dieselbig viel nutzlicher gebrauchen kann dann einige Sort der Alten Kern.
Von unseren Aertzten wirdt er genannt ALICA, HALICA, CHONDRUS, unnd von den
Practicanten/ GRANUM, CHANDARUSIUM unnd CANDERUSIUM. Die gesottene
schleimechtige Brühe darvon/ wirdt von den Practicanten genannt/ PRISANA
HALICACEA oder ZEACEA. Die Brühe aber so von dem Weytzenkern gesotten unnd
bereytet wird/ heisset Lateinisch/ PRISANA TRITICES. Teutsch/ Weytzenmüßlein/
wie das ander so von Speltzkern bereytet wird/ Speltzenmüßlein. Hochteutsch/
Kern und Speltzenkern zum underscheid deß andern so auß dem Weytzen bereytet
wird/ den nennet man Weytzenkern und Lateinisch/ HALICAM oder ALICAM TRITICEAM.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Kerns.
Der Kern wie GALENUS, PAULUS AEGINETA unnd die erfahrung selbst
bezeuget/ nehret kräfftiglich unnd stopffet den Stulgang mehr dann der Reiß/ und
ist dem Magen auch bequemer/ sonderlich aber die Brüh darvon wann die zu einem
Müßlein gesotten wird/ die ist Gesunden und Krancken dienlich/ gebieret aber
schleymige Feuchten/ unnd macht gern den Stein in Nieren und Blasen wachsen. Der
Kern aber in der Substantz mit der Brühen zu einem Muß gesotten ist schwerlich
und hart zu verdawen/ dienet allein vor grobe arbeytsame Leut und Holtzflötzer.
Jnnerlicher Gebrauch
deß Kerns.
Der Kern wird heutiges Tages von den Köchen unnd Haußmüttern sehr in
der Küchen gebraucht/ sintemal er kräfftiglich Speiset/ unnd eine gute Kost vor
arbeytsame Leuth/ die im Feldt/ Weinbergen unnd Wälden arbeyten/ dann er
sättiget bald und helt wol wider/ sonderlich aber wann er mit Wasser gekochet
wirdt/ doch nehret er besser so man den mit Milch kochet/ ist eine gute Speiß
denjenigen so mit dem Hundshunger beladen seynd/ unnd die Frassen die man nicht
ersetigen kann.
Vor die Febricitanten unnd in hitzigen Schwachheiten/ ist es ein
Speiß unnd Artzeney so man den Kern mit frischem Wasser wol seudet biß daß er
eine dicke Schleimige Brühe uberkompt/ darnach seihet man die Brüh von den
Kernen ab/ das stärcket und nehret die Krancken sehr wol. So man aber haben will
daß diese Brühlein mehr külen/ soll man im sieden die Milch von den vier kalten
Samen/ unnd ein wenig weissen Magsamen zugiessen. Etliche so sie die Krancken so
von langwiriger Kranckheit in verzehrung wider zu recht bringen unnd sie besser
nehren wöllen/ bereyten solche Brühlein oder Müßlein/ mit guter Ochsen oder
Hamelfleischbrühen/ oder aber mit Hüner und Capaunenbrühen/ und scheiden darnach
die Kernen darvon/ unnd geben die Brühen den Krancken/ und thun sehr wol und
recht daran/ dann es wol stärckt und den Leib kräfftiglich nehret.
Speltzen oder Weytzenkern mit Milch zu einem Brey gesotten und
durchgestrichen/ ist eine herrliche und kräfftige Speiß vor die Seugammen denen
die Milch verseihen wil/ dann es macht jhnenn viel Milch/ und macht dieselbige
auch fallen/ daß sie wol seugen mögen.
Die Brühe da der Speltzkern in gesotten ist/ wird fast nutzlich
gebrauchet wider die rote Ruhr/ die mit grossem Schmertzen im Leib kompt/
dieselbige wie ein Clistier zu sich genommen.
Eusserlicher Gebrauch
deß Kerns.
Speltzkern gestossen unnd mit Essig zu einem Brey oder Pflaster
gesotten/ vertreibt die Fistel unnd Geschwer der Augen/ auff ein Tuch gestrichen
unnd daruber gelegt. Gemeldte Artzeney heylet auch die rauhen unebenen Nägel an
den Fingern/ deßgleichen auch die Räude unnd den Grind/ gleichfals ubergelegt.
