1 / 592
DINKELBROT
VON DEM SPELTZENBROD.
Auß dem wolgebeutelten Speltzenmeel macht man ein herlich schön Weißbrod oder Semelwerck am Rheinstrom/ wie man solches sonst an andern Orten auß dem Weytzenmeel zu backen pflegt/ welches außerhalb deß Weytzenbrods vor allem andern Brod/ so auß andern Früchten gebacken wird den preiß hat/ wie es auch dann sehr künstlich und wol bereytet unnd gebacken wird/ ist aber etwas lücker und milter dann das Weytzenbrod/ ist lieblich unnd anmutig zu essen wann es noch frisch ist/ so es aber uber zween Tag alt wirdt/ so wird es zähe unnd ungeschmack/ unnd ist auch schwerlicher zu däuwen.
Von den Namen deß
Speltzenbrods.
Das Speltzenbrodt
sonderlich das auß dem Semelmeel der wolgebeutelten Speltzen gebacken wird/ hat
einen gemeinen Nahmen bey den Griechen mit dem Weytzenbrod daß auß dem Semelmeel
deß gemalenen Weytzens bereytet wird/ und wird Lateinisch genant/ SEMIDALITES
PANIS, Teutsch/ Speltzensemeln und Simelwerck. Das gemein Speltzenbrod heist
Lateinisch/ SPELTACEUS oder ZEACEEUS PANIS. Teutsch/ Speltzenbrod. Dieses Brod
wird durch die Becker an vielen Orten die dem gewinn nachtrachten durch die
Kunst zugericht/ daß es so groß und scheinbar wird/ thut sich auff und wird
luckechtig wie ein Schwamm/ das wird Lateinisch genannt/ PANIS SPONGIOSUS.
Hochteutsch/ schwammechtig Brod.
Von der Natur/
Krafft/ Wirckung und Eygenschafft deß Speltzenbrods.
Das Speltzenbrod nehret weniger als das Weytzenbrod/ unnd ist am
anmütigsten zu essen/ und auch verdauwlicher wann es eines Tages alt ist/ so es
aber älter/ wirdt es undäuwlich unnd gibt sehr geringe Nahrung. Das
schwammechtig Speltzenbrodt ist ungesund/ machet viel Windt im Leib unnd blähet
den Bauch auff/ wird darzu schwerlich abgedäuwet.
Jnnerlicher Gebrauch
deß Speltzenbrods.
Auß der Brossam deß Speltzenbrods machet man allerhand gute Breylein
unnd Müßlein wie auß dem Weytzenbrod mit Milch/ Mandelmilch/ Hüner oder
Fleischbrühen/ oder mit Wein/ Bier unnd Zucker/ allerdings wie wir oben von dem
Weytzenbrod meldung gethan haben/ die nehren alle wol und kräfftiglich/ werden
beide vor gesunde unnd krancke Menschen nutzlich zugericht.
Ein Brey von geröschtem Speltzenbrod mit Milch oder Hünerbrühen
zugericht/ ist ein edle Artzeney unnd Speiß vor die Bauchflüß und Durchläuff/
unnd sonderlich aber vor den Leberfluß.
Eusserlicher Gebrauch
deß Speltzenbrods.
Die Brossam von Speltzenbrodt mit Milch die frisch gemolcken ist/
unnd mit Rosenölen zu einem Pflaster gesotten/ zertheilet die Knollen von
erstockter Milch inn der Weiberbrüsten/ auff ein Tuch gestrichen unnd warm
ubergelegt.
Wider das schmertzliche Seitenstechen unnd Geschwer/ PLEURITIS
genannt: Nimb ein Speltzen neuw gebackenbrod/ schneide das mitten von einander/
unnd salbe beide Theil innwendig mit dem allerbesten Theriack/ mache sie warm
uber einer Glut/ unnd leg ein Theil also warm uber das schmertzhafftig Ort/ und
das ander Theil auff den Rücken stracks dagegen heruber/ die binde darnach wol
mit einer bequemen Binden/ damit sie nit abfallen/ lasse sie also xii. Stunden
liegen/ und thue das so lang biß das Geschwer breche/ wann es nun auffgangen
ist/ so thue das Brod hinweg/ unnd Gebrauch Artzeneyen die da weydlich machen
außwerffen und die Brust und Lungen reynigen.
Wider das erbrechen und undäwen: Röschte ein Speltzenbrod auff Kolen
biß daß es braun wird/ weyche es in Essig/ thue darzu zwey loth gepülverten
Mastix mehr oder weniger/ nach dem deß Brods viel oder wenig ist/ und Narden und
Mastixölen so viel genug ist/ seude diese miteinander zu einem Pflaster/ streich
darvon auff ein Tuch unnd legs uber das Hertzgrüblein und den Magen warm/ daß
wird das erbrechen bald legen.