Von Grieß oder Grießmeel.
Das Grießmeel
haben vor Zeiten Griechenland und ITALIA eine lange zeit an statt deß Brods
gebraucht unnd Brey darauß bereytet/ dann auch die Römer viel jahr lang nur Brey
und kein Brod gessen haben wie PLINIUS LB.18.CA.8. solches bezeuget/ und
spricht/ daß es hernach zum gebrauch der Artzeney verändert worden seye. Grieß
aber ist gröber dann ander Meel/ und wird wie DIOSCORIDES beschreibet
LIB.2.CAP.78. auß Weytzen und Speltz gemacht/ darauß dann Gemüß und Breylein
bereytet werden/ welche uberflüssig nehren/ aber schwerlich im Magen verdäuwet
werden. Daß Grießmeel auß Speltz gemacht/ die vorhin gedörrt worden ist/ stopfft
den Stulgang hefftiger. Vorzeiten hat man den Grieß auch erstlich auß Gersten
gemacht/ ist aber der so auß der Speltz oder Weytzen bereytet/ nutzlicher
befunden worden. Heutiges Tages wirdt solches Meel beide von Speltz unnd Weytzen
hin unnd wider in Ober unnd Nider Teutschland gemachet/ fürnemblich aber am
Rheinstrom auß der Speltz/ da dann dieselbige in grosser menge wächset/ im
Westerreich aber unnd andern mehr Orten da der Weytzen uberflüssig wächst/
deßgleichen auch in Niderteutschland/ wird?s allein auß dem Weytzen gemacht/
darauß bereytet man gute Brey/ etwann mit Wasser/ etwann auch mit Milch/ und
auch bißweilen mit Fleisch oder andern kräfftigen Brühen/ die nehren sehr wol
unnd seynd ein herrliche/ kräfftige Speiß vor arbeitsame Leuth/ die wol
widerhalten unnd kräfftig fütern. Dieses Meel aber wirt von den alten Griechen/
genannt/
unnd scheinet daß es anfänglich seinen Namenmvon der Gersten die da Griechisch
heisset/
bekommen habe. Von den Nachkommen aber/ oder von den neuwen Griechen ist es nit
,
sonden
und
genannt
worden. Lateinisch/ (CRIMNUM), PULTARIUM, PULS, PULTICULA und FARINA CRASSIOR.
Teutsch/ grieß und Grießmeel/ sintemal es eine gestalt wie ein Sand hat.
Von Kinderbreylein.
Auß dem reyn
gemalene/ wol gebeutelten Speltzenmeel machten die Alten ein Müßlein einem
dünnen Breylein ähnlich/ welches von den Griechen
und
genannt
wardt/ welches wie PLINIUS LIB.22.CAP.ULTIMO. bezeuget/ ein Egyptisch Wort ist/
seye aber doch gleichwol von den Griechen angenommen worden/ daher es auch noch
heutiges Tages von den Lateinischen auch ATHARA oder ATHERA genennet wird/
Dieses haben die Alten nicht allein die jungen Kinder damit zu Speisen
gebraucht/ sonder auch zu den Pflastern. Solche und dergleichen Breylein werden
heutiges Tages nicht allein bey uns auß dem gebeutelten Speltzenmeel/ sondern
auch auß dem Weytzenmeel bereytet/ zur Speiß unnd Nahrung der jungen Kinder.
AETIUS saget daß man sie auch auß dem Krafftmeel machet/ und PLINIUS auß dem
Meel deß Amelkorns. IULIUS POLLUX nennet den Brey von Hirschenmeel gemacht auch
ATHERAM. Die armen Leuth nin Teutschland machen auch diese Breylein auß Rocken
und Heydenkornmeel mit Wasser/ Bier oder Milch/ wie es ein jedes seiner
Gelegenheit nach haben kan. Dergleichen Breylein werden bald verdäuwet/ nehren
zimlich und bald/ derowegen sie ein gute Speiß vor die jungen Kinder und alte
betagte Leut seind/ die auß mangel der Zähn das Brot und andere Kost nit wol
käuwen können